Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Alles, was mit der einzigen in Mitteleuropa heimischen Biene zu tun hat

Moderator: Johannes

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imkerforum-nordbiene
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Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Samstag 19. Januar 2013, 18:42

HAllo allerseits,

es gibt etwas negatives nach den vielen positiven Veröffentlichungen im Internet und in der Imkerpresse zur Dunklen Biene zu berichten:

In der Februar-Ausgabe 2013 des Deutschen Bienenjournals äußert sich einer der strengsten Verfechter der Carnica-Zucht in Deutschland, Prof. Günter Pritsch (siehe Liste der Carnica-"Führer" auf http://www.nordbiene.de/index.php/nachr ... ifera.html ganz unten auf der Seite) auf seine Weise zur Geschichte und zu den Risiken der Dunklen Biene in Deutschland:

Demnach habe er in seiner Jungimkerzeit mit der Mellifera gearbeitet; Haube, Handschuhe und Imkerpfeife "gehörten zur Imkerausrüstung", sanftmütige Bienen habe es nicht gegeben. Honigerträge sollen sich in Grenzen gehalten haben, stets sei mit wabenflüchtigen Bienen zu rechnen gewesen.

Es folgen alle weiteren bekannten Argumente der Carnica-Seite, welche angeblich gegen die Dunkle Biene sprechen. Die verwendeten Begriffe wie "Rasse", Bastarde", "Verbastadierung", "Stechlust", etc. lassen auf die rasse-ideologisch geprägte Ausrichtung des Pritsch schließen, wie ich ja schon vor langer Zeit in dem Artikel http://www.nordbiene.de/index.php/nachr ... ifera.html schrieb.

Warnend schließt Pritsch (Länderinstitut Hohe Neuendorf und Mitverantwortlicher für die heillose Zuchtarbeit "Beebreed") mit den Worten seinen Artikel: Die heutigen Anhänger der Dunklen Biene übernehmen eine "große Verantwortung". Diese seien gewarnt, dass es nicht zu einer "erhöhten Aggressivität" der Bastarde komme.

Kein Wort dazu, dass die Dunkle Biene hier die einzige ursprünglich heimische war. Kein Wort zu den vielen internationalen und nunmehr auch deutschen Artenschutzbemühungen. Kein Wort, dass die Dunkle Biene ein Wildtier ist. Kein Wort zu ihrer bereits belegten Sanftmut!

So liebe Freunde, nun erwarte ich gern Eure Darstellung. Vorerst halte ich mich zurück.

Gegendarstellungen zum Abdruck im Deutschen Bienenjournal können auch gern an folgende Adresse gesandt werden:

bienenjournal@bauernverlag.de

(Redakteur Dr. Spiewok)

LG
Kai
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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von landimkerei » Samstag 19. Januar 2013, 20:29

Liebe Freunde der Imkerei, liebe Freunde der Dunklen Bienen,

ich sehe es als Armutszeugnis an, wenn sich ein Professor im reifen Alter zu solcherlei Artikel hinreißen läßt. Woher nimmt er seine Rechtfertigung für diese Ausführungen? Doch nicht im Ernst aus seinen Erinnerungen an eine Biene die mind. 60 Jahre zurückliegen? Ein Mensch, dem man diesen Titel verleiht, sollte wissen, dass sich durch eine geziehlte Zucht die Wesensmerkmale eines Lebewesens deutlich beeinflussen lassen. Glaubt er denn wirklich, dass alle Imker, die in dieser Zeit mit der Dunklen Biene gearbeitet haben komplett zerstochen sind und kaum Honig ernten und etwa nur aus Dummheit nicht auch eine seiner unverbesserlichen Carnica's halten? Ich denke man sollte dem Mann seines Alters wegen Respekt zollen, aber einen solchen Artikel sollte er nicht mehr schreiben.

Ich findes es sehr traurig, dass unter uns Imkern solche peinlichen und unsachlichen Diskussionen zu den verschiedenen Bienenunterarten geführt werden. Gibt es doch weitaus dringlichere Probleme, die unsere vereinte Aufmerksamkeit verdienen. Vielleicht sollte sich der eine oder andere mal wieder daran erinnern!

