Die Elgon-Biene

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Moderator: Johannes

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imkerforum-nordbiene
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Die Elgon-Biene

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Donnerstag 13. Dezember 2007, 17:33

Dieser Beitrag ist aus dem Forenarchiv und ebenfalls sehr interessant:

"Hallo,
in einem anderen Forum entdeckte ich einen Beitrag über "afrikanisierte" Bienen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Elgon-Biene kurz angesprochen. Dazu möchte ich hier zur (rassischen) Herkunft dieser Biene ganz kurz etwas schreiben:
Ihre Stammeltern sind A.m. sahariensis (gelb wie die Ligustica), A.m. monticola (fast schwarz wie die A.m.m. nigra) und die bekannte Buckfast!
Die Elgon selbst schaut farblich der Buckfast absolut ähnlich.
Als Erbe der afrikanischen Stammeltern hat sie bei allen drei Bienenwesen eine um einen Tag geringere Entwicklungszeit als andere Rassen.
Die Elgon ist äusserst fruchtbar, fleissig und friedlich! Ob sie wirklich varroatolerant ist wird sich zeigen müssen. "

Da weitere Berichte angekündigt sind, bin ich schon sehr auf eine Fortsetzung gespannt. LG Kai
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Hanjoheyer

Elgon

Beitrag von Hanjoheyer » Samstag 29. März 2008, 20:17

Hallo Lukas,

du kansnt die Elgonbiene bei Joachim Sutor <kruppstahl03> bekommen, soviel ich weiß. Aber ich würde es nicht (mehr) machen, da es nicht gut ist, wenn jeder Imker seinen privaten Vorlieben in Sachen Bienenzucht nachgeht.

Die gute alte Nordbiene wurde unbeabsichtigt zum Stecher "gezüchtet", als etwa ab 1900 viele deutsche Imker alle möglichen fremden Rassen einführten (Carnica, Caucasica, Ligustica u.a.) und es zu einem Rassenmischmasch kam, der, wie Bienenzücher leider zu spät herausfanden, ab der 2. Generation zu Stechern führt. Unsere Nordbiene wurde dadurch zerstört, und so kam es, dass man dann ganz auf sie verzichtete und hier die Carnica flächendeckend einführte.

Wenn wir jetzt mit der Carnica dasselbe machen und sie durch Einkreuzung anderer Rassen zerstören - was bleibt uns dann noch übrig (zum Kaputtmachen)?

Deutschland ist heute nun mal ein Carnica-Land. Man kann es bedauern, aber es ist nun mal so. Andere Rassen, auch die Buckfast - das ist meine Überzeugung - würde die Carnica und die Buckfast zerstören.

Wenn wir jetzt zur Basiszucht übergehen würden - Standbegattung, keine Bienenimporte, keine Inzucht - würden wier wieder eine an unser Klima und unsere Pflanzenarten angepasste Biene bekommen.

Jetzt kommt die Nordbiene ins Spiel. Da sie hier einmal die heimische Biene war, also angepassteste, tut es mir leid, dass sie weg ist, und ich könnte mir vorstellen, dass eine Einkreuzung in unsere Carnicabestände Vorteile haben KÖNNTE. Aber ich weiß es leider nicht. Vielleicht erzeugen wir uns dann nur wieder Stecher.

Für die Elgon bis ich (schweren Herzens) erst, wenns sich herausstellt, dass sie wirklich varoaresistent ist. Ich würde auch gern andere Rassen ausprobieren, verkneife es mir jedoch, weil ich die lokal angepasste LANDBIENE nicht kaputtmachen will.

joachim

Was meinen die Experten?

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bernd

Re: Elgon

Beitrag von bernd » Sonntag 30. März 2008, 20:06

Hanjoheyer hat geschrieben:Hallo Lukas,

du kansnt die Elgonbiene bei Joachim Sutor <kruppstahl03> bekommen, soviel ich weiß. Aber ich würde es nicht (mehr) machen, da es nicht gut ist, wenn jeder Imker seinen privaten Vorlieben in Sachen Bienenzucht nachgeht.

