Fruchtbarkeit von Drohnen

Alles zur Zucht, Aufzucht, Königinnen- und Völkervermehrung

Moderator: Johannes

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Ole86
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Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Ole86 » Mittwoch 7. Oktober 2015, 18:03

Hallo zusammen,

gestern hatten wir auf unserem lokalen Imkermonatsabend eine lebhafte Diskusion zum Thema Fruchtbarkeit von Drohnen. Aus aktuellen Studien geht hervor, dass zunehmend Unfruchtbarkeiten bei Drohnen festgestellt werden.

Ich habe mich mittlerweile ein wenig in das Thema eingelesen und fand folgendes Dokument der Internetseite "Toleranzzucht" sehr interessant:

Dr. Gudrun Koeniger, Dr. Nikolaus Koeniger, Institut für Bienenkunde (Polytechnische Gesellschaft), Karl-von-Frisch-
Weg 2, 61440 Oberursel, Germany

http://www.toleranzzucht.de/fileadmin/w ... hechen.pdf

Als Grundlage wähle ich zunächst diesen kurzen Auszug aus dem Dokument:
Über Zucht und Haltungsbedingungen der Drohnen ist nur wenig bekannt. Dabei spielt die „Qualität der Drohnen“ bei der Paarung eine entscheidende Rolle. Optimal begattete Königinnen erhält man nur wenn Anzahl und Qualität der Spermien stimmen. Die Königin kann bei der Paarung nämlich nicht die Menge des aufgenommenen Spermas wahrnehmen, sondern sie misst „nur“ die Anzahl der Paarungen (Koeniger 1976, Apidologie 7, Koeniger et al. 2007, Apidologie 38, Schlüns et al, 2005, AnimalBeh.70). Dieses „Zählen“ der Paarungen der Königin könnte eine Erklärung dafür sein, dass manche Königinnen zwar gleich nach den Hochzeitsflügen ganz „normal“ mit der Eilage beginnen, aber schon nach kurzer Zeit drohnenbrütig werden. Und dass trotz einer großen Zahl von Drohnen auf der
Belegstelle! Deshalb ist die Anzahl der Drohnen pro Drohnenvolk als einziger Maßstab für Belegstellen nicht ausreichend. Es gilt vielmehr zukünftig auch die Qualität der Spermien der Drohnen zu berücksichtigen.
Ich möchte das Thema zunächst erstmal "allgemein" zur Diskusion stellen. Ich denke es lohnt sich evtl. später separate Themen diesbezüglich zu diskutieren. In diesem Thema möchte ich gerne eure Begegnungen und Erfahrungen bezüglich des Themas "Fruchtbarkeit von Drohnen" und aktuelle Entwicklungen diskutieren.

Beste Grüße, Ole!

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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Johannes » Mittwoch 7. Oktober 2015, 18:38

Hallo Ole,

ein wirklich wichtiges Thema! Nicht nur für Züchter, sondern auch für jeden Imker.

Leider werden Drohnen (insbesondere Drohnenbrut) gerne wie "Abfall" behandelt. Das äußert sich im vielfach angeratenen Drohnenbrutschneiden, wovon ich ja nun mal so gar nichts halte! :evil: ... Aber das ist an sich schon ein anderes Thema.

Jedenfalls ist die Aufzucht von Drohnen zwar leichter, als die Aufzucht von Königinnen, aber nicht weniger bedeutsam!
Wichtig scheint mir hier, dass Qualität vor Quantität gehen muss. Soll heißen: Ein Volk hat nur begrenzte Kapazität um hochwertige (fruchtbare) Drohnen zu erwirtschaften.

Der richtige Platz für die Drohnenwabe, ausreichend Abstand zu den Nachbarwaben, genügend Pflegebienen und eine gute Pollen- und Nektarversorgung sind unablässig.

LG Johannes
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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Mittwoch 7. Oktober 2015, 18:48

Hallo,

auch ich finde das Thema sehr wichtig, vor allem auch für die Instrumentelle Besamung von Bienenköniginnen. Hierbei fiel mir immer wieder die große Zahl der Drohnen ohne Spermien auf. Eine Beobachtung, die vor mir in den 1990-er Jahren schon polnische Züchter machten.

LG
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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Ole86 » Mittwoch 7. Oktober 2015, 18:57

Hallo zusammen,

danke für die Rückmeldungen. Die Tage werden kürzer, da kann man ja mal wieder mit einer kleinen "Winterdiskusion" starten :D

Besonders interessant fand ich gestern die These, dass zunehmend Unfruchtbarkeiten bei Drohnen festgestellt werden. Ich bin momentan noch auf der Suche nach einer Studie die dieses belegen soll. Ich fand den Zusammenhang zwischen dieser These und schlechtem Begattungserfolg besonders interessant. Angeblich soll die Fruchtbarkeit bzw. die Unfruchtbarkeiten der Drohnen zu großen Teilen für schlechte Standbegattungserfolge verantwortlich sein. Dieses wurde wohl auch mit Drohnenrahmenschneiden und Leistungszucht in Verbindung gebracht.