Beste Grüße - Jan Gutzeit

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von aufwind » Samstag 19. Januar 2013, 21:05

Hallo an alle Imker und Interessenten,

ich lebe im Zentrum der Carnica-Zucht, nämlich in Kärnten und habe nun die Gelegenheit in die Imkerei einzusteigen, weil ich nach Jahrzehnten der Abwesenheit (Wien), nun wieder in meiner Heimat den Hauptwohnsitz einnehme. Da ich mich v. a. für die Erhaltung der alten Nutztierrassen interessiere und schon an die 20 Jahre hier operativ (Ennstaler Bergschecken, Krainer Steinschafe, Waldschafe) aber auch aktiv (Altsteirer Hühner, Wiener Hochflugtauben, Kärntner Brillenschafe) tätig bin, bzw. war, habe ich mich längst schon für die dunkle Biene interessiert, weil es noch Restbestände im Bundesland Salzburg geben soll.

Doch alsbald musste ich feststellen, dass die Zucht anderer Bienenrassen in einem Hauptzuchtgebiet, wie hier etwa der Carnica, schlichtweg nicht möglich ist und will das hier nicht weiter ausführen. Man kann die Königinnen einfach nicht in einem Raum einsperren, bzw. gezielt Drohnen zuführen, außer eben natürlich einer Deckstelle, welche sich in dem betreffenden Zuchtgebiet befindet. Ich will mich da nach der entsprechenden Sachkenntnis, welche ich bei einem Anfängerkurs im beim Wiener Bienen-ZV erworben habe, nicht weiter mit der Thematik befassen.

Daher finde ich es sehr wichtig, dass die Dunkle Biene weiterhin erhalten und natürlich gezüchtet wird. Man müsste vielmehr mal einen Weg finden, wie man die diversen Bienenvölker und -rassen im Hinblick auf Varroa-Resistenz bearbeiten kann, wie es irgend wann auch mal bei den asiatischen Rassen der Fall gewesen sein muss. Ich denke, das diese Thematik eher die Zuchtziele und Züchter verbinden sollte und keine Polemik, welche gegen diverse Bienenrassen gerichtet sein soll. Als Gen- und ressourcenerhalter kann ich so eine Einstellung und Handlungsweise keineswegs nachvollziehen.

Wäre es möglich, würde ich mich sogar im Carnica-Hochzuchtgebiet mit der Dunklen Biene befassen, so stolz ich auf dieses Produkt bin, welches zwar aus Slowenien stammt, doch hier nun eine neue Heimat, bzw. Hochkultur gefunden hat, bzw. in zahlreiche Gebiete exportiert worden ist.

Auch in Niederösterreich und dem Burgenland wird von Backfast-Beständen und den resultierenden Kreuzungsprodukten, die auch sehr aggressiv sein sollen, berichtet, obwohl in Zuchtgebieten nur eine bestimmte Rasse, faktisch die Carnica, vorgeschrieben ist, aus zuvor angesprochenen Gründen.

Daher ist es für mich erfreulich, wenn es auch noch Regionen in Europa gibt, wo auch weitere Bienenrassen vorhanden sind, welche bestimmt wieder andere Vorteile haben. Als Generhalter weiß ich aus Erfahrung, dass viele "alte Kulturrassen" oft nur aus ökumenischen Motiven einiger weniger Opportunisten verschwunden sind, wenn ich nur an diverse Schaf- und Rinderrassen denke.

Daher hoffe ich sehr, dass diese Polemik, wie sie hier von einem alten Agronomen (???) offenbar angezettelt wurde, wieder abflachen kann und sich v. a. die norddeutschen Züchter der Dunklen Biene weiter gezielt mit ihrer Zucht befassen und sich nicht weiter alterieren lassen. Ich denke, dass man da auch über eine gezielte Argumentation professionell antworten kann. Ich halte das zumindest für möglich, weil es allerorts an der Zeit ist, sich der Generosion entgegen zu stellen. Zumindest dieses Argument wird jeden wirklichen Experten der Landwirtschaft und Tierzucht ansprechen können.

