Definition: Ökotyp, Ökologische Rasse, Geographische Rasse

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Ole86
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Definition: Ökotyp, Ökologische Rasse, Geographische Rasse

Beitrag von Ole86 » Mittwoch 4. März 2015, 19:30

Hallo zusammen,

ich hatte vor ein paar Wochen das Thema ja bereits in einem anderen Zusammenhang angeschnitten, allerdings wollte ich dieses auf Grund der vielen Unklarheiten sehr gerne noch einmal ansprechen. Im Internet kursieren die wildesten Theorien und es wird immer wieder behauptet, dass sogenannten "Ökotypen" für Abweichungen oder Ungenauigkeiten in Auswertungen von taxonomischen bzw. morphologischen Flügeluntersuchungen verantwortlich sind.

Tatsächlich lässt sich der Begriff "Ökotypen" in zum Teil namenhafter Literatur wiederfinden. Der Begriff "Ökotyp" bzw. "Ökotypen (Pl.)" stammt eigentlich aus der Botanik und wird in der modernen Zoologie nicht mehr verwendet. Der Begriff "Ökotyp" überschneidet sich allerdings in den meisten Definitionen mit der Definition des aktuell korrekten Begriffes der "Geographischen Rasse". Diese muss allerdings von der "Ökologischen Rasse" differenziert werden:

"Geografische Rassen" entwickeln sich in langen Zeiträumen innerhalb geographisch abgegrenzter Verbreitungsgebiete. "Ökologische Rassen" hingegen, entwickeln sich innerhalb eines gemeinsamen Verbreitungsraumes an Standorten mit ausgeprägten Lebensbedingungen, zum Beispiel im Tiefland oder Hochland.

"Ökologische Rassen" lassen sich nur durch molekularbiologische Untersuchungsmethoden exakt feststellen. Dabei wird Erbsubstanz (DNA) isoliert und es werden spezifische Abschnitte gezielt vermehrt und sichtbar gemacht. Der Nachweis bestimmter Mikrosatelliten oder Markergene ermöglicht eine exakte Identifikation einzelner "Ökologischer Rassen".

So viel zur Grundlage...

Wie bereits erwähnt, besagen Gerüchte, dass "Ökotypen" bzw. "Geographischen Rassen" in taxonomischen bzw. morphologischen Flügeluntersuchungsmethoden nachgewiesen werden können. Dieses Gerücht möchte ich im Folgenden ganz klar wiederlegen:

Weist ein Genotyp unterschiedliche Merkmale der Taxonomie auf, wird dieses durch den Phänotyp definiert. Bei "Geographischen Rassen", handelt es sich überwiegend um quantitativ variierende Merkmale, deren genetische Analyse schon außerordenliche Schwierigkeiten bereitet, was folgenden Grund hat:

Die Merkmale von "Geografische Rassen", sowie von "Ökologischen Rassen" sind polygen bedingt und jeder einzelne der meist sehr zahlreichen am polygenen System beteiligten Faktoren verursacht einen nur sehr geringen phänotypischen Effekt mit transgredierender Variablität, so dass selbst eine individuelle Verfolgung im genetischen Experiment, zum Beispiel wie bei mutativ entstandenden Faktoren immernoch fast unmöglich ist.

Es ist also schlicht unmöglich, eine "Geografische Rasse" oder "Ökologischen Rasse" taxonomisch bzw. morphologisch zu kategorisieren. Würden taxonomische Variationsmuster so extrem ausfallen, dass diese in den Flügelwerten messbar sind, würde automatisch ein neuer Phänotyp anerkannt werden. Die phänotypischen Auswirkungen, also Auswirkungen auf das Erscheinungsbild, sind bei polygenen Faktoren immer so gering, dass diese nicht taxonomisch nachgewiesen werden können. Dieses wurde bereits 1949 von K. Mather bewiesen.

Es wird also versucht etwas taxonomisch bzw. morphologisch zu beweisen, dass differenziert wird, weil es eben keine taxonomischen Auswirkungen hat. Somit macht es also absolut keinen Sinn, in Ergebnissen aus taxonomischen bzw. morphologischen Flügeluntersuchungen nach Hinweisen auf "Geographischen Rassen" zu suchen.

Abschließend möchte ich gerne noch kurz auf meinen Beitrag zu der Definition der "Ökotypen" von Friedrich Ruttner verweisen. Auch wenn Herrn Ruttner damals nicht alle modernen Analysemethoden zur Verfügung standen und ich mittlerweile auch nicht mehr alle seiner Thesen teile, legte dieser bereits vor über 30 Jahren Meilensteine: viewtopic.php?f=2&t=2245


Beste Grüße, Ole!

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