Das "neue Umweltverständnis der Imker"

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Moderator: Johannes

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Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Donnerstag 11. Juni 2015, 17:18

Hallo allerseits,

in letzter Zeit treffe ich häufiger auf ein Umweltverständnis mancher Imker und auch sonstiger Mitbürger, das mir die Haare (hätte ich denn welche) zu Berge stehen lässt:

In Bezug auf die Frage nach der Erhaltung von seltenen Tier- und Pflanzenarten, aber auch Unterarten wie der Dunklen Biene, und auf die Frage nach dem Verbringen von Ökotypen in andere regionale und klimatische Gefilde vernehme ich immer häufiger folgende Einstellungen:

„Genetische Vielfalt ist am besten zu erreichen mit dem Mixen aller Gene.“
„Daraus entsteht dann eine neue Biodiversität.“
„Vor Millionen von Jahren gab es hier Palmen und in den Alpen Muscheln – daher ist alles im Wandel.“
„Deshalb gehört auch die Einführung von Neophyten (Carnica, Buckfast, Waschbär, tropische Ameisen) zur Evolution.“
„Daher ist das Einführen fremder Tiere und Pflanzen kein Problem – sie trägt zur Artenvielfalt bei.“


Speziell zu den Bienen ist zu hören:

„Je verkreutzter die Biene desto besser ist die Bio-Diversität.“
„Reine Rassen wie Carnica und Mellifera sind unnatürlich und bedeuten genetische Verarmung.“
„Reine Rassen sind menschliche Kunstprodukte und daher Märchen von gestern.“
„Nur Kreuzungsbienen sind robust und in der Lage, die Varroa zu überstehen.“
„Die Probleme des Bienensterbens gehen auf die (Rein-) Zucht zurück.“


Nun frage ich mich, woher diese Ansichten kommen. Wer lehrt bzw. lernt so einen Müll? Wie kann sich eine solche Meinung, die auf fehlerhaften Tatsachen beruht, so durch setzen? Hat dies mit dem Internet zu tun und mit dem Halbwissen vieler Hobby-Schreiberlinge? Ist dies nur im Internet so? Schuld der Naturschutzvereine? Aus einem etwaigen Schuldgefühl vor der deutschen Geschichte heraus???

Ich bedauere diesen Verfall von biologischem Allgemeinwissen, dessen Vorhandensein ich von Imkern eigentlich erwarte.

LG
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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Haiko » Donnerstag 11. Juni 2015, 17:42

„Deshalb gehört auch die Einführung von Neophyten (Carnica, Buckfast, Waschbär, tropische Ameisen) zur Evolution.“
[Klugscheisermodus on]
Kleine Verbesserung: "Neophyten" sind Pflanzen, bei Tieren heist es "Neozoen".
[/Klugscheisermodus off]

Zumindest die Aussagen
„Reine Rassen wie Carnica und Mellifera sind unnatürlich und bedeuten genetische Verarmung.“
„Reine Rassen sind menschliche Kunstprodukte und daher Märchen von gestern.“
scheinen mir doch sehr aus der politischen Ecke zu kommen.
Man versucht ja auch seit geraumer Zeit die existenz Menschlicher Rassen zu leugnen um gewisse Entwicklungen zu rechtfertigen oder zu leugnen.
Das eine Kreuzungsbiene robuster gegen die Varroa ist glaube ich kaum bzw. würde eine varroatollerante Biene dann aber nicht mehr in Siedlungsnähe haltbar sein (siehe afrikanisierte Honigbiene).

MfG Haiko
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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Donnerstag 11. Juni 2015, 17:47

Haiko hat geschrieben:
[Klugscheisermodus on]
Kleine Verbesserung: "Neophyten" sind Pflanzen, bei Tieren heist es "Neozoen".
[/Klugscheisermodus off]
DAnke schön Haiko, natürlich hast Du Recht! :P LG. Kai
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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Ole86 » Donnerstag 11. Juni 2015, 22:42

imkerforum-nordbiene hat geschrieben:Nun frage ich mich, woher diese Ansichten kommen. Wer lehrt bzw. lernt so einen Müll? Wie kann sich eine solche Meinung, die auf fehlerhaften Tatsachen beruht, so durch setzen? Hat dies mit dem Internet zu tun und mit dem Halbwissen vieler Hobby-Schreiberlinge? Ist dies nur im Internet so? Schuld der Naturschutzvereine? Aus einem etwaigen Schuldgefühl vor der deutschen Geschichte heraus???
Hallo zusammen, hallo Kai,

bei diversen Vorträgen, welche man sich vermutlich besonders als Jungimker anhört, wurde ich oft durch schlechte Recherche und aus dem Internet kopierte Artikel enttäuscht (Ist also nicht nur im Internet so...). Abgesehen von Gerüchten über die Dunkle Biene, wurde mir schon so manche waghalsige Theorie als Fakt präsentiert und genau hier sehe ich auch das Problem: Vermutungen werden als Fakt dargelegt und nicht weiter hinterfragt. Dieser Trend zieht sich vermutlich nicht nur durch die Imkerei.

