Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Hier ist Platz für Tagebücher, Erfahrungsberichte, Haltungserfahrungen und Erlebnisse beim Beginn und bei der Arbeit mit der Dunklen Biene

Moderator: Johannes

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elk030
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Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von elk030 » Mittwoch 14. Dezember 2011, 18:11

Seltsam ist, daß bei mir jetzt nur die Völker noch leben, die kaum oder gar nicht behandelt wurden.
Fast alle Völker, die bis zu drei As-Kurzbehandlungen erfahren haben, sind 3-4 Wochen später abgegangen. Ich spreche hier von circa 25 verlorenen Völkern.
Abzuwarten gilt, was mir im Frühling bleibt.
Man mag mir vorwerfen, daß ich, wie viele dumme Imker, falsch behandelt habe. Vornweg, diesen Schuh ziehe ich mir nicht mehr an.
So oder so, ich stelle das Konzept der herkömmlichen "Behandlung" in Frage und werde zukünftig keine medikamentöse Anwendung gegen die Varroa mehr durchführen. Eine entsprechende Betriebsweise ist in Arbeit.
Ich kann damit leben, Völker zu verlieren, sie auf Anweisung Dritter zu töten, kann ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren.
Ein natürliches Ausleseverfahren, wie es z.B. Herr Kefuss in Frankreich betreibt, wird, obwohl erfolgreich, von unseren führenden Experten abgelehnt. Die Begründung lautet: Eine stechlustige Biene ist in Deutschland nicht zu halten. Hier frage ich mich, muß die Biene sterben, damit gewisse Herren weiter in Badehose imkern können?
Nein, hier geht es um viel mehr.
Die deutsche Carnica-Hochburg verliert alles, was sie sich auf lange Zeit aufgebaut hat, sowohl im materiellen Bereich, als auch in Form von Einfluß, wie z.B. die Biene hierzulande auszusehen hat.
Ich plädiere für ein Konzept der Nachhaltigkeit im Umgang mit der Milbe und denke, es ist Zeit für Plan B.
LG Elk

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manne

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von manne » Mittwoch 14. Dezember 2011, 20:25

Hä, was sollte er davon verreißen?

Manne

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Forggensee

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von Forggensee » Donnerstag 15. Dezember 2011, 04:48

elk030 hat geschrieben: Fast alle Völker, die bis zu drei As-Kurzbehandlungen erfahren haben, sind 3-4 Wochen später abgegangen. Ich spreche hier von circa 25 verlorenen Völkern.
Abzuwarten gilt, was mir im Frühling bleibt.
Man mag mir vorwerfen, daß ich, wie viele dumme Imker, falsch behandelt habe. Vornweg, diesen Schuh ziehe ich mir nicht mehr an.
Hallo Elk,

die gleichen Geschichten hört man immer öfter. Ein mir bekannter Imker hatte 60% Verlust (klassich abgeflogen im Oktober/November) obwohl dieser immer absolut korrekt behandelt und dies seinen Imkerschützlingen auch gepredigt hat. Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass er das auf einmal "verlernt" hat. Mich hats letztes Jahr mit drei Völkern getroffen. Da mag dahinterstecken was will: Normal ist das nicht!

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Dumoint

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von Dumoint » Donnerstag 15. Dezember 2011, 20:18

elk030 hat geschrieben: drei As-Kurzbehandlungen erfahren haben, sind 3-4 Wochen später abgegangen. Ich spreche hier von circa 25 verlorenen Völkern.
genau das ist das Problem gerade die Kurzzeitbehandlung ist nichts anderes als eine Milbenresistenzschulung ( oder so ) .
Ich glaube nicht das es jemals eine Biene in Europa geben wird die sich stetig unter durchschnitlichen Bediengungen der Varroa alleine besiegen kann.
Ich weiß das eine Bienenfreundliche Langzeitbehandlung aus der keine Milbe lebend hervor kommt noch der bis jetzt sicherste Weg ist Guckst du :shock: : viewtopic.php?f=11&t=828

Ich weiß das klingt jetzt haarspalterisch aber was ist eigentlich mit dem
§ 5 der Bienenseuchenverordnung ? hier wird von einem Behandlungsgebot gegen die Varroa gesprochen

Verstößt dann nicht jede Toleranz AG dagegen.

Duck und Weg 8)

Grüße
Simon

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Michal Anton

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von Michal Anton » Freitag 16. Dezember 2011, 10:38

Hallo Simon,
Die Imker sind Freidenker, sie behandeln nicht oder mit nicht zugelassenen Mitteln.
Es ist übrigens der § 15 Absatz. 1, ist aber nicht so wichtig.
Es steht, dass man zur Behandlung verpflichtet ist, soweit ein Stand mit den Milben befallen ist. Es steht aber nicht wie sie Erfolgen muß.
Drohnenschnitt und Brutentnahme sind auch anerkannte Methoden.Im Absatz 2 hält sich das Amt vor das Recht eine Methode anzuordnen, ist mir aber nicht bekant das mal bei uns der Fall war. In übrigen habe ich dem Veterinäramt vor 2 Jahren meine Bienenhaltung angezeigt und bis heute keine Nr. nach Bienenseuchenverordnung bekommen.
Gruß Michal

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Dumoint

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von Dumoint » Freitag 16. Dezember 2011, 20:55

:oops: aber wnigstens ne 5 kam im § vor :)

war eh nur mal so in den Raum geworfen um das ganze mal anzuheizen.
Ich denke das wahnsinnig viel falsch gemacht wird vor allem jegliche Form der Kurzzeitbehandlung sollte besser durch "natürliche Auslese " bzw. nicht behandeln ersetzt werden.
Aber dazu habe ich mich ja schon genug ausgelassen. Bleibt zu hoffen, das wir die dunkle noch ein wenig besser erziehen resp. ans überleben können.

