Neu: Ausrottung durch Vermischung

Alles, was mit der einzigen in Mitteleuropa heimischen Biene zu tun hat

Moderator: Johannes

radiolaria
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Re: Neu: Ausrottung durch Vermischung

Beitrag von radiolaria » Montag 27. Juni 2016, 18:18

Ole86 hat geschrieben: danke für deinen Beitrag. Ich kann deinen Denkansatz nachvollziehen, teile diesen allerdings nicht.

Verstehe mich bitte nicht falsch, ich schätze alle geographischen Rassen gleichermaßen und möchte diese genau deswegen auch erhalten, allerdings nur in ihrer ursprünglichen Region. Dein Beispiel mit der Carnica trifft einfach nicht zu, ...

Beste Grüße, Ole!
Welches Besispiel meinst Du?

Kurz zu meinem Statement:
ich störe mich nur an der Schlußfolgerung, daß Vermischung die Ursache der Ausrottung ist.
Auf alles andere, wohin bestimmte Rassen gehören oder so, habe ich mich gar nicht geäußert.

mal ein paar Fragen:
Wir haben doch hier in unseren Breiten verschiedene Honigbienen, hauptsächlich aus der Carnicagruppe.
Sind diese Carnicas alle Mischlinge, oder gibt es auch reine Carnicas?

Wenn es reine Carnicavölker gibt, warum sind diese nicht durch Vermischung hier aus unseren Breiten ausgerottet worden?
Wieso trifft die Ausrottung durch Vermischung nur auf die Dunkle Biene zu?
liebe Grüße,
radiolaria

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Johannes
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Re: Neu: Ausrottung durch Vermischung

Beitrag von Johannes » Montag 27. Juni 2016, 19:20

Wieso trifft die Ausrottung durch Vermischung nur auf die Dunkle Biene zu?
Nein. Das tut sie nicht!
Alle Rassen aller Lebewesen werden in ihrer Reinform durch Vermischung ausgerottet!

Die Dunkle traf es nur so hart in früherer Zeit, weil ihre Verdrängung massiv gefördert und gewünscht war. Heute stellt die Dunkle eine Minderheit dar und eben keine stabile Population mehr. Daher sind die zahlenmäßig benachteiligten Völker der Dunklen Biene auch anfälliger für Ausrottung durch Vermischung. Aber trotzdem ist die Carnica von heute, die der Großteil der Imker meint zu besitzen, auch keine reine Carnica mehr. Allerdings tut es speziell mir um die Carnica hierzulande nicht sonderlich leid. Sie gehört ja nicht her. Dass sie nun von der Buckfast "mehr bedroht" wird als von der Dunklen ist nur eine Nebensächlichkeit, über die sich auch trefflich diskutieren lässt. :mrgreen:

Aber ich fände es sehr traurig, wenn die Carnica in ihrer ursprünglichen Heimat ähnlich bedroht wäre, wie die Dunkle hierzulande. Das hat nämlich keine regional heimische Biene verdient!

LG Johannes
Derzeit sind keine Königinnen mehr verfügbar.
2018 wird es wieder Nachzuchten von Mellifera und Ligustica geben.
Bestellungen nehme ich aber erst nach der Auswinterung entgegen.

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Stefan
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Re: Neu: Ausrottung durch Vermischung

Beitrag von Stefan » Montag 27. Juni 2016, 20:12

Ja, ist echt gruselig!!!

Was alles als Dunkle / Schwarze Biene oder auch reine Carnica angeboten wird. Hinzu kommt noch mangelnde Völkerführung und fehlende Anstrengungen regionale Linien zu ziehen, um damit die Biodiversität sicherzustellen.

In der Praxis wird einfach quer durchgekreuzt und als Dunkel oder Carnica angeboten ... Ein Blick auf die Bienen oder/und die Königin offenbart doch sofort was Sache ist.

Auch der Trend - Hauptsache einen Schwarm für eine Bienenkiste zu bekommen damit es summt - - hat in meinem Verständnist nichts mit Imkerei zu tun ...

Die Kombination von fehlendem Bewußtsein und dem Aufwand reine Linien zu ziehen ist nicht die beste Ausgangsbasis für langfristig reine Dunkle oder Carnica-Linien ...

Schöne Grüße, Stefan
Bei Interesse an Königinnen oder Völkern der Dunklen Biene bitte eMail an stefan@bienentraum.de - Linie über Belegstelle Salzburger Alpenland nachgezogen.

