Korkbienenhaltung in Portugal

Moderator: Johannes

martina michaela
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Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Mittwoch 20. April 2011, 13:03

Hallo aus Portugal-Alentejo!

Foren und Pc ist eher nicht mein Fall, ich fuerchte, ich habe meine ersten beiden Beitraege ins falsche Thema gestellt unter <Ihr fragt- Nordbiene antwortet>, und dort kann ich wiederum keine Beitraege dann beantworten. Pardon also fuer meine Unkenntnis.

Mein Wildbienenvolk/ Voelker leben jetzt also in traditionellen Korkbeuten, statt am Swimmingpool oder irgendwo im Dickicht. Erstmal haben wir uns spontan zur Korkbienenhaltung entschlossen, wobei mir die kleine Problematik der fast wilden Haltungsform allmaehlich klar wird gegenueber der modernen.
So erfordern Korkbeuten auch wahrscheinlich den Bau eines sog. <Bienengehoeftes>, aber auch das waere hgenau dort wo wir sie untergebracht haben moeglich, die Beuten stehen mit dem Ruecken an einer natuerlichen Granitwand Flugloch Richtung Ost.

Was ich mir unklar ist; wie hat dieses Bienenvolk ohne jede menschliche Hilfe die Varroa wenigstens 40 Jahre lang ueberlebt? Wieso muss ich die scheinbar ja gesunden Voelker mit Chemie oder auch biologisch jetzt schuetzen?

Bisher haben sie das ohne jede menschliche Hilfe geschafft. Erst wir haben das Volk in wirkliche Gefahr gebracht, tun das in unserer bisherigen Unkenntnis auch jetzt noch, wie ich vermute. Wenigstens haben wir jetzt imkerische Hilfe, ein aelterer Korkimker wird uns auch bei der ersten Honigernte aus den Korkbeuten helfen, wie das hier vor Beginn der modernen Imkerei seit Jahrhunderten wenigstens gemacht wurde. Da wir einen kleinen Pensionsbetrieb haben, wird das auch sicherlich fuer unsere Hausgaeste interessant - im Gegensatz zum ersten Jahr als wohl wenigstens 100.000 Bienen nahe Pool wohnten.

Wahrscheinlich handelt es sich um Apis mellifera iberica - Fotos folgen - diese Bienen sind bisher vollkommen friedfertig, eher langsam, ein bischen <verwirrt > wirken sie , staendig voller Bluetenstaub, dieses Jahr erscheinen sie mir etwas groesser. Der Imker meint dazu, das seien beides sehr junge Voelker, muessen erst ein groesseres starkes Volk bilden.

Problem ist auch , dass wir beide noch nicht ausreichend Portugiesisch koennen; Aber das werden wir durch die Bienen nun sehr schnell lernen muessen, haben uns zu einem Imkerkurs angemeldet und muessen sehr viel lesen.

Man riet uns, wir sollten die Bienen dann auf moderne Beuten umstellen. Wir sind uns noch nicht darueber im Klaren, ob wir das wirklich wollen und nicht lieber mit der momentanen Romantik alter Zeiten leben wollen. Um die Menge des produzierten Honigs geht es uns eher nicht. Die Bienen gehoeren scheints zu diesem Ort im Korkeichenwald.

Mit Sicherheit werde ich bald fachliche Fragen haben und waere sehr froh darueber eine fachkompetente Antwort in meiner Muttersprache lesen zu koennen, man versteht die Dinge dann doch besser.

Herzlichste Gruesse, Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von molle » Samstag 23. April 2011, 00:38

Hier sind 3 Bilder zu Michaelas Bericht.

