Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Alles zur Zucht, Aufzucht, Königinnen- und Völkervermehrung

Moderator: Johannes

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Rheinschlucht
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Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rheinschlucht » Freitag 11. November 2016, 20:22

An der Züchtertagung 2016 des D.I.B. wurden effiziente Methoden zur Königinnen-Vermehrung präsentiert. Die Imkermeister des Fachzentrums Mayen sowie der Bieneninstitute Celle und Kirchhain plädierten für eine Königinnen-Zucht mit hohen Produktionszahlen. Bienenprofessor Kaspar Bienefeld bezeichnete die genomische Selektion durch DNA-Analysen als Selektions-Tool der Zukunft – und immer wieder war von der Dunklen Biene die Rede.

Die Themen:

→ Qualitativ hochwertige Königinnen aus «Dauer-Zucht»
→ Inselbelegstelle Norderney liefert Ideen für Schweizer Mellifera-Gebirgsbelegstationen
→ Einfluss des Alters von Zuchtköniginnen auf ihre Nachkommen
→ Genomische Selektion bei den Bienen (GeSeBi)
→ Vergleichende Untersuchungen zur Reproduktion der Varroamilbe
→ Berücksichtigung der Varroa Sensitive Hygiene VSH in der Selektion

Der (bisher einzige) ausführliche Bericht von der Züchtertagung ist hier zu lesen:

http://www.mellifera.ch/cms/news/zuecht ... erbund-dib
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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von ck1 » Samstag 12. November 2016, 08:06

Hallo Jürg,

vielen Dank für diesen, wieder hochwertigen, Artikel. Ich bin gespannt auf die weiteren Berichte.

Was mir jedoch aufgefallen ist, du schreibst:
Nach einer Auswahl von 120'000 Basenpaaren werden jetzt diejenigen Genorte gesucht, die für wichtige züchterische Eigenschaften, sowie zur Unterscheidung der Unterarten Carnica und Mellifera relevant sind.
Wie funktioniert der Schweizer Gentest auf Reinrassigkeit der Nigra, wenn noch nicht mal bekannt ist, wie sich die Unterarten genetisch unterscheiden? Oder habe ich dies falsch verstanden? Wie kann dann Hybridisierung gemessen werden?

Ich weiß, du bist da nicht der Spezialist, aber vielleicht kommt dazu etwas in dem zukünftigen Artikeln?? Wäre spannend ... 8)

Viele Grüße,
Christian

Herbert
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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Herbert » Samstag 12. November 2016, 09:38

Hallo Jürg,
ein wirklich toller Bericht,
Rheinschlucht hat geschrieben:Die Themen:

→ Qualitativ hochwertige Königinnen aus «Dauer-Zucht»
→ Inselbelegstelle Norderney liefert Ideen für Schweizer Mellifera-Gebirgsbelegstationen
→ Einfluss des Alters von Zuchtköniginnen auf ihre Nachkommen
→ Genomische Selektion bei den Bienen (GeSeBi)
→ Vergleichende Untersuchungen zur Reproduktion der Varroamilbe
→ Berücksichtigung der Varroa Sensitive Hygiene VSH in der Selektion
Bezüglich des Einflusses des Alters der Zuchtköniginnen auf ihre Nachkommen:
aber ich frage mich wirklich,ob eine Einjährige Leistungsprüfung ausreicht,zur Selektion einer Zuchtkönigin.
Ich habe gelernt,das mit dem Schlupf der Königin ihr erstes Leistungsjahr beginnt,indem sie ihr
Volk bis zum Einwintern selbstständig aufbaut,daran kann ich ja schon viel sehen aber nach lange nicht
wie das Schwarmverhalten,Honigleistung etc.sind.