Die gute alte Nordbiene wurde unbeabsichtigt zum Stecher "gezüchtet", als etwa ab 1900 viele deutsche Imker alle möglichen fremden Rassen einführten (Carnica, Caucasica, Ligustica u.a.) und es zu einem Rassenmischmasch kam, der, wie Bienenzücher leider zu spät herausfanden, ab der 2. Generation zu Stechern führt. Unsere Nordbiene wurde dadurch zerstört, und so kam es, dass man dann ganz auf sie verzichtete und hier die Carnica flächendeckend einführte.

Wenn wir jetzt mit der Carnica dasselbe machen und sie durch Einkreuzung anderer Rassen zerstören - was bleibt uns dann noch übrig (zum Kaputtmachen)?

Deutschland ist heute nun mal ein Carnica-Land. Man kann es bedauern, aber es ist nun mal so. Andere Rassen, auch die Buckfast - das ist meine Überzeugung - würde die Carnica und die Buckfast zerstören.

Wenn wir jetzt zur Basiszucht übergehen würden - Standbegattung, keine Bienenimporte, keine Inzucht - würden wier wieder eine an unser Klima und unsere Pflanzenarten angepasste Biene bekommen.

Jetzt kommt die Nordbiene ins Spiel. Da sie hier einmal die heimische Biene war, also angepassteste, tut es mir leid, dass sie weg ist, und ich könnte mir vorstellen, dass eine Einkreuzung in unsere Carnicabestände Vorteile haben KÖNNTE. Aber ich weiß es leider nicht. Vielleicht erzeugen wir uns dann nur wieder Stecher.

Für die Elgon bis ich (schweren Herzens) erst, wenns sich herausstellt, dass sie wirklich varoaresistent ist. Ich würde auch gern andere Rassen ausprobieren, verkneife es mir jedoch, weil ich die lokal angepasste LANDBIENE nicht kaputtmachen will.

joachim

Was meinen die Experten?
Hej,
wenn ich es richtig sehe, ist die Elgon (noch) geschützt! Wenn hier in D also Königinnen eigener Nachzucht angeboten werden, so dürfte dies problematisch sein. Ich kenne einen Anbieter in D, der natürlich keine Elgon, sondern "Buckfast - Sahariensis - Monticola in Kombination" anbietet. Ihn darauf angeschrieben, ließ er nichts mehr von sich hören, obwohl er mir zunächst Königinnen anbot. Ich selbst habe seit 2007 zwei Elgonvölker (Reinzucht-Kö des schwedischen Schöpfers dieser Kunstrasse), mal sehen wie sie sich bewähren werden.
Und lieber Hanjo, was Du da zu Mischmasch schreibst ist leicht daneben.
Wo haben wir denn eine Landbiene als eigenständigen "Schlag", die es (züchterisch) zu fördern oder zu erhalten gäbe? Seit der (großflächigen) Einführung der Carnica und später der Buckfast (über diese Rasse führten wir auch Ligusticablut ein), die von Dir sonst erwähnten Rassen können in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden, entstand ein Gemisch, welches ich nicht als irgend einen Typus bezeichnen wollte! Und Stecher bei der zweiten Generation? Ich arbeitete heute ohne Schutzbekleidung und ohne Rauch an einem F2-Volk Ligustica: Nicht ein Stich! Und mit Kreuzungen der Dunklen mache ich regelmäßig eben solche Erfahrungen. Wie ich an anderer Stelle erwähnte, waren Carnicareinzuchten (Sklenar) meine größten Stecher! Wenn Du über Stecher bei den Dunklen schreibst, so ist das auf die Lehzeni zu beschränken. So wurde die in Schweden urspüngliche Dunkle Biene von Samuel Linneus als "froma och flitiga bi" (sanftmütige und fleißige Biene) beschrieben. Man machte allerdings den Fehler, im 19. Jh. die erwähnte Lehzeni einzukreuzen und hatte somit Stecher geschaffen. Durch konsequente Zuchtarbeit der letzten 20 Jahre setzten sich die alten Eigenschaften der Schwedischen Dunklen wieder durch! Natürlich finden wir in D neben den inhomogenen Beständen auch noch Rassen hohen Reinheitsgrades, insbesondere der Carnica....und Dank einiger weniger Idealisten auch noch der Dunklen sowie anderer Rassen.
Und wie oft soll ich noch erwähnen, daß weltweit betrachtet die Ligustica die erste Geige spielt....und selbst in Polarregionen erfolgreich mit ihr gearbeitet wird. Was da also das Geschwätz von "an unser Klima und an unsere Pflanzenarten angepasst" soll? Ich verstehe solche Äußerungen nun gar nicht!
Ich wies in anderen Foren gelegentlich auf die Engstirnigkeit der deutschen Imkerschaft hin. Und diese Meinung bestätigt sich immer wieder! Lasst doch jedem Imker seine Rasse. Im Schwedischen Imkerverband arbeiten die unterschiedlichen Rasseliebhaber ohne Gezänk nebeneinander und miteinander, und alle werden vom Verband, von der Wissenschaft und von der für das Imkereiwesen zuständigen Landwirtschaftsverwaltung gleichermassen behandelt und gefördert! Warum ist dies in D nicht auch möglich? Warum tut man sich hierzulande so schwer, eine sichere Belegstelle für die Dunkle zu finden? Aus reinem Egoismus zugunsten einer Rasse! Mich ödet die deutsche Imkerschaft incl. der Institute, für die es nur eine Rasse, vielleicht gerade noch eine Kunstrasse gibt, in dieser Hinsicht wirklich an!
Und zu der an anderer Stelle erwähnten "Einfuhrgeschichte" möchte ich nur soviel sagen, daß wir nicht denken sollten, Importe seien grundsätzlich problematisch! Man möge sich bitte mal mit den schwedischen Seuchenregeln befassen, welche für uns ein Vorbild sein könnten: Zweimal pro Jahr erhalte ich in S Besuch des Seuchenbeauftragten. Er zieht Gemüll- und Honigkranzproben, welche von Fachleuten der Universität Umeå untersucht werden! Kostenlos!! Und wie läuft es bei der Erteilung des Gesundheitszeugnisses hier ab? Deshalb vorsicht mit derartigen Äußerungen, man ist im Ausland nicht dümmer als hierzulande, auch wenn das gerne so gesehen wird! Am deutschen (Imker-)Wesen muß die Welt wirklich nicht genesen!

