Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

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Moderator: Johannes

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Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Donnerstag 24. September 2015, 17:17

Hallo allerseits,

zufällig habe ich im Internet weitere imkerliche Irrtümer zur Dunklen Biene entdeckt, die von manchen "Anhängern" der Mellifera auch noch verbreitet werden. Auf der Seite http://www.nordbiene.de/mythen-wahrheit ... biene.html (ganz unten) habe ich diese zwei Thesen mittlerweile aufgenommen.

Der Vollständigkeit dazu auch hier noch einmal die Falschmeldung und danach jeweils meine Sichtweise dazu. Was sagt Ihr? :P

LG
Kai
1. Heutige reine Dunkle Bienen entstammen menschlichen Zuchtkriterien und unterliegen nicht mehr der natürlichen Selektion.
Falsch! Richtig ist: Die Bestrebungen der Erhaltungszucht der Dunklen Biene verfolgen das Ziel, die Apis mellifera mellifera in ihrer ursprünglichen und unvermischten Form zu erhalten. Das Hauptzuchtkriterium ist hier die Reinheit und damit der Ausschluss der Hybriden von der weiteren Zucht. Natürliche Selektion von Honigbienen gibt es in ganz Europa nicht mehr, da hier keine wilden Populationen vorkommen.
2. Die Halter und Züchter der Dunklen Biene wollen aus dieser eine Hochleistungsbiene „erzüchten“.
Falsch! Richtig ist: die ganz überwiegende Mehrzahl der Züchter und Zuchtprojekte verfolgt das Ziel der Reinerhaltung der Dunklen Biene. Weitere Unterziele mögen die Sanftmut und die Krankheitsresistenz gegenüber der Kalkbrut betreffen. Allein aufgrund ihrer Biologie eignet sich die Dunkle Biene in ihrer reinen Form nicht für die „Erzüchtung“ einer Hochleistungsbiene.
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Re: Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Dienstag 29. September 2015, 17:43

Nachtrag:

Die Quellen der unsäglichen Veröffentlichungen wollte ich auf jeden Fall noch nennen:

1. http://freethebees.ch/bienenhaltung/bienenrassen/
2. http://beesspirit.de.tl/Umgekehrte-Verd ... szucht.htm

LG
Kai
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Re: Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von Didi » Dienstag 29. September 2015, 18:28

Moin Kai,
ich glaube, dass die meisten Halter der Dunklen gar nicht daran denken diese Biene züchterisch zu verbessern. Der Reiz dieser Biene ist doch die Ursprünglichkeit. Wenn ich irgendwann mal ein dunkles Volk besitze, zweimal ist es bisher schief gegangen, erfreue ich mich einfach daran, sie zu beobachten und mit anderen Völkern zu vergleichen. Das die Verfasser bei deinen beiden Links nicht recht informiert sind erkennt man ja daran, daß immer von Rassen gesprochen wird.
LG Dieter

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Re: Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Dienstag 10. November 2015, 15:16

Didi hat geschrieben:. Der Reiz dieser Biene ist doch die Ursprünglichkeit. ...
HAllo Didi,

ganz genau so sehe ich das auch.

Gerade in letzter Zeit hört man bei manchen "IG-lern Dunkle Biene" wieder vermehrt das Bestreben, die Dunkle Biene "züchten" zu wollen, und dies dann auch mittels "Körung" von "anerkannten Körmeistern", ganz a la Carnica-Zucht.

Diesem Bestreben widerspreche ich aber ganz erheblich! Die Dunkle Biene ist ein heimisches Wildtier, von der Ausrottung bedroht, da finde ich, verbietet sich jegliche Zuchtambition!

Nicht züchten, sondern erhalten!

:P

LG
Kai
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Bobobee

Re: Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von Bobobee » Dienstag 10. November 2015, 19:56

imkerforum-nordbiene hat geschrieben:...........................................
Diesem Bestreben widerspreche ich aber ganz erheblich! Die Dunkle Biene ist ein heimisches Wildtier, von der Ausrottung bedroht, da finde ich, verbietet sich jegliche Zuchtambition!

Nicht züchten, sondern erhalten!

