Überwinterung der Dunklen Biene

Erste Fragen zur Dunklen Biene .... und Antworten

Moderator: Johannes

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ck1
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Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von ck1 » Mittwoch 9. August 2017, 22:10

Hallo Zusammen,

so langsam mache ich mir über die Einwinterung Gedanken. In diesem Jahr wintere ich das erste Mal eine Handvoll Völker mit Dunklen Bienen ein. Bei Ruttner und auch hier im Forum habe ich gelesen, dass die Dunkle in eher kleinen Einheiten überwintert. Früher in den Normbeuten würde mWn. auch standardmäßig in einer Ebene überwintert ... Bis die Beuten für die Carnica zu klein wurden und z.T. auf 3 Räume umgebaut wurde.
Im Schweizer Kasten wird, so zumindest in verschiedenen Videos, auch auf einer Ebene überwintert und darüber gedämmt. In der alten Literatur finde ich auch eher 7-15kg Winterfutter die dann in 4-7 Rähmchen Platz finden ... Die restlichen 4-8 Waben(je nach Maß und Beutengröße) wären dann fürs Brutnest übrig.... Rein rechnerisch genügt eine Zarge (nix neues) ... Ich hatte meine Ableger im ersten Jahr auf nur einer Zarge, was im Frühjahr auch gereicht hat - trotz Carnica/Buckfast-Mix ...

Deshalb meine Fragen:
1. Drückt ihr Völker der Dunklen Biene auf eine Voll-Zarge Zander oder DNM oder überwintert ihr zweizargig? Warum handelt ihr, wie ihr handelt?

2. Wie viel füttert ihr ein? So wie früher eher sparsam (7-15) oder wie bei Carnica/Buckfast eher üppig (15-20) ..

3. Einige von euch stehen ja auf Dämmung durch Plas... äh ..Styropor ... Ich nehme an die Dunkle ist eher genügsam wie bei allem ... Oder sollte - wie früher in der Normbeute - extra gedämmt werden (oben/Seite/Alles)? Ich habe bisher immer sehr kalt überwintern lassen ... Offener Gitterboden/folie die 95%abdeckt/Leerzarge/gedämmter Deckel ... Das sollte doch mit einer Kälte gewöhnten Biene erst recht gehen ... Oder was sind eure Erfahrungen/Tipps/Ratschläge?

Danke und viele Grüße,
Christian

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Johannes
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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von Johannes » Donnerstag 10. August 2017, 07:14

Hallo Christian,

wie viele andere auch, berufst du dich auf die Aussage, dass " die Dunkle in eher kleinen Einheiten überwintert". Das ist so aber wahrscheinlich nicht zu deuten. Völker der Dunklen Biene sind durchaus sehr groß und das auch im Winter. Aber aufgrund der Langlebigkeit der Einzelbiene ist es durchaus möglich, dass eine Königin mit nur 200 Bienen "heil" aus dem Winter kommt, wo andere Völker schon längst restlos zusammen gebrochen wären.
Natürlich kann man sowohl Carnica, Buckfast und auch Dunkle sowohl einzargig als auch zweizargig einwintern. Eine Wintertraube wird selten mehr als Fußball-Größe erreichen und passt damit immer in eine Zarge.

Meine gut gedämmten Hinterbehandlungsbeuten bekommen wie früher auch 10-15 kg und das hat bislang immer gereicht. Im Magazin muss man mehr geben, da man die beiden Randwaben schon mal komplett rausrechnen kann. Ich habe (bei den Holzbeuten) noch nie erlebt, dass Randwaben im Winter belaufen und als Futterquelle genutzt werden. Somit muss man da schon ca. 5 jg mehr einfüttern, die aber selten genutzt werden. Damit sind wir dann bei den üblichen 15-20 kg. ;) Wobei ich gerne nur 10-15 kg gebe, und im Februar lieber Teig auflege. Hab dann bei der Frühjahrsdurchsicht weniger Ärger mit Futterwaben, die vor der Tracht entnommen und irgendwie gelagert werden müssen. Das erfordert am Ende Januar mehr Kontrolle, ist aber im Endeffekt eine große Erleichterung.