Überhaupt muss man festhalten, dass alle Rassen nur das Produkt ihrer Züchtergenerationen darstellen, welche über lange Zeiträume, bis hin über Jahrhunderte, entwickelt wurden. Daher kann man mit Sicherheit auch aggressive Rassen durch gezielte Selektion "verbessern". Es fragt sich nur, ob diese vermeintliche Aggressivität nicht wieder andere Vorteile hat, welche vielleicht nicht direkt im ökonomischen Bereich liegen, sondern vielleicht "nur indirekt", etwa was die Abwehr von "Feinden" oder Parasiten anlangt. Das ist zwar hier an dieser Stelle nur eine Spekulation, jedoch immer wieder in dieser oder jener Form zu beobachten, nämlich als qualitative und nicht als quantitative Merkmale, die gerade in der Tierzucht immer sehr im Vordergrund stehen (Menge an Milch- oder Fleischertrag). Doch gerade bei alten und ehemaligen Nutztierrassen liegen die Vorteile v. a. im qualitativen Bereich und es würde mich nicht wundern, wenn diverse Parameter der Dunklen Biene das ebenfalls bestätigen würden.

Somit bleibt es für mich nur, den Züchtern der Dunklen Biene weiterhin viel Engagement in ihrer wichtigen Zuchtarbeit zu wünschen, damit dieses alte Kulturgut nicht nur erhalten, sondern ebenfalls in diversen Parametern noch verbessert werden kann, denn Züchten bedeutet jedenfalls "Denken in Generationen".

Viele Erfolg und gute Zuchtarbeit aus der "Carnica-Region" wünscht

aufwind
Ich bin an der Erhaltung genetischer Ressurcen v. a. bei landw. Nutztieren interessiert und aktiv und operativ tätig, wowie der einzige Herdbuchzüchter bei Hühnern in Österreich (Altsteirer weiß).

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Samstag 19. Januar 2013, 21:10

Hallo

Euch beiden vielen Dank für die Stellungnahmen.

@ aufwind
Ja, in Österreich, also auch in Deiner Region, ist ja die Carnica die ursprünglich heimische Biene. Von daher für diese Gegend absolut erhaltenswert, und zwar möglichst in ihrer ursprünglichen Form (also nicht Hochzucht etc). Und vor allem finde ich es schlecht, dass in Österreich die Buckfast mehr und mehr verbreitet wird; die einheimische Carnica in Österreich wird dadurch endgültig zerstört.

Wir alle ziehen also an einem Strang.

LG
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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von HImker » Samstag 19. Januar 2013, 21:17

Frage am Rande:

Ist das Hauptproblem jetzt die Ansicht des Herren oder die Tatsache, dass das BJ diese Ansichten abdruckt.
Letzteres finde ich, auch auf Grund des Artikels des Bienenstandsbesuch, der neulich gedruckt wurde, bedenklich.

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von Heiko » Samstag 19. Januar 2013, 21:54

Hallo Kai,

ich beziehe das Bienenjournal nicht, habe den Artikel demzufolge auch nicht gelesen und online finde ich ihn auch nicht.
Aber was soll´s - ich habe genug Phantasie!

Meiner Meinung nach war das zu erwarten. Nachdem die "Dunken Spinner" anfangen sich zu organisieren und man registriert,
dass das durchaus eine bundesweite Tendenz hat, wird man halt nervös.

Die Organisation der Imkerei in Deutschland ist noch eine recht "verkrustete" Sache und es spielen nach wie vor auch wirtschaftliche
Interessen eine Rolle.
HImker hat geschrieben:Ist das Hauptproblem jetzt die Ansicht des Herren oder die Tatsache, dass das BJ diese Ansichten abdruckt.
Letzteres finde ich, auch auf Grund des Artikels des Bienenstandsbesuch, der neulich gedruckt wurde, bedenklich.
Die Ansichten dieses Herrn sind das Problem. Das BJ druckt das was gelesen wird, sonst würde es nicht existieren. Und nichts wäre
doch dem Umsatz förderlicher als ein dort geführter Disput Dunkle/Carnica. Für mich ist das "kalter Kaffee" den ich in jedem Forum
mehr oder weniger sachlich verfolgen kann.

Die einzige Antwort auf so etwas heißt: Weiter machen!

