Völkerverluste Winter 2014/2015

  • Hallo Debora!


    Darf ich dich fragen, wie du genau auf Nosema gekommen bist? Mich würde das bloß interessen, weil doch normalerweise, bienenleere Beuten (mit noch einiges an Futtervorräten) meistens immer als Varroaschadbild erklärt wird. Hast du das im Labor untersuchen lassen? Oder selber (bloß könnte ich da jetzt nicht zwischen den Nosematypen unterscheiden, unter'm Mikroskop)?


    Ein typisches Nosemaschadbild ist doch stark verkotete, stinkende Waben bzw. verkotete (helle bzw. weiße Farbe) Fluglöcher oder in der Umgebung. Auch viele klumpe, schwer bewegende Bienen müsste man sehen.


    Versteh mich nicht falsch Debora, ich will da jetzt nicht irgendwas korrektieren, nur hätte ich gerne mehr von deiner Analyse erfahren :wink::)


    LG
    Michi

  • Hallo Michi,
    wir haben es in Tschechien untersucht. Es ist eine Kombination von Viren und Nosema Apis und Ceranae. Das Problem liegt darin, dass wir gewöhnt sind alles nur auf die Varroa zurückführen und als Varroaschaden betrachten. Klar begünstigt Varroa jede Erkrankung, jedoch ist sie nicht nur als Verursacher, sonder viel mehr als Indikator des Gesundheitszustands des Bienenvolks, zu betrachten. Nosema Sporen sind in jedem Bienenvolk und unter normalen Umständen kommt das Bienenvolk damit klar. Sie verbreitet sich schnell im Frühjahr und Sommer, dann kann man die Typischen Merkmale beobachten. Kritisch wird es erst bei Trachtmangel, im Herbst, oder nach Herbstfütterung in Kombination mit Viren. Erkrankte Bienen fliegen raus und kommen oft nicht mehr zurück. Wenn es Imker bemerkt, ist es meistens zu spät und dann ist es nur Frage von ein paar Stunden, bis die Bienenbeute vollkommen leer ist. Bei Ausbruch Nosema Ceranae kollabiert ein Bienenvolk innerhalb von 3 Wochen nach einem Herbstfütterung, womöglich wird er noch vorher ausgeraubt und so verbreitet sich die Erkrankung weiter. Für Diagnose Nosema reicht ein Schülermikroskop mit einem 750x Vergrößerung aus.
    Inzwischen planen Imker bis zu 4 Varroabehandlungen im Laufe des Jahres ein. Das ist zu viel Stress für die Bienen. So ist der Nährboden für die Verbreitung von Viren und Nosema gelegt, zumal wird auch Krankheit sensitive Varroa und Bienenvölker vermehrt. Wir sollten wieder lernen nur gezielt und punktuell Behandeln.
    Schöne Grüße
    Debora

  • Hallo Debora!


    Lieben Dank für deine rasche Antwort.
    Ja, da hast du natürlich Recht, man schiebt gerne vieles auf die Varroa. Vor allem das Unsichtbare kann man meistens als Mensch nicht einschätzen, wie Nosema in diesem Falle, aber an dieser Stelle muss man wohl auch die Umweltgifte und Pestizide allgemein auch erwähnen, meiner Meinung nach ist das der Hauptgrund warum es so schlimme Winterausfälle, und zwar jeden Winter, gibt. Den Rest machen die Milben, oder all die Bienenkrankheiten, die immer in einem Bienenstock vorkommen, nun aber plötzlich Überhand gewinnen können.


    Mein Beileid bzgl. deiner Verluste!