Das vierte Foto mit einem traditionellen Bienengehöft hänge ich an den nächsten Beitrag von mir.
3.jpg

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molle

Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von molle » Samstag 23. April 2011, 03:02

martina michaela hat geschrieben: Was ich mir unklar ist; wie hat dieses Bienenvolk ohne jede menschliche Hilfe die Varroa wenigstens 40 Jahre lang ueberlebt? Wieso muss ich die scheinbar ja gesunden Voelker mit Chemie oder auch biologisch jetzt schuetzen?
Bisher haben sie das ohne jede menschliche Hilfe geschafft.
Es wurde schon öfter von Völkern berichtet die die Varroa überleben, besonders solche die keiner intensiven Haltung und Züchtung unterliegen.
Hier in Kapitel 2 einige Beispiele: http://vshbreeders.org/forum/attachment.php?aid=3
Seeleyartikel auf deutsch: http://www.deutscherimkerbund.de/phpwcms_ftp/Verroa.pdf
Frankreich Cevennen (ursprüngliche Dunkle in traditionellen Klotzstülpern): http://www.ruchetronc.fr/ruche_tronc.php?mn=9

martina michaela hat geschrieben:Man riet uns, wir sollten die Bienen dann auf moderne Beuten umstellen. Wir sind uns noch nicht darueber im Klaren, ob wir das wirklich wollen und nicht lieber mit der momentanen Romantik alter Zeiten leben wollen. Um die Menge des produzierten Honigs geht es uns eher nicht.
Honig erntet Ihr auch mit den Korkbeuten. Moderne Beuten bringen pro Volk mehr Honig , aber die mit ihnen verbundene Bienenehaltung bedeutet für Euch und die Bienen mehr Anstrengung.
Ob sie dann noch ohne Behandlung klarkommen ist auch eine Frage...

martina michaela hat geschrieben:Mit Sicherheit werde ich bald fachliche Fragen haben und waere sehr froh darueber eine fachkompetente Antwort in meiner Muttersprache lesen zu koennen, man versteht die Dinge dann doch besser.
Jederzeit gerne. :D

Und ich glaube wir im Forum sind froh darüber mehr von der Korkbienenimkerei zu erfahren, da es in D kaum noch Leute mit Erfahrung in Bienenhaltung ohne Rähmchen gibt.

Liebe Grüße
Molle

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von Luxnigra » Samstag 23. April 2011, 20:38

Ich kann nur warnen vor einer änderung der Betriebsweise. Dann werden sie sofort der Varroa erliegen.
Wenn sie es bis jetzt geschafft haben, der Varroa zu trotzen, dann werden sie es auch in Zukunft. Freu dich darüber, du hast einen imkerlichen Schatz, der aber sofort zerbröselt, wenn man ihn heben will.
Bleib auf deinem Land und wehr dich redlich

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Donnerstag 28. April 2011, 09:54

Danke <molle> dass Du die Fotos fuer mich reingestellt hast. Ich bin pc-technisch aehnlich hinterm Wald wie mein Bienenvolk...

Die Links aus Portugal gehen meist nicht, hier ist dennoch einer, wie man Honig aus Korkbeuten erntet:

http://usuarios.multimania.es/artenava/colmena/html

Dann habe ausgerechnet ich einen imkerischen Schatz, die ich keine Ahnung von Bienen habe. - Meine bisher 3 Korkbeuten habe ich aus dem Imkerladen, ein aelterer Imker hat die Imkerei aufgegeben, Korkimkerei, hatte 60 Korkbeuten, stellt diese auch immer noch her.
Dieser und der Imkermeister - nennt man das so auf deutsch? - wollen uns im September helfen den ersten und einzigen Honig dieses Jahr zu ernten. Da die bisher 2 Voelker jung sind, nur die oberste Etage der Korkbeute ausheben, das Volk in der selben Korkbeute belassen, biolog. Varroabehandlung vor der Winterruhe. - Genauso haben wir das verstanden.
Hinzu kommt, dass ich erst portugiesisch lernen muss. - Bleibt also nur; wir werden genau das tun, was der Imkermeister und sein aelterer Freund uns sagen, damit es den Bienen gutgeht. Einmal/ Jahr Honig entnehmen reicht auch fuer unseren Haushalt und Hausgaeste zum Fruehstueck.

