Varroaresistente Stämme

Wissenswertes zur züchterisch unbearbeiteten Biene in Deutschland

Moderator: Johannes

aufwind
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Varroaresistente Stämme

Beitrag von aufwind » Dienstag 15. November 2011, 18:14

Mich würde interessieren, ob sich jemand unter den Züchtern, etwa von Landbienen, befindet, der seine Bestände v. a. im Hinblick auf einen möglichst guten Umgang mit der Varroamilbe ausrichtet, bzw. eine gezielte Selektion betreibt. Man hört fallweise von Bienenvölkern, die in irgendwelchen Nischen oder Fugen an Häusern und Gebäuden über Generationen existieren, ohne dass sie jedes Jahr gegen Varroa behandelt werden können. Falls hier jemand über ein entsprechendes Know-how oder auch das Wissen um solche Bestände verfügt, so würde mich eine Antwort sehr interessieren.

Vielen Dank und viele Grüße aus dem Alpenland!

Aufwind oder Apis Austria
Ich bin an der Erhaltung genetischer Ressurcen v. a. bei landw. Nutztieren interessiert und aktiv und operativ tätig, wowie der einzige Herdbuchzüchter bei Hühnern in Österreich (Altsteirer weiß).

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manne

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von manne » Dienstag 15. November 2011, 21:12

Nutze die Google-Suchfunktion, vielleicht für Varroatoleranz!

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Nigra

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von Nigra » Dienstag 15. November 2011, 22:51

aufwind hat geschrieben:Mich würde interessieren, ob sich jemand unter den Züchtern, etwa von Landbienen, befindet, der seine Bestände v. a. im Hinblick auf einen möglichst guten Umgang mit der Varroamilbe ausrichtet, bzw. eine gezielte Selektion betreibt.
Hier gibt es zwar keine Landbienen: http://www2.hu-berlin.de/bienenkunde/ZWS/

aber einen Varroa-Index nach dem man suchen kann. Werte über 100 bedeuten, dass das Hygieneverhalten über- und die Milbenvermehrung unterdurchschnittlich ist.

Sehr hilfreich, um mit den Milben besser fertig zu werden, ist übrigens ein gut isolierter Stand. Insel, Talkessel mit einem grossen bienenfreien Gürtel um die eigenen Stände. Kleinzellige Mittelwände senken die Milbenlast auch um ca. 50%. Es gibt also neben den Bienen noch eine ganze Reihe von Randbedingungen, die ganz wesentlichen Einfluss auf die notwendigen Behandlungen haben.

Ich möchte deshalb dazu aufrufen, selber Selektion zu betreiben oder sich mindestens an seriösen Zuchtprogrammen zu beteiligen, sowie an der eigenen Betriebsweise (angepasst an das eigene Trachtgebiet) zu feilen und sich weniger auf das "beste Material" der anderen zu stürzen!

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manne

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von manne » Mittwoch 16. November 2011, 08:47

Nigra hat geschrieben:Hier gibt es zwar keine Landbienen: http://www2.hu-berlin.de/bienenkunde/ZWS/
aber einen Varroa-Index nach dem man suchen kann. Werte über 100 bedeuten, dass das Hygieneverhalten über- und die Milbenvermehrung unterdurchschnittlich ist.
Das Problem ist eben der Durchschnitt, nich, der Graben war 30 cm tief aber die Kuh ersoff doch!

Wie war es, als die Institute die Primorski testeten? Die Kirchhainer C-Vergleichsvölker aus der Toleranzpopulation waren den P's im Ausräumverhalten signifikant überlegen. Überlebt haben aber nur P's. Also kann das Hygieneverhalten nicht das Kriterium sein!
Nigra hat geschrieben:Sehr hilfreich, um mit den Milben besser fertig zu werden, ist übrigens ein gut isolierter Stand. Insel, Talkessel mit einem grossen bienenfreien Gürtel um die eigenen Stände.
Das scheint wohl offizielle Meinung zu sein. Das Beispiel, das ich persönlich kenne, vollzog sich seit Anbeginn, wenn ursprünglich zwar auch so vermutet, eben doch nicht so. Imker sind eben ein (un)heimliches Völkchen.
Nigra hat geschrieben: Kleinzellige Mittelwände senken die Milbenlast auch um ca. 50%. Es gibt also neben den Bienen noch eine ganze Reihe von Randbedingungen, die ganz wesentlichen Einfluss auf die notwendigen Behandlungen haben.
Das mit den kleinen Zellen ist aus meiner Erfahrung unter meinen örtlichen Verhältnissen Unfung!
Nigra hat geschrieben:Ich möchte deshalb dazu aufrufen, selber Selektion zu betreiben


Volle Zustimmung!
Nigra hat geschrieben:oder sich mindestens an seriösen Zuchtprogrammen zu beteiligen
Nur, welche sind das?
Nigra hat geschrieben:sowie an der eigenen Betriebsweise (angepasst an das eigene Trachtgebiet) zu feilen und sich weniger auf das "beste Material" der anderen zu stürzen!
Das ist der Widerspruch mit zwei Argumenten gegen die Verordnung "seriöser Zuchtprogramme", welche auch immer das sein sollen, mit oder ohne Mittelwert.