In dem Interview mit Pia Aumeier, welches du vor kurzen gepostet hattest, äußerte diese sich sehr kritisch, dass in den Medien am liebsten negative Schlagzeilen veröffentlicht werden. Außerdem lässt auch oft die Quallität der Beiträge zu wünschen übrig. Und genau hier sehe ich das Problem:

Artenschutz ist ein derart kompliziertes und vor allem umfassendes Thema, welches sich eben nicht mal eben googlen lässt. Vor allem muss immer differenziert werden und es kann auch nicht immer nur "richtige" Meinungen geben. Ich vermute besonders die Biene, hat durch den medialen Fokus mit immer mehr Unwahrheiten zu kämpfen, die einen als Imker eher irritieren, denn wir wollen letztendlich ja nur das Beste für diese.

Hattest du denn die Zitate irgendwo kopiert oder sind diese eine Zusammenfassung von allem Quatsch der dir mal so zu Ohren gekommen ist?

Beste Grüße, Ole!

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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Jörn » Donnerstag 11. Juni 2015, 22:56

Hallo,
das ist genauso einzuordnen wie die Sprüche, dass die Carnica, die idealste Biene sei.
Imker mit diesen Aussagen und oder der Aussage dass Mischung besonders resestent sind aus meiner Erfahrung heraus um 70 und unbelehrbar!

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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Heidjer » Freitag 12. Juni 2015, 02:49

Jörn hat geschrieben:Hallo,

Imker mit diesen Aussagen sind aus meiner Erfahrung heraus um 70 und unbelehrbar!
Hallo Jörn
diese Deine Aussage empfinde ich als Beleidigung und verbitte sie mir! Nur weil Du dieses Alter wohl noch nicht erreicht hast, solltest Du doch älteren Menschen höflicher gegenüber treten, sonst wunderst Du Dich eines Tagers, falls Du mal so alt werden solltest, was man Dir dann an den Kopf wirft. -
Es gab mal einen Spruch: "Du benimmst dich, wie die Axt im Walde, immer haarscharf darneben." Auch wenn die Erkrankungen an Demenz zunehmen, so gibt es doch auch ältere MItbürger., die noch denkfähig sind. Übrigens läßt die Lernfähigkeit ab dem 21. Lebensjahr nach, nicht jedoch die logische Denkfähigkeit.
Auch im anonymen Internet sollte man doch gewisse Höflichkweitsformen wahren. - Das war es und ist meinerseits damit auch erledigt.
MbG
Wolfgang, der mal Dampf ablassen musste.

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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Jörn » Freitag 12. Juni 2015, 06:38

Hallo,
Hiermit entschuldige ich mich in aller Form bei allen älteren Imker!
Diese Aussage war zu allgemein !
Bei den Imkern beim mir vor Ort ist das Durchschnittsalter um 70 und generell braucht man bei diesen nicht von Bienenarten anfangen, oder von Mischlingen, da diese extrem in Ihrer Handlung verfahren sind!
Bei den meisten kennengelernten Imkern auch von weiter weg, oder jüngeren Alters spielt zusätzlich aktuell es keine Rolle ob eine Rasse noch Reinheit besitzt, wichtiger ist der Honigertrag, somit Geld verdienen !
Da dies auch bei den Bauern zutrifft werden gerne neue,geldbringende Genpflanzen oder Kreuzungen verwendet, was zwar eine große Mischung ergibt, jedoch ebenfalls aus meiner Sicht bedenklich ist.