Hat jemand schon einmal etwas in diese Richtung gelesen oder gehört?

Beste Grüße, Ole!

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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Johannes » Mittwoch 7. Oktober 2015, 19:10

Leider kenne ich keine Studie dazu. Hoffentlich wirst du fündig!

LG Johannes
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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Johannes » Mittwoch 7. Oktober 2015, 20:19

Ole86 hat geschrieben:...Ich habe mich mittlerweile ein wenig in das Thema eingelesen und fand folgendes Dokument der Internetseite "Toleranzzucht" sehr interessant:

Dr. Gudrun Koeniger, Dr. Nikolaus Koeniger, Institut für Bienenkunde (Polytechnische Gesellschaft), Karl-von-Frisch-
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http://www.toleranzzucht.de/fileadmin/w ... hechen.pdf

Als Grundlage wähle ich zunächst diesen kurzen Auszug aus dem Dokument:
Über Zucht und Haltungsbedingungen der Drohnen ist nur wenig bekannt. Dabei spielt die „Qualität der Drohnen“ bei der Paarung eine entscheidende Rolle. Optimal begattete Königinnen erhält man nur wenn Anzahl und Qualität der Spermien stimmen. Die Königin kann bei der Paarung nämlich nicht die Menge des aufgenommenen Spermas wahrnehmen, sondern sie misst „nur“ die Anzahl der Paarungen (Koeniger 1976, Apidologie 7, Koeniger et al. 2007, Apidologie 38, Schlüns et al, 2005, AnimalBeh.70). Dieses „Zählen“ der Paarungen der Königin könnte eine Erklärung dafür sein, dass manche Königinnen zwar gleich nach den Hochzeitsflügen ganz „normal“ mit der Eilage beginnen, aber schon nach kurzer Zeit drohnenbrütig werden. Und dass trotz einer großen Zahl von Drohnen auf der
Belegstelle!
Deshalb ist die Anzahl der Drohnen pro Drohnenvolk als einziger Maßstab für Belegstellen nicht ausreichend. Es gilt vielmehr zukünftig auch die Qualität der Spermien der Drohnen zu berücksichtigen.
...
Eigentlich wollte ich das Zitat ja erst mal so im Raum stehen lassen, aber irgendwie gelingt es mir nicht. :mrgreen: Ich muss es leider etwas zerpflücken und einzelne Sätze raus schreiben und kommentieren.
Die Königin kann bei der Paarung nämlich nicht die Menge des aufgenommenen Spermas wahrnehmen, sondern sie misst „nur“ die Anzahl der Paarungen.
Dieser Satz ist ja an sich schon mal schwer nachvollziehbar, wenn man gelernt hat, dass für eine Begattung 5-25 Drohnen (je nach Literaturquelle) zum Einsatz kommen. Und wie zählen die Königinnen dann erst bei der künstlichen Begattung? :? Also diese Aussage würde ich so nicht bestätigen wollen.
Dieses „Zählen“ der Paarungen der Königin könnte eine Erklärung dafür sein, dass manche Königinnen zwar gleich nach den Hochzeitsflügen ganz „normal“ mit der Eilage beginnen, aber schon nach kurzer Zeit drohnenbrütig werden. Und dass trotz einer großen Zahl von Drohnen auf der Belegstelle!
Dass die Drohnenbrütigkeit nach gewisser Zeit einsetzen kann, ist mir klar. Aber liegt das wirklich am Zählen? Ich glaube nicht. In meinen Augen liegt es am ungünstigen Wetter zur Zeit der Paarungsbereitschaft.Wenn die Zeit vorbei ist, ist sie halt vorbei. Ich hatte diesen Winter ja eine vollkommen unbegattete Königin, die aus einer zu späten stillen Umweiselung entstand. Diese hat vom ersten Tag an nur unbefruchtete Einer gelegt. Ein "Irrtum" durch "Zählen" spielte gar keine Rolle. Zur Zeit der Paarungsbereitschaft war nur schlicht kein Flugwetter und keine Drohne da.
Wenn man diesen Aspekt der äußeren Umstände berücksichtigt, dann verwundert es auch nicht, dass manchmal auf Belegstellen mit qualitativ und quantitativ genügend Drohnen schlechte Ergebnisse erzielt werden können!
Und auch der andere Fall, nämlich das ausschließlich minderwertige Drohnen zur Verfügung stehen, hat nichts mit "Zählen" zu tun. Wenn nur schlechte Qualität da ist, kann auch nur schlechte Qualität raus kommen.