Die Evolution "wählt" aus einer Veilzahl vorhandener Varianten aus.
Versuchen wir die Evolution nicht auszuhungern!

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Luxnigra
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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von Luxnigra » Mittwoch 16. November 2011, 17:41

In den Amsterdamer Dünen lebt eine Population wilder, varroatoleranter Bienen in den hohlen Pappeln. Die sind hochgradig reinrassig, es sind demnach KEINE permanent zugeflogene Schwärme
Bleib auf deinem Land und wehr dich redlich

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Nigra

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von Nigra » Mittwoch 16. November 2011, 22:25

manne hat geschrieben:Wie war es, als die Institute die Primorski testeten? Die Kirchhainer C-Vergleichsvölker aus der Toleranzpopulation waren den P's im Ausräumverhalten signifikant überlegen. Überlebt haben aber nur P's. Also kann das Hygieneverhalten nicht das Kriterium sein!
Der Varroatoleranzwert besteht aber nicht nur aus dem Ausräumverhalten. Es steht Dir frei, wie stark Du selber das Ausräumverhalten gewichten willst. Hauptsache Du erhebst die Daten nach wissenschaftlichen Kriterien.
manne hat geschrieben: Das mit den kleinen Zellen ist aus meiner Erfahrung unter meinen örtlichen Verhältnissen Unfung!
Wie gross waren Deine Vergleichsgruppen und wie viele Jahre hast Du ausgewertet?
manne hat geschrieben: Nur, welche sind das?
Ein öffentlich zugängliches Beispiel für die seriöse Grundlage einer Zuchtgruppe findest Du hier:
http://www.toleranzzucht.de/fileadmin/w ... er2010.pdf
manne hat geschrieben:Das ist der Widerspruch mit zwei Argumenten gegen die Verordnung "seriöser Zuchtprogramme", welche auch immer das sein sollen, mit oder ohne Mittelwert.

Die Evolution "wählt" aus einer Veilzahl vorhandener Varianten aus.
Versuchen wir die Evolution nicht auszuhungern!
Klar ist es von Vorteil, wenn die Zuchtpopulation breit abgestützt ist. Deshalb plädiere ich ja gerade dafür, dass eigene Linien gepflegt werden! Da gibt es überhaupt keinen Widerspruch zu seriösen Zuchtprogrammen. Auch bei dem öffentlich einsehbaren Beispiel können neue Linien eingebracht und nach 3 Jahren gleichberechtigt werden.

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manne

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von manne » Mittwoch 16. November 2011, 23:32

Wer es will, darf sich gerne bei der AGT oder auch an ihrer Schulter zu Hause fühlen.
In meinen Augen ist sie ein Bestandteil von Beschäftigungs- und Arbeitsplatzsicherungsprogrammen der Institute.
Damit es klarer wird, ein Auszug aus einer alten Kopie:

Im DBJ 8/1997 wurde bereits über Ergebnisse zur Selektion auf Varroatoleranz aus einem Vortrag anlässlich der Züchtertagung des Deutschen Imkerbundes am 16. März 1997 in Plau berichtet:

„Die Zuchtpopulation des Bieneninstituts Kirchhain (Kirchhainer Population) wird seit 1990 einer intensiven Selektion auf Varroatoleranz unterzogen. … Sie beinhalten eine sorgfältige Messung der Varroabefallsentwicklung, eine Beurteilung des Bruthygieneverhaltens sowie eine Bewertung des Putzabwehrverhaltens.“

14 Jahre intensiver Forschungsarbeit liegen hinter der eingangs zitierten Theorie. Wie viele Jahre liegen noch vor ihr, um zu erkennen, ob was dran ist?

Das DBJ 12/2003 beschreibt die Situation in einem Bericht über die Imkertagung in Donaueschingen u.a. wie folgt: ... „Es gab im vergangenen Jahr große Probleme“ meinte der Präsident „Aber noch werden keine schlagkräftigen Lösungen angeboten, noch werden die wahren Ursachen gesucht und verharmlost. Die existenzielle Unsicherheit der Imker ist groß und es steigt der Frust, da seine eigentlichen Institutionen nicht wirklich helfen können.
Es bleibt der ‚dumme’ Imker allein.“


Was hat sich inzwischen getan?

