Wann zieht ein Volk aus?

Hier ist Platz für Tagebücher, Erfahrungsberichte, Haltungserfahrungen und Erlebnisse beim Beginn und bei der Arbeit mit der Dunklen Biene

Moderator: Johannes

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Heiko
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Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Heiko » Sonntag 23. Juni 2013, 23:44

Hallo,

das Fragezeichen im Betreff ist ein dickes Fragezeichen: Folgendes ist passiert und hat mich ins Grübeln gebracht:

Gestern wurde ich relativ spät (ca. 17:00) angerufen und um Hilfe gebeten (bin als Schwarmfänger registriert). Soeben sei ein
Schwarm im Apfelbaum gelandet. Ok, schnell Auto beladen und los. Ich komme gerade noch zurecht um die letzten Bienen der Traube
in einem Astloch verschwinden zu sehen. :shock:

Meine Sprühflasche, Schwarmfangbeutel und -Kiste wirken auf einmal total deplaziert. Das Loch ist auch viel zu klein, verzweigt und tief
um mit der behandschuhten Hand irgendetwas auszurichten (quasi rausschöpfen). Die Rückfrage beim Gartenbesitzer - ja der Baum bleibt
stehen und soll auch nicht beschädigt werden. (War nur ne Frage - rücke normalerweise auch nicht mit Säge aus) :wink:

Wie bekommt man also einen Schwarm aus seiner neuen, selber ausgewählten Behausung wieder raus ohne diese zu beschädigen? :?
Nach einer Weile vorm Loch sitzen und Grübeln kommt mir der Gedanke, das Rauch eventuell was bringen könnte. Die Kö muss ja noch
flugfähig sein. Waben dürften noch keine wesentlichen errichtet sein. Also noch mal rein ins Auto, Smoker und Rauchstoff geholt.
Muss übrigens erwähnen, dass sich die Gartenbesitzer nicht (auch nicht auf mein Anraten) mit dem Volk arrangieren wollten. Ist ja eigentlich wie bei "schöner Wohnen" alter Apfelbaum, der Stamm mit Rosen umrangt und dann noch mit Bienen besiedelt - für mich ein Traum. "Aber nee, ist ja zu gefährlich..." :evil:

Bevor ich also den Schwarm an den "Bauschaum" oder schlimmeren Dingen ausliefere, mache ich den Versuch mit dem Rauch. Müsst doch klappen.
Der Baum qualmt schließlich auch jeder Spalte. Sämtliche Kellerasseln verlassen den Stamm, die Bienen zunächst auch und ich nehme mir vor die
Dame am Loch in Empfang zu nehmen aber...

... nein! Anhaltend Rauch (mehr als 1 Std.!!!) reicht doch nicht aus die Traube selbst in dieser frühen Phase wieder raus zu bringen. Es fängt schließlich
an stark zu regen und es wird Abend. Sie gehen nicht raus. :cry: und ich breche ab...

Frage
Hat jemand noch eine andere Idee für so etwas? (Das es solche "Staubsauger" gibt, ist mir bekannt. Allein der Preis dafür schreckt mich schon ein wenig.)

Was mich ehrlich beeindruckt hat, war das Festhalten an diesen Standort. Was muss eigentlich noch passieren? Über 1 Std. Rauch muss doch für Bienen
mit Ihrer feinen Sinnesausstattung eigentlich schon die Hölle sein!? Keine Brut für die es sich zu "kämpfen" lohnt. Keine Vorräte - nischt!

Das bringt mich zu meiner 2. Frage
Was muss eigentlich passieren, dass ein Volk auszieht? Das müsste doch eigentlich passieren können. Ansonsten hätte doch die instinktive Handlung der
Bienen sich den Honigmagen voll zu schlagen überhaupt keinen Sinn! Jeder Imker benutzt diesen Effekt, kann sich darauf verlassen. Aber wo ist eigentlich die Schwelle für die Kö?

Keine Angst. Ich will nicht zum Bienenquäler werden! Mich hat die Geschichte einfach sehr bewegt und das sind so meine Gedanken. Unabhängig von der Rasse freue ich mich über jeden Schwarm der seine Chance bekommt (bin eben so).

Lg Heiko

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Johannes
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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Johannes » Montag 24. Juni 2013, 06:59

Hallo Heiko,

das ist ja eine sehr spannende Geschichte!
Auf deine Fragen habe ich leider keine rechte Antwort. Aber ich habe noch eine Idee.

Ich wurde auch mal dazu gerufen, wie eine Nachschwarm in der Ritze eines alten Fachwerkhauses verschwand.
Abreißen ging auch hier nicht, aber die Bienen sollten halt raus.
Ich habe dann einen leichten Sperrholzkasten mit einer Eiwabe am Abend bienendicht vor die Öffnung gehängt.
Als am Morgen die ersten Bienen ausfliegen wollten, kamen die nicht weiter, als bis zu dieser Wabe.
Da die Königin zum Glück noch unbegattet war, hatten sie drinnen auch noch keine Brut und so fingen die Bienen auf der Brutwabe an zu sterzeln.
Gegen mittag beschloss ich dann den Kasten abzunehmen, da die Bienen sonst der direkten Sonne ausgesetzt gewesen wären.
Anschließend habe ich dieses Volk an einen entfernten Außenstand gebracht und voller Freude festgestellt, dass auch die Königin mit kam!

Ob und wie das allerdings mit einer schon begatteten Königin klappt, die ja direkt selber in Eilage gehen wird, ist mir unklar. Ich hatte da schlicht weg Glück! Auch ist es an einem rauen Baumstamm sicher schwierig den davor gehängten Kasten bienendicht anliegen zu lassen.