Mit besten Grüssen,
Bernd

ps. Der Obige Beitrag vom 13.12 stammt von mir!

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Montag 31. März 2008, 23:06

Hallo Bernd,

Ich erhielt heute die wunderbare Broschüre: Wolfgang Golz: Auf dem Weg zu einer neuen Landrasse.

Ich habe sehr viel aus diesem Buch gelernt und habe demenstprechend meine Ansichten über das hier diskutierte Thema geändert. In einigem wurde ich allerdings auch bestätigt.

Auch ein Vortrag von Dr. Pia Aumeier, den ich gestern in Hintertiefenbach mitverfolgte, gab interessante Aufschlüsse.

Die Einfuhr und Einkreuzung fremder Bienen hat nur dann einen Sinn, wenn sie klimatisch angepasst sind. Leider wird die Klimaanpassung unserer Landbiene durch Importe immer wieder zerstört. Golz zählt die Buckfastbiene nicht zu den Bienen, die an unser Klima angepasst sind. Die Monticola und die Saharensis und Ligustica sind es auch nicht.

Die einzige Biene, die Golz zur Einkreuzung in die Landrasse zur Blutauffrischung empfiehlt, ist - wenn überhaupt eine - dann die Dunkle, also die Nordbiene. Er schreibt, diese ganzen Krankheiten entstehen langfristig durch Unangepasstheit an das lokale Klima. Es hatte einen Grund, weshalb die Carnica nicht über eine Linie Wien - Krakau hinauskam. Nördlich dieser Grenze herrschte atlantisches Klima, südlich Kontinentalklima.

Da in meiner Gegend möglicherweise wegen der nahegelegenen Belegstelle viel Inzucht getrieben wurde, werde ich eine Dunkle einkreuzen.

Was die Stecher anlangt, habe ich dazugelernt. Du hast recht.

joachim

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bernd

Beitrag von bernd » Dienstag 1. April 2008, 08:29

[quote="Hanjoheyer"]Hallo Bernd,

Ich erhielt heute die wunderbare Broschüre: Wolfgang Golz: Auf dem Weg zu einer neuen Landrasse.