Meine Dunklen halte ich weiter in Holzbeuten, da diese nun einmal da sind. Diesjährig gebildete Völker werden einzargig eingewintert. Nur bei ein paar Altvölkern, war ich schlicht zu bequem, alles auf eine Zarge zusammen zu rücken. Allein deshalb gehen die wieder zweizargig in den Winter.

Ich bin der Meinung (und das zeigt auch die Erfahrung eines Imkerfreundes mit über 100 Völkern), dass die einzargige Überwinterung risikoärmer ist. Dies halt ein paar Gründe:
- weniger Futterabriss, da sich das Volk im Frühjahr nicht für eine Zarge entscheiden muss
- leichtere OS-Träufelung im Winter ohne Quetschung von Bienen beim aufhebeln der Zargen
- einfache Futterkontrolle im Frühjahr und problemloses Auflegen von Futterteig über der Traube

Wie so oft in der Imkerei sind da viele Geschmäcker sehr verschieden und es wird nie DIE Betriebsweise geben. Aber ich bin der Meinung, dass man einzargig überwintern sollte, wenn es vom Aufwand her vertretbar ist.
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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von ck1 » Donnerstag 10. August 2017, 08:16

Hallo Johannes, Danke für deine Antwort!!

Die Randwaben habe ich, bei zweizargiger Überwinterung, in den letzten beiden Wintern entfernt, um bessere Ventilation zu erreichen und weniger Schimmel ... Denn bei zwei Zargen werden die Randwaben nicht belaufen. Bei einzargiger Überwinterung hab ich die Erfahrung so nicht gemacht, vermutlich weil die Völker schlichtweg zu groß waren.

Eine Frage dann zur Erweiterung bin Frühjahr: setzt du bei einzargiger Überwinterung auf oder unter? Ich hab beides probiert und am besten fand ich untersetzen zur Salweide und Aufsetzen der Honigräume bei den ersten Obstblüten (Kirsche) ... Dann im Juni tausch der Brutraumzargen, was ich aber nicht mehr machen würde, wenn ich sowieso eine TBE Ende Juli mache.

Aber auch hier gehen die Meinungen ja weit auseinander => zwei DNM-Völker habe ich auch nach Dirk Unger geführt - immer aufsetzen - kein Absperrgitter - 2-3 Mal im Jahr das Brutnest anpassen und die Waben "sortieren" (leichtes nach unten/vorn - schweres nach oben/hinten) ... Das lief auch gut, geht aber nur bei DNM/Warmbau in "Reinform" ...

Also wie arbeitest du dann im Frühjahr?
Ach so eine Frage noch zum Futterteig auflegen: der passt bei dir in den Deckel .. oder? Ich müsste eine Zarge aufsetzen ... und mischt du selbst? Evt. mit Hefe oder anderen zusätzlichen Sachen oder einfach der normale gekaufte?

VG Christian

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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von Johannes » Donnerstag 10. August 2017, 14:01

Hallo Christian,

ich rolle das mal von hinten auf.
Um den Teig auflegen zu können, nutze ich den Rahmen von der Bienenflucht. Bei der Segeberger ist es natürlich einfacher, wenn man den Deckel mit Futterloch hat.
Ich habe seit vielen Jahren nur noch fertigen Teig benutzt. Für die Frühjahrsfütterung sind die 2,5 kg Packungen Apifonda optimal. Einfach ein kleines Fenster rein schneiden und dieses direkt auf den Bienensitz platzieren.

Nun kommt das eigentlich schwierige Thema des Erweiterns im Frühjahr.

Als ich noch ausschließlich zweizargig gearbeitet habe, habe ich wie folgt gehandelt. Alle alten, unbesetzten Waben aus beiden Zargen entfernt und die besetzten Waben auf eine zusammen gehängt. Dann zur Weidenblüte nach oben mit ausgebauten Leerwaben und notfalls MW erweitert. Erst zur Kirschblüte den ersten HR gegeben. ... Das klappt soweit sehr gut.

