Zweitschlupfzelle

Erfahrungsberichte und Empfehlungen für ein erfolgreiches Zusetzen von Königinnen. Für jedes Verfahren bitte ein eigenes Thema.

Moderator: Johannes

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Johannes
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Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Freitag 28. August 2015, 17:44

Hallo zusammen,

dieses Jahr kam bei mir erstmalig die Nicot-Zweitschlupfzelle zum Einsatz.
Von der Einfachheit dieser Methode bin ich begeistert. Auch die Erfolgsrate ist außerordentlich gut.

Man kann auch mit einem Formholz diese Zweitschlupfzelle selber aus Wachs formen. Aber die Nicot-Variante ist günstig und spart Arbeit. :P

Folgende Szenarien hatte ich dieses Jahr. Es lief verdammt gut. Nur 1 von 11 so zugesetzten Königinnen wurde abgestochen.
  • Unbegattete Königin (vorher gezeichnet) in ein wenige Stunden vorher abgeschwärmtes Volk zugesetzt, nachdem ich alle Schwarmzellen gebrochen habe.
  • Unbegattete Königin in frisch entweiselte M+Einheiten (offene Brut vorhanden).
  • Begattete Reservekönigin in frisch entweiselte M+Einheiten (offene Brut vorhanden). [Hier ist mir eine abgestochen wurden.]
  • Begattete Königin in buckelbrütiges Volk, ohne dieses vorher abzukehren.
Bei wertvollen Zuchtköniginnen würde ich dieses Verfahren zwar nie riskieren, aber für (eigene) Wirtschaftsköniginnen ist es eine schnelle und sichere Lösung!

LG Johannes

Der Großteil Vorbestellungen ist nun erfüllt. Die letzten Königinnen gehen bis Mitte Juli raus. Den Rest der Saison möchte ich nutzen, um das Zuchtprogramm des Landesverbandes Dunkle Biene Sachsen e.V. zu unterstützen. Daher kann ich leider keine umfangreichen Anfragen mehr annehmen. In dringenden Fällen bitte einfach eine Anfrage per Mail schicken und ich werde sehen, was ich tun kann!

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Mittwoch 4. November 2015, 16:56

Hallo zusammen,

ich möchte nochmals etwas "Werbung" für diese sehr einfache und dennoch recht sichere Methode machen. Seit dem letzten Beitrag habe ich noch 7 Königinnen so zugesetzt. Alles ohne Verlust!
Wahrscheinlich würde das sogar bei Versandköniginnen klappen, aber das ist mit vorerst doch zu heikel. Für Königinnen, die sich in voller Eilage befinden, oder frisch geschlüpfte Königinnen, ist es eine feine Sache! :D

Vielleicht erprobt jemand von euch nächstes Jahr auch diese Technik. Ich werde sie jedenfalls beibehalten.

LG Johannes

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Gast12

Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Gast12 » Mittwoch 4. November 2015, 20:15

Johannes hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich möchte nochmals etwas "Werbung" für diese sehr einfache und dennoch recht sichere Methode machen.
Das klingt wirklich vielversprechend!

Leider finde ich im Netz keine "Anleitung" oder Ähnliches, wie mit diesen Zweitschlupfzellen gearbeitet wird. Kannst Du da etwas zu schreiben?

Die von Dir erwähnten selbst hergestellten "Zweitschlupfzellen" würden mich auch interessieren. Wie machen und einsetzen?
Auch wenn 2,90 € für 10 Nicot-Zweitschlupfzellen wirklich nicht viel Geld sind..

