Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Moderator: Johannes

Heidjer
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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von Heidjer » Freitag 27. April 2012, 01:25

Wegen Verdopplung mit leicht geändertem Text von mir gelöscht.

Wolfgang, der heidjer
Zuletzt geändert von Heidjer am Freitag 27. April 2012, 01:29, insgesamt 1-mal geändert.

Heidjer
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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von Heidjer » Freitag 27. April 2012, 01:27

elk030 hat geschrieben:Hallo
Ich habe einige Stülper ohne Flugloch. Durch eine Ausfräsung am Holzboden kann ich dies beheben.
Traditionell hat ein Korb einen geschlossenen Boden. Prinzipiell könnte man aber auch einen offenen Boden integrieren. Hat da jemand Ideen oder Erfahrung?
Weiterhin habe ich noch keinen Hinweis gefunden, wie und wo genau die Stäbe zur Wabenstabilisierung positioniert werden?
und wie groß muß die Mindestgröße sein, um ein Volk darin zu überwintern?
LG Elk
Bevor ich mich an die Beantwortung der aufgelaufenen Fragen mache, ein Hinweis: Das beste Buch für Korbimkerei gibt es bei Holtermann für ca. 20 Euro als Faksimile, also in Fraktur gedruckt. Aber wer alte Imkerbetriebsweisen möchte, kann diese Schrift wohl auch lesen. Also: Lehzen, Georg Heinrich; Die Hauptstücke aus der Betriebsweise der Lüneburger Bienenzucht. Hannover 4. Auflage 1922.

- Ein Stülper ohne Flugloch ist ein Schwarmfangkorb.
- Ein Korb hat keinen Boden. Der Korb steht im Zaun auf Bohlen. Sind die Fugen zwischen den Bohlen nicht dicht, so erledigen dies die Bienen. Will man ihnen diese Arbeit abnehmen, so kann man auch eine flächige Unterlage, die nichts ausdünstet, unter den Korb legen. Besser finde ich, die Bohlen mit Zwingen zusammenziehen und mit Latten verschrauben. Damit ist die Frage nach einem offenen Boden auch erledigt.
- die Speilen, glatte Rundhölzer, z.B. früher aus Rosentrieben geschnitten, heute auch Dübelhölzer (8 mm), wurden wegen des Tarnsportes auf Pferdefuhrwerken in drei Ebenen gesteckt. Die obersten zwei Stäbe im rechten Winkel zum vorgeklebten Wabenwerk, das zum Flugloch ausgerichtet ist, von außen durch die Wandung bis kräftig in die gegenüberliegende Seite, jedoch nicht hindurch, gestoßen. Sie sollten auch aus der Seite, in die sie hineingestoßen wurden, nicht hervorragen, weil sie beim Transport irgendwo gegenstoßen und damit das Wabenwerk lösen könnten. Im Abstand von einer 'Handbreite', ca zwei bis drei Strohwicklungen Abstand wurden drei Speile so schräg zu den ersten gesteckt, dass der mittlere Stab dort hineingesteckt wurde, wo sich auch der Stab der ersten Ebene befindet und kam auf gegenüberliegenden Seite an, wo der andere Stab der ersten Ebene endete. Die beiden weiteren Stäbe wurden parallel dazu um vernünftigen Abstand hineingesteckt. Weiter zwei bis drei Wicklungen tiefer folgte die dritte Ebene der Speilen, die in der Richtung der ersten verliefen, jedoch, da der Korb hier ja einen größeren Durchmesser als im Kopf hat, etwas weiter auseinander. - Falls Ihr dies jetzt vor Eurem geistigen Auge seht, so gratuliere ich Euch und frustriere Euch mit der nächsten Aussage: vergesst es. Unser Fahrzeuge sind heute gefedert und wir wandern mit Körben keine 100 km weit. Es reichen zwei Ebenen mit vier Speilen, wenn man mit den Körben vorsichtig umgeht. Die für den Scheibenhonig vorgesehenen Körbe hatten auch nur vier Speile, damit schöne flächige heile Stücke übrig blieben. Also einfach die Ebene mit den drei schrägen Speilen weglassen. Und wegen der guten Fahrzeuge und der wenigen Körbe, die ich zu verladen habe, lasse ich die Speile etwas vorstehen. Das hat mir schon eine negative Bemerkung eines alten Korbimkers eingebracht. Es ist aber so schwierig, Speile die ganz in die Wandung eingetrieben wurden, mit der Zange wieder herauszuziehen. Ich übe noch. Und die Hölzer müssen wirklich glatt sein, um sie durch eine kurze Drehung zu lockern und herauszuziehen und dabei das Wabenwerk nicht total zu zerstören. Sind die Speile zu dünn, so brechen sie beim Abstoßen durch und es gibt eine richtige Manscherei. Das kostet dann vielen Bienen und evtl auch der Kö das Leben.
- Das Volumen eines Lüneburger Stülpers ist, nach meinen Rechenkunststücken, etwa so groß wie eine Segeberger Zarge. (Deshalb behandle ich mit dem Schwammtuch und 20 ml AS gegen die Varroa. Achtung, nicht wie in der kleinen Broschüre der Institute angegeben: 'Bei Behandlung von unten > 50 % mehr.' Die Bienen können gar nicht so schnell aus dem kleinen Flugloch heraus, wie sie es möchten!) Der äußere Durchmesser ist ca. 45 cm und die Höhe ungefähr 50 cm.


