Honigwaben ausschlecken lassen???

Ernte, Aufbewahrung, Abfüllung, Behandlung, Pflege, Aufbereitung und Verkauf von Honig; Honigsorten, Wachs, Propolis, Pollen

Moderator: Johannes

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Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Dienstag 18. August 2015, 15:07

HAllo allerseits,

seitdem ich vor wenigen Tagen Facebook Gruppen der Imkerei beitrat, stelle ich mit Erstaunen fest, dass das Hauptproblem vieler Jungimker das "Ausschlecken" von ausgeschleuderten Honigwaben durch die Bienen zu sein scheint.

Woher kommt dieses Phänomen, dass Jungimker glauben, ausgeschleuderte Honigwaben von den Bienen ausschlecken lassen zu müssen? Gibt es hier einschlägige Erfahrungen? Ist dies eine Notwendigkeit? Funktioniert das?

In meiner 36 jährigen Imkerpraxis habe ich noch nie davon gehört.

LG
Kai
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Johannes
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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Johannes » Dienstag 18. August 2015, 16:09

Hallo Kai,

dein "Problem" ist eindeutig, dass du keinen Honig erntest und das Problem daher nicht kennst! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Also es gibt mehrere Gründe für das Ausschlecken.
  • Trockene Waben sind einfach schöner zu handhaben, als klebrige.
  • Honiganhaftungen können im Winter (bei der Lagerung allgemein) gären. Sehr ärgerlich beim Aufsetzen im Frühjahr. Die Hefen gelangen in den frischen Honig.
  • Wenn man die Waben gegen die Wachsmotte behandeln muss (ich muss), dann nimmt der Honigrest den Duft / das Mittel auf. Entweder Schwefel oder B401 (z. B.)
  • Honigfeuchte Waben können Ameisen in Scharen in das Lager locken. Ein Graus!
Je nach Jahreszeit und Verantwortungsbewusstsein gibt es nun verschiedene Möglichkeiten.
Das Ausschlecken über einer Leerzarge auf dem Volk ist das ungefährlichste. Leider klappt das nur bei absoluter Trachtlosigkeit. So zumindest meine Erfahrung. Nach der letzten Schleuderung im Juli / August herrscht aber meist keine Tracht mehr. Mit Geduld ist das also machbar.
Die riskante Variante ist das freie Aufstellen der Waben. Das klappt garantiert immer. :P ABER: Man provoziert sehr leicht eine Räuberei und kann ganz unfreiwillig zur Ausbreitung aller erdenklichen Krankheiten (besonders Faulbrut) beitragen. Daher kann ich diese Variante nicht empfehlen. Früher wurde das aus Prinzip gemacht und einige Altimker machen es auch noch. ... Bitte kein Beispiel dran nehmen!


Das "richtige" Ausschlecken lassen ist also gar nicht so leicht und verursacht gerade Jungimkern zurecht Kopfzerbrechen! Ich kann das gut verstehen. Besonders, wenn es mal wieder nicht so klappen will, wie erwünscht.

LG Johannes
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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Johannes » Dienstag 18. August 2015, 16:27

Weiterführend kann ich hier mal noch erwähnen, wie ich mit Entdecklungswachs umgehe. :)

Bis letztes Jahr habe ich es immer auf Blumenuntersetzern (30 cm Durchmesser) in den Hohen Boden meiner Heroldbeuten gestellt. Das funktioniert gut und bei starken Völkern und verkleinertem Flugloch muss man auch keine Räuberei fürchten. Nur die Entnahme war immer lästig, da man ja nie bienenfrei hantieren kann und gerade unten sitzen die Flugbienen. :wink:
Natürlich bestünde auch die Möglichkeit es oben in die Futterzarge zu geben und den Zugang frei zu geben. Aber das Wachs wird an der Zarge fest gebaut. ... Unschön!

Dieses Jahr bin ich dann durch Zufall auf eine neue Idee gekommen, die mir fantastisch gefällt!
Ich gebe eine gewisse Menge (10-15 cm hoch) von dem honighaltigen Entdecklungswachs in einen leeren Hobbock. Dann kommen paar Liter Wasser dazu. Das Wasser muss natürlich kalt sein. Sonst schmiert das Wachs nur. Dann mit Bohrmaschine und so einem Mischer für Farbeimer (natürlich neu) die ganze Pampe durch mixen. Das klappt erstaunlich gut. Am Ende hat man nur noch sehr kleine Wachskrümel. Mit einem feinen Sieb dann alles trennen und das Wachs schön abtropfen lassen.
Das Honigwasser dicke ich dann noch mit Zucker ein, bis sich keiner mehr löst. Die Bienen lieben dieses Futter! :D

Mir ist klar, dass das für große Mengen keinen Sinn ergibt. Aber bei meinen Dimensionen von 3 Hobbocks voll Entdecklungswachs ist es praktikabel!