Ich habe sehr viel aus diesem Buch gelernt und habe demenstprechend meine Ansichten über das hier diskutierte Thema geändert. In einigem wurde ich allerdings auch bestätigt.

Auch ein Vortrag von Dr. Pia Aumeier, den ich gestern in Hintertiefenbach mitverfolgte, gab interessante Aufschlüsse.

Die Einfuhr und Einkreuzung fremder Bienen hat nur dann einen Sinn, wenn sie klimatisch angepasst sind. Leider wird die Klimaanpassung unserer Landbiene durch Importe immer wieder zerstört. Golz zählt die Buckfastbiene nicht zu den Bienen, die an unser Klima angepasst sind. Die Monticola und die Saharensis und Ligustica sind es auch nicht.

Die einzige Biene, die Golz zur Einkreuzung in die Landrasse zur Blutauffrischung empfiehlt, ist - wenn überhaupt eine - dann die Dunkle, also die Nordbiene. Er schreibt, diese ganzen Krankheiten entstehen langfristig durch Unangepasstheit an das lokale Klima. Es hatte einen Grund, weshalb die Carnica nicht über eine Linie Wien - Krakau hinauskam. Nördlich dieser Grenze herrschte atlantisches Klima, südlich Kontinentalklima.

Da in meiner Gegend möglicherweise wegen der nahegelegenen Belegstelle viel Inzucht getrieben wurde, werde ich eine Dunkle einkreuzen.

Was die Stecher anlangt, habe ich dazugelernt. Du hast recht.

joachim[/quote

Lieber Hanjo,
wie ich schrieb: Am deutschen (Imker-)Wesen muß die Welt nicht genesen. Damit ist alles gesagt!
Meine Dunklen, die am 65. Breitengrad das Licht der Welt erblicken, haben mit dem mageren Trachtangebot und mit dem völlig anderen Klima der Norddeutschen Tiefebene ebenso wenig ein Problem (es ist eher umgekehrt), als die Nachzuchten aus Neuseelandimporten eines herausragenden schwedischen Züchters der Ligustica es im schwedischen Lidköping haben. Und dieser Mann ist wirklich kein Geringer! Wenn ich alleine lese, "wenn überhaupt eine Rasse zur Blutauffrischung der entstehenden Landrasse empfohlen wird, dann die Dunkle". Ja um alles in der Welt, woraus entwickelte sich denn diese "LandRASSE"? Darin liegt doch schon ein Widerspruch, es gibt niemals eine LandRASSE, allenfalls regionale Landschläge!
Aber nun gut, bleibe Du bei Deiner Meinung. Aber einen Rat möchte ich Dir schon geben: Sammle eigene Erfahrungen.....auch mit unterschiedlichen Rassen. Ich konnte Erfahrungen sammeln: Carnica, Ligustica, Nordische und nun auch Elgon (geblieben bin ich bei der Nordischen und bei der Ligustica...vielleicht werde ich auch bei der Elgon bleiben.). Und ich werde auch in Zukunft Rassebienenzucht betreiben, weil es die unterschiedlichen Rassen zu erhalten gilt! Dies alleine ist mir ein Anliegen.....Honig usw. ist willkommenes "Beiwerk"!

Beste Grüsse,
Bernd

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Dienstag 1. April 2008, 19:51

Wolfgang Golz ist ja auch kein Geringer. Mich hat er jedenfalls überzeugt.

Ich würde auch gern viele Bienenrassen halten, weil ich es spannend fände, aber ich verkneife es mir, weil ich eingesehen habe, dass wir dem Bien mit solchen Spielereien keinen Gefallen tun. Ich finde Golz' Idee mit der neuen Landrasse fantastisch! Klüger als alles andere, was ich je über Zucht gelesen habe.

Golz hat übrigens über die "Erfolge" solcher Importbienen geschrieben. Er erklärte, dass es diese durchaus gäbe, aber nur bis extremes Wetter den Bienen einen Strich durch die Rechnung macht. Dann zeigt sich, dass sie mit den klimatischen Besonderheiten nicht so gut zurechtkommen. So kann man mit der Ligustica hier durchaus jahrelang Rekordernten einfahren, aber dann kommt ein besonders langer Winter, ein nasskalter Frühling mit Sonnenscheineinlage ("Aprilwetter") und schon versagt sie. Eine ans lokale Klima angepasste Biene ist die ZUVERLASSIGSTE.