Gruß Heiko

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von Heidjer » Sonntag 20. Januar 2013, 00:07

Zu der als "Stellungnahme" bezeichneten Ausführung des Carnica-Zuchtobmannes Dr. G. Pritsch mit 30-jähriger Herrschaftserfahrung möchte ich nur mit einigen Punkten inhaltlich Stellung nehmen.
Nur einige Anmerkungen:
- Herr P. hat wohl als Heranwachsender in der DDR nichts vom III., dem 1000-jährigen, Reich gehört. Denn die einheitliche Ausrichtung der Bieneninstitute und deren Wissenschaftler hin auf die Ausbreitung der Kärntener Biene und damit der Verdrängung der heimischen deutschen dunklen Biene hat er vollständig unterschlagen.
- Aussage zum Vorgang um 1970 in der DDR: "... entschlossen sich auch die letzten Melliferazüchter zur Zucht der Carnica überzugehen." Freiwillig oder unter dem in diesem Staat üblichen 'demokratischen' Vorgang, beeinflußt durch den Herren Institutsleiter Dr. Pritsch?
- Abschließend lobt Herr P. nochmal auch seine"jahrzehntelange Zuchtarbeit" mit den "seriös durchgeführten, beim Projekt Beebreed.eu ausgewerteten Leistungsprüfungen", ohne auch nur anzudeuten, dass die Carniacazucht längst große Probleme hat. Wie sonst sollte sich der Erfolg der Buckfastbienen, gerade bei den Berufsimkern, erklären.


Auf den Seiten 40 und 41 mit den Leserbriefen gibt es auch noch drei abgedruckte Zuschriften:

1. von Frau Hebbel: Sie hat vor Jahren einen befreundeten Imker in der Schweiz getroffen. Dieser 'züchtete', so schreibt sie, Buckfast, Carnica und die Nordbiene weil er sie verkaufen konnte, also des Geldes wegen. Also alle drei Rassen in entsprechender räumlichen Dichte, weil dieses wegen der "unterschiedlichen Höhenlagen ... gut funktioniert". Wie er züchtete oder ob er nur vermehrte, wird mit keinem Wort erwähnt. Sie schreibt jedoch weiter vom Hörensagen, dass dieser Imker die Nordbiene überhaupt nicht liebte, denn beim stillen Umweiseln werden Bastarde mit den anderen beiden Rassen stets zu reinen "Kampfbienen". Außerdem "Mit der Nordbiene kann er zudem kaum Ableger bilden oder Bienen abfegen, ... Sie sind einfach zu brutschwach."
Ihr letzter Satz lautet: "So viel zu meiner Erfahrung mit der Nordbiene."

Das ist doch typisch: 'Hörensagen' wird als eigene Erfahrung weitergeben.

2. Herr Geipel stellt in nur drei Sätzen fest, dass "irgendwelche Bienen abgebildet wurden, aber keine Apis mellifera mellifera" und erläutert, wie diese auszusehen haben. Danke!

3. Imkermeister W. Kusche beklagt zuerst: "Mit Bedauern muss ich feststellen, dass das dbj den Rassekreuzungen bei der Zucht der Bienen den Vorrang eingeräumt hat." Meine Frage: wann, wo ?
Er schreibt dann u.a. weiter "... mit meinen 77 Jahren ... habe (ich) am eigenen Leib erfahren, wie stechlustig die Kreuzungen der Dunklen Biene waren." Es steht nichts davon, dass die importierten Carnicabienen zu den Einkreuzungen führten. Ursache und Wirkung werden, wie so oft, verdreht und den eigenen Gedanken angepasst.
Dann schreibt er noch von einem Buckfastvolk, das er im Herbst verstärken musste und damit belegt, dass "auch die Einführung der Buckfastbiene ins Leere lief". "Was wir heute haben, sind Carnicakreuzungen mit gelben Ringen, die keine Verstärkung mehr brauchen, aber als Buckfast deklariert werden." Diesen, für einen Berufsimker, doch wohl fachlich disqualifizierenden Äußerungen ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Dann folgt jedoch ein, so meine ich, positiver letzter Satz: "Was wir brauchen ist eine Biene, die wieder einen natürlichen Jahresrhythmus hat und nicht den Bestrebungen einiger Institute folgt, die eine Biene mit ganzjähriger voller Volksstärke haben möchten." Und schon wären wir bei unserer heimischen Dunklen Biene mit ihren verschieden regionalen Untertypen.