Ich denke, dass die Kernaussage des Zitates richtig ist. Über Zucht und Haltungsbedingungen der Drohnen ist nur wenig bekannt. Dabei spielt die „Qualität der Drohnen“ bei der Paarung eine entscheidende Rolle. Optimal begattete Königinnen erhält man nur wenn Anzahl und Qualität der Spermien stimmen.
Nur die weitere Erklärung scheint mir äußerst strittig. :wink:

LG Johannes
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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Ole86 » Donnerstag 8. Oktober 2015, 22:38

Hallo Johannes,

danke für die Rückmeldung. Man sollte allerdings beachten, dass der Autor sehr gerne das Verb "könnte" verwendet, deswegen vermute ich, dass dieser nur anregen möchte, auch Unfruchtbarkeiten mit als Option für schlechte Begattungen herran zu ziehen. Ich denke dieser würde die von dir geschilderten Punkte garnicht bestreiten. Es ist allerdings auf jeden Fall wichtig, dass du noch einmal auf diese Punkte hingewiesen hast.

Mir ist gerade noch eine Studie über die Varroa eingefallen, in der ich mal etwas über den Zusammenhang von Parasitenbefall und Unfruchtbarkeiten bei Drohnen gelesen habe. Denke das ist an dieser Stelle auch recht interessant:

Aus dem Department für Veterinärwissenschaften der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München Lehrstuhl für Tierzucht und Allgemeine Landwirtschaftslehre Univ.-Prof. Dr. Dr. habil. Martin Förster
Untersuchungen zur genetischen Populationsstruktur von Varroa destructor

Im Zusammenhang mit starkem Varroabefall bei Völkern wurden folgende Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Drohnen festgestellt:
Es kommt zu starkem Leistungsabfall und es gibt mehr unfruchtbare Drohnen. Parasitierte Drohnen begatten die Königin in weitaus geringerer Zahl, dadurch sinkt die Rate der Arbeiterinnennachkommen und das Bienenvolk reduziert sich von allein.
Dieses könnte in Zusammenhang mit der These stehen, dass zunehmend mehr unfruchtbare Drohenen festgestellt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass der permanente Varroabefall langfristige Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Drohnen haben kann. Evtl. sogar unsere Maßnahmen gegen die Varroa.

Beste Grüße, Ole!

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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Ole86 » Montag 12. Oktober 2015, 19:47

Johannes hat geschrieben:...Leider werden Drohnen (insbesondere Drohnenbrut) gerne wie "Abfall" behandelt. Das äußert sich im vielfach angeratenen Drohnenbrutschneiden, wovon ich ja nun mal so gar nichts halte...

... Soll heißen: Ein Volk hat nur begrenzte Kapazität um hochwertige (fruchtbare) Drohnen zu erwirtschaften.

Der richtige Platz für die Drohnenwabe, ausreichend Abstand zu den Nachbarwaben, genügend Pflegebienen und eine gute Pollen- und Nektarversorgung sind unablässig.
Hallo Johannes,

als ich gerade noch einmal über diesen Beitrag nachgedacht habe, bin ich noch einmal auf den Zusammenhang von der von dir angesprochenen Pollen- und Nektarversorgung aufmerksam geworden. Diese ist sicherlich einer der wichtigsten Punkte. Besonders in Zusammenhang mit dem von dir ebenfalls angesprochenen Drohnenrahmenschneiden.

Oft wird der Aufwand des Ausbaus der Drohnenrahmen, so wie der der Pollen- und Nektarversorgung stark unterschätzt. Ich hatte mal von Untersuchungen gelesen, die genau dieses belegten. Dieses soll auch einen Einfluss auf die Genetik der Biene haben, denn diese nimmt durch mindere Spermienquallität langfristig Schaden. Finde leider die Bookmarks zu dem Thema nicht wieder... Evtl. als Nachtrag :roll:

Mal eben ganz am Rande, vor kurzem gab es einen interessanten kurzen Hinweis im Stern, der besagte, dass bei einer Hummelart aus den USA, welche in den Rocky Mountains heimisch ist, die Zungen in nur 40 Jahren um 25% geschrumpft sind. Es wird vermutet, dass dieses eine Reaktion auf die Erderwärmung ist und somit im Zusammenhang mit dem Aussterben bestimmter Nahrungsplanzen mit langen Blütenkelchen steht. Durch die kürzere Zunge kann diese Hummelart wohl nun auf ein breiteres Angebot anderer Pflanzen ausweichen.

Ich schweife jetzt sehr ab, allerdings möchte ich hiermit kurz unterstreichen, wie schnell Evolution stattfinden kann und wie schnell genetischer Schaden durch minderwertige Spermienquallität entstehen kann.

Beste Grüße, Ole!