LG Johannes

Der Großteil Vorbestellungen ist nun erfüllt. Die letzten Königinnen gehen bis Mitte Juli raus. Den Rest der Saison möchte ich nutzen, um das Zuchtprogramm des Landesverbandes Dunkle Biene Sachsen e.V. zu unterstützen. Daher kann ich leider keine umfangreichen Anfragen mehr annehmen. In dringenden Fällen bitte einfach eine Anfrage per Mail schicken und ich werde sehen, was ich tun kann!

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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Hainlaeufer » Montag 24. Juni 2013, 16:43

Ich denke gerade an so einen Aschesauger (kostet im Schnitt 40€), ist bloß die Frage ob dieses Gerät beim einsaugen noch irgendwie zerkleinert? Denke aber fast nicht, wäre also sicher ein toller Bienensauger ;).

Die Idee mit der Eierwabe ist wirklich toll! :wink:

Ob auch eine gekäfigte begattete Königin den Naturschwarm auf sich lenkt?

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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Montag 24. Juni 2013, 17:47

Hallo Heiko und alle anderen,

nach heutiger Rückehr aus meinem Kurzurlaub für ein paar Tage durfte ich hier Deine spannende Geschichte lesen.

Ja, leider funktioniert das Verjagen der Bienen mit Rauch aus ihrer Behausung wohl nur bei tropischen Honigbienen. Ein europäischer Schwarm bleibt, sobald er sich einmal festgesetzt hat und das erste Wäblein baut (was schon nach wenigen Stunden geschieht), seiner Behausung treu. Nur ein einziges Mal durfte ich beobachten, wie ein frisch gebildeter Sammelkunstschwarm durch Unruhe und Rauch seine ihm angedachte Behausung spontan verließ; die angelsächsischen Imker nennen dies Absconding, was bei uns aber sonst nie auftritt.

Mehr eigene Erfahrungen habe ich hierzu leider nicht. Möglicherweise, wenn man manchen Berichten Glauben schenken mag, wäre es möglich, den frisch eingelaufenen Schwarm durch eine direkt am Flugloch (Laufkontakt!) angebrachte Beute mit einer oder mehreren Brutwaben dazu zu bewegen, den Baum wieder zu verlassen und in die Beute zu ziehen. Bestätigen kann ich dies leider nicht.

Es bleibt unter diesen Umständen leider daher nur die Möglichkeit, die Bienen abzusaugen oder abzuschwefeln. Wäre es z.B. möglich, mit HT-Rohren eine Fangvorrichtung zu basteln und diese an einen normalen Staubsauger anzuschließen? Mit irgendeinem dazwischen geschalteten Netz o. ä. als "Falle".

Mehr würde mir derzeit nicht einfallen.

LG
Kai
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Gast4

Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Gast4 » Montag 24. Juni 2013, 19:44

Hallo zusammen

Das mit der Eiwabe funktioniert gut, bei einem frischen Schwarm.

Du kannst noch versuchen einen Kasten vor das Loch zu basteln in dem Waben hängen.
Kasten muss halt ein Flugloch haben und die Bienen müssen durch den Kasten durch.

Kann gehen, muss nicht, kommt auf die K an.

Viel Glück

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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Heiko » Dienstag 25. Juni 2013, 09:27

Moin und Danke für eure Antworten!

Da werde ich mir für zukünftige Gelegenheiten wohl mal etwas zurecht basteln.

Eines lässt mir aber immer noch keine Ruhe:

"Ansonsten hätte doch die instinktive Handlung der Bienen sich den Honigmagen voll zu schlagen überhaupt keinen Sinn!" Jeder Imker benutzt diesen Effekt, kann sich darauf verlassen. Aber wo ist eigentlich die Schwelle für die Kö?

Wenn sich ein europäischer Schwarm nicht "vertreiben" läst, wäre dies Verhalten doch völlig sinnfrei. Sie würden dann halt mit vollem Magen verbrennen :?:
Das kann es doch eigentlich auch nicht sein.

Lg Heiko

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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Hainlaeufer » Dienstag 25. Juni 2013, 10:24

Manchmal macht man doch die eine oder andere Erfahrung, wo ein Volk quasi einen "Notschwarm" macht und aus der Beute flüchtet. Bei Hochwasser würden sie über Fluglöcher flüchten die in den obersten Zargen integriert sind. Einmal gab es auch einen Fall, wo ein nicht unbedingt starkes Volk einen Notschwarm machte, da sie offensichtlich über längere Zeit der geschützten Waldameise ausgesetzt waren, die Stresssituiation und zu wenig Wächterbienen waren wohl aussschlaggebend. Unsere heimische Biene ist doch eigentlich ein Waldgeschöpf. Wenn mal da was brennt, könnte der Rauch Kilometerweit wandern, vlt. schwärmen sie erst ab, wenn es schon gefährlich heiß wird bzw. das Feuer in unmittelbarer Nähe sich bewegt. Oder was weiß ich... so denke ich darüber.

Falls noch jemand mehr darüber weiß, würde es mich auch sehr interessieren! Oder vlt. kann man mich auch korrigieren was den Waldbrand betrifft ;).

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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Didi » Dienstag 25. Juni 2013, 13:33

Hallo Heiko,
ich habe einen Artikel von B. Heuvel im Imkerforum.de zufällig gelesen. Der hat so einen Schwarm mit dem Sauger+Aschekasten gefangen.
Der Artikel war glaube ich von 2010. Der Staubsauger muß regelbare Saugleistung haben, damit die Bienen nicht beim saugen an die Wand geklatscht werden.
Gruß Dieter

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Re: Wann zieht ein Volk aus?

Beitrag von Didi » Dienstag 25. Juni 2013, 13:36

Das ist der Link dahin
http://www.imkerforum.de/showthread.php ... n+absaugen
Viel Erfolg
Dieter

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