Einzargig eingewinterte Völker werden bei mir überhaupt nicht mehr erweitert. Die bleiben den ganzen Sommer über auch einzargig und der Honigertrag ist höher als je zuvor und die Arbeit bei der Durchsicht auf ein Minimum reduziert. Auch hier schmeiße ich bei der ersten Durchsicht alle unbesetzten Altwaben raus. Das sind aber meist nur die 2 Randwaben. Ich hänge im Spätsommer schon die ältesten nach außen.
Dann kommt recht zeitig über ASG der Honigraum. Allerdings nur bei der Segeberger. Im Heroldmagazin wurde der bei mir dank ASG so früh im Jahr nie angenommen. Da lasse ich die Tracht anlaufen und dann kommt der erste HR mit möglichst ausgebauten Waben ohne ASG drauf. Der wird recht schnell befüllt und die Königin überschreitet diese Honigwaben nur äußerst selten. Alle weiteren HR können mit MW gegeben werden und sich langsam füllen. Nur der erste muss sehr schnell voll werden, sonst funktioniert es ohne ASG nicht so gut.


Ich weiß, dass viele nicht glauben, dass man Völker ganzjährig auf einer Zarge DN oder Zander führen kann. ... Es geht aber definitiv und der Ertrag ist nicht geringer als bei zweizargigem Brutraum. ... Einfach mal ausprobieren. ;)

LG Johannes
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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von ck1 » Donnerstag 10. August 2017, 17:38

Ich hab mich eine ganze Weile mit einzargiger Völkerführung - theoretisch beschäftigt. Es gibt etliche Berufs- und Nebenererbsimker, die ganzjährig 1zargig arbeiten. Die meisten mit denen ich gesprochen habe, stellen aber eine Halb- oder Flachzarge zum Einfüttern unter ...

Eigentlich sollte man sich nicht wundern, rein rechnerisch benötigt eine Königin etwa 42tausend Brutzellen - eine Zarge Zander bietet 54000 - wenn ich mich Recht erinnere ... eine Zarge ist also nur Leerraum .... Deshalb habe ich die DNM-Völker ja nach D. Unger geführt und drei Mal unsortiert. Nur an die Überwinterung hatte ich mich bisher nicht getraut, weil ich immer Schiß hatte, dass die Vorräte nicht reichen, obwohl sie rein rechnerisch reichen müssten .. dann mach ich das Mal bei zwei Völkern in diesem Winter.

Danke für die Antworten!! Apifonda nutze ich auch ... Ich kenne aber einige die schwören auf Neopoll oder machen sich den Teig selbst und machen da Backhefe mit rein ...

Bis dahin, Christian

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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von bienengral » Donnerstag 10. August 2017, 17:52

Hallo Christian
den Teig kann man wie du sagst selbst herstellen. Aber für die Auffütterung auf keinen Fall Eiweiß in Form von z.b. Hefe mit zugeben. Dies belastet den Bienendarm und im Winter können die Bienen nicht zum Abkoten ausfliegen. Das notwendige Eiweiß für die Brut bekommen die Bienen von Pollen.
Grüße Thomas

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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von ck1 » Donnerstag 10. August 2017, 22:52

Hallo Thomas, danke .. aber das war mir klar. ;) Ich hatte nach dem Frühjahr gefragt. Es gibt viele Imker die dann Neopoll nehmen oder Hefe einmischen ...

VG Christian

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Re: Überwinterung der Dunklen Biene

Beitrag von robirot » Freitag 11. August 2017, 10:43

Nur wer hat bei Neopoll schon mal auf die Inhaltgaben geguckt, 0,5 Eiweiß. Pollen enthält 50% Eiweiß. Davon sind beirischem Pollen aber 10-20% Bienenverfügbar, der Rest muss erst durch Fermentation aufgeschlossen werden. Hefe und Soja haben da eine höhere Verfügbarkeit, jedoch das selbe Problem wie z.B. Rapspollen, Massenhaftes auftreten führt zum Mangel an bestimmten Aminosäuren. Wobei dies im Frühjahr noch um einiges extremer ist.
Am besten wäre d.h. ein Futterteig mit Perga.

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