LG Johannes
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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Dienstag 18. August 2015, 16:37

Hallo Johannes,

ja, mit dem Entdecklungswachs lief es ähnlich bei gemeinsamer Honigernte von Vatern und mir: dieses kommt ich eine normale Leerzarge direkt auf das Volk auf die Oberträger der Rähmchen. Nicht die schönste, aber die einfachste Methode. Am Ende bleibt dann sauberes aber auch festgebautes Wachs übrig.

Honigfeuchte Waben gelangten entweder direkt zu den Bienen zurück (aus der Frühtracht, denn Sommetracht gibt's hier kaum), oder kamen zargenweise in den kalten Keller zur weiteren Verwendung im nächsten Frühling.

LG
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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Johannes » Dienstag 18. August 2015, 16:45

imkerforum-nordbiene hat geschrieben:...Honigfeuchte Waben gelangten ... zargenweise in den kalten Keller zur weiteren Verwendung im nächsten Frühling...
Ja, ein kühler, trockener, Motten- & Ameisen-sicherer Keller steht mir leider nicht zur Verfügung. Sonst wäre das natürlich die einfachste aller Methoden, um dem lästigen Ausschlecken zu entkommen.


Übrigens wollte ich an der Stelle mal kurz erwähnen, dass Wachsmotten auch in unbebrütete Waben gehen. Nicht dass sich jetzt hier jemand zu Wort meldet, warum ich die Waben schützen muss. :wink: Vielleicht überleben sie da nicht lange. Aber sie versuchen es. Denn die MW werden ja aus altem Wachs gemacht. Das kann Pollen als Eiweißquelle enthalten. Zumindest die kleine Wachsmotte versucht es auch dort.

LG Johannes
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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von elk030 » Dienstag 18. August 2015, 21:56

Erwähnenswert ist zudem:
Die bienen schlecken die Waben nicht nur sauber, sie reparieren diese auch.
Und ich setze keine Leerzarge drunter,nur ASG, weil das funzt auch so.
Starke Völker machen das am Besten und Schnellsten.
Elk

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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Heidjer » Mittwoch 19. August 2015, 01:36

Auf die obere Zarge eine Leerzarge und in die nächste Zarge nur einige Rähmchen locker mit Abstand einhängen. Deckel darauf und die Bienen machen lassen. Dann die die Waben sauber und trocken. Hängen die Rähmchen zu dicht, so schlecken sie nicht aus, sondern meinen dort Futter eintragen zu müssen. Also sher luftig in die obeste Zarge einhängen.
MfG
Wolfgang

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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Johannes » Montag 24. August 2015, 18:28

Hab da gerade noch was gefunden. :)


https://www.youtube.com/watch?v=yx3ELLiuf40
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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Katrin » Freitag 29. April 2016, 07:42

Hab mir das Video grade angesehn und am Ende hatte er Bedenken wegen der Wachsmotte. Vielleicht hilft ja Lavendel in den Keller zu hängen, zumindest mögen Kleidermotten das nicht. Könnte ja bei der Wachsmotte auch funktionieren. Ist jedenfalls ein interessantes Video. :)

LG Katrin

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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Didi » Freitag 29. April 2016, 12:17

Hallo zusammen,
ich hatte letzten Sommer sehr fleißige Helfer um die Waben trocken zu kriegen, tausende Wespen. Zuerst habe ich alles versucht, sie aus den HR rauszuhalten aber als das nicht funtionierte habe ich sie machen lassen. Ergebnis: Knochentrockne undheile Waben.
Wenn diese Jahr wieder ein Wespenjahr wird, werde ich das wiederholen
LG Dieter

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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Herbert » Freitag 29. April 2016, 19:21

Moin moin,
das Ausschlecken der Honigwaben ist wohl moderne Imkerei :!: :!: Habe es anders gelernt,in den 80ern.
Habe aber auch noch nie ,soll ich sagen toi-toi-toi? probleme mit honigfeuchten waben gehabt.Im übrigen
behandel ich meine honigwaben nicht gegen Wachsmotten,weil die Motten eigentlich auch nur in bebrüteten
Waben gehen.Ich belüfte meine Honigwaben gut und schütze zur not oben und unten mit Gaze.

LG Herbert

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Re: Honigwaben ausschlecken lassen???

Beitrag von Herbert » Freitag 29. April 2016, 21:11

Hallo moin,
musste mich erstmal vom anderen Beitrag,mental runterfahren.Habe noch hinzuzufügen,das in meiner
Imkerei kein Entdeckelungswachs anfällt welches die Bienen auslecken könnten,da ich mit einem
Heissluftföhn meine Honigwaben entdeckel,nicht (Haarföhn) denn damit klappt es nicht.Vorteil keine verstopften Siebe,während der Ernte,aufgrund des Wachses,sehr schnelles Entdeckeln,gerade wenn man die Aufgabe allein zu bewältigen hat,schleudern plus entdeckeln. Nachteil ,kein Deckelwachs,bei den meisten Hobbyimkern,bis nur einige 100gr.

LG Herbert

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