Ich stell mal mit und ohne Hilfe hier Infos ein, Links, was ich so ueber Korkimkern, Bienengehoefte fuer Korbienen, etc. ein. Diese Imkerkultur scheint in engem Zusammenhang mit den Braunbaeren zu stehen, deswegen brauchte man hier hohe Steinmauern um die Korkbeuten herum.

Liebe Gruesse, Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Donnerstag 28. April 2011, 10:09

Der vorherige link ueber Honigernte aus Korkbeuten ist wie haeufig nicht zugaenglich, erstmal kopiert. - dieser hier funktioniert dann auch nicht. keine Ahnung, woran das liegt, passiert erst seitdem ich in Portugal internet benutzen muss. Portugal hat kein eigenes Internet, ist das brasilenische Netz.

http://www.altotejo.org/acafa/docsn3/Co ... spanha.pdf

Ich erklaer mal, wie der Honig entnommen wird, was ich sehe: Zuerst werden die Bienen in der Korkbeute von unten etwas mit Rauch beruhigt. Man stellt die Korkbeute mit Bienenvolk und Waben auf den Kopf , Oeffnung als nun genau nach oben zeigend. Ein zweiter Imker nimmt eine leere Korkbeute, haelt die Oeffnung dieser Korkbeute an die andere, aus der das Volk ausziehen soll in die neue Beute. - Zwischen beiden Oeffnungen der Korkstaemme wird ein Leinentuch befestigt, sog. <Bruecke> ueber die das Bienenvolk dann vom gefuellten Stamm in ihre neue Beute ziehen wird.
Der Imker klopft mit einem Holzstueck solange von aussen an den bewohnten Korkstamm, bis das Volk - dadurch belaestigt - beginnt wie eine Miniaturarmee in den leeren Stamm zu laufen. Das klappt erstaunlicherweise. - Erbaulich die Kommentare der Imker in einem Video, die dem Bienenvolk da Anweisungen geben wie < und nun aber Ruhe hier und Marsch! > .... :lol:
Die Kunst dabei ist, dass die Koenigin sich ebenso in Bewegung setzen muss, ueber das Leinentuch laufen, sonst stirbt das Volk. Die Koenigin laeuft in der Menge Arbeiterinnen ueber das Tuch und alle anderen folgen jetzt einfacher.
Der Korkstamm mit Volk wird nun wieder zurueckgetragen, die mit Waben gefuellte Beute weit weggebracht, damit die Bienen nicht zu ihrem Honig zurueckfliegen. - das wars, einfache Prozedur. - Die bewohnte Korkbeute scheint schwer zu sein vom Gewicht der Waben, zwei Maenner tragen sie gemeinsam, wohl ueber 20, 25 kg dann...kein Ahnung.
Eine leere Korkbeute kann selbst ich mit einer Hand ueber den Fluss tragen, und ich bin keine besonders kraeftige Person, mir unter den Arm klemmen, sehr leicht, und somit auch in schwerem , unzugaenglichem Gelaende ueberall aufzustellen. Aehnlich leicht wie ein Bienenkorb.

Die Waben werden aus der Beute entfernt, erstmal in einen grossen wohl Holztrog bzw. riesige Korkschale gelegt. Was danach mit den Waben geschieht, wird wie bei Euch gemacht werden.



L.G. Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Donnerstag 28. April 2011, 11:06

emjambre01.jpg
enjambre03.jpg
enjambre04.jpg
Fotos aus Artikeln kann ich scheinbar reinstellen, aber keine Pdf- Formate und nichts aus Youtube, schade.