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bernd

Beitrag von bernd » Dienstag 1. April 2008, 20:14

Hanjoheyer hat geschrieben:Wolfgang Golz ist ja auch kein Geringer. Mich hat er jedenfalls überzeugt.

Ich würde auch gern viele Bienenrassen halten, weil ich es spannend fände, aber ich verkneife es mir, weil ich eingesehen habe, dass wir dem Bien mit solchen Spielereien keinen Gefallen tun. Ich finde Golz' Idee mit der neuen Landrasse fantastisch! Klüger als alles andere, was ich je über Zucht gelesen habe.

Golz hat übrigens über die "Erfolge" solcher Importbienen geschrieben. Er erklärte, dass es diese durchaus gäbe, aber nur bis extremes Wetter den Bienen einen Strich durch die Rechnung macht. Dann zeigt sich, dass sie mit den klimatischen Besonderheiten nicht so gut zurechtkommen. So kann man mit der Ligustica hier durchaus jahrelang Rekordernten einfahren, aber dann kommt ein besonders langer Winter, ein nasskalter Frühling mit Sonnenscheineinlage ("Aprilwetter") und schon versagt sie. Eine ans lokale Klima angepasste Biene ist die ZUVERLASSIGSTE.
Oh Hanjo,
dann sind wohl sämtliche (Berufs-)Imker im Norden der USA, in Kanada und in Skandinavien auf den Kopf gefallen. Und die ausgewiesenen Fachleute in Schweden leben eben auf einer Halbinsel der Ahnungslosen.
Vielleicht hast Du mitbekommen, daß in meiner Region die Stockruhe mindestens 6 Monate währt, wir also einen sehr langen Winter mit Temperaturen unter -35°C haben. Dennoch kommt die Ligustica in Nordskandinavien incl. Nordfinnland recht häufig vor. Allen "deutschen Erkenntnissen" zum Trotze!
Und Spielereien, dem Bien keinen Gefallen tun? Befleißige Dich, eigene Erkenntnisse zu erlangen; das ist besser als nachzuplappern!
Traurig aber wahr: Toleranz unter Imkern ist in Deutschland nicht möglich. Ich jedenfalls gönne jedem "seine" Rasse oder "seinen" Landschlag.
Für mich ist dieses Thema hiermit beendet!

Beste Grüsse,
Bernd

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Mittwoch 2. April 2008, 10:40

Hallo Bernd,

du schreibst: "... dann sind wohl sämtliche (Berufs-)Imker im Norden der USA, in Kanada und in Skandinavien auf den Kopf gefallen. Und die ausgewiesenen Fachleute in Schweden leben eben auf einer Halbinsel der Ahnungslosen."

Angesichts des fast weltweiten massiven Völkersterbens (CCD) glaube ich, dass du recht hast mit der Vermutung, dass das Gros der Berufsimkerschaft in einer bestimmten Weise ahnungslos sein muss.

Und diese bestimmte Weise ist die Unterschätzung der negativen Folgen von Reinzucht = Inzucht. Statt auf dem Bienenstand nur die 5 % Stecher und Kranken auszulesen und den großen Rest von 95 % zu behalten, machen es diese hochwissenschaftlichen Züchter andersherum: Sie lesen 95 % aus und ziehen nur von den 5 % der Besten nach.

Das bringt kurzfristig möglicherweise schnelle Erfolge, aber wegen der genetischen Verarmung (Inzucht) werden die Völker immer anfälliger. Was mit CCD bewiesen ist.

joachim

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bernd

Beitrag von bernd » Mittwoch 2. April 2008, 11:10

Hanjoheyer hat geschrieben:Hallo Bernd,

du schreibst: "... dann sind wohl sämtliche (Berufs-)Imker im Norden der USA, in Kanada und in Skandinavien auf den Kopf gefallen. Und die ausgewiesenen Fachleute in Schweden leben eben auf einer Halbinsel der Ahnungslosen."

Angesichts des fast weltweiten massiven Völkersterbens (CCD) glaube ich, dass du recht hast mit der Vermutung, dass das Gros der Berufsimkerschaft in einer bestimmten Weise ahnungslos sein muss.

