Alternativen zur Ameisensäure

  • Thymol-Strips (Thymovar) klangen so verheißungsvoll. Habe ich mehrere Jahre hintereinander angewendet, brachten aber nicht den Erfolg. In einem der Winter hatte ich 60% Völkerverluste, trotz einem vorschriftsmäßigen Gebrauch von Thymovar. Schade, ich fand die Idee eigentlich sehr schön.


    Warum hat's nicht funktioniert? Ich denke, es war zu feucht und zu kühl, bei Holzbeuten, die ich damals noch besaß, keine gute Voraussetzung. Ob Thymovar bei Segebergern besser funktioniert? Halte ich nicht für unmöglich.


    LG

    Kai

  • Der seelige Hans Beer (Stichwort: Angepasster Brutraum) ist der einzige mir bekannte Imker, der Thymol ueber viele Jahre wohl mit Erfolg verwendet hat. Allerdings nicht zu Hauptentmilbung im Sommer (da nahm er "Bienenwohl", also letzlich OX), sondern um das Milbenwachstum in den bereits entmilbten Voelker waehrend des Herbstes bis zur Winterbahandlung zu bremsen, damit er nicht nochmal mit AS ran musste (er hat uebrigens die AS als den Hauptgrund fuer Winterverluste verantwortlich gemacht, weil sie zu oft zu schlecht wirkt bzw. die Voelker zu sehr schwaechte...).


    Was mich persoenlich am Thymol am meisten stoert: Das Zeug geht wie verrueckt ins Wachs, wesentlich schlimmer wie Bayvarol & Co. Und nein, das angebotene Thymol kommt nicht vom Thymianstrauch sondern aus dem Chemiereaktor. Das Wirkungs:Nebenwirkungsverhaeltnis ist dort m.E. wesentlich schlechter wie beim Flumethrin (das wurde m.W. bei richtigerAnwendung noch nie im Wachs nachgewiesen, Bayer ist diesbezuegich (Dosierung) aber auch uebervorsichtig).

  • Ich verwende Thymovar. Letztes Jahr sind von sieben Völkern sechs ohne Probleme durch den Winter. Hab nach Anleitung behandelt. Die Temperaturen bei der Behandlung haben gepasst, denke hier is auch oft der Knackpunkt. Wirkung is da , glaub ich, sehr schwankend. Finde, es ist sehr bienenverträglich. Hat alles Vor/Nachteile. Im Frühjahr war von dem Geruch nichts mehr feststellbar. Generelle Anreicherung im Wachs is wieder ein andres Thema. Bin auch noch am Grübeln , wie ich es die nächsten Jahre halte...


    Gruß

  • ...Wie in dem anderen Thread schon angedeutet möchte ich nächstes Jahr nicht mehr mit der Ameisensäure behandeln. ….

    Weil es gerad so aktuell ist. Der Grund für den Verzicht auf Ameisensäure ist in folgenden Punkten zu sehen:


    • Ameisensäure ist eine stark ätzende, grundsätzlich gefährliche Säure für Mensch, Tier und Pflanze
    • der Grat zwischen Varroatoxizität und Bienengefährlichkeit ist sehr schmal
    • leichte Überdosierung führt zu Brutverlusten
    • Königinnenverlust ist jederzeit möglich
    • die Wirksamkeit ist mehr oder weniger stark von der Temperatur und der Luftfeuchte abhängig.


    Dies nur mal als Erinnerung.


    LG

    Kai

  • Fuer die AS spricht:


    - ihre hohe Fluechtigkeit; die reichert sich nirgendwo auf Dauer an, weder im Wachs noch im Honig

    - sie ist kein Fremdstoff, weil natuerlich im Honig vorhanden

    - ihre Wirkung in die verdeckelte Brut hinein (die Milben fiden nur begrenzt Schutz im Futtersaft)

    - ihre recht gute Vertraeglichkeit gegenueber den adulten Bienne (man kann die selbe Bienengeberation 1x mit AS und 1x mit OX behandeln, ohne dass es dabei zu signifikanten Problemen kommt -> Vgl. 2x OX im Winter...)

    - ihre schnelle Wirksamkeit (bspw. im Vergleich zu Thymol)


    Im Prinzip sind alle Mittgel und Methoden gegen die Milbe Werkzeuge, die fachkundig gewahlt und gefuehrt sein wollen. Jeder muss fuer seine Lage/Betriebsweise/Voelkerzustaende das Richtige zur rechten Zeit tun. Und das bedarf Wissen+Erfahrung+Nachdenken. Wuerde es ein Universalkonzept geben, haetten wir kein Milbenproblem.

