Wer hat sie???

Wissenswertes zur züchterisch unbearbeiteten Biene in Deutschland

Moderator: Johannes

Wer besitzt die Landbiene?

Umfrage endete am Freitag 12. Juni 2009, 19:20

Ich
4
36%
Ich nicht
5
45%
Weiß ich nicht
2
18%
 
Abstimmungen insgesamt: 11

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imkerforum-nordbiene
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Wer hat sie???

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Montag 13. April 2009, 19:17

Liebe Imkerfreunde,

mich würde wirklich mal interessieren, wer von uns eigentlich mit der hiesigen "Landbiene" arbeitet? Also mit Völkern, die keine Königin aus einer Königinnenzucht besitzen, und das schon über mehr als 3 Bienengenerationen lang. Als ich mit Bienen anfing, das war im Jahre 1979, besaß die überwiegende Mehrheit aller Imker die Landbiene. Damals war es ein unkontrolliert vermehrtes Bienenmaterial, welches eigentlich keiner Rasse zuzuordnen war. Ist dies heute auch noch so? Berichtet doch mal.

LG
Kai

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manne

Beitrag von manne » Montag 13. April 2009, 21:44

Hallo Kai,

1991 hatte ich meine Bienen abgeschafft.

1993 nötigte mich ein Schwarm, wieder mit der Imkerei anzufangen, weil er nicht an der Varrose eingehen wollte.
Auf diesen Schwarm gehen meine heutigen Biens komplett zurück, bei ausschließlicher Standbegattung auf meinem Stand.

Gruß
Manne
Zuletzt geändert von manne am Mittwoch 19. Mai 2010, 20:26, insgesamt 1-mal geändert.

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manne

Beitrag von manne » Dienstag 14. April 2009, 09:15

Hallo Andreas,

zu Deinen Fragen in fast aller Kürze:

Wie viele Völker hast Du?
Rd. 10% Verlust 2008/09 sind 2 Völker, die Mitte März aufgaben.

Machst Du Ableger, oder lässt sie schwärmen?
Ich betreibe keine Schwarmimkerei, was nicht ausschließt, dass es
auch auf meinem Stand Schwärme gibt. Daher wird der Ersatz großzügig, i.d.R. über Ableger oder Kunstschwarm vollzogen.


Wie sieht es mit Nachbarimkern aus, welche Rasse,
Landbiene mit gelegentlichem C-Import / C-Biene mit Landbienen-auffrischung / Landbienen / Dunkle Biene auf polnischer Seite
-> Die Reihenfolge stellt keine Bewertung dar.


welche Entfernung?
ab 500m, 700m ..., was auch ich erst seit zwei Jahren weiß

Wie sieht es mit der Stecherei aus?
i.d.R. ohne Schleier, grundsätzlich ohne Handschuhe, Rauch in Maßen

Wie mit der Honigleistung?
gut

Schneidest Du Drohnenbrut aus,
nie

oder sonstige Maßnahmen in der Betriebsweise die eine Vermehrung der Milbe verhindern?
dazu müsste ich wirksame Maßnahmen kennen (Annahmen ersetzen keine Wissen.)

Wie hoch sind die Verluste in den Letzten Jahren gewesen?
in den letzten vier Jahren 25%
-> Neonicotinoide über Raps, Mais, Senf - ganz gleich ob Saatgut
behandelt oder unbehandelt ist, das Zeugs liegt zäh im Boden rum,
baut sich ganz ganz langsam ab und wirkt auch in den minimalen Mengen, die unter der gezogenen Nachweisgrenze liegen subletal auf den Superorganismus Bien
Sind die drei Kulturen ausnahmsweise einmal nicht in der näheren Umgebung zu finden, erholt sich der Stand spürbar.

davor lagen die Verluste bei durchschnittlich <20%


Gruß
Manne

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Horst

Landbiene

Beitrag von Horst » Samstag 18. April 2009, 10:08

Hallo Freunde der Landbiene,
ob ich schon nach der 3. Generation eine Landbiene habe, zweifele ich an. Meine älteste ist in der 8. Generation, andere Linien sind in der 3.
Der überwiegende Teil Imker meiner Umgebung hält angeblich Carnica, was ich nicht glaube; meine entstammen Buckfast Linien und verhalten sich auch so.
MfG. Horst

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Dienstag 12. Mai 2009, 10:45

Ich bin ja erst seiot 2007 Imker und kann demzufolge noch keine Bienen in 3. Generation haben. Einer der drei Imker, von denen ich meine Bienen gekauft hatte, hat jedenfalls mit Königinnen, die auf der hiesigen Belegstelle von aus der Ferne eingekauften Edelweiseln begattet wurden, geimkert.