Und diese bestimmte Weise ist die Unterschätzung der negativen Folgen von Reinzucht = Inzucht. Statt auf dem Bienenstand nur die 5 % Stecher und Kranken auszulesen und den großen Rest von 95 % zu behalten, machen es diese hochwissenschaftlichen Züchter andersherum: Sie lesen 95 % aus und ziehen nur von den 5 % der Besten nach.

Das bringt kurzfristig möglicherweise schnelle Erfolge, aber wegen der genetischen Verarmung (Inzucht) werden die Völker immer anfälliger. Was mit CCD bewiesen ist.

joachim
Letzte Äußerung dazu:
Bester Hanjo,
Du gehörst wohl auch zu den Ahnungslosen, wenn Du das Völkersterben in den USA und in Kanada auf Reinzucht/Inzucht und womöglich auf eine bestimmte Rasse, weil nicht angepasst, zurückführst! Hast Du von dem aktuellen Völkersterben in D schon gehört; Inzucht, Reinzucht, flächendeckend Ligustica, nicht angepasste Bienen? In Skandinavien, mit seinem sehr hohen Bestand an Ligustica, ist das Phänomen (!) des massiven Völkersterbens unbekannt! Bezeichnend ist, daß es bei den Völkern im Norden zu weit weniger Ausfällen kommt als im Süden. Und wer sich in Skandinavien auskennt weiss, daß es im nördlichen Inland so gut wie keine Landwirtschaft gibt! Dazu Zahlen des Schwedischen Imker-Reichsverbandes für 2006: Völkerverluste incl. durch Bären 13% im Reich, 10% in Västerbotten, meiner Provinz (Völkerverluste durch Bären sind in Mittel- und in Nordschweden teilweise ein Problem; ich selbst verlor 2006 ein Volk - durch einen Bärenübergriff!) . Zurück zur möglichen Ursache: Vor Monaten schrieb ich in einem anderen Forum, auch in der Peiner Zeitung, zu diesem Thema. U.a. nannte ich als Mitursache damals die Genveränderungen bei Pflanzen, insbesondere durch den Einbau von Genen des Bacillus thuringiensis, dessen Toxine das Immunsystem der Bienen insbesondere über Pollen schädigen (könnten). Denn schließlich sollen Schadinsekten, welche sich an genveränderten Pflanzen laben, ja tot vom Stängel fallen. Und gegen eine solche Entwicklung bieten auch "Landschläge" keine Resistenz. Auch nicht die "Produkte" der Basiszuchten. Bis heute sind jedoch alles nur Vermutungen. Doch Du, Hanjo, hast die Ursache ja ausgemacht! Nun wird es hoffentlich wieder aufwärts gehen. Übrigens: Ich halte hier in D Ligustica und seit 2007 2 Völker Elgon, also nicht angepasste Bienen. Nach dem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks in der vorigen Woche zum gegenwärtigen Bienensterben gehöre ich dennoch zu den glücklichen Imkern, weil alle meine Völker problemlos durch den für sie die nicht angepassten Winter kamen.
Und man staune: Nach dem letzten Rundbrief meines Ortsobmannes, der zugleich Landesverbandsvorsitzender ist, hat selbst das Institut in Celle ungewöhnliche Verluste zu verzeichnen. Falsche Bienen, Reinzucht (vielleicht), Inzucht, keine Ahnung? Nein, lieber Hanjo, ich denke, daß die in Celle eine sehr hohe Kompetenz haben. Dieses Phänomen hat wohl andere Ursachen, als sie von Dir genannt/vermutet werden!


Bester Gruß,
Bernd

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Beitrag von Hanjoheyer » Mittwoch 2. April 2008, 22:01

Hallo Bernd,

jetzt bitte nicht unsachlich werden. Ich möchte hier Golz' Thesen diskutieren. Zwar stimme ich ihm zu, aber aber ich diskutiere seine Thesen, um die Antithesen zu erfahren. Deine unsachlichen Kommentare helfen da nicht viel weiter.

Ja, ich habe vom Völkersterben in D gehört. Ursache zu oft unbekannt, da die meisten betroffenen Imker behaupten, richtig gegen Varroa behandelt zu haben.