Nun habe ich doch mehr geschrieben und Dampf abgelassen als ich wollte.
Wolfgang, der Heidjer

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Gast02

Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von Gast02 » Sonntag 20. Januar 2013, 11:07

Ein Ausschnitt aus der Zeitschrift „Deutsche Imkerführer, 1934“ mit dem Titel:" Wie sah die deutsche Biene aus“ (D. Körner, Köln-Longerich): „ Die Varietät der Honigbiene muß bis weit über die Mitte des vorigen Jahrhunderts unsere Gaue bevölkert haben, denn wenn auch v. Baldenstein 1845 und Dzierzon 1852 mit der Einführung der Italiener Biene begannen, so dauerte es noch einige Jahrzehnte, bis die deutsche Imkerschaft, dank des ungeheuren Einflusses Dzierzons, von dem Importtaumel ergriffen wurde. Nicht nur an den Italienern, auch an Krainern, Zyprern, Kaukasiern und Ägyptern wollte man Eigenschaften entdeckt haben, die der bodenständigen Art mangelten. Als man dann endlich zur Besinnung kam, war es zu spät, die rassereine deutsche Biene war dahin, und heute sind wir leider so weit, dass Prof. Armbruster einmal mit voller Berechtigung sagen konnte: -Die deutsche Biene ist diejenige, die durch Vereinsbeschluss dazu gemacht wird-.„


In Deutschland wohl auch Institutsbeschluss und so versucht man auch gleich jede „Dunkle Bienen-Befürworterbewegung“ neuerer Zeit im Griff bzw. unter die Fittiche zu bekommen, ist doch klar um diese kontrollieren zu können (Zuchtwertschätzung, Beebreed etc.).

Mit der Verbreitung negativer Darstellungen zur mellifera werden wir wohl noch lange leben müssen. Ich jedenfalls verstecke mich nicht und ich bin stolz eine Biene halten zu dürfen die in unserer Landschaft einmal heimisch war. Diese Biene ist kein Kunstprodukt, sie ist ein Naturprodukt mit all ihren Vor- und Nachteile und dem muss man Rechnung tragen. Richtlinien der bestehenden Verbände zur Zucht und Vermehrung können hilfreich sein, sind aber für den Erhaltung unserer reinen Bestände nur halb so viel wert, wie sie für Buckfast oder deutsche „Carniolas“ Linien wert sind.

Stechlust und wenig Ertrag wurden und wird der heimischen Biene nachgesagt umso erstaunlicher ist, dass kein geringerer wie Bruder Adam von gute bis sehr gute Erträge seiner englischen dunklen Biene berichtete, von extreme Stechlust kaum ein Wort.

Es wird auch meist vergessen, dass zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg die schwarze Biene „Nigra“ der Schweiz, massenweise über ganz Deutschland verteilt wurde, aber diese sich nicht halten konnte (war die Basis zu schwach? Fehlerhafte Zuchtauslese auf Farbe von nur wenigen Müttern usw.?). Diese Alpenbiene hatte mit unserer Braunen an sich nichts zu tun, obwohl sie eine mellifera ist.

Als bekennender Hautflügler-Freund stelle ich mir immer wieder die Frage: Wie sah die heimische Biene einmal in Deutschland aus und was steckt noch an Erbgut in der Landrasse? Ich glaube es bleibt hier nur noch alte Insektensammlungen von vor 1900 unter die Lupe zu nehmen..
Von einem Käfersammler erhielt ich zur Bestimmung 5 vollgepackte Insektenkästen mit Hymenopteren. Darunter befand sich eine Honigbiene aus Münster, leg. Grunewald 1976.
Ich habe diese Biene nach 3 Methoden untersucht:
Stereomikroskop: CI= 1,7; Haarlänge T5 mittel; Tergitbinden mittel breit.
DraWing: CI= 1,69; HI= 0,8765; DS= -1,9.
Franz. Methode: 62,38 % mellifera Wahrscheinlichkeit, Rest nicht zu identifizieren.

Das zeigteinmal mehr, dass doch so einiges aus der dunklen Vergangenheit in der Landbiene schlummert.