Ich möchte allerdings unbedingt die Landbiene haben und mache die Landbiene wenigeran der Rasse, als vielmehr an der Betriebsweise fest. Es ist eine Betriebsweise, die das Entstehen oder/und das Überleben der Landbiene ermöglichen.

Dazu zählen.
1. Keine Belegstelle nutzen, Standbegattung
2. Keine Weiseln/Völker von fern her kaufen, sondern aus der Region.
3. Negativauslese, um Inzuchtschäden zu vermeiden (Ableger nicht nur vom Besten nachziehen, sondern von allen Völkern außer den paar % der "Schlechtesten")

Zum Landbienenprojekt gehört zwar, dass keine weitgereisten Weiseln/Völker angeschafft werden. Aber ich bin bereit, eine Ausnahme (zumindest mir) zu gestatten: die "Einfuhr" von Nordbienen (zB aus Kiel), weil ich fürchte, dass das Genom der hiesigen Bienen durch massive Belegstellennutzung hiesiger Imker allzusehr reduziert sein könnte.

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imkerforum-nordbiene
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Beitrag von imkerforum-nordbiene » Dienstag 12. Mai 2009, 13:09

Hanjoheyer hat geschrieben:...weil ich fürchte, dass das Genom der hiesigen Bienen durch massive Belegstellennutzung hiesiger Imker allzusehr reduziert sein könnte.
Hallo,

obige Annahme ist falsch: die heute regional vorhandenen Landbienen weisen in der Regel eine sehr breite genetrische Struktur auf, mit allen möglichen Elementen der verschiedensten Peschetz-, Sklenar- und Celler Linien sowie die unterschiedlichsten Buckfastherkünfte. Von Inzucht kann hier gar keine Rede sein, sondern von dem Gegenteil.

Bei einer deratigen Landbiene, die hauptsächlich von Carnica- und Buckfastzuchten geprägt wird, ist es ohne Unterschied, ob die Bienen aus Kiel, München, Köln oder Dresden stammen. Regionale oder gar sogenannte "einheimische" Elemente können sich bei dem Bienenhandel und der Wanderung von Imkern in Deutschland gar nicht herausbilden.

Jeder, der so etwas behauptet, gibt sich entweder einer Illusion hin oder weiß es schlicht und ergreifend nicht besser.

LG
Kai
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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Mittwoch 13. Mai 2009, 10:40

Hallo Kai,

ich stimme dir insofern zu, dass ich mich einer Illusion hingebe: Was ich will, existiert (noch) nicht, ist also Illusion!

Mir ist bekannt, dass wir durch den Handel und das Wandern eine "Weltbiene" bekommen, die keine "einheimischen Elemente" mehr aufweist, die also keine Anpassungen an lokale Begebenheiten mehr aufweist.
Die Belegstellen hingegen arbeiten in eine engegengesetzte Richtung: Ein paar Reinzuchtvölker stellen jedes Jahr für 10 % alle hiesigen Völker die Drohnen bereit, was genetische Verarmung mit sich bringt.

Diese verarmten Völker werden dann zur Weltbiene durcheinandergewirbelt.

Obwohl hier Gegensätze vorliegen, gibt es eine Gemeinsamkeit beider Verfahren: die Verminderung jener "einheimischen Elemente".
Beides ist für den Bien nicht gut: die Entwicklung Richtung "Weltbiene" und die Einkreuzung dieser Edelbienen.