    LG
    Michi

  • Hallo Michi,
    danke für Dein Mitgefühl, aber so ist die Natur. Im April 2014 hatte ich aus dem Bienenkorb Notschwärme, dass heißt DWV und Nosema. Mein Bienenvolk hat versucht das Problem ähnlich der Apis Cerana durch Schwärmen zu lösen. Sie hat zwei Schwärme geworfen (1. und 16.4.). Ich habe dann versucht den restlichen Volk im Bienenkorb noch durch Abtrommeln in einen neue Bienenkorb zu rehabilitieren, aber das ist wahrscheinlich mangels Drohnen und Brut misslungen. Nun konnte ich nur den Vorschwarm einwintern.
    Schöne Grüße
    Debora

  • Hallo zusammen,


    im Dezember schon Völkerverluste zu ermitteln war mir etwas zu früh. Was aber jetzt noch lebt und auf ausreichend Futter sitzt,
    sollte ganz gute Karten haben.


    Also mein Zwischenstand lautet von 12 eingewinterten Völker sind 2 eingegangen. Davon eines wegen einer leider ungenügenden Mäusesicherung :evil: .
    (Die Beweislage ist leider eindeutig...)


    Alle haben viel Kondenswasser. Sind also entsprechend beschäftigt und verbrauchen viel Futter. Darauf legen ich jetzt mein regelmäßiges
    Augenmerk, damit nicht noch eins verhungert. Waben ziehe ich aber noch nicht - ich hebe die Kästen nur leicht an und nehme die Folie
    kurz ab und schaue. Futterwaben stehen in Bereitschaft.


    Gruß Heiko

  • Zitat von Heiko

    Hallo zusammen,


    im Dezember schon Völkerverluste zu ermitteln war mir etwas zu früh. ...


    Hallo Heiko,


    da hast du natürlich recht. Die endgültigen Verluste ließen sich im Dezember noch nicht abschätzen.
    Aber das Thema bezieht sich ja laut Titel auch auf den gesamten Winter 14/15.


    Bei mir war und ist der Stand so, dass meine Verluste (bis auf einen) schon zur OS-Behandlung im Dezember feststanden. Alle dort noch lebenden und starken Völker sind auch jetzt noch gut dabei. Die werden es sicher schaffen. Lediglich eines ist seitdem noch auf der Strecke geblieben. Das besetzte im Dezember aber auch nur noch 3 Wabengassen auf vielleicht 12 cm Länge.


    Ende letzter Woche (als bei mir der Reinigungsflug stattfand) hab ich auch bei allen Völkern den Futterstand überprüft. Lediglich mein einziges einzargiges Volk hatte quasi nichts mehr, war aber irre stark. Da es in der Zarge ganz oben saß und die Temperaturen ein Überlaufen in eine neue Zarge erlaubten, habe ich einfach eine Zarge mit aufgewärmten Honigwaben vom letzten Jahr aufgesetzt. Am nächsten Tag waren alle Bienen oben und sind von allen Völkern am besten geflogen. Sorgen mache ich mir da nun auch nicht mehr.


    LG Johannes


    Zuchtkoordinator des Landesverbandes Dunkle Biene Sachsen

    http://www.dunkle-biene-sachsen.de
    Eine Mitgliedschaft in unserem Landesverband wäre ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Selbstverständlich sind auch überregionale Mitglieder sehr willkommen!


    Bestellungen bitte per Mail, da mein Bestellformular derzeit nicht funktioniert. dunkle-biene(at)freenet.de

  • Ein herzliches Hallo an Alle,


    habe heute bei schönstem Sonnenschein alle Völker schnell durchgesehen.
    Mein Ertragstärkstes ist eingegangen. Nur leere Waben und tote Bienen.


    Vorsorglich haben alle Anderen je ein umgestülptes Glas Honig auf Teller mit Hölzchen aufgesetzt bekommen.
    Nach einer Stunde waren alle behutsam am Ernten - 5 bis 20 Bienen.
    Hatten also noch Vorräte.
    Bei zwei Völkern war das Honigglas von einer Traube umlagert.
    Das wären sicherlich die nächsten Todeskandidaten gewesen.


    Nächstes Jahr werde ich wohl 14 Tage eher nachsehen.