Mit-Ursache könnte Inzucht (genannt Reinzucht, Belegstellennutzung) sein. Außerdem eine nicht an unser atlantisches Klima angepasste Biene.

Ligustica ist eine Biene, die an trockene Winter angepasst ist. Vielleicht kommt sie mit trockenen, kalten Wintern besser zurecht, als mit feuchtkalten wie in D.. Wie sind denn die Sommer in Schweden? Eher kontinental trocken oder atlantisch wechselhaft?

Dr. Pia Aumeier, Bienenforscherin, sagte, es gebe keinerlei Hinweise, dass GVO- Pollen bienenschädlich sei. Was sagen die Celler Experten dazu? (Ich übrigens vertrete eher deine Ansicht hierzu.)

Du bist also der Ansicht, dass ein unkontrolliertes Durcheinandermischen von Bienenrassen unabhängig ihrer klimatischen, geographischen Herkunft kein Problem ist? Wie erklärst du dir dann, dass die Nordbiene in D kaputtgezüchtet wurde, sodass es schließlich nötig wurde, die Carnica hier einzuführen? - Das las ich in einem wissenschaftlichen Text. Unsinn?

joachim

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Beitrag von bernd » Donnerstag 3. April 2008, 08:42

Bester Hanjo,
wie kommst Du dazu, meine Beiträge als unsachlich zu bezeichnen, das ist eine Frechheit!
- Das "Phänomen" Bienensterben in D hat mit Inzucht nichts zu tun, weil es dazu Vorzeichen gibt, auf die ein firmer Imker umgehend reagieren würde, was Du als ausgewiesener Fachmann eigentlich wissen müsstest. Und welche Biene soll hier in D an das atlantische Klima nicht angepasst sein? Ausgerechnet jene, welche über Völkerverluste klagen, experimentieren eben nicht mit "exotischen" Rassen!
- Schau Dir die geographische Lage Schwedens an, dann kannst Du Rückschlüsse auf die Klimazonen ziehen. Es gibt dort atlantisch wechselhafte und auch kontinental trockene Zonen...und überall gedeiht die Ligustica (aber auch die Carnica, die Buckfast, die Elgon und vor allem auch die Nordische)! Allerdings mußt Du nicht bemerkt haben, daß ich meine Ligustica in der Norddeutschen Tiefebene pflege, welche Region nicht gerade als trocken bekannt ist. (Ich besitze hier in PE ein Morgen Moorwald, in dem ein wunderschönes Bienenhaus steht!)
- Ich lehne es ab, die Meinungen Dritter, wenn diese namentlich genannt sind, zu kommentieren!
- Ich halte nichts von unkontrolliertem "Durcheinandermischen", deshalb betreiben ich Reinzucht! In S wie in D. Und wo es in natürlicher Weise nicht möglich ist, besame ich instrumentell.
Die Carnica wurde in D ebenso unnötig eingeführt wie sie in Schweden eingeführt wurde;nur, dort hat man es kapiert! Unnötig (also nicht notwendig) war/ist jede Einfuhr fremder Rassen (in der Dunklen sehe ich natürlich keine fremde Rasse, ob sie nun aus Polen oder aus S kommt. Übrigens, wenn man in der Pommerschen eine fremde Rasse sieht, hat man an irgend einer Stelle Defizite).
Und nun ist für mich endgültig Schluß mit diesem Thema. Schreibe gerne weiter, ich werde darauf nicht mehr reagieren.

Gruss,
Bernd

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Hanjoheyer

Beitrag von Hanjoheyer » Donnerstag 3. April 2008, 09:34

Richtig! Die Carnica wurde unnötig eingeführt. Jede Region hat(te) bereits die zur lokalen Flora und zum lokalen Klima am besten passende Biene!

Aus derselben Logik heraus ist es deshalb auch völlig unnötig, ja sogar schädlich, fremde Rassen (Ligustica, Elgon) in der Norddeutschen Tiefebene zu halten. Und noch unnötiger und bienenschädlicher ist dieses künstliche Besamen, bei dem der Königin gewaltsam ein "Erbe" aufgezwungen wird - dazu in Inzucht - das jede natürliche Wechselwirkung mit der Umgebung (Anpassung) verunmöglicht - außer, dass die Imker der Umgebung durch die unangepassten fremden Drohnen nach und nach Bienen bekommen, die auch nicht mehr an das lokale klima angepasst sind. Du reichst das Inzuchtproblem an deine Imkernachbarn weiter, ohne sie gefragt zu haben. Sie können nun keine natürliche Landbiene mehr bekommen.