LG Herbert
Zuletzt geändert von Herbert am Samstag 12. November 2016, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rheinschlucht » Samstag 12. November 2016, 09:39

Hallo Christian,

vorausgeschickt: Ich bin kein Tiergenetiker. Ich frage aber als Wissenschaftsjournalist so lange nach, bis ich die Fakten und das dahinter stehende Prinzip begriffen habe – und versuche es dann, möglichst verständlich in meinen Texten zu formulieren :wink:

Wie Du richtig vermutest, kommt deshalb in nächster Zeit zum Thema Genetik noch einiges aus meiner Schreibwerkstatt. Weil aber das Thema sehr komplex ist, möchte ich Schritt für Schritt vorgehen. Wie der Gentest funktioniert und wie sich die Unterarten genetisch unterscheiden, kommt also noch als «Erklärstück». Inklusive Reportagen über einen Bienenzüchter, der seit einem halben Jahrhundert Flügelmessungen macht, und auf der anderen Seite aus dem modernsten Gen-Labor.

Ich muss aber auch Schritt für Schritt vorgehen, weil ich diese Artikelserie in meiner Freizeit schreibe. Also neben Job, Familie, Bienen und Rennrad-Training – und die Skisaison hat noch nicht einmal begonnen :D

Eine Frage kann ich aber heute schon beantworten:

Die Unterarten und die Zuchtrasse Buckfast können anhand der genetischischen Marker (sogenannte informative SNP) klar und deutlich voneinander unterschieden werden (siehe Infografik, die sich durch Anklicken vergrössert). Auch der Grad der Hybridisierung kann präzise ermittelt werden. Auf der Infografik siehst Du auch, dass sogar die Mellifera in der Schweiz und jene in den französischen Alpen zuverlässig auseinandergehalten werden können.
Populationsstruktur_Mellifera_Carnica_Buckfast.png
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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rheinschlucht » Samstag 12. November 2016, 09:44

Herbert hat geschrieben:Hallo Jürg,
ein wirklich toller Bericht,

aber ich frage mich wirklich,ob eine Einjährige Leistungsprüfung ausreicht?

Ich habe gelernt,das mit dem Schlupf der Königin ihr erstes Leistungsjahr beginnt,indem sie ihr
Volk bis zum Einwintern selbstständig aufbaut,daran kann ich ja schon viel sehen aber nach lange nicht
wie das Schwarmverhalten,Honigleistung etc.sind.

LG Herbert
Danke für die Blumen :wink: Ich gebe sie gerne an Reto Soland weiter, der den Bericht geschrieben hat. Ich habe ihn nur redigiert.

Deine Frage nach der «nur» einjährigen Leistungsprüfung im Prüfstand kann ich im Moment nicht beantworten. Ich werde sie aber den Wissenschaftlern im Schweizer Zentrum für Bienenforschung vorlegen und die Antwort «nachreichen». Ist das OK?
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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Herbert » Samstag 12. November 2016, 10:09

Ja Jürg,
ist OK,auch wenn Du nur der Redigierer des Berichtest bist :lol: :lol:

LG Herbert

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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rene » Samstag 12. November 2016, 12:58

Rheinschlucht hat geschrieben: Auch der Grad der Hybridisierung kann präzise ermittelt werden. Auf der Infografik siehst Du auch, dass sogar die Mellifera in der Schweiz und jene in den französischen Alpen zuverlässig auseinandergehalten werden können.
Populationsstruktur_Mellifera_Carnica_Buckfast.png
Hallo Jürg,

bezüglich der Buckfast, das erschließt sich mir nicht ganz.
Die Buckfast hat doch auch verschiedene Linien, wo nach und nach verschiedene Rassen eingekreuzt wurden. So z.B. aus dem Iran, dann die Elgon usw... Wie kann es dann immer ein einheitliches Bild geben, wie in der Grafik zu sehen? Die Bienen aus dem Iran und die Elgon (um bei den Beispielen zu bleiben) sind doch ganz unterschiedlich , oder habe ich da etwas übersehen?

L.G. Rene

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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rheinschlucht » Samstag 12. November 2016, 13:11

Rene hat geschrieben:bezüglich der Buckfast, das erschließt sich mir nicht ganz.
Die Buckfast hat doch auch verschiedene Linien, wo nach und nach verschiedene Rassen eingekreuzt wurden. So z.B. aus dem Iran, dann die Elgon usw... Wie kann es dann immer ein einheitliches Bild geben, wie in der Grafik zu sehen? Die Bienen aus dem Iran und die Elgon (um bei den Beispielen zu bleiben) sind doch ganz unterschiedlich , oder habe ich da etwas übersehen?