Das verrückteste an der Situation ist schließlich, das die Chemische Industrie bestimmt schon längst ein geeignetes System z.Bsp auf Pheromonbasis auf den MArkt geworfen hätte wenn es keine Bienen wären sonder eventuell Fichten oder Buchen um die es ginge. Soll heißen es muß sich nur lohnen.
Grüße
Simon

Bienenfreund
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Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von Bienenfreund » Samstag 17. Dezember 2011, 10:38

Hallo an alle Varroageschädigten. Eine natürliche Auslese ist immer das beste. Nur gelingt sie auch ? Ein Versuch ist es wert, sofern diese Völker weit genug von den Nachbarvölkern entfernt stehen, um einer evtl. Reinvasion der Varroa zu vermeiden. Das Ergebnis wäre interessant.
Ich behandele mit Nassenheider Verdunster als Langzeitbehandlung und habe bisher keine Varroa-Verluste gehabt. Bei einem Volk reichten zwei Behandlungen nicht aus, so daß ich noch einmal eine Oxalsäure-Behandlung durchgeführt habe.
Eine Frage habe ich noch. Wie lange hält der Varroafall nach einer Oxalsäure-Behandlung an ?
Allen Imkern, insbesondere den Mellifera mellifera Haltern wünsche ich ein frohes Weihnachsfest.

elk030
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Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von elk030 » Dienstag 20. Dezember 2011, 23:13

Hallo Miteinander
Wir behandeln, bringen unsere Völker von Jahr zu Jahr, hoffend, daß bald was gefunden ist. Die Forschung ist am Ball.
Was spricht dagegen parallel einen großflächigen Feldversuch im Prinzip der nat. Auslese zu starten?
Beginnen wir mit den Glaubenssätzen:
- Die Biene schafft es nicht ohne uns mit der Milbe zu überleben.
- Varroa destruktor ist nicht an einer überlebensfähigen "Parasit-Wirt-Beziehung" interessiert.

Schieben wir diese beiseite, wagen den Versuch und sind erfolgreich, was sind die negativen Nebenwirkungen?
- anfänglich sicherlich hohe Völkerverluste
- anfänglich schwere Honigeinbußen
- weniger Einfluß auf, wie die Biene zu sein hat. Wir arbeiten mit dem, was überlebt.
- Betriebsweise muß evtl. angepasst werden
- die Varoa bleibt uns erhalten, Forschung läuft jedoch weiter.

Was sind die positiven Aspekte?
- Der Bien wird auf weite Sicht behandlungsfrei. Nachhaltigkeit ist gegeben.
- der Bien ist den Nebenwirkungen der Medikamente nicht weiter ausgesetzt
- der Honig bleibt sauber. Waldtautracht kann geerntet werden
- Das Mikroklima im Bienenstock wird nicht weiter geschädigt
- weniger Aufwand und Kosten für den Imker

Sind wir evtl. nicht bereit, die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, insbesondere, daß wir erheblich Einfluss auf die Eigenschaften der Biene verlieren oder sind wir einfach kurzsichtig und wollen es bleiben? Meine besondere Hoffnung ist, daß sich die Milbe selbst, wenn sie nicht mehr bedrängt wird, sich neu auf seinen Wirt einspielen wird.
Allein, mit nicht mal 100 Völkern, umringt von Behandlern, habe ich wenig Aussicht auf eine reelle Chance, falls es überhaupt geduldet wird.
Für die Dunkle sehe ich die Aussichten in diesem Zusammenhang allerdings eher positiv, da sie züchterisch wenig bearbeitet ist, sozusagen ein Rohdiamant.
Vielleicht habe ich mich auch einfach in was Unsinniges verrannt, während die Tage unser Erde,so wie wir sie kennen, schon gezählt sind.
LG Elk

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manne

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von manne » Mittwoch 21. Dezember 2011, 10:41

elk030 hat geschrieben:...Was spricht dagegen parallel einen großflächigen Feldversuch im Prinzip der nat. Auslese zu starten?...
In der Großstadt vermutlich wenig,
auf dem flachen Land die industriemäßige Landwirtschaft, mit ihrem beipackzettelbestätigten
bienenungefährlichen PSM-Gebrauch und ggf. Monokultur.

Manne

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Michal Anton

Re: Plan B: Prinzip der natürlichen Auslese

Beitrag von Michal Anton » Mittwoch 21. Dezember 2011, 11:03

Im Maerz 2011 hat die UN einen Bericht über das Globariesierung des Bienensterbens vorgelegt. Neben zerstörten Lebensräumen und Vieren macht die UN vor allem Pestizide verantwortlich und namentlich die von der Firma Bayer.(Gaucho = Imidacloprid und Poncho = Clothianidin)
„Stelle die Menschheit ihre Bewirtschaftung der Erde nicht nachhaltig um, dann werde sich die Situation der Bienen weiter verschlechtern, so das Fazit des Unep-Berichts "
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 39,00.html
http://www.unep.org/dewa/Portals/67/pdf ... hreats.pdf

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