Verschiedene Ökotypen – wie geht es weiter?

Ehemals Dunkle Biene, heute hybridisiert

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gartenmundl

Verschiedene Ökotypen – wie geht es weiter?

Beitrag von gartenmundl » Sonntag 1. Januar 2012, 19:50

Die letzen Tage war ich mit einigen Recherchen beschäftigt und möchte nun hier mein Ergebnisse und Fragen kund tun.
Falls ich irgendwo völlig auf dem Hozweg bin, lasst es mich wissen!

Will man Dunkle hier im süddeutschen Raum, insbesondere im Alpenvorraum halten, landet man bei folgenden Öktotypen, die eine Möglichkeit darstellen:

Salzburger Alpenland:
vertreten durch den österreichischen Verein; http://www.mellifera.at/

Dort liest man:
"45 Prozent der untersuchten Völker entsprechen den Beschreibungen der Dunklen Biene in Österreich von GOETZE (1964) und rund 40 % der untersuchten Proben weisen einen Melliferaanteil von 95 bis 99,8 Prozent auf. Ziel der Zuchtgruppen ist es 2010 aus diesen DNA-geprüften Bestand die besten Völker für die Zucht auszuwählen und damit den Hybridanteil zu elliminieren."

Anders herum heißt das aber auch:
55% entsprechen phänotypisch und 60% genotypisch nicht mehr der Melliferabeschreibung!
Durch DNA Tests versucht man den Hybridanteil zu eleminieren, was natürlich die Auswahl der Zuchtvölker stakt einschränkt und die Inzuchtproblematik weiter verschärft.


Die „Braunelle“ aus Tirol und der Schweiz:
vertreten durch die Imkerschule Imst und verschiedene engagierte Züchter: http://lla.ihc.at/de/einrichtungen/betr ... chule.html

Zitat:
„In ihrer Funktion als Landeszuchtzentrale steht die Imkerschule in enger Verbindung mit den Bienenzüchtern Tirols. Zum Zweck der Rassenreinerhaltung werden zwei Belegstellen beschickt, zum einen mit Königinnen der Melifera-Rasse, zum anderen mit jenen der Carnica-Rasse. Durch die Mitarbeit am österreichweiten Carnica-Zuchtprogramm (ACA) ist für eine bestmögliche Weiterentwicklung der genetischen Ressourcen vorgesorgt.…“

Bei der Braunelle wurden anscheinend auch schon Untersuchungen auf Reinerbigkeit gemacht (Frau Dr. Soland, Schweiz) und es zeigte sich auch hier ein gewisses Ausmaß der Hybridisierung.


Die Nigra aus der Schweiz:
vertreten durch den Schweizer Züchterverein: http://www.mellifera.ch/page1.php

Wir alle wissen, dass die Schweizer in der Zucht sehr weit sind und ein sehr aufwändiges Zuchtprogramm betreiben. Kai schreibt, dass dort bis zu 6000 Königinnen auf Belegstellen begattet werden. Auch gibt es schon erste Schutzgebiete…

Dort lese ich:
„Durch die züchterische Selektionsarbeit wird die vorhandene genetische Bandbreite verengt. Weil die Züchter aber nicht wissen können, welche Herausforderungen in Zukunft auf die Honigbienen zukommen, ist es so wichtig, dass es Gebiete gibt, in denen die Bienen sich frei paaren können und damit die genetische Vielfalt erhalten bleibt. Schuztgebiete machen nur für die natürlicherweise einheimische Rasse Sinn. Auf Blutauffrischungen aus grösseren zusammenhängenden Schutzgebieten können auch die Halter der eingeführten Bienenrassen zurückgreifen.“

Es gibt bei den Schweizern verschiedene Zuchtlinien, einige halten die „Linie WL“.
Wie viele Linien gibt es in der Schweiz und was steckt hinter "WL"?
Wie unterscheiden sich diese Zuchtlinien?

Gehen wir mal davon aus ich habe von allen drei oben genannten Ökotypen "reinerbige" Völker auf meinem Bienenstand und gehen wir weiter davon aus es findet keine Einkreuzung einer anderen Bienenrasse statt und die verschiedenen dunklen Herkünfte vermischen sich. Wäre eine solche Durchmischung der Gene aus züchterischer Sicht nicht sogar wünschenswert?