  • Ich bin gerade ueber ein interessantes, aelteres Video gestossen: Die sog. "Partnervolkmethode nach Friedreich Frick".


    Im Prinzip geht es darum, dass bereits waehrend der Tracht die Varroamilben ohne den Einsatz von TAM's effektiv reduziert werden soll.


    Im Prinzip macht man aus je 2 Wirtschaftsvoelkern mittels TBE einen Sammelbrutableger. Sowohl die brutlosen Voelker wie auch der Sammelbrutableger erhalten in der naechsten Zeit (bis zur Verdeckelung der ersten frischen Arbeiterinnenbrut) Stuecken offener Drohnenbrut (sog. "Koederstuecke"), in denen sich die vermehrungsfreudigen Milben nieder lassen sollen. Diese (und damit die Milben) werden dann nach dem Verdeckeln ausgeschnitten.


    Ich finde das einen recht interessanten Ansatz, auch weil er eine "Schlechtestenauslese" der Milben bewirkt. Mich wuerde mal interessieren, ob diese Methode wissenschaftlich geprueft wurde.

  • Hallo,


    ich finde die Ideen die bisher zusammengetragen wurden sehr interessant und danke euch, dass ihr diese mit uns teilt.


    Ich habe mich die letzten Tage noch mehr in das Thema eingelesen und mir mein Konzept für nächstes Jahr schon mal zusammengestellt. Eigentlich ist es genau das, was ich schon im ersten Post angekündigt hatte. Ich möchte nächstes Jahr bei einigen Völkern die Variante TBE und OXS sprühen anwenden und die anderen mit VarroMed behandeln.


    Die TBE mache ich, da ich sowieso meine Völkerzahl erweitern möchte. Es passt mir also ganz gut ins Konzept. Über VarroMed liest man ja alles mögliche und viele sind auch nicht ganz überzeugt von der Anwendung. Ich möchte mir allerdings meine eigene Meinung bilden und finde es gut wenn es neue Ansätze zur Behandlung gegen die Varroa gibt.


    Grüße, Max

  • Über VarroMed liest man ja alles mögliche und viele sind auch nicht ganz überzeugt von der Anwendung. Ich möchte mir allerdings meine eigene Meinung bilden und finde es gut wenn es neue Ansätze zur Behandlung gegen die Varroa gibt.

    Diese immer neuen Medikamente ohne neue Wirkstoffe stellen keine echte phamazeutische/pharmakologische Innovation dar (wo ist der "neue Ansatz"?) und wirken vor allem auf den Konten der Erzeuger und Händler. Siehe dazu auch: https://www.bienenjournal.de/a…-taugen-die-neuen-mittel/


    Habe mich sogar mit dem Lithium(chlorid) beschäftigt und bin inzwischen soweit, daß ich das nach der Honigernte, konkret in der brutfreien Zeit, mal wagen würde. Aber nicht dieses Jahr mehr.

  • Bezueglich der neuverpackten alten Wirkstoffe gebe ich Dir Recht.


    Ich wuerde mich nicht trauen, Lithium bei Wirtschaftvoelkern einzusetzen. Weil man im Moment noch nicht sagen kann, ob es bzw. in welchem Umfang es im Honig landet. Lithium kann zu Missbildungen/Schaden in der Schwangerschaft und Stillzeit fuehren. Also absolute Vorsicht, es braucht kein zweites Gruenenthal!!!


    Ich sage immer, "Wer weiter kommen will, muss mitunter ein Stueck in den Graubereich gehen. Aber!, wer in den Graubereich geht, muss auch *sehr genau* wissen, was er da tut." Wuerde ich ueber die entsprechende Analysetechnik verfuegen, wuerde ich mit Lithium auch einmal experimentieren. Besitze ich aber nicht. Und deshalb ueberlasse ich das lieber den Leuten, die ueber die technischen und wissenschaftlichen Moeglichkeiten verfuegen. Alles andere ist, unabhaengig von gesetzlichen Bestimmungen, mind. grob fahrlaessig.


    Auch sehe ich im Moment noch nicht, was ich mit einem Lithiumsalz derzeit besser kann, wie mit den aktuellen Moeglichkeiten. 90% Wirkungsgrad sind mir zu wenig. Erst ein MIttel, mit dem wir die Biester sicher und vollstaendig aus den Voelkern entfernen, stellt einen Fortschritt dar. Und bis dahin verlasse ich mich lieber auf die Kombination von biotechnischen Massnahmen mit zugelassenen TAM. Zwar aufwendig, aber durchaus zuverlaessig. Ob das fuer die Zukunft reicht, ist allerdings ungewiss...