Mein Anliegen ist die Schaffung von äußeren Bedingungen, die es zulassen, dass die bestehenden Ökotypen erhalten bleiben und/oder dass sich diese wieder herausbilden können. Die Ökotypen haben sich nämlich entwickelt, weil lokale Anpassunen sich als Vorteil herausgestellt haben. Sonst hätte die Nordbiene in in ihrem angestammten Lebensraum keine Vorteile gegenüber der Carnica oder Ligustica gehabt, und die von Ruttner festgestellten natürlichen Verbreitungsgebiete der Ökotypen wären nicht entstanden.

Dieses Durcheinander muss ein Ende haben. Zwar wird immer wieder der Einwand erhoben, so etwas ließe sich in einer Demokratie nicht durchsetzen, aber ich halte dem entgegen, dass es durchaus möglich ist, in einer Demokratie Regeln zu haben, zB den Rechtsverkehr auf den Straßen, scharfe Kontrollen des Waffenbesitzes usw.. Warum soll es bei der Bienenhaltung einen rechtsfreien Raum geben, der es Imkern erlaubt, an der Auslöschung von Ökotypen mitzuwirken?

Hätte es solche Regeln bereits vor 150 Jahren gegeben, wäre die Nordbiene nicht an den Rand der Ausrottung gebracht worden, und ECHTE Züchter hätten gewisse mögliche "Schwächen" dieser Biene inzwischen durchaus behoben.

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Horst

Lanbiene

Beitrag von Horst » Freitag 15. Mai 2009, 18:48

Hi Leute,
Wer glaubt die alte deutsche Biene wieder so hin zu bekommen wie sie einmal war, ist auf dem Holzweg. Veränderungen in der Umwelt prägen nicht nur die Landschaft sondern haben auch Einfluss auf Tier- und Pflanzen-Populationen. Der Handel mit Bienenmaterial und Königinnen über die Grenzen hinweg beeinflussen selbstverständlich die heimischen Bienenbestände. Somit ist die Landrasse ein Gemisch verschiedener geographischer Rassen und Zuchtrassen; da auch noch Gen-Reste, ehemaliger, heimischer Vertreter häufig in ihr zu finden sind ist ihr Wert nicht zu unterschätzen. Die Landrasse zeigt die größte Variabilität und ist damit auch sehr anpassungsfähig in Extremsituationen (P. Jungels). Durch eine Auswahl von nur den besten, z.B. auffallend regelmäßig wenig Milben, Sanftmut, hohe Honigleisten ist selbst bei Kleinstimkern einiges zu erreichen; denn das es Völker gibt die besser mit der Milbe fertig werden als andere ist augenscheinlich. Leider kenne ich keinen Imker der auf Varroa-Festigkeit züchtet oder auswählt, schade. Ich kenne aber auch keinen Imker der von stechlustigen Völker nachzieht, gut so. Geschied dies dann noch auf breiter Basis der Imkerschaft so ist der Einfluss größer als der Einfluss einiger Importköniginnen in die heimische Population. Um meine Hausbiene brauch ich mich eigentlich sowieso nicht zu fürchten, im Gegenteil sie profitiert von Fremdeinfluss. Es ist nachweislich hinreichend bekannt, dass Königinnen einen riesigen Drang nach Fremdpaarung haben; bei Reinzüchtern verhasst, ist ein wesentlicher Bestandteil der Evolution. Mir scheint die Hauptsorge vieler Funktionäre in Sache Honigbiene besteht darin durch allerhand Schutzmaßnahmen den natürlichen Drang der Biene nach Variation (Vielfalt) ein Ende zu setzen, kurz: „ die deutsche Biene ist die, die durch Vereinsbeschluss dazu gemacht wird“ (Armbruster 1919); daran hat sich bis heute nichts geändert. Fortgesetzte Reinzucht mündet nachweißlich in einer Sackgasse. Aber bitte, es bleibt jedem selbst überlassen was er tut und verbreitet, meine Hausbiene jedenfalls profitiert von allen.
Herzliche Grüße aus NRW, Horst

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manne

Re: Lanbiene

Beitrag von manne » Freitag 15. Mai 2009, 20:25

Horst hat geschrieben:Leider kenne ich keinen Imker der auf Varroa-Festigkeit züchtet oder auswählt, schade.
Da liegst du richtig; Bien und Milb können das nämlich besser.
Am Bienenhalter ist es, dies zu akzeptieren oder eben zu züchteln.
Die Varroose birgt eine Riesenchance in genetischer Hinsicht für den Bien...,
als Korrektiv für alle Züchteleien der letzten 100 Jahre...