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Bergfunker

Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von Bergfunker » Sonntag 20. Januar 2013, 14:10

Der Prof. Günter Pritsch ist anscheinend fern jeglicher Realität. Mein Onkel hatte in Brandenburg 36 Völker DB. 1971 wurde er vom damaligen DDR-Verband "überzeugt" seine DB abzuschaffen. Das wurde dann 1972 und nochmals 1973 kontrolliert. In den 60iger Jahren war ich als Stift immer mit wenn wir in Brandenburgischen Wäldern wilde DB-Völker eingefangen haben. War die billigste Methode an preiswerte Bienen zu kommen. Als 12 Zwölfjähriger habe ich mich lediglich mit ein Strohhut und ein Schal um den Hals geschützt. Imkerhandschuhe hatten wir nicht, die Versorgung mit Zubehör war mehr als bescheiden und basierte auf Vitamin - B Kontakte. Bzw. Tauschgeschäfte.
Beim Einfangen selbst bin ich nie gestochen worden. Das einzige war am Stand wenn wir die Waben kontrollierten. Da bekam ich ich pro Jahr 2 - 3 Stiche ab. Meistens jedoch nur dann, wenn ich sie mit den Fingern aus meine Haare klaubte oder unterm Hemd hervor holte. Für Schleier und Handschuhe in meiner Größe, fehlten die Beziehungen, so das ich mit blanken Fingern wie mein Onkel arbeitete. Als dann im Sommer 1971 die neuen Bienen kamen, hatte ich schnell die Nase voll, weil ich pro Wabenkontrolle öfter 2 - 3 mal gestochen wurde. Ich war gezwungen auf Motorradhandschuhe aus zu weichen. Dafür hatte ich die Stiche nun im Hals u. im Gesicht. Wenn ich das proportional sehe, dann müßte ich behaupten das die Carnika viel agressiver ist als die DB. Doch Prof. Günter Pritsch hat den entscheidenden Punkt vergessen: inzwischen sind über 45 Jahre Zuchtgeschichte und Weiterentwicklung ins Land gegangen. Und wenn von Bastarden gesprochen werden muß, dann in erster Linie von den Carnika. Denn reinrassige Bienen sind auf Grund der vielzahl von Kreuzungen, Experimente und unkontrollierte Begattung nicht möglich. So kann man nur mit dem vorhandenen Material versuchen das optimale zu erreichen. Und Optimal ist eine heimische Rasse die mit den örtlichen Gegebenheiten abgestimmt ist und nicht abgestimmt auf den Profit. Das unterscheidet den Hobbyimker vom gewinnorientierten Berufsimker. Als Fachmann ist Prof. Günter Pritsch eine Schande für eine wissenschaftliche Betrachtungsweise. Eine derart einseitige Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage, stellt jedenfalls keine wissenschaftlich fundierte Arbeit dar.
Viele Grüße vom Bergfunker

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von heidom » Sonntag 20. Januar 2013, 15:31

Hallo an alle, ich bin hier neu, verfolge die Nachrichten zur Dunklen Biene jedoch schon lange und mit steigendem Interesse. Ich bin froh, dass es Imker gibt, die diese Bienen halten und sich nicht beirren lassen. Danke an die, die sich darauf eingelassen haben!

Der Artikel im November 2012 hat mich schon nachdenklich gemacht. Das war meiner Meinung nach schon so geschrieben, wie: "Naja, die Dunklen an diesem Stand habe ich überlebt, aber man weiß ja nie und Ausnahmen bestätigen die Regel." Zum einen hab ich mich gefreut, im Bienenjournal etwas über die Nordbiene zu lesen, zum anderen fand ich den Artikel nur mittelprächtig. Der jetzige im Bienenjournal lässt mich den Verfasser mit anderen Augen sehen. Ich habe sein Buch "Bienenweide", das ich sehr gut finde. Dass er in so verkrusteten Auffassungen stecken geblieben ist, wusste ich nicht. Aber Bienenweide und Bienenzucht sind ja auch was anderes.

Ich habe meine Meinung zur Diskussion Pro und Contra - Dunkle Biene und Carnica in einem Artikel auf meinem Blog zum Ausdruck gebracht. Vielleicht ist es etwas daneben, hier als Neuling gleich einen Link auf einen eigenen Artikel zu setzen, habe aber keine Lust, den ganzen Text hier nochmal zu schreiben. Also mache ich es doch (wenn nicht gewünscht, lösche ich ihn wieder): http://bienen-blog.blogspot.de/2013/01/ ... imker.html

Letztendlich aber noch einmal Danke an alle, die sich für die Nordbiene stark machen. Ich finde das total richtig!