L.G. Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Donnerstag 28. April 2011, 12:34

Und da waeren nun die ersten Fragen an Euch, mit der Varroa angefangen:

Kann die Resitsenz der Bienen u.a. an ihrer Schwarmfreudigkeit liegen? - Denn sie ziehen offensichtlich gerne um, entledigen sich somit dem Grossteil der Milben. Aber sie bleiben irgendwo hier auf dem Grundstueck.
So auch Vorteile der Korkbienenhaltung, da man den Schwarm in eine andere , ausgeraeucherte, dann penibelst gesaeuberte Korkbeute laufen laesst, verbleiben nur die auf den Bienen selbst festgebissenen Milben. Ich hab bis dato keine auf den Bienen gesehen, kommt vielleicht noch.
Portugal ist ein armes Land, ich bezweifle, dass die Korkimker Geld fuer Chemie ausgegeben haben, man spart hier auch im Anbau an Insektiziden, keine Herbizide, jeder zaehlt jeder Cent.

Aber das sind wilde Voelker. Der groesste Unterschied meiner Meinung nach zu modern-imkerisch genutzen - auch im Gegensatz zur Korkimkerei - dass man den Bienen den Propolis laesst, der ja nicht nur das Immunsystem des Menschen staerkt, in erster Linie fuer die Gesunderhaltung der Bienen selbst noetig ist.

Diese Bienen muessten also zudem ein staerkeres Abwehrsystem haben, weil sie niemals imkerisch genutzt wurden ?

Daraus resultierte fuer mich, wenn wir den Honig plus Propolis und Waben ernten, ihr Abwehrsystem somit schwaechen, ihr natuerliches Gleichgewicht stoeren - muessen wir ihnen helfen und sie tatsaechlich einmal im Jahr gegen Varroa behandeln? Biologisch wie der Imker sagte.

Der wahre Schatz scheinen mir auch diese endlosen , uralten Kork-und Steineichenwaelder zu sein, die kaum jemals ein Mensch betritt, keine Chemie, keine Fabriken, kaum Strassen, nichts. ausser Rindern, Schafen, Wild. Im port. Alentejo gibts Insekten und Amphibien, die man noch nicht einmal katalogisiert hat. Der Wald dehnt sich bis ueber die spanische Grenze aus , schliesst fast die gesamte span. Povinz der Extremadura mit ein bis nach Las Hurdes hoch.
Die Nahrung der Bienen unterscheidet sich also auch ganz erheblich, ist voellig natuerlich, unbeeinflusst von unserer Zivilisation.
Das Unterholz besteht grundsaetzlich aus hohen Zistrosen, aus denen neben Parfuem auch ein Antivirusextrakt in Frankreich gewonnen wird, Kork-u. Steineichenblueten, Lavendel, Rosmarin, Ginster und was sonst noch an Wildkraeutern waechst.
Zistrosen sind bis zu 3m hohe, harzige, immergruene Buesche, handtellergrosse, weisse Blueten, Millionen im Moment.

Koennte die (teileise?) Resistenz meiner Bienen also an ihrer Ernaehung und diesen spezifischen Lebensbedingungen liegen?

Und noch ein Foto vom Hauptbienenfeind, dem <Abejaruco> und einer Zistrosenbluete.

L.G. Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Donnerstag 28. April 2011, 14:56

Ich versuch nochmal , ob Ihr nicht doch das Video und die wunderchoenen archaischen Bienenghehoefte ansehen koennt.

http://www.adismonta.com/sierrayllano/i ... cia&id=593

wenn das nicht geht, googeln im span. internet. - erst also google.es - dann eingeben: youtube la miel en la comarca montanchez y tamuja

oder direkt den link von youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=ovACoFcFEmY
_____________________________________________________________________________________________________________________________

Fuer Fotos und engl./span. Artikel ueber auch portugiesische Bienengehoefte einfach im deutschen Netz googeln, eingeben:

ACAFA Los Colmenares Tradicionales Del Noroeste de Espana

Ich dachte vor Bekanntschaft mit der hiesigen, archaischen Imkerwelt, die Felssteingehoefte in Miniatur koennten archaische Schiessstaende fuer die Wolfsjagd gewesen sein, zum Ansitzen, neben anderen Ideen, die alle keinerlei Sinn machten. Jetzt habe ich endlich die wahre Erklaerung fuer diese befremdlichen Bauten. Waeren wir niemals drauf gekommen, da wir keine Imker sind. Euch waere es vielleicht aufgefallen.