Neues Spiel, neues Glück!

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pokoface

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von pokoface » Freitag 18. November 2011, 10:33

zu deiner Frage nach varroresitenten Bienen kann ich folgendes aus meiner Erfahrung berichten:

1. die erste Kontaminierung mit Varroa-Milben führte dazu, dass pro Volk zwischen 15000 bis 25.000 Milben existierten.

2. Inzwischen haben/wurden die Bienen durch Selektion, meist auf natürliche Weise, einen wesentlich geringeren Milbenbefall erreicht.

3. Meine Versuche in den Jahren 2000 bis 2007 ohne Behandlung* hat ergeben, dass die Bienen sehr wohl mit der Milbe leben können.
Der Milbenbefall lag bei ca 500 bis 1200 Milben pro volk. besonders die 2jährigen Völker waren stärker befallen ebenso die nach der Schwärmerei
zurückbleibenden Bienen mit Jungkönigin. Übrigens selten hat ein Volk mehr als 700 Milben erreicht.

4. Ich habe ausschliesslich die völker vermehrt mit dem geringsten Milbenbefall.

5. Bedauerlicherweise hat sich in den letzten Jahren ein Bienensterben eingestellt, welches mit dem Varroabefall nicht mehr zu begründen ist.

6. ich kann jedem Imker dazu raten, selbst den natürlichen selektiven weg einzuschlagen um somit das Problem Varroa-Befall in den Griff zu bekommen
und damit den Bienen auf Dauer zur Resistenz zu verhelfen.

7. Der Einsatz von Chemie ist auf Dauer abzulehnen.

*verkürzte darstellung.

gruss pokoface

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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von Luxnigra » Freitag 18. November 2011, 16:20

Pokoface, beschreibst du uns bitte deine Betriebsweise?!
Danke
Bleib auf deinem Land und wehr dich redlich

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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von elk030 » Mittwoch 18. November 2015, 09:39

Hey POKOFACE
Bekommen wir noch die ungekürzte Orginalfassung?
Das wäre nett, Elk

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darkbee
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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von darkbee » Sonntag 29. November 2015, 11:28

pokoface hat geschrieben:
4. Ich habe ausschliesslich die völker vermehrt mit dem geringsten Milbenbefall.

pokoface
mache ich seit kurzem auch so. Mal sehen ob es etwas bringt....

Grüße
Michael

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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Sonntag 29. November 2015, 22:22

Hallo allerseits,

na welch alter Beitrag wurde denn hier ausgegraben? :P

Zur Info: nirgends in Europa wurden bislang "varroaresistente Stämme" erzüchtet, weder bei der Dunklen noch einer anderen europäischen Biene. Weder von Freizeitimkern, noch von professionellen Züchtern. Das ist leider auch 30 Jahre nach der Varroainvasion noch so.

LG
Kai
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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von Konrad » Dienstag 1. Dezember 2015, 13:38

Hallo

Ich habe Bienenvölker die ohne Behandlung 3-6 Jahre alt sind.

Diese Völker sind Carnica- und Buckfastvölker.

Drohnenbrut wird nicht entnommen.

Konrad

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Kianoush

Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von Kianoush » Dienstag 1. Dezember 2015, 13:47

Hallo Konrad,


Bienen können auch viele Jahre mit der Varroa leben. Allerdings reicht es nicht aus für ein langfristiges Überleben. Die Populationszahl wird mit der Zeit immer geringer!!!Das ist einer der Gründe, wieso es auch keine stabilen Wildpopulationen gibt.

LG Kianoush

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Re: Varroaresistente Stämme

Beitrag von elk030 » Freitag 4. Dezember 2015, 10:16

Hallo Konrad
Wenn Bienenvölker 3 bis 6 Jahre ohne Behandlung leben, ist das ein bedeutender Fortschritt.
Hier stellt sich natürlich die Frage, woran sie gestorben sind. Futterabriß?, Königinnenverlust? Insektizide?
Wieviele Schwärme bzw. Ableger gibt ein Volk in einem solchem Zeitraum?
Vegetiert es vor sich hin oder ist es fit und bringt mir jedes Jahr 60kg Honig?
Ich freue mich ob solcher Berichte und würde gerne mehr erfahren;
insbesondere, weil der Trend immer mehr zu behandeln immer häufiger zu Völkerverlusten führt.
Gruss, Elk

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