Ich kenne mich mit der „Züchterei“ so gut wie nicht aus, halte noch nicht mal Dunkle, mache mir aber so meine Gedanken.
Helft mir mal auf die Sprünge….wie geht es weiter, auch im Hinblick auf eine mögliche Gipfelbelegstelle? Sind die einzelnen Ökotypen (oder gar Linien) für sich zu erhalten? Wie groß sind denn die Unterschied zwischen diesen Ökotypen wirklich? Wird es mal einer Art „dunkle Mischbiene“ geben?

Viele Grüße
Raimund

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Re: Verschiedene Ökotypen – wie geht es weiter?

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Sonntag 1. Januar 2012, 20:31

Hallo,

ein interessanter Beitrag. Dazu gibt es sicher sehr viel zu sagen, ich möchte mich aber auf das Wichtigste beschränken.

Die natürlichen "Ökotypen" der Dunklen Biene sind das Ergebnis einer Ausbreitung in den letzten 800 bis 10.000 Jahren. Diese Zeit ist evolutionär gesehen sehr kurz. Eine Ausdifferenzierung der Dunklen Biene konnte in dieser kurzen Zeitspanne (es ist nur ein Wimpernschlag) kaum entstehen.

Man wird reine Dunkle Bienen aus der Schweiz nicht von denen aus Skandinavien oder Russland signifikant unterscheiden können. Eine Ausnahme bilden hier Bienen Südfrankreichs.

Meine Meinung:
Viel wichtiger als die Herkunft unserer Reimporte ist die Frage nach der Reinheit des importierten Materials. Und hier gibt es leider gewaltige Unterschiede.

LG
Kai

Nachtrag: Ausführliche Berichte u. a. über die Reinheit der heute angebotenen Mellifera-Linien (Kampinoska, Salzburger, Braunelle etc) wird es noch in diesem Winter hier geben: http://www.nordbiene.de/zuchtlinien-dun ... ifera.html

Gruß
Kai
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Forggensee

Re: Verschiedene Ökotypen – wie geht es weiter?

Beitrag von Forggensee » Dienstag 3. Januar 2012, 08:54

Hallo Raimund,

ich sehe das ähnlich wie Kai. Wichtig ist die Reinheit der Importe. Man kann ja leider nicht mehr genau sagen wie die Gene einer "Deutschen Dunklen Biene" geprägt wären hätte die Verdrängung nicht stattgefunden. Freilich würden sich die Typen in Nord und Süd leicht unterscheiden, aber ich glaube nicht dass dies signifikant wäre. Für den Süden ist alles gut was aus der Schweiz und Österreich kommt. Im Gegenteil, ich würde es sogar bevorzugen die Salzburger Braunelle und die Schweizer Nigra (oder auch die WL-Linie) zu vermischen. Zum einen liegen wir geografisch genau in der Mitte, zum anderen können wir so das Erbgut auffrischen.

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gartenmundl

Re: Verschiedene Ökotypen – wie geht es weiter?

Beitrag von gartenmundl » Mittwoch 4. Januar 2012, 16:54

Vielen Dank für diese erste Einschätzung.
Es handelt sich also definitv bei den einzelnen Herkünften nur um verschiedene Phänotypen, die sich genetisch aber fast gleichen?
Sehr interessant!

Hat noch jemand ein paar Infos zu den einzelnen Linien der Schweizer Züchter? Was hat es mit der WL-Linie auf sich?

@Kai freu mich auf weitere Infos zu den Zuchtlinien.

Entscheidend wird wohl sein, woher man die Bienen (Königinnen) bekommt - ob sie eben reinerbig sind oder nicht.
Nachdem ja zunehmend DNA-Analysen gemacht werden, dürfte das auch kein Porblem mehr sein, denke ich.

Viele Grüße
Raimund
Zuletzt geändert von gartenmundl am Donnerstag 5. Januar 2012, 11:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Forggensee

Re: Verschiedene Ökotypen – wie geht es weiter?

Beitrag von Forggensee » Donnerstag 5. Januar 2012, 10:20

gartenmundl hat geschrieben: Entscheidend wird wohl sein, woher man die Bienen (Königinnen) bekommt - ob sie eben reinerbig sind oder nicht.
Nachdem ja zunehmend DNA-Analysen gemacht werden, dürfte das auch kein Porblem mehr sein, denke ich.

Viele Grüße
Raimund
Ich hab Florian mal eine Mail geschrieben und nach Infos zur WL-Linie gefragt. Bschein hat die Linie ja glaub ich auch schon.
Die Antwort werde ich hier posten.

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