L.G. Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von Luxnigra » Freitag 29. April 2011, 00:48

Woran es nun liegt, dass deine Bienen klarkommen mit der Varroa ist wissenschaftlich schwer festzustellen. Jedenfalls wäre es ratsam, einen Teil der Völker gar nicht zu bearbeiten, auch keinen Honig zu entnehmen. Als Referenzgruppe, sozusagen.
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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Freitag 29. April 2011, 15:41

Ja. - Die Referenzgruppe muesste dann unter aehnlichen Bedingungen leben wie in Wildform.
Sie hatten ueber einen Kubikmeter Platz ohne Unterteilung in der Zwischendecke. perfekt isoliert gegen Kaelte, Hitze, das sind 80er Granitsteinwaende. Das Einflugloch befand sich auf 3m Hoehe, also ein 100% sicherer Bau auch in Bezug auf Raubzeug etc. - Gegen die Sommerhitze von oben durch laubwerfende Baeume verschattet - von unten Kuehle weil die Muehle halb im Wasser steht.

In die dann als Werkstatt benutzte Muehle drangen durch die offengelassene Tuer 2 sehr grosse Ratten in die Holzzwischendecke ein, das Volk toetete diese, im Todeskampf zerstoerten die Ratten wohl alles, das war ein Theater... - die Bienen zogen einige Tage spaeter um...

Man koennte einen aehnlichen 1 m3 - Bau irgendwo erhoeht aufmauern, aber mein Mann fand glaube die Antwort in einer ganz anderen Loesung, die scheinbar hier keiner sieht, weil zu dicht vor der Nase ; moderne Korkbeuten....
Er sieht auch nicht ein, warum wir die beiden Voelker in den Korkbeuten ueberhaupt behandeln sollten, wenn diese Bienen 40 Jahre lang ohne Hilfe ueberlebt haben, in der Zwischendecke muesse es vor Milben nur so gewimmelt haben. - Und; dass seine Jagdhunde hier seit 3 Jahren auch weder Floehe noch Zecken haben, vielleicht mal eine, warum sollten die Bienen Milben gehabt haben?

Meine Antwort, dass alle Bienen heute Varroa haben, reicht ihm nicht aus als Argument, zuerst will er die Milben sehen. Er behandelt seine Hunde auch nur gegen Zecken wenn sie welche haben. - Dem kann ich nichts entgegensetzen - bis er Milben sieht.
Da ich ihn kenne, wird er jeden zukuenftigen Befall der Bienen auf <meine> inadaequate Haltungsform am falschen Ort in Korkbeuten schieben, dann etwas nach seinen Vorstellungen bauen, die er klar hat. Mich wird er dann in meiner <steinzeitl. Romantik> zwischen Korkstaemmen zuruecklassen :roll:

Seine Idee geht bisher in Richtung Korkplatten mit dickerer Wandstaerke als die primitiven Korkbeuten mit Daemmwert aehnlich der 80er Felswand, Klappe zur Kontrolle , zweigeteilter Raum innen, viel groesser als normal gegen Schwaermen, Dach ueber jeder Beute als Sonnenschutz und auf Stelzen auf einer simplen Rahmenkonstruktion als sicheren Schutz gegen Raubzeug direkt am Flussufer. Leicht also wie Styroprbeuten nur aus dickem Kork, die er selber zusammenschrauben kann und einfach ueber den Fluss tragen. Kork verrottet und verzieht sich nicht. Die Bienen koenen ihr Einflugloch zwecks Ventilation selber regeln plus Luft von unten, zusaetzlicher Korkeinschub von unten fuer den Winter als Isolierung.