elk030 hat geschrieben:Hallo Kai und Heidjer
Was mir noch vorschwebt, sind Minikörbe als Begattungseinheiten, die sich dann durch Aufsetzen gut mit Magazinen vereinigen ließen.
Mir sind einige Körbe zugeflogen und dieses Jahr will ich das gerne mal angehen.
LG Elk


Aus dem obigen Text habe ich die Fragen gelöscht, die ich bereits darüber angesprochen habe.
Also Weiter:
- 'Minikörbe' gibt es seit eh und je. Wegen ihrer Form heißen sie 'Pöttcher'. Der Begriff kommt vom Plattdeutschen 'Pott' = Topf. Das sind sozusagen die Vorläufer kleiner Begattungskästchen, wie die 'Klindworther' oder ähnliche in Stabilbau. - Ich habe zwei davon. Im letzten Jahr hatten sie mir Probleme gemacht, wie aber auch die EWKs, die 5-Waben-Ablegerbeuten und die Segeberger. In einem war die Kö abhanden gekommen, im anderen war ein wunderschönes Völkchen. Als ich es mit der Bodenöffnung nach oben unter einen Stülper stellte haben die Bienen nicht oben im Stülperkopf, an den vorgeklebten Waben weiter gebaut, sondern von unten nach oben von ihrem Pöttcher weiter gebaut. Der 'schlaue' Imker dachte, ihnen dies auszutreiben, zog die Speilen heraus und schnitt die Wäbchen von den Korbwänden ab, steckte sie auf die großen Speile im Stülper und hoffte, dass es schon gut gehen werden. Bei dieser Aktion muss es aber eine meiner wenigen Kö erwischt haben. Also hat der 'schlaue' Imker nur Murks gemacht.
- Die 'zugeflogenen Körbe' würde ich erst mal gründlich ausfegen, ausschwefeln (Schwefelstreifen am Draht in eine Dose mit Luftlöchern unten herum, anzünden, Korb mit geschlossenem Flugloch darüber stellen, ringsherum am Boden abdichten mit Moos o.ä.) gegen Ungeziefer, mit einer Wärmequelle (kleine Gasflamme <Vorsicht, Stroh brennt!> oder Heizluftpistole / Föhn) auswedeln, damit die Propolisschicht anschmilzt und schön verläuft und mit frischem Birkengrün oder Rainfan auswischen. Sollten die Körbe jedoch im Flechtwerk Schäden aufweisen, so muss diese reparatur vorher erfolgen, wie auch das Einstreichen mit dem Verdauungsprodukt von weidegängigem Rindvieh.


imkerforum-nordbiene hat geschrieben:Hallo Elk,

ja, die Speile werden (angespitzt) einfach durch die Wände gespießt. Das erste Paar von oben sitzt ca 15 cm unter dem "Dach" und danach jedes weiter Paar alle 15 cm. Insgesamt sind das 3 Paare.


Na Kai, Deine Körbe stammen wohl vom Imkergoliath? Oder?
Von der oberen 'Dachwölbung' 15 cm + 2 Abstände von drei Speilenpaaren von je 15 cm = 3 x 15 cm = 45 cm. Da bekommt Du aber keine Futterschale mehr unter das untere Speilenpaar gestellt. :( (Ob das traurige Gesicht jetzt dort zu sehen ist? Ich habe noch nie einen Smilie gesetzt.)


Nun habe ich genug geschrieben und will ins Bett.
Gute Nacht!
Wolfgang, der Heidjer

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von Heidjer » Freitag 27. April 2012, 02:07

Nachtrag:

> Köhlerhütte: Die auf dem Firmenschild und dem Titelblatt des Kataloges sind keine 'Lüneburger Stülper'!

> Silke, dieflechterin: Die auf den Fotos zu sehenden Körbe sind keine 'Lüneburger Stülper'! Auch ihre Angabe: '60 bis 90 €, je nach Größe' weist darauf hin, dass sie keine Lüneburger Stülper anbietet; denn diese variieren nicht so stark in der Größe, sondern sind verhältnismäßig einheitlich.

> molle: Die in dem Buch beschriebenen Körbe sind keine 'Lüneburger Stülper'!

Dies musste ich als heimatverbundenen Imker feststellen. Es ist wie bei einem Markenprodukt, nicht alles was die Menschen so nennen, ist auch das entsprechende Produkt.