Gruß
Manne

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Samstag 16. Mai 2009, 07:45

Hallo Horst,

du schreibst:

"Aber bitte, es bleibt jedem selbst überlassen was er tut und verbreitet..."

Genau das sehe ich nicht ein. Unser beliebiges Tun hat seine Grenzen und zwar da, wo wir in die Rechte Dritter eingreifen. Denn dieser Dritte hat auch seine Rechte. So hat der Bien das RECHT, sein Leben zu gestalten, wie er es selbst bestimmt. Wir haben nicht das Recht, Tiere und Pflanzen als beliebig zu gebrauchende Gegenstände zu hehandeln, auch wenn Paragraphenhengste es anders sehen.
Schon mal was von VERANTWORTUND gegenüber der Schöpfung gehört?

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Horst

Beitrag von Horst » Samstag 16. Mai 2009, 09:09

Also lieber Hanjoheyer, das sehe ich nicht anders. Mein Leben lang beschäftige ich mich mit der Schöpfung, speziell Insekten, und bewundere ihre Schönheit und Lebensweise täglich und bin fassungslos über die gedankenlos erscheinende Begiftung unserer Kulturlandschaft. Neuerdings hinzu kommende Genmanipulierungen an Pflanzen deuten einen noch gefährlicheren Weg an den wir gehen, es bleibt abzuwarten wie lange es dauert bis auch unserer Honigbiene ein Varroa resistentes Plastik Gen eingepflanzt wird oder so ähnlich.
Ich bleibe aber dabei, es gibt im westlichen Europa keine natürliche Bienenrasse mehr, auch carnica und lugustica und schon gar die dunkle.
Wer das glaubt, denkt ähnlich wie der, “der an den Klapperstorch glaubt“. Wir sollten uns vielmehr mit dem Zuchtziel beschäftigen „eine Bienenpopulation zu schaffen die sanftmütig, vital, krankheitsresistent, gut angepasst an die jeweiligen Verhältnisse und einen gehörigen Wiederstand gegenüber der Milbe bildet.
Mit freundlichen Grüßen, Horst

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Samstag 16. Mai 2009, 22:50

"Wir sollten uns vielmehr mit dem Zuchtziel beschäftigen „eine Bienenpopulation zu schaffen die sanftmütig, vital, krankheitsresistent, gut angepasst an die jeweiligen Verhältnisse und einen gehörigen Wiederstand gegenüber der Milbe bildet."

Richtig! Und wie erreichen wir das Ziel? Durch natürliche Zucht (Evolution) oder Zucht der Züchter, die ihre gerade modernen Theorien (die morgen nichts mehr gelten werden) über Bien und Natur ebendiesen aufzwingen wollen?

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manne

Beitrag von manne » Sonntag 17. Mai 2009, 07:33

Und daher bleibe ich dabei:
Die Varroose birgt eine Riesenchance in genetischer Hinsicht für den Bien...,
als Korrektiv für alle Züchteleien der letzten 100 Jahre...
Gruß
Manne

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Sonntag 17. Mai 2009, 18:22

Hallo Manne,

ich stimme dir natürlich zu.

Ich habe übrigens gestern meine ersten Ableger von Völkern mit selbstgezogenen, standbegatteten Nachschaffungsköniginnen gemacht. Hab also bald "Landbienen" 2. Generation.

Viele Grüße
Joachim

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manne

Beitrag von manne » Sonntag 17. Mai 2009, 19:35

Na, Joachim,
dann viel Erfolg und auch das notwendige Maß Glück dazu.
Wenn du einige Reserveköniginnen hast, arbeitet es sich noch besser;
nicht jede erfüllt die Erwartungen (auch nicht jede Reservekönigin). Da ist es dann gut,
wenn der Imker beizeiten das selektiert, was die Natur nur später nachholen würde...
Auch das ist alles noch keine Garantie aber eben etwas mehr Hoffnung.

Gruß
Manne

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