Er fragt sich, wieso die portugiesischen Imker Holzbeuten einfuehren, obwohl sie das idealste Material tonnenweise direkt vor Ort haben, die ganze Korkproduktion keine 30 km entfernt ist ?

Korkplatten schneiden sich mit einem Spezialmesser wie Butter - fuer moderne Rahmenhaltung wie auch ohne. Unverrottbar ist wichtig - die hohe Luftfeuchtigkeit waehrend der Regenmonate ist bei Holz ein Problem, Pilzbefall desgleichen...Er koennte so eine Kiste in 20 Minuten zusammenschrauben, klemmt x-foermige Querhoelzer fuer die Waben rein, fertig. Fuer uns als Hobby also wie gehabt, sonst zuviel Aufwand.
Er sieht die Schwarmfreudigkeit des Volkes nach seiner Vertreibung durch uns darin, dass das dann geteilte Volk einfach keine Luft in der einsetzenden Hitze ab Juni in dem hohlen und engen Eukalyptusbaum bekam. Sie brauchen mehr Platz, und vermutet nun, dass ebenso die traditionellen Korkbeuten zu eng werden koennten im Hochsommer. Nicht wegen des Materials, sondern einfach zu kleiner Innenraum.- Das werden wir Ende Juni sehn...

Kein Mensch kaeme hier uebrigens auf die Idee, den Sommer in einem Holzhaus zu leben, obwohl Bauholz hier schon immer vorhanden war; moerderische Hitze in Holzbauten. Die traditionellen Korkbeuten mussten den modernen Holzbeuten u.a. weichen, weil sie fuer den Profiimker formal nicht wirtschaftlich sind, dennoch ist Kork schon das richtige Material fuer dieses Klima.

Fuer diese Grundidee fehlt ihm <nur> ein einfacher Bauplan fuer eine grosse, genormte, erweiterbare, gut ventilierte Bienenkiste aus Korkplatten mit abnehmbarem Dach. Richtung niederlaendisches Bienenhaeuschen , innen wie eine traditionelle , japanische Beute. Aber fuer ein genormtes Rahmenmass, damit er eine zweite im Imkerladen ausstellen kann, sie jeder nachbauen koennte.

Das Referenzvolk wird dann wohl in seiner Beute unterkommen, die in der Theorie die artgerechtere sein duerfte, zudem praktisch einfacher zu handhaben, sicherer, und er kann vor allem auf Varroabefall kontrollieren ohne das Volk zu stoeren. - Ich habe zu den traditionellen Korkbeuten keinen Zugang mehr, da die Bienen diese von unten komplett mit Lehm abgedichtet haben, von oben sind die Staemme nicht ohne teilweise Zerstoerung der Waben zu oeffnen. Aber fuer mich sehen natuerliche Korkbeuten viel schoener aus, landschaftsintegrierter.

Mal gucken wie und wann er das umsetzen wird, in der Korkfabrik war er schon. Aber richtig; er duerfte dieses Volk in <seiner> Beute nur beobachten, keinen Honig entnehmen, unter gar keinen Umstaenden mehr eingreifen, ueber die naechsten Jahre irgendwie dokumentieren, wie er selber sagt,gleich eine Glasscheibe rein plus Minivideokamera. Waere spannend zu sehen, wie die ein biolog. Gleichgewicht mit den Milben erreicht haben. Ich kann mir Varroafreiheit eher nicht vorstellen.

L.G. Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von molle » Samstag 30. April 2011, 01:26

Hallo Michaela,

vielen Dank für Deine ausführlichen Berichte und schönen Fotos. Die Links am Anfang haben wirklich nicht funktioniert, doch wenn Du die Suchstichwörter angibst, funktioniert es.


