Untersuchung Salzburger

Ehemals Dunkle Biene, heute hybridisiert

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imkerforum-nordbiene
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Untersuchung Salzburger

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Samstag 30. Oktober 2010, 14:56

Liebe Imkerfreunde,

aufgrund meiner Erfahrungen mit einem (!) eigenen Volk der Salzburger Alpenland (siehe viewtopic.php?f=65&t=476 ) war es mein Wunsch, Bienen dieser Linie eines ANDEREN Volkes näher zu untersuchen. Dies ist mir nun geglückt, ich erhielt eine Probe toter Bienen eines anderen Reinzuchtvolkes der Salzburger Alpenland, belegstellenbegattet.

Nachfolgend einige Aufnahmen. Auffallend ist, dass die Ergebnisse der einzelnen Bienen unterschiedlich ausfallen, es scheint sich nicht um eine homogene Gruppe zu handeln. Es scheint Bienen mit sehr schmalen und auch sehr breiten (Carnica-) Filzbinden zu geben. Auch das Flügelgeäder bzw der Cubitalindex (CI) fallen recht unterschiedlich aus, manch einer ist recht niedrig, andere wieder sehr hoch. Da es sich um eine kleine Probe handelt, ist das Ergebnis nicht repräsentativ; auch Ungenauigkeiten im Flügelgeäder durch Transport, Fotografie etc. sind möglich.

Hier einige Fotos:

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Zum Vergleich ein Foto meiner Salzburger (links im Bild mit grauen Filzbinden; rechts daneben eine reine Dunkle Biene schwedischer Abstammung):

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Mein Völkchen der Salzburger Alpendland besteht mittlerweile zu 100% aus Bienen der Salzburger, hier mal ein Video von heute (30.10.2010), aufgenommen mit der Webcam:

VIDEO:



Auch hier sind die breiten grauen Filzbinden auffallend. "Dunkle" Bienen mit schmalen Filzbinden sind nicht zu erkennen.

Ergebnis:
Mein Erstbefund konnte durch diese weitere Untersuchung eines anderen Volkes grundsätzlich bestätigt werden. Offensichtlich besteht die Salzburger Alpenland aus einem ganz heterogenen Bestand an Genen einer Alpenbiene. Möglicherweise ist die Dunkle Biene anteilsmäßig vertreten; sie liegt aber nicht in reiner Form vor. Einflüsse der Carnica sind augenfällig. Auch bei den Bienen mit niedrigem Cubitalindex können sehr breite Filzbinden beobachtet werden, welche NICHT der Dunklen Biene zuzuordnen sind. Dem äußeren Anschein nach unterscheiden sich diese Bienen sehr von den reinen Mellifera-Bienen, die ich aus Skandinavien kenne.

Diskussion:
Genaue Ergebnisse für die gesamte Linie wird eine genetische Untersuchung aller Völker ergeben können. Diese wird bestätigen (wie bereits von Dr. Pechhacker festgestellt), dass es sich keinesfalls um eine einheitliche Dunkle Biene handelt und wie hoch der M-Anteil in den einzelnen Zuchtlinien ist. Soweit mir bekannt, wurde die Salzburger Alpenland erschaffen aus zwei Herkünften, nämlichen den lokalen Bienen des salzburger Alpenlandes und der "Nigra", die seinerzeit aus der Schweiz geholt wurde.

Der unbestreitbare hohe Carnica-Anteil in den Bienen ist möglicherweise auf mehrere Umstände zurückzuführen:

-Auswahl eines nicht mehr reinen Ursprungsmaterials für die Weiterzucht
-unsichere Belegstelle
-möglichweise hat aber auch die "Urbiene" des Salzburger Landes bereits viel Carnica-Gene in sich aufgenommen, da das C-Verbreitungsgebiet nahe an das Salzburger Land heranreicht. Die scharfe Trennung wie z.B. in Tirol durch den Alpenhauptkamm war hier gar nicht möglich.

Somit haben wir es in Salzburg möglicherweise mit der dort ursprünglich einheimischen Biene zu tun, die aber von Natur aus eine Mischbiene, eine Übergangsbiene (von der einen zur anderen Unterart) darstellt.

LG
Kai

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Horst

Beitrag von Horst » Sonntag 31. Oktober 2010, 00:07

Ja Kai da stimme ich dir zu, ein Rassegemisch, selbst bei dem CI=1,5 ist die Discoidalverschiebung positiv und entspricht der carnica (müsste negativ sein). Derartige Streuungen führt Ruttner auf Seite 59, Abb. 2.24, Volk 17 auf.
Wie irreführend morphometrische Daten sein können zeigt aber eine genetische Untersuchung auf Zypern, morphometrisch ist die Unterart cypria von vielen, auch Ruttner, zur O-Linie gestellt worden und sieht auch aus wie die einer syrischen oder ägyptischen Biene, die genetische Studie von 2003 ergab aber, das die Zyperbiene der C-Linie angehört. Wieder mal ein Beweis wie man sich durchs äußere täuschen kann.

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Horst

Beitrag von Horst » Mittwoch 8. Dezember 2010, 20:35

Danke Herbert, hab ich mit viel Interesse gelesen.
Gruß, Horst

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