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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Ole86 » Dienstag 20. Oktober 2015, 22:02

Johannes hat geschrieben:...Dieser Satz ist ja an sich schon mal schwer nachvollziehbar, wenn man gelernt hat, dass für eine Begattung 5-25 Drohnen (je nach Literaturquelle) zum Einsatz kommen. Und wie zählen die Königinnen dann erst bei der künstlichen Begattung? :? Also diese Aussage würde ich so nicht bestätigen wollen...
Hallo zusammen,

je mehr ich über dieses Zitat von Johannes nachdenke, um so mehr stelle ich ebenfalls die Geschichte mit dem "Zählen von Begattungen" in Frage. Gibt es wirklich eine Art von "Zählvorgang" bei der Begattung?

Die genannten Quellen (Koeniger 1976, Apidologie 7, Koeniger et al. 2007, Apidologie 38, Schlüns et al, 2005) sind ja zum Teil aus diesem Jahundert und auf das Journal Apidologie lege ich in der Regel großen Wert, da ich dieses für sehr glaubwürdig halte. Gleichzeitig stelle ich mir momentan die selbe Frage wie Johannes: Wie zählen die Königinnen dann bei der künstlichen Begattung? Versucht die Königin evtl. aus einer Art Instinkt herraus die Eier zu legen, auch wenn diese "denkt", dass sie nicht begattet wurde?

Würde es sich lohnen, das Thema "Zählen von Begattungen" einmal separat zu diskutieren? Evtl. sollte man hier mal ein wenig Licht ins Dunkle bringen.

Beste Grüße, Ole!

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Kianoush

Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Kianoush » Dienstag 20. Oktober 2015, 23:31

Hallo allerseits,

ich glaube auch nicht ganz daran das die Königinnen mit zählen. Ich vermute eher das sie sich von so vielen Drohnen begatten lassen bis ihre Spermientasche voll ist. Finde ich zumindest logischer, oder was meint ihr?

LG Kianoush

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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Johannes » Mittwoch 21. Oktober 2015, 06:59

Kianoush hat geschrieben:... Ich vermute eher das sie sich von so vielen Drohnen begatten lassen bis ihre Spermientasche voll ist. Finde ich zumindest logischer, oder was meint ihr?...
Hallo Kianoush,

so sehen ich es auch. Der von dir genannte Fall wäre der Optimalfall.

Alternativ (und das führt zur schlechten Begattungsqualität) gibt es dann noch das erfolglose Verstreichen der Paarungsbereitschaft nach einigen Wochen. Entweder aufgrund schlechten Wetters oder mangelnder Drohnen.


@Ole
Leider wüsste ich nicht, wie man diese oben genannte These weiter ergründen und ggf. widerlegen kann. :? Ich halte sie schlicht für falsch.

LG Johannes
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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Mittwoch 21. Oktober 2015, 08:55

Hallo allerseits,

aus der Erinnerung meine ich zu behaupten, dass diese Frage(n) vor Jahren schon von den Bienenwissenschaftler Dr. Gudrun Koeniger und Prof. Dr. Nikolaus Koeniger, Oberursel, behandelt wurden. Ergebnisse gibt es mit Sicherheit in englischer Sprache im Netz, eventuell auch in dem Buch "Paarungsbiologie und Paarungskontrolle bei der Honigbiene", z. B.: http://www.amazon.de/Paarungsbiologie-P ... 3981554744

Demnach sollen sich Königinnen mit kürzerer Begattungsflugdauer mit mehr Drohnen gepaart haben als Königinnen mit länger dauerndem Begattungsflug. Letztere fanden offensichtlich nicht genug Drohnen vor. Usw usw. :wink:

Eine interessante Thematik, von uns aber eher von theoretischem Wert.

LG
Kai
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Re: Fruchtbarkeit von Drohnen

Beitrag von Ole86 » Mittwoch 21. Oktober 2015, 18:58

Johannes hat geschrieben:@Ole
Leider wüsste ich nicht, wie man diese oben genannte These weiter ergründen und ggf. widerlegen kann. :? Ich halte sie schlicht für falsch.
Hi Johannes,

ich werde, sobald ich etwas Zeit finde, mal die genannten Quellen überprüfen. Evtl. lässt sich die Argumentation dann besser nachvollziehen. Ich mag ehrlich gesagt eine These des Journals Apidologie nicht gleich als falsch hinstellen, denn in der Regel sind die Beiträge sehr gut rechechiert.

Offtopic: Momentan habe ich beruflich recht viel zu tun, deswegen bleiben leider ein paar Sachen auf der Strecke. Zur Jahreswende kehrt zum Glück meistens etwas Ruhe ein, dann komme ich hoffentlich auch wieder zu ein paar mehr Beiträgen.

LG, Ole!

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