:P

LG
Kai
Guten abend,
nach reiflicher lektüre der hiesigen Beiträge melde ich mich auch mal zu diesem Thema. Zunächst aber habe ich einige Verständnissfragen. "Heimische Wildtier" ist die Dunkle Biene hier noch heimisch ? Meines Wissen nach ist sie das doch schon lange nicht mehr. "Wildtier" ich hatte es immer so verstanden, das die Honigbienen nicht zu den Wildtieren zählen, sondern zu den Nutztieren, daher ist die Dunkle Biene doch auch in der roten Liste der GEH e.V. geführt http://www.g-e-h.de/geh/index.php/rasse ... nkle-biene .
Den Weg die genetische Vielfalt nicht durch eine Linienzucht a la Carnica zu reduzieren finde ich nur toll, doch an jedem Stand wird doch auch eine Auswahl getroffen? Oder gibt es hierzu eine Empfehlung das zu umgehen?
Wäre es denkbar immer wieder das verschmähte Zuchtpotential der vermeindlich schlechteren Völker mit einzukreuzen?
Ich betreibe schon viele Jahre Standbegattung nach Liebig, aber ich gestehe ich vermehre doch immer lieber aus dem Volk, welches mir am sympathischten ist.
Wie macht ihr das?

imkerliche Grüße

Peter

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Re: Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Dienstag 10. November 2015, 20:20

Bobobee hat geschrieben:...Zunächst aber habe ich einige Verständnissfragen. "Heimische Wildtier" ist die Dunkle Biene hier noch heimisch ? Meines Wissen nach ist sie das doch schon lange nicht mehr. "Wildtier" ich hatte es immer so verstanden, das die Honigbienen nicht zu den Wildtieren zählen, sondern zu den Nutztieren, daher ist die Dunkle Biene doch auch in der roten Liste der GEH e.V. ...
Hallo Peter,

vielen DAnk für Deine interessante Frage, deren Antwort durchaus kontrovers ausfallen kann. Ich will mal Deine Frage zuerst mit Gegenfragen beantworten:

Ist der Wolf ein heimisches Wildtier?. Meiner Meinung nach: aber natürlich ist er das.
Ist der Luchs ein heimisches Wildtier?: aber selbstverständlich!
Ist der Braunbär ein heimisches Wildtier? Auf jeden Fall!

Nun: Ist die Dunkle Biene ein heimisches Wildtier? In meinen Augen ja, ganz klar.

Vor 50-60 Jahren gab es in Zentraleuropa noch reine Dunkle Bienen. Ist dies "lange her"? Ich finde nicht.

Daran ändert natürlich auch die Tatsache nichts, dass es heute in Deutschland keine einzige stabile Population der Dunklen Biene gibt. Es findet weder eine Erhaltungs- noch eine stabile Zuchtarbeit statt. Es sind bestensfall die Anfänge eines Versuches, erst einmal eine Reinbegattung überhaupt hinzubekommen.

Ich persönlich vermehre (ziehe nach) am Stand. Und zwar von reinen Königinnen skandinavischer Herkunft (andere Herkünfte aus Polen, Österreich etc erwiesen sich als vermischt). Da ich kein Züchter bin und dies auch nicht vorhabe, ist für mich derzeit zumindest die Begattung am Heimatstand üblich. Das hat aber nichts mit Zucht und schon gar nicht mit Erhaltungsarbeit zu tun. Meine persönliche, oberste Priorität seit Jahren ist das Erfordernis der Erhaltung der Dunklen Biene dort, wo sie heute noch vorkommt.

Dies ist der derzeitige Sachstand.

Also nochmal: in meinen Augen ist die Dunkle Biene ganz klar ein heimisches Wildtier. Sie ist jedoch kein Nutztier, und erst Recht kein Haustier, wie manche Vereine und Initiativen uns weismachen wollen.

LG
Kai
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Bobobee

Re: Zwei züchterische Falschannahmen / Irrtümer

Beitrag von Bobobee » Mittwoch 11. November 2015, 19:23

Guten abend,

danke für diese Ausführungen.
Anscheinend muss ich mich noch tiefer in diese Materie einarbeiten.
Dies Argumentation ist mir noch nicht ganz schlüssig, jedoch will ich mich auch nicht mit meinem wenigen Halbwissen über die Geschichte der Dunklen Biene in Miskredit bringen und akzeptiere dies zunächst mal ohne Wiederspruch.

Imkerliche Grüße

Peter

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