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Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Katrin » Sonntag 22. Mai 2016, 06:23

imkerforum-nordbiene hat geschrieben:Hallo allerseits,

in letzter Zeit treffe ich häufiger auf ein Umweltverständnis mancher Imker und auch sonstiger Mitbürger, das mir die Haare (hätte ich denn welche) zu Berge stehen lässt:

In Bezug auf die Frage nach der Erhaltung von seltenen Tier- und Pflanzenarten, aber auch Unterarten wie der Dunklen Biene, und auf die Frage nach dem Verbringen von Ökotypen in andere regionale und klimatische Gefilde vernehme ich immer häufiger folgende Einstellungen:

„Genetische Vielfalt ist am besten zu erreichen mit dem Mixen aller Gene.“
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„Deshalb gehört auch die Einführung von Neophyten (Carnica, Buckfast, Waschbär, tropische Ameisen) zur Evolution.“
„Daher ist das Einführen fremder Tiere und Pflanzen kein Problem – sie trägt zur Artenvielfalt bei.“


Speziell zu den Bienen ist zu hören:

„Je verkreutzter die Biene desto besser ist die Bio-Diversität.“
„Reine Rassen wie Carnica und Mellifera sind unnatürlich und bedeuten genetische Verarmung.“
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„Nur Kreuzungsbienen sind robust und in der Lage, die Varroa zu überstehen.“
„Die Probleme des Bienensterbens gehen auf die (Rein-) Zucht zurück.“


Nun frage ich mich, woher diese Ansichten kommen. Wer lehrt bzw. lernt so einen Müll? Wie kann sich eine solche Meinung, die auf fehlerhaften Tatsachen beruht, so durch setzen? Hat dies mit dem Internet zu tun und mit dem Halbwissen vieler Hobby-Schreiberlinge? Ist dies nur im Internet so? Schuld der Naturschutzvereine? Aus einem etwaigen Schuldgefühl vor der deutschen Geschichte heraus???

Ich bedauere diesen Verfall von biologischem Allgemeinwissen, dessen Vorhandensein ich von Imkern eigentlich erwarte.

LG
Kai
Wer so denkt, hat nichts aus den Fehlern dazugelernt. Wann immer der Mensch eingreift geht es schief und die Tragweite ist meistens schlecht bis gar nicht durchdacht. Dazu fällt mir grade die Aga-Kröte ein, die in Australien zur Schädlingsbekämpfung eingeführt wurde und jetzt selbst als Plage gilt. Nebenbei hat sie auch andre einheimische Arten verdrängt/ausgerottet, was jetzt bejammert wird.
„Daher ist das Einführen fremder Tiere und Pflanzen kein Problem – sie trägt zur Artenvielfalt bei.“[/i]
Beispiel zu den Bienen ist hier die Varroa oder der Beutenkäfer, noch ist die Tragweite hier nur zu erahnen, aber "gut" wird es denke ich nicht ausfallen. :?

LG Katrin

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Rene K.

Re: Das "neue Umweltverständnis der Imker"

Beitrag von Rene K. » Mittwoch 1. Juni 2016, 10:36

Also ich persönlich bin da auch seht eingefahren in meiner Meinung, wenn auch noch jüngeren Semesters.
Ich bin ein klarer Gegner z.B. des ganzen gentechnisch manipulierten Saatgutes. Monsanto und Co reden immer von den positiven Eigenschaften und von Langzeitstudien? Was für Langzeitstudien? Empirisch....Langzeit ....auf langen Erfahrungen basierte Beobachtungen...geht garnicht. Die können garnicht wissen wie das auf Mensch und Tier wirkt auf lange Zeit gesehen. Wenn der Mist erstmal in der Nahrungskette ist und der Pollen herumfliegt....wie will man das umkehren?
Und genauso sehe ich das mit dem Gerede des Durcheinander Kreuzens der Bienen. Alles muss seine Grenzen haben. Selbst als Christ muss ich überlegen, ob sich Gott nicht doch dabei etwas gedacht hat, die Arten so zu schaffen wie sie sind. Wer sind wir, dass wir meinen alles durcheinander schmeissen zu wollen? Natürlich kann man sich manches zu Nutze machen aber nicht alles muss probiert werden.
Solche kritischen Vorträge ...wie angesprochen... kann man in sozialen Medien verbreiten und so die Menschen sensibilisieren. Dann hat der eine oder andere mal was davon gehört und es verbreitet sich vielleicht ein gesunder Standpunkt. Wissenschaft und ein gesundes Gefühl für das Ursprüngliche sozusagen müssen sich ja nicht ausschließen. Man freut sich ja auch eine Bienenkrankheit mit Medikamenten bekämpfen zu können.
Naja. Das Thema ist sicher sehr komplex als es in einem Dreizeiler abhandeln zu können
L.G.

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