Peer

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Johannes
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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Mittwoch 4. November 2015, 21:05

Hallo Peer,

ja, darüber findet man nicht viel im Netz. Ich versuche mal das wichtigste zu beschreiben. Frag einfach nach, bei weiteren Unklarheiten. :)

Zur Frage, wie damit gearbeitet wird:
Die Nicot-ZSZ hat hinten einen Deckel und vorne eine Öffnung. Die Öffnung verschließt man zunächst mit einem (zwischen den Fingern) dünn gedrückten MW-Stück. Dies löchert man mit einer Nadel, damit die Königin später nicht erstickt und auch den Rüssel raus stecken kann. Nun kommt auch schon die Königin hinten hinein und der Deckel wird vorsichtig geschlossen. Dabei bitte besonders auf die Beine der Königin achten!

Nun steckt man die ZSZ auch schon in ein Volk und klemmt sie in eine Wabengasse, sodass freier Zugang zum Wachsverschluss gegeben ist.
Die Königin wird rasch frei gefressen.

Bei der nächsten Durchsicht wird die Zelle entnommen und kann wiederverwendet werden!

Ich habe mit dieser Technik unbegattete und standbegattete Königinnen in brutfreie Völker, aber auch Völker mit offener Brut (paar Stunden nach Entnahme der Altkönigin) und sogar in ein drohnenbrütiges Volk zugesetzt. Die Resultate stehen ja im ersten Beitrag.


Zu den selbst gefertigten ZSZ: (Zu Beginn: Das lohnt nicht bei dem Preis!)
Also man muss ein Formholz für Weiselnäpfchen (nicht die konische Variante :!: ) gut wässern, damit das Wachs nicht kleben bleibt. Dann taucht man es ca. 5 cm in flüssiges Wachs (nicht zu heiß) und wiederholt das 3-5 man (wie Kerzenziehen), bis die Wachsschicht knapp 1 mm dich ist. Dann lässt man es kurz abkühlen und zieht die ZSZ vorsichtig ab.
Jetzt noch an der Spitze Luftlöcher stechen und fertig. Wenn die Königin drin ist, hinten vorsichtig zudrücken und ab in die Wabengasse. :P

Diese Zelle ist danach natürlich kaputt und macht viel Arbeit. Ich hab das nur einmal gemacht, als mir die Nicot-ZSZ ausgegangen sind.
Aber wegen der Gefahr, dass man die Königin hinten quetschen könnte, würde ich immer die Nocot-ZSZ vorziehen!

Ich hoffe, das hilft.

LG Johannes

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Sonntag 8. November 2015, 11:41

Nachtrag:

Bild

So sehen die einsatzbereiten ZSZ aus.

LG Johannes
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20151108_105601.jpg

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von JStengel » Montag 9. November 2015, 13:14

Eppendorf Tubes 2 ml sollten auch gehen. Vorn die Spitze abschneiden und dann weiterverfahren wie mit den Nicot-zweitschlupfzellen. Lohnt sich aber nur wenn man da über irgendein Labor etc. ran kommt, da bestellen nur in höheren Stückzahlen möglich ist.

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Montag 9. November 2015, 13:41

JStengel hat geschrieben:Eppendorf Tubes 2 ml sollten auch gehen. ...
Super Idee! :P Darauf muss man erst mal kommen. Vielleicht nehme ich mir mal welche aus dem Labor mit.

LG Johannes

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Gast12 » Montag 9. November 2015, 23:53

Johannes hat geschrieben:Hallo Peer,
ja, darüber findet man nicht viel im Netz. Ich versuche mal das wichtigste zu beschreiben. Frag einfach nach, bei weiteren Unklarheiten. :)
Danke für die Beschreibung! Ich konnte mir bisher nichts darunter vorstellen!

Peer

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Mittwoch 10. August 2016, 19:40

Hallo zusammen,

dieses Jahr habe ich wieder unzählig viele Königinnen per Zweitschlupfzelle zugesetzt. Es waren viele unbegattete, einige begattete und sogar 2 Zuchtköniginnen nach langem Versand darunter. Mit dem Verfahren konnte ich auch wieder 3 Völker mit Afterweiseln kurieren.
Die Annahmerate war grandios gut. Es wurden nur 2 unbegattete Königinnen nicht angenommen. Sonst hat alles geklappt.