  • Ich wuerde mich nicht trauen, Lithium bei Wirtschaftvoelkern einzusetzen.

    Naja, erstmal bei einem Volk testen. Las mich mal dazu ein. Dosis als Richtwert 1g LiCl / l H2O, in Zuckerwasser. Nur sehr wenige Tage damit füttern. Wieviel wird ein Bienenvolk davon aufnehmen, wie groß die Gesamtmasse des Lithiums im Volk sein? Wieviel wird davon in den Honig gelangen (falls überhaupt etwas vom Zuckerwasser eingelagert wird, wird es über den Winter wahrscheinlich auch wieder verzehrt). Dagegen haben die beiden Lithiummedikamente schon in der Einzeldosis 0,4 bzw. 0,45 g Li2C3 (genauer Lithiumanteil läßt sich leicht berechnen).


    Worauf ich hinausmöchte: Das Lithium wird nur in Spuren im Honig nachweisbar sein können, in Konzentrationen, wie sie auch manche freiverkäufliche Mineralwässer aufweisen.

  • Was mich persoenlich am Thymol am meisten stoert: Das Zeug geht wie verrueckt ins Wachs, wesentlich schlimmer wie Bayvarol & Co. Und nein, das angebotene Thymol kommt nicht vom Thymianstrauch sondern aus dem Chemiereaktor. Das Wirkungs:Nebenwirkungsverhaeltnis ist dort m.E. wesentlich schlechter wie beim Flumethrin (das wurde m.W. bei richtigerAnwendung noch nie im Wachs nachgewiesen, Bayer ist diesbezuegich (Dosierung) aber auch uebervorsichtig).

    Thymol geht zwar sehr gut ins Wasser, verlässt das Wachs aber genauso gut wieder. Das ist der Unterschied zum Flumethrin und Amitraz (hier die Abbauprodukte), dies reichert sich langfristig im Wachs an. Bei dem Nachweis Fim Wachs hast du wohl Flumethrin mit Amitraz verwechselt, Flumethrin ist sehr persistent, wirkt zwar super gegen die Milben, ist allerdings dummerweise auch stark resistenzbildend.

  • Bei dem Nachweis Fim Wachs hast du wohl Flumethrin mit Amitraz verwechselt

    Ich denke, nein. Aber 5 Wissenschaftler, 7 Meinungen...


    Das Resistenzproblem ist tatsaechlich vorhanden. Wenn man sich den Wirkmechanismus von Flumethrin vor Augen fuehrt, versteht man auch, wie es dazu kommt. Die Biester (Milben) werden von dem Wirkstoff quasi "besoffen" und fallen runter (und krabbeln dann noch eine Weile rum). Wenn Sie allerdings latent einer geringen Dosis ausgesetzt sind, gewoehnen sie sich dran (so wie der Saeufer an den Alkohol). Dies gilt es zu vermeiden.


    Deshalb ist es wichtig, dass die Streifen:

    a) nicht zu lange im Volk bleiben (ich entferne sie nach 3 Wochen)

    b) das Mittel nicht regelmaessig angewendet wird

    c) es mit anderen Mitteln/Methoden kombiniert wird

    d) nach einem Flumethrineinsatz eine weitestgehende Bauerneuerung stattfindet

    e) Wachs, das mit Flumethrin in Beruehrung gekommen ist, nicht zurueck in den Wachskreislauf gelangt.


    Ich moechte jetzt kein "hohes Loblied" auf das Flumethrin singen, auch wenn das vielleicht so klingt. Dafuer ist der Wirkstoff zu problematisch. Aber ich sehe der Tage auch mal wieder, wie effektiv es bei richtiger Anwendung gegen die Varroa wirken kann, ohne die Bienen dabei erkennbar zu schaedigen.

  • Jup, es wirkt super, v.a. auch gut nach AS im August als Behandlung im September.


    Aber wie schon gesagt da darf man es nur alle paar Jahre nutzen.


    Wichtig dabei aber eine strenge Trennung von Brut und Honigwaben, Brutwaben dürfen danach niemals in den HR kommen (in der EU ausdrücklich verboten, genau wie bei Amitraz oder Coumaphos(Perezin)).

    • Ameisensäure ist eine stark ätzende, grundsätzlich gefährliche Säure für Mensch, Tier und Pflanze
    • der Grat zwischen Varroatoxizität und Bienengefährlichkeit ist sehr schmal
    • leichte Überdosierung führt zu Brutverlusten
    • Königinnenverlust ist jederzeit möglich
    • die Wirksamkeit ist mehr oder weniger stark von der Temperatur und der Luftfeuchte abhängig.