Viele Grüße Heike

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von ulrike » Sonntag 20. Januar 2013, 17:10

Eine Gegendarstellung ist nicht die richtige Form. Die richtige Form ist ein Leserbrief, besser noch viele Leserbriefe. Adressat ist die Redaktion über das Kontak-Formuler. Leserbriefe werden immer sehr ernst genommen!
http://www.bienenjournal.de/kontakt
Viele Grüße
Ulrike

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von StefanK » Sonntag 20. Januar 2013, 17:22

Hallo,
ja, manche Leute sehen nun ihr Lebenswerk den Bach runter gehen, Buckfast hier und Dunkle da, von allen Seiten in die Zange genommen. Dabei haben sie selbst den Boden dafür bereitet. Zusätzlich zu allem schon genannten ärgert mich diese ungeheure Anmaßung und scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der man einen Teil unserer Fauna einfach so zum Austerben verurteilt hat und dies immer noch tut ! Dann noch die scheinheiligen Bemerkungen im Sinne von, "na ja, man könne die Dunkle ja weiterhin dort halten, wo sie hinpasst oder wo keine Carnica ist". Interessanterweise findet sich diese Haltung auch bei mir persönlich bekannten Imkern, die ich sonst sehr schätze und die sich auch auf anderen Gebieten sehr um den Natur- und Umweltschutz bemühen. Es wird hier einfach nicht erkannt, dass die Dunkle nicht einer standort-unangepasste Obstsorte vergleichbar ist (standort-unangepasst wegen der häufig geäußerten Ansicht, das die Dunkle für die Frühtracht als Haupttracht nicht taugt). Nein, die Dunkle ist ein einheimisches Wildtier und schon aus diesem Grunde erhaltenswert. Erfreulicherweise sehen das viele Neuimker so, so dass die Dunkle hoffentlich mit der neuen Imkergeneration ihr Comeback in Deutschland hat.
Ach ja, beim Ertrag kann ich keine Unterschiede feststellen, bei der Aggressivität auch nicht. Auch bei den standgepaarten nicht.

lg
Stefan

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Sonntag 20. Januar 2013, 20:49

Hallo allerseits,

vielen lieben Dank für Eure ausführlichen und ermunternden Stellungnahmen! Ganz ganz herzlichen Dank!

Ja, eine Gegendarstellung ist nicht das richtige Wort, Ulrike, ich meinte natürlich auch Leserbriefe an bienenjournal@bauernverlag.de

Je mehr desto besser!

Einen solchen will ich jetzt verfassen: so kurz, sachlich und freundlich wie möglich.

Nur dann hat er eine Chance, abgedruckt zu werden. Bitte, jeder von Euch ist auch eingeladen.

Nochmals vielen Dank.
LG
Kai
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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von Heidjer » Montag 21. Januar 2013, 01:35

Hallo Heike,

Deine verlinkten Artikel auf Deinem Blog habe ich mit Freude gelesen. Danke!

Wolfgang, der Heidjer

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Re: Gegenschlag: "Die Dunkle in Deutschland"

Beitrag von warrebilly » Montag 21. Januar 2013, 17:01

ulrike hat geschrieben:Eine Gegendarstellung ist nicht die richtige Form. Die richtige Form ist ein Leserbrief, besser noch viele Leserbriefe. Adressat ist die Redaktion über das Kontak-Formuler. Leserbriefe werden immer sehr ernst genommen!
http://www.bienenjournal.de/kontakt
Viele Grüße
Ulrike
Apropos Leserbriefe: Der Artikel von Pritsch ist ja nicht der einzige kritische über Dunkle im Bienenjournal. Da gibts noch die Leserbriefe von Frau Hebbel und Herrn Kusche auf Seite 40... .Was allen gemeinsam zu sein scheint, dass sie die Entwicklung, die a.m.m. seit 1960 durch Zucht und Selektion durchgemacht hat, nicht mitbekommen haben.

Gruß Billy

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