ABTROMMELN

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molle

ABTROMMELN

Beitrag von molle » Mittwoch 13. April 2011, 12:50

Hallo liebe Körbler,

Abtrommeln war schon mal Thema (Kunstschwarm bei Körben), doch das ist jetzt geschlossen, so dass ich erstmal neu aufmache. Doch, Kai, von mir aus kann das hier an das alte Thema angehangen werden - ist übersichtlicher.

Habe in Armbrusters Imkereibetriebslehre noch was zum Abtrommeln, Abstossen und Immenafwatern gefunden, dass den Stabilisten/Mobilisten-Umtreibern nicht verborgen bleiben soll:
Durch Abtrommeln erhält man einen Trommling (oder Triebling, Stoßling). Das alte Abtrommeln ist bekannt. Bei uns wurde meistens verdeckt abgetrommelt, es wurde alles so zugebunden, daß keine Biene herauskonnte. Allerdings konnte man den Vorgang dann auch nicht mit dem Auge verfolgen, ob die Bienen schon kräftig nach oben wandern, ob die Königin schon nach oben geht usw. Beim offenen Abtrommeln ist das anders: Zwischen oberem und unterem Behälter (man trommelt stets nach oben!) klafft ein Spalt. Die satten und vor allem verlegenen Bienen ziehen sich fluchtartig in den oberen dunklen Raum zur Traube zusammen, bei dieser Flucht kann man die Königin ausfangen. Die Arbeitszeit ist dann gut ausgenützt. Man kann rechtzeitig aufhören, wenn nämlich die Königin und die Mehrzahl der Bienen oben ist. Das hat den einen großen Vorteil, die Brut mit einem geeigneten Rest eigener Bienen kommt auf einen neuen Platz. Die Brut kann nicht verkühlen, man braucht zu diesem Zweck keine fremden Bienen (vgl. Saugling). Es können sofort Königinzellen angesetzt werden. Etwa schon vorhandene werden nicht von fremden Bienen angefallen. Bei allem Abtrommeln usw., auch beim Fegling, gibt man zuerst ein Vorerdbeben, damit die Bienen sich auf die Vorräte stürzen und sich vollsaugen. Das Wetter muß warm sein, sonst schließen sich die Bienen zur Traube zusammen und lassen sich nicht auflockern. Die Königin bleibt in der Traube gefangen. Eine drollige Art des Abtrommelns ist das wenig bekannte Abstoßen. Wenn der Bau gut gespeilt ist, dann verläuft es viel rascher und auch sicher. Man bindet z.B. die Körbe gut zusammen, verklammert sie noch, gibt das Vorerdbeben und noch kurz Rauch in das bewohnte Flugloch, bevor man es schließt. Jetzt nimmt man den leeren Korb nach unten und stößt den Doppelkorb wiederholt ganz kräftig auf den Erdboden. Man staucht also die Bienen von den Waben nach unten. Meistens bleibt ein gewisser Rest Bienen noch auf den Waben. Das ist in den meisten Fällen willkommen. Gewissen Brutstadien, auch gewissen Königinzellen bekäme das kräftige, wiederholte Stoßen schlecht. Abstoßen empfiehlt sich also (76) mehr nur im zeitigen Frühjahr und Herbst, wenn man vorher die Sonne in das abzustoßende Volk scheinen läßt, wird das Volk nach den unteren Wabenrändern gelockt. Das Abstoßen ist dann leichter.

Ein Abtrommeln (nämlich vom Brutnest und den Vorräten herunter) ohne Trommlingbildung kommt in der Ukraine vor. Es ist ein wichtiges Hilfsmittel beim „doppelten Ausstoßen”. Der Klotzstülper ist eine unten offene Röhre, oben mit einem Deckel versehen. Man nimmt den Deckel ab, beginnt zu trommeln. Die Bienen quellen fluchtartig oben aus der Röhre heraus und verteilen sich außen am (oberen) Zylindermantel. Die Mantelfläche ist ziemlich groß und man kann die Königin ausfangen (falls man will). Während die Bienen auf der Außenseite sich befinden, werden von oben die Vorräte geerntet. Die Brutwaben können, falls sie gut gespeilt sind, drin bleiben. Man kann auch zur Bauerneuerung einen Teil herausnehmen. So dient dieses Abtrommeln auch der Bauerneuerung.

Wesentlich roher ist der Triebling mittels Wassers, besonders bei Rutenstülpern möglich. In Mecklenburg war dies Immenafwatern auch bei Strohkörben stellenweise, z.B. bei Güstrow, Brauch (Eichst. Bztg. 1871). Statt zu trommeln senkt man das bewohnte Korbhaupt in Wasser und taucht allmählich immer weiter. Die Bienen müssen sich vor der Sintflut nach oben retten. Verdeckeltem Honig und verdeckelter Brut macht das nichts, aber dem übrigen ?
:P Und immer daran denken, beim Abtrommeln schön im Rhytmus bleiben:
http://www.youtube.com/watch?v=As1OMMcHXFs


Weiterhin von Armbruster:
Der Stabilbau ist, richtig betrieben, nicht hoffnungslos veraltet. Er kann durch Absperrgitter oft bereichert werden. Geringes Betriebskapital, teilweise geringe Arbeitszeit (Wabenarbeiten!) sind sogar wirtschaftliche Vorzüge.

Bis bald
Molle

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