Diese technische Besamung ist m.E. ein Ausdruck eines naturentfremdeten technischen Verhältnisses des Menschen dem Bien gegenüber. Das KANN langfristig beiden, Mensch und Bien, nur schaden. Mittels der Künstlichen Besamung deiner Bienen verhinderst du das Kennenlernen des geheimnisvollen Wunders des Biens. WAS weißt du denn davon, was beim Hochzeitsflug der Königin alles passiert? Die Wissenschaft hat erst vor Kurzem entdeckt, dass Begleitbienen der Königin bei der Auswahl der richtigen Drohnen helfen. Kennst du die Auswahlkriterien? Nein! Interessiert auch nicht, denn du willst ja der Königin deine Vorstellungen von Qualität aufzwingen.

Kannst du nicht ein bisschen bescheidener sein und dich mit der Biene begnügen, die in der Gegend, in der du imkerst, zu Hause ist seit Jahrtausenden?

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Beitrag von imkerforum-nordbiene » Montag 27. April 2009, 22:34

Oh, ich glaube, auch mit zeitlicher Verzögerung, dass das oben genannte, insbesondere der letzte Beitrag, nicht ganz unkommentiert so stehen gelassen werden sollte.

Für mich als Kleinimker und Naturfreund, dem die Bienen viel Freude bereiten und Motivation zum Weitermachen geben, gibt es wahrlich kaum etwas interessanteres und achtenswerteres als das gesamte Vermehrungsverhalten unserer Honigbiene Apis, gar keine Frage! Ihre natürlichen Instinkte und Verhaltensmuster waren Grundlage, dass sie immerhin 100 Millionen Jahre auf diese Weise die Welt erobern konnte - bis heute. Die natürlich aufgezogene Schwarmkönigin, welche freigepaart mit Begattungszeichen in ihren Stock zurückfindet - welch Wunder der Natur! Ich gebe Dir diesbezüglich Recht, Hanjo!

Dennoch ist die Frage, was wir hier wollen: Ziel ist es doch, die verbliebenen wenigen Reste der Dunklen Biene zu erhalten, zu schützen und im Rahmen einer Reinerhaltungszucht möglichst zu vermehren. Und hierzu ist auch (da wir nicht alle auf einsamen Inseln leben) das Mittel der Instrumentellen Besamung (IB) m. E. erforderlich. Ob es im Moment ethisch vertretbar ist, weiß ich nicht, aber ich kann nur auf andere Untersuchungen verweisen, dass das Mittel der IB mittlerweile derart ausgereift ist, dass künstlich besamte Königinnen ein besseres Begattungsergebnis zeigen als natürlich begattete. Es ist kein Unterschied feststellbar. IB bedeutet nicht automatisch auch Inzucht, denn in den Reinerhaltungszuchten, die ich kenne, wird die Technik der Samenmischung angewandt, wodurch ein breites genetisches Spektrum der Erbmasse der Drohnen garantiert ist. Übrigens: wer sagt denn, dass die Königin auf ihren Hochzeitsflügen sich die Drohnen auswählt??? Es ist doch genau umgekehrt: die Königin verhält sich sehr passiv, was Filmaufnahmen bewiesen haben. Die Drohnen kommen zum Zuge, und ich glaube, dass neben der Flugkraft auch der Zufall eine große Rolle mitspielt. Ob dann dieser Zufall der Arterhaltung dient, nun das wird dann in jedem Einzelfall die "harte Hand der natürlichen Auslese" zeigen. Die Natur ist diesbezüglich brutal und konsequent. Ist die instrumentelle Besamung dies auch?

Summa summarum kann ich nicht erkennen, warum die IB als EIN Teil der Königinnenveermehrung und des Erhaltes einer seltenen Population verwerflich sein soll.

Hier gibt es einen interessanten Film zur IB (bitte auf 200% heranzoomen):
http://www.iwf.de/iwf/res/mkat/metafile ... 000_lo.asx

LG
Kai
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