Wolfgang, der Heidjer

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von elk030 » Freitag 27. April 2012, 21:59

Hallo Heidjer
Herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort. Das Buch ist bestellt und den Bio-Dung werde ich auch finden. Ich überlege Bambus als Stäbe zu nutzen und den Dung mit Lehm zu mischen, doch zuerst werde ich mich mal einlesen, LG, Elk

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von Heidjer » Samstag 28. April 2012, 00:14

elk030 hat geschrieben:Hallo Heidjer
Herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort. Das Buch ist bestellt und den Bio-Dung werde ich auch finden. Ich überlege Bambus als Stäbe zu nutzen und den Dung mit Lehm zu mischen, doch zuerst werde ich mich mal einlesen, LG, Elk

Hallo elk,

Bambus ist nicht geeignet. Die Knoten verhindern ein Herausziehen der Stäbe. Die Waben werden dabei zerrissen. Die Speile müssen ganz glatt sein.

Der Kuhdung darf nicht mit anderen Stoffen, z.B. Lehm vermischt werden. Die Elastizität geht dann verloren. Die getrocknete Schicht mit Lehm platzt zu leicht ab. Bei Feuchtigkeit entsteht eine schmierige Schicht. Die Atmungsfähigkeit der Stroh-Kuhschiet-Wandung geht verloren.

Die Kuhschiet muss von Rindviechern sein, die im Frühjahr auf der Weide stehen, kein Silagefutter!

Wolfgang, der Heidjer

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von elk030 » Samstag 28. April 2012, 08:16

Danke Heidjer, das macht Sinn.
Jetzt werde ich mich erstmal einlesen, bevor ich mich weiter aus dem Fenster lehne.
LG Elk

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Sonntag 29. April 2012, 23:29

Auch ich danke Heidjer für diese fachlich höchst kompetenten und ausführlichen Darstellungen.
Ich bin immer mehr begeistert, je mehr ich über Körbe lese und erfahre!
DANKE!!! :P
Große Gemeinschaft Dunkle Biene: Neu, kostenlos, seriös. Mit vielen Bezugsquellen. Bitte hier klicken: Gemeinschaft Dunkle Biene].

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von Heidjer » Montag 30. April 2012, 00:21

Bitte!
Wenn ich so helfen kann, tue ich es gerne.

Wolfgang, der Heidjer

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von dieflechterin » Montag 30. April 2012, 12:13

Hallo, ich möchte auf den Kommentar zu meinen Körben eingehen:
Die auf den Fotos zu sehenden Körbe sind nur Beispiele, in diesem Fall auch von der Größe und Form her kleinere Körbe, da ich oft Anfragen für Deko habe. Hier wollte ich vor allem die Technik zeigen. Die "richtigen" Stülper fertige ich einzeln auf Bestellung an, sie sind dann oben flach und von der Größe her so, wie sie derjenige bestellt hat. Die Kosten muss ich auch nach oben korrigieren, da ich mit den 60-90 € nur für die kleineren Körbe (wie auf den Bildern) hinkomme. Wer selbst einmal einen Bienenkorb geflochten hat, kann das allein von der Zeit her nachvollziehen. Als Flechterin habe ich hauptsächlich mit Weidenflechterei zu tun und die Strohflechterei stellt nur einen kleinen Teil meiner Arbeit dar. Daher bin ich auch immer offen für fachliche Ratschläge aus der Imkerschaft. Die Wandstärke meiner Körbe ist mit 4-5 cm auf jeden Fall praxistauglich.
silke, dieflechterin

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von molle » Freitag 13. Januar 2017, 06:41

Heidjer hat geschrieben: > molle: Die in dem Buch beschriebenen Körbe sind keine 'Lüneburger Stülper'!
Mir ging es um folgende Passage auf S.46 des Buches:
"Es (das Stroh) kann trocken und feucht verarbeitet werden *in letzterem Falle wird es fester* doch muß der Korb vor dem Gebrauche gehörig getrocknet werden weil das Stroh im Innern der Wülste sonst modrig und faul wird Wer also im Winter seine Körbe naß flicht muß deshalb auf gehörige Austrocknung Acht haben." :D

Gibt es denn jetzt mittlerweile eine Quelle für neue Stülper in alter Qualität ???

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Re: Lüneburger Stülper von der "Köhlerhütte"

Beitrag von klaus » Freitag 13. Januar 2017, 20:28

Hallo Manny,

koehler-huette.de, so heißt seine Internetseite, hat nichts mit Stülpern zu tun. Ich kenne diese Person, Imker persönlich da ich schon einige male bei ihm (Fachsimpeln wie auch immer) war. Mit Stülper arbeitet er nicht und verkauft auch keine, er hat eine eigene Imkerei , einen Versandhandel und arbeitet nur mit Zargen. Die Bienenrasse die er hat ist Carnica Linie Celle.
LG Klaus

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