Die Varroamilbe ist auf jeden Fall in Euren Völkern - zeige sie Deinem Mann. Sind die Korkbeuten unten offen, so finden sich einige tote Varroamilben auf dem Boden - aber Du schreibst ja, dass die Bienen sie von unten mit Lehm geschlossen haben (bist Du Dir da sicher, dass es die Bienen waren? Kannst Du davon Bilder einstellen ?).


Wenn Du nicht gegen die Varroa behandelst werden sicher einige Völker sterben, doch in der Natur starben auch vor Ankunft der Varroamilbe bis zu 80% der Schwärme jedes Jahr. Ich würde einfach jedes Jahr wieder, wie von Dir weiter oben beschrieben, präparierte Korkbeuten aufstellen, dass Schwärme einziehen können.
Durch das Abtrommeln (übrigens auch bei Korbbienenhaltung oder in hohlen Holzstämmen in anderen Regionen Europas wurde so abgtrommelt) bleiben 2/3 der Varroamilben in der verdeckelten Brut zurück ! Das ist Deine Varroabehandlung !!!

In Deutschland hat es über 20 Jahre gedauert bis diese rückstandsfreie und naturnahe Behandlung für die moderne Kistenimkerei wiederentdeckt wurde. Ihr könnt sie gleich von Anfang an nutzen.


Bei Euch vor Ort existiert eine Jahrtausende erprobte Haltungsweise, die Ihr noch von Leuten mit Erfahrung lernen könnt und die aus dieser Erfahrung heraus die günstigste ist. Nutzt die Schätze der beiden alten Imker !


beste Grüße Molle

martina michaela
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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Samstag 30. April 2011, 09:50

Hallo Molle!

Das erscheint mir schluessig. - Die Korkimker entledigen sich also der Varroa mit jeder Honigernte 2/3 der Milben, indem sie das Volk zwingen in einen neuen Stamm zu ziehen. Nochmals in der Schwarmzeit, indem sie neue Voelker einfangen.

Ich haette im Moment noch die Moeglichkeit Korkbeuten fuer Stueck 6 Euro des alten Imkers zu uebernehmen, ca. 60 Stueck., siehe die auf dem Foto, die auch von ihm ist, <MM> ist seine Signatur vorne auf der Beute. Neu liegen sie in dieser Korkqualitaetum Vollstamm, bzw. nur aus zwei Teilen zusammengefuegt bei 80 Euro/ Stueck.

Ich benoetige also wenigstens doppelt soviele Beuten wie ich spaeter Voelker halten will. Pro Korkbeute pro Ernte erhaelt man ca. 12 kg Honig.

Der mit Abstand aromatischste Waldhonig resultiert aus der Kombination der Kork-und Steineichenblute , wenn zugleich das gesamte Unterholz aus Lavendel, Rosmarin, Zistrosen und Ginster Ende April /Mai explosionsartig blueht. Diese einmalige Ernte wuerde mir reichen, der Honig den ich allen anderen vorziehe.
Die Voelker koennten von mir aus mit der zweiten Tracht um Sept. Okt. herum durch den Winter.

Fotos von der Versiegelung mit Lehm und Flussschlamm durch die Bienen folgen, so auch dass die Bienen die Einflugloecher selber vergroessert haben, Korkstueckchen abgebissen ringsherum, vor dem Winter verschliessen sie diese lt. Imker dann wiederum mit Flussschlamm, darum ist die Wassernaehe fundamental fuer den biolog. Zyklus der Bienen.
Der Fluss fuehrt im Moment noch Hochwasser, gibt keine Bruecke, niemand kommt an die Voelker im Augenblick ran. So bleibt mir auch zum Roden zwecks Aufstellen von mehr Beuten ab naechstem Fruehjahr und Behandlung gegen Varroa nur die Zeit bis ca. Ende September bis Mitte Oktober... Der Rio Divor kann sehr gefaehrlich werden.