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Re: Neu: Ausrottung durch Vermischung

Beitrag von Hartmut Manning » Dienstag 28. Juni 2016, 17:53

Also Stefan,

hat schon in großen Teilen recht mit seiner Ansicht. Erhaltung hat schon mit intensivster Zuchtarbeit zu tun und nicht mit wildem kreuzen oder dem verwenden von Schwärmen um Bienenkisten voll zu bekommen.
Wenn wir hier was erreichen wollen sollten wir uns im Norden an die schwedischen oder norwegischen Reinbestände halten. Soweit es dort noch vorhandene Reinzuchtbestände gibt, stammen diese vermutlich aus ehemaligen Reparationsausgleichen die Deutschland nach dem 2. Weltkrieg leisten mußten. Die Allierten haben diese Bestände nach dem 2. Weltkrieg in der Heide beschlagnahmt. Jedoch denke ich das auch diese noch vorhandenen Bestände bereits in ihren jetzigen Heimatstaaten bereits züchterisch den klimatischen, geographischen und natürlichen Bedingungen imkerlich angepaßt, also bereits verändert wurden.

Bereits diese Bestände können nur noch durch Reinzucht oder durch küstliche Besamung erhalten werden, da es wohl nicht mehr viele von ihnen gibt.
Also sollten wir uns nach geographischen, gleichen Bedingungen mit der Zucht ausrichten. Nur Phantastereien haben in der Erhaltung und Zucht nichts zu suchen, auch nicht die Beschimpfung quer denkender Imker.
Übrigens Kai und der Gründer der Belegstelle Nordstrandischmoor haben schon eine gute Anfangsarbeit geleistet, die wir nun durch Aktivitäten unterstützen sollten.
HaMa

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Re: Neu: Ausrottung durch Vermischung

Beitrag von Hartmut Manning » Mittwoch 29. Juni 2016, 10:35

Liebe Imkerfreunde,

ich denke wir eiern um die Sache hier herum, denn um die Dunkle zu erhalten bedarf es mehr als ein Forum, weitaus mehr.
Zur flächendeckenden Erhaltung der Dunklen bedarf es einer straff organisierten Zucht unter Verwendung reiner Bestände, wenn es die überhaupt noch gibt. Ansonsten ist dieses der Versuch die Dunkle im Rahmen eines Rückzuchtprogrammes zu erhalten. Aber auch dazu bedarf es der Verwendung annährend reiner Bestände der Dunklen. Dieses ist m. E. nur machbar durch einen Zusammenschluß
deutscher und skandinavischer Züchter der Dunklen, um Reinzuchtbestände zu schaffen, da dort vermutlich noch annährend reine Bestände vorhanden sind.
Um aber, wie Kai in seinem guten Artikerl " Die Dunkle Biene "schreibt öffentliche Zuchtmittel einwerben zu können, bedarf es einiger Vorraussetzungen, insbesondere bei Beantragung der Gemeinnützigkeit. Wir sollten überlegen, ob wir nicht einen bundesweiten Verein zur Erhaltung der dunklen Biene, mit landesweiten Untergliederungen gründen. Man könnte dann an der Erhaltung der Dunklen anders arbeiten, wie es uns die Buckfaster vorgemacht haben. Ich kann mich noch an die Anfangszeiten der Buckfaster gut erinnern, wo diese " Hybridbiene " verpönt war. Und heute ist sie im Zuchtbuch des DIB angelangt, aber nicht durch Phantastereien, sondern durch gute Zuchtleute und viel Arbeit und Mühen. Dazu gehört dann auch die Einrichtung bundesweiter Land- und Inselbelegstellen, um Reinzucht betreiben zu können.
Also sollten wir uns prüfen, ob wir diesen Schritt gehen, oder uns als Phantasten belächeln lassen. Irgendwann muß man wohl diesen Weg gehen, um auch ein gutes Ergebnis, also den Erhalt der in Teilen noch vorhandenen Dunklen gewährleisten zu können.
Ich werde mir die Reaktionen genau anschauen und dann entscheiden, ob eine weitere Mitarbeit und Zeitinvestitionen hier sinnvoll sind.
HaMa

Rene
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Re: Neu: Ausrottung durch Vermischung

Beitrag von Rene » Montag 5. September 2016, 23:36

Hallo,

ich bin über einen alten Artikel gestolpert... kennt ihr diesen schon?
Vielleicht wurde er ja hier schon gepostet... bin noch nicht überall durch ...

http://stadtimker.de/2011/11/09/zuruck- ... ternative/

l.G. Rene

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