Das schöne ist auch, dass offene Brut im Volk hier anscheinend nicht stört. Aber bei den Zuchtköniginnen bin ich diesbezüglich trotzdem auf Nummer sicher gegangen und hab 9 Tage Weisellosigkeit abgewartet.

LG Johannes

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Samstag 29. Oktober 2016, 17:18

Johannes hat geschrieben:
JStengel hat geschrieben:Eppendorf Tubes 2 ml sollten auch gehen. ...
Super Idee! :P Darauf muss man erst mal kommen. Vielleicht nehme ich mir mal welche aus dem Labor mit.

LG Johannes
Dazu möchte ich euch noch Fotos nachreichen. Die Eppis sind ganz gut geeignet. Ich nehme jetzt die 1,5 ml Eppis! Sehr vorteilhaft ist, dass man die Königin sehen kann. Ihre Unversehrtheit (besonders der Hinterbeine) ist damit optimiert. Bei den käuflichen Zweitschlupfzellen ist im Deckel ein Luftloch, falls man mal das Loch in der Wachskappe vergisst. Dieses gibt es beim Eppi natürlich nicht. Deshalb sollte man unbedingt an das Loch im Wachs denken.

LG Johannes

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DSC_0543.JPG

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von ck1 » Samstag 29. Oktober 2016, 18:52

Hallo Johannes,

Wie erklärst du dir die hohe Annahmequote?? Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass ein ausreichend großes Hofstaat die Kö schützen muss ... Dies machen die Bienen nur, wenn sie lange genug den Pheromonen ausgesetzt waren und trotzdem hört man immer wieder, dass Königinnen abgestochen werden. (Mir ist das noch nicht passiert - zu kurz dabei und eine zugesetzte Kö letztes Jahr im September haben sie problemlos akzeptiert)

Ich kann mir dies nur so erklären, dass den Bienen das Gefühl gegeben wird, den normalen Schlupfvorgang zu erleben ... Aber warum? Die zsz riecht anders, fühlt sich anders an und niemand im Volk hat sie vorher gepflegt ... vermutlich ist sie auch an einer Stelle, wo das Volk nie eine Kö nachschaffen würde oder drückst du sie irgendwo mittig rein? Ich hatte aber verstanden, dass du sie nur zwischen die Rähmchen hängst ...

Ich werde es auf jeden Fall kommendes Jahr mal testen. ;)

VG Christian

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Samstag 29. Oktober 2016, 19:09

Hallo Christian,

leider weiß ich nicht, ob es für deine Fragen irgendwelche Studien gibt. Ich fürchte nein! :| Also bleibt auch mir nur die Spekulation.

Zunächst mal geht es um das Schlupferlebnis. Dafür ist es unerheblich, ob die Bienen vorher eine Zelle gepflegt haben oder nicht. Denn zwischen Verdecklung und Schlupf besteht ja auch kein direkter Kontakt zur heranwachsenden Königin.

Außerdem rennt die Königin nicht sofort raus aus der Zelle. Zunächst besteht Rüsselkontakt zwischen ihr und paar Arbeitsbienen. Es ist in diesem Zustand so ziemlich ausgeschlossen, dass die Bienen der Königin etwas antun. Durch die Zelle können sie nicht stechen und rückwärts an die Öffnung herantreten und zustechen macht keine Biene. Erst wenn die Königin Vertrauen zu den Bienen vor dem Loch hat, kommt sie raus.

Dieser ganze Vorgang ist viel naturnaher als das Zusetzen mit Käfig oder Gitter. Der Schlupf ist für die Bienen einfach ein normaler Vorgang.

Man kann einem weisellosen Volk schließlich auch eine schlupfreife Schwarmzelle zusetzen. Ob es nun eine natürliche Zelle oder eine künstliche ist, ist den Bienen herzlich egal. ... Bienen sind schon ziemlich weit entwickelt. Für sie zählen die inneren Werte halt mehr als das Äußere! :P :lol:

LG Johannes

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von ck1 » Samstag 29. Oktober 2016, 19:22

Hallo Johannes,

Ich vermute auch, dass es der natürliche Vorgang ist und du hast vermutlich Recht, dass die Kö nur vorsichtig die Zelle verlässt.