    Ich verstehe eure Kritikpunkte an der Ameisensäure. Jedoch muss ich erwähnen, dass bei richtiger Anwendung (gelernt im Varrroakurs Bad Segeberg) viele der Punkte minimiert werden können. Ja, Königinnenverlust und ein (wie ich finde geringer Brutverlust) speziell bei geringer Überdosierung musste ich auch schon kennenlernen. An diesem Tag letztes Jahr wurde es unangekündigt doch noch sehr heiß in der Nacht. Aber ansonsten, finde ich, gelten Säuren generell als ätzend und überdosieren kann man jeden Stoff. Gerade den angesprochenen Brutverlust finde ich nicht sehr tragisch. Klar Bienenleben "vergeudet", aber was passiert denn bei der TBE? Wenn ich es mir richtig vorstelle, stirbt die Brut hierbei ja auch oder?

    Wirksamkeit Temperatur und Luftfeuchte: ja leider. Aber leider sind auch in den meisten Bundesländern nur 60% AS zugelassen. Ich finde mit zumindest 2 verschiedenen Prozentigkeiten, hätte man eine deutlich bessere Handhabe je nach Witterung. Speziell in Kiel wird es selbst im August manchmal schwer, über 20°C zu kommen.

    Wie gesagt, stimme ich den Kritikpunkten generell zu, aber ich kann auch stolz berichten: bei mir ist noch kein Volk an Varroose eingegangen. Klar, es sind erst 3 Jahre, die ich imkere. Aber es liegt sicherlich auch daran, dass ich mich vorab und während der Anfangszeit umfassend informiert habe, wie zu behandeln ist.


    - ihre recht gute Vertraeglichkeit gegenueber den adulten Bienne (man kann die selbe Bienengeberation 1x mit AS und 1x mit OX behandeln, ohne dass es dabei zu signifikanten Problemen kommt

    Hier möchte ich auch noch erwähnen, wie ich die AS anwende. 3-5 Mal sind das Ziel, nicht 1 Mal. Und im Winter 1-malig die OS. So habe ich es im Varroakurs gelernt und so macht es für mich auch am meisten Sinn. AS-Applikation mindestens 3 Mal hintereinander mit je 3-4 Tagen Pause dazwischen. Diese Behandlung ist auf den Lebenszyklus der Milbe abgestimmt, sodass auch die Milben, die sich verstecken können, da z.B. jung und im Futtersaft, an einem Punkt der Behandlung außerhalb der Brutzelle sind. Dann Winterauffütterung und am besten nochmal 2 Mal AS-Applikation, um restliche oder wieder eingeführte Varroen zu töten. Meist schaffe ich nur 3 Mal insgesamt. Und für die, die meinen das sei zu viel... das Gros der Bienen überlebt die Behandlung und den Winter und bis auf geringen Brutverlust und eine Königin hatte ich keine Verluste mit AS. Dieses Volk konnte ich mit einem anderen vereinigen und gut war.

    Die meisten Bienen überleben und die meisten Varroen sind tot. Das ist mein Ziel und statt Völkerverlust ist mir das den Aufwand wert.


    Ich bin sehr gespannt, wie das Ganze mit der Dunklen Bienenkönigin ablaufen wird, die ich diesen Monat zum Kennenlernen für's nächste Jahr bekomme. Die AS Behandlung ist da eigentlich schon durch und aufgrund der Legepause, die mein Empfängervolk gerade durchmacht, werde ich diesem Volk die 2 Male AS nach dem Füttern ersparen. Die lange Brutpause im Winter ist ja schon ein entsprechendes natürlich eingebautes Hindernis für die Varroa, von daher hoffe ich, dass dann auch die OS Behandlung eine bessere Chance hat.


    Grüße

  • Klar Bienenleben "vergeudet", aber was passiert denn bei der TBE? Wenn ich es mir richtig vorstelle, stirbt die Brut hierbei ja auch oder?

    Nein. Die schluepft in einer anderen Kiste und zieht sich dort eine neue Koeniginn heran. Die dabei entstehende Brutpause nutzt man geschickt zur schonenden Behandlung gegen die Milbe. Da einige Tage absolut keine Brut vorhanden ist, koennen sich die Milben nirgendwo verstecken. Das ist der ganze Trick. Und dieser ist vollkommen vom Wetter und von der Luftfeuchtigkeit unabhaengig.