L.G. Rene
Deine Frage nach den verschiedenen Buckfast-Linien kann ich im Moment nicht beantworten. Ich werde sie aber den Wissenschaftlern im Schweizer Zentrum für Bienenforschung vorlegen und die Antwort «nachreichen». Ist das OK?
Herzliche Grüsse aus der Rheinschlucht

Jürg

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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rene » Samstag 12. November 2016, 15:11

Aber gewiss doch Jürg :D :D
Ich versuche das auch nur alles nachzuvollziehen. Bei der Buckfast ist es ja nun auch bissl schwierig, weil sie eine künstlich geschaffene Rasse ist und auch weiter "verbessert" wird.
Wobei, wenn ich so manche Berichte und Äußerungen lese, dann frage ich mich manchmal, ob es nicht besser wäre, man würde die Bienen einfach machen lassen....
Wie lange gibt es Bienen, wie lange Menschen und wie lange kam die "Natur" ohne spezielle Züchtungen aus? Hier die Buckfast und die Bestrebungen der Carnicazüchter, dort gentechnisch manipuliertes Saatgut... Wo soll das alles enden?
L.G. Rene

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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Samstag 12. November 2016, 15:47

Rene hat geschrieben:...dann frage ich mich manchmal, ob es nicht besser wäre, man würde die Bienen einfach machen lassen....
Wie lange gibt es Bienen, wie lange Menschen und wie lange kam die "Natur" ohne spezielle Züchtungen aus? .....
HAllo,

das sehe ich ganz anders. :wink:

Die Natur ist die brutalste aller Züchter. So brutal kann kein Mensch züchten. Mit scharfer Auslese. Alles, was Makel zeigt, wird sodfort ausgemerzt. Oftmals bis zum (Fast-) Zusammenbruch einer ganzen Population.

LG
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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rheinschlucht » Samstag 12. November 2016, 15:52

imkerforum-nordbiene hat geschrieben:Die Natur ist die brutalste aller Züchter. So brutal kann kein Mensch züchten. Mit scharfer Auslese. Alles, was Makel zeigt, wird sodfort ausgemerzt.

LG
Kai
Stimmt. Hundertprozentig. Und im Gegensatz zum Menschen macht die Natur keine Fehler.
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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Herbert » Samstag 12. November 2016, 17:15

Hallo Rene,
Rene hat geschrieben: wenn ich so manche Berichte und Äußerungen lese, dann frage ich mich manchmal, ob es nicht besser wäre, man würde die Bienen einfach machen lassen....
Wie lange gibt es Bienen, wie lange Menschen und wie lange kam die "Natur" ohne spezielle Züchtungen aus
da muss ich dir teils recht geben,hätte der Mensch nicht soviel vermischt durch Importe und dergleichen,wären wir mit Sicherheit
weiter als jetzt und müssten vielleicht keine Heimische Biene rückführen.

LG Herbert

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Re: Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Beitrag von Rene » Samstag 12. November 2016, 21:23

Bei alledem fallen mir auch immer wieder Feststellungen bzw Anmerkungen ein, die von Überzüchtung handelten, zumeist im Kontext der Carnica. Aber auch bei der Buckfast, ich habe auch 2 Völkchen, sieht man, daß eben Manches auf der Strecke bleibt.
So gesehen ist es der Mensch der es den Tieren in der Natur schwer macht. Weil da z.B. eine gewisse Verteidigungsbereitschaft besteht, die der Mensch fast weggezüchtet hat. Ein Beispiel. Ein anderes die Schwarmträgheit-eine natürliche Möglichkeit unterdrücken, sich zu vermehren und / oder die Milben loszuwerden, zumindest zum großen Teil...
Also ich seh das mal von der Seite aus.
L.G. Rene

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