Ich bin erleichtert, dass Du mich in der Korkstammhaltung bestaetigst - auch aufgrund der speziellen Situation vor Ort sehe ich keine andere Moeglichkeit diese Flussvoelker zu bewirtschaften. Ich muss sie mindestens ein halbes Jahr ihrem natuerlichen Schicksal ueberlassen, also darf ich meiner Meinung nach nur einmal im Fruehsommer Honig wegnehmen.

L.G. Michaela

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von Luxnigra » Samstag 30. April 2011, 20:46

Ich habe mir dasFilmchen mal angeschaut: Typisch Dunkle, wabenflüchtige Biene! Mit einer wabensteten Biene wäre das nicht zu machen, wie im Film gezeigt. Und diese komplette Brutentnahme und das "inruhelassen" der Bienen für den Rest des Jahres, verbunden mit den hohen Temperaturen (die mögen die Varroen nicht) (diese hohen Temperaturen ersetzen die Brutfreiheit im Winter bei uns) haben die Milben wenig Chancen. Ich kann nur sagen: Weiter so!!!
Bleib auf deinem Land und wehr dich redlich

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Re: Korkbienenhaltung in Portugal

Beitrag von martina michaela » Sonntag 1. Mai 2011, 03:03

Hallo Luxnigra!

Das ist sehr interessant! Wie sollte ich das alles wissen ? Darum bin ich auch dankbar fuer jeden fachlichen Rat. - Wir haben kaum Ahnung von Bienen, auch nicht von ihrer Biologie, Krankheiten, ich wusste noch nicht einmal wie man <Varroa> schreibt, geschweige denn was das ist. - Die Wichtigkeit der Biene fuer unser gesamtes Oekosystem ist mir allerdings schon immer bewusst, Bienen sind faszinierend.

Dann werde ich die Beuten richtig aufgestellt haben, dachte vorher, nur im leichten Halbschatten durch einen laubwerfenden Baum koennten sie zu heiss stehen im August. Sie stehen auf einem trockenen, hochwassergeschuetzten Felssims, 10m unterhalb ein Teich. Da hoch haben wir einen leicht begehbaren Pfad durchs Dickicht geschlagen.
Bisher waren wir selten da drueben, niemand geht da freiwillig hin, jeder Ziegenhirt macht einen weiten Bogen, aus vielen Gruenden gefaehrlich, hab das deswegen auch abzeunen lassen gegen den zivilisierten Teil; kein Handyempfang, Giftschlangen, Skorpione, Felsspalten, Hoehlen, alles so wildueberwuchert, dass sich jede Ziege den Hals brechen wuerde.
Aber der Teil ist raubzeugfrei, keine einzige Saeugetierfaehrte, vielleicht weil ein Zwergadlerpaar dort horstet. Hoehlen und Felsspalten an die ich rankam sind alle leer - bis auf Fledermaeuse und 30cm lange orangebraun- gestreifte Tausendfuessler, dick wie kleine Schlangen.
Fuer Saeugetiere jeder Groesse ist dieser Teil aus irgendwelchen Gruenden tabu - am Wasser liegt es nicht, zuviele hochempfindliche Amphibien drin, auch Feuersalander.

Die Bienen scheinen mir da sehr sicher zu stehn. Noch in Wildform haben sie aus demselben Teich Wasser geschoepft. Das Beste; sie haben endlich aufgehoert zu Dutzenden nach Baumoeglichkeiten in den Mauern des Gaestehauses und um den Pool herum zu suchen seitdem sie in die Korkbeuten eingezogen sind. Sie haben sich auch auffaellig vermehrt, ueberall Bienen auf jeder kleinsten Bluete frenetisch im Sammeln versunken. Man kann manchmal kaum laufen, weil der Klee und Thymian im Rasen bluehen...sind aber 100% friedfertig.

Mehr kann ich jetzt wohl nicht tun. Lesen natuerlich...

Liebe Gruesse, Michaela

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