    Ich wünsche allen ein erfolgreiches Frühlingserwachen
    Jörg

  • Hallo allerseits,


    nun auch von mir ein kurzes Resümee, nachdem ich heute meine Völker erstmalig nach dem Winter begutachten konnte. Ich mache es kurz:


    Alle Hauptvölker und alle Ableger, die der Dunklen Biene zugehörig sind, haben überlebt. Auch alle eingewinterten Korbvölker, das Klotzbeutenvolk und der 2014 wiederbesiedelte Beobachtungsstock. Ein herrlicher Anblick. Auch die Völker, von denen ich es nicht vermutet hatte, sind am Leben. Selbst der Ableger, der im Herbst kein Futter annahm und den ich über Winter mit Futterteig gefüttert hatte, erfreut sich bester Gesundheit. Lediglich von meinen 5 eingewinterten Sicula-Völkern haben es bislang zwei nicht geschafft. Grund: Die Erbrütung der Winterbienen erfolgte zu spät.


    Ich bin mehr als erfreut! Alle Zuchtmütter sind am Leben. Besonders freue ich mich auch über meine Norwegerin im Melporit-Kasten. :P


    LG
    Kai



    [attachment=0]ableger-2015-dunkle-biene.jpg[/attachment]

  • Hey Kai,


    das sind ja wirklich gute Nachrichten!
    So viel Erfolg bei der Überwinterung ist sicher nicht selbstverständlich. Ich hatte da ja deutlich mehr Verluste. Aber ich denke, ich weiß, was ich für Fehler gemacht habe. Das passiert hoffentlich nicht wieder.


    Meinen Plänen für die Nachzucht steht zum Glück aus heutiger Sicht nichts im Wege. :D


    LG Johannes


    Zuchtkoordinator des Landesverbandes Dunkle Biene Sachsen

    http://www.dunkle-biene-sachsen.de
    Eine Mitgliedschaft in unserem Landesverband wäre ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Selbstverständlich sind auch überregionale Mitglieder sehr willkommen!


    Bestellungen bitte per Mail, da mein Bestellformular derzeit nicht funktioniert. dunkle-biene(at)freenet.de

  • HAllo Johannes,


    ja, Fehleranalyse ist immer das wichtigste, um daraus zu lernen und solche künftig zu vermeiden. Doch: Fehler macht man immer wieder, da die Imkerei so vielfältig ist. Das macht das ganze ja auch interessant. Es gibt immer etwas neues zu entdecken. Kein Imker lernt je aus!


    LG
    Kai

  • Ein Hallo in die Runde,
    Ich freue mich über so gute Nachrichten von Kai. Leider reihe ich mich bei den Verlusten mit ein. Meine einzige Norwegerin hat leider die Os-Behandlung nicht überlebt, ebenso 3 weitere Carnika Völker. Wir hatte 18 Völker eingewintert und im Herbst noch eine 4. AS-Behandlung durchgeführt. Mein Norwegervolk hatte als einziges Volk Kotspuren auf dem Flugbrett und auch auf den Waben. Eine genauere Analyse habe ich dann nicht gemacht. Ob nun Nosema oder "nur " der Stress der OS Schuld sind, kann ich nicht sagen. Die Erklärung von Deborah finde ich aber schlüssig.
    Auf jeden Fall bin ich ziemlich geknickt und werde mich dieses Jahr auf meine verbliebenen Völker begrenzen und von den besten mal versuchen einige Königinnen nach zu ziehen. So zu sagen zu üben, bevor ich mit teuren Reinzuchtvölkern in die Vermehrung gehe.
    Die Freude ist aber nach wie vor groß, wenn im Garten ein kräftiges Summen in der Luft liegt, auch wenn die Dunkle Biene bei mir erstmal nicht mehr dabei ist. Ein Besuch auf Nordstandischmoor werde ich wohl verschieben.


    Ich wünsche allen ein erfolgreiches lebendiges Auswintern
    herzliche Grüße
    Rolf