Was mich nur wundert ist folgendes: mein Imkerpate lässt seine Zuchtvölker per Bogenschnitt Zellen nachziehen, die er direkt nach der Verdeckelung in kleine Begattungsvölkchen gibt. Die Königinnen sollen bereits im Volk schlüpfen. Meist hat er aber nur eine Erfolgsquote von 40%, da ein Teil der Zellen seitlich aus gefressen und die Larven abgestochen werden ... Ein anderer Teil wird dann nicht begattet oder geht verloren etc. ... Ist dann mit den Larven etwas nicht in Ordnung und ist die zsz nur sicherer??

VG Christian

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von Johannes » Samstag 29. Oktober 2016, 19:31

Hallo Christian,

dazu kann ich dir (und deinem Paten) vermutlich die Lösung liefern.
Bogenschnitt ist einfach kein günstiges Zuchtverfahren. Die Zellen müssen aus der Wabe präpariert und woanders eingefügt werden. Nun sind verdeckelte Weiselzellen (außer ab 24 h vor Schlupf) aber sehr empfindlich. Wenn mann die Zelle nicht ständig senkrecht hält und im schlimmsten Fall gar erschüttert, löst sich die Streckmade bzw. Nymphe und stirbt in Folge dessen ab. Dann beißen Bienen die Zelle auf und räumen die toten Überreste raus. Die Bienen sind also nicht schuld an der schlechten Quote. Sie machen nur sauber.

Dein Pate könnte das Ergebnis verbessern, wenn er erst 24 h vor dem errechneten Schlupf die Zellen verschult. Ist halt bissl Pokerspiel wegen dem Alter der einzelnen Larven. Außerdem ist dann die Wärmeversorgung der Zellen auch besser als im kleinen BGK. Auch diese eventuelle Unterkühlung in zu kleinen Einheiten könnte die schlechte Schlupfrate unterstützen. :wink:

Deshalb sollte man sich früher oder später mit dem Umlarven beschäftigen. Dann ist die Schlupfrate sofort höher. :) Diese beweglichen Zellen lassen sich viel sicherer handhaben und man kann als Imker weniger Schaden anrichten.

LG Johannes

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Re: Zweitschlupfzelle

Beitrag von ck1 » Samstag 29. Oktober 2016, 20:27

Hallo Johannes,

mein Plan für kommendes Jahr sieht vor, dass erste Mal umzularven und mir Königinnen selbst nachzuziehen. :mrgreen:

Ich will die Weisel aber auch im Begattungsvölkchen schlüpfen lassen - bei mir vsl. 2-3 einzargige Warre-Beuten und zwei 3Waben-Ablegerkästen und wenn es nicht reicht Blumentöpfe (kennst du die Videos?) ...

In den Videos, wo die Weiseln im Brutkasten oder Schutzhüllen/Lockenwicklern schlüpfen, habe ich immer ein ungutes Gefühl ... Sie müssen sich ganz allein befreien, werden dabei nicht gefüttert, sind dann erst mal allein im Käfig und finden vlt. etwas Futterteig ... Erst nach Stunden, manchmal Tagen werden sie in die Begattungsvölkchen gegeben ... Das gefällt mir nicht und - nach Bruder Adam - ist das auch nicht gut für die Königin, die immer alles im Überfluss haben soll ...

Aber egal, das ist ein anderes Thema womit ich euch hier im Forum bestimmt noch nerven werde. :mrgreen:

Meinem Imkerpaten hatte ich letztes Jahr schon erzählt, was ich zum Thema gelesen und bei YouTube gesehen hab ... Er hat nur nachsichtig gelächelt und macht es wie immer.

VG Christian

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