Neu gegen Varroa: Lithiumchlorid

  • "Hoffnung für Imker: Erstmals gelang es Forschern der Universität Hohenheim in Stuttgart ein potentielles Medikament zu entwickeln, das befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann. Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen: innerhalb von ein bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk komplett ausrotten. Bislang mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemisch hergestellten Milbenbekämpfungsmitteln behandeln, die Resistenzprobleme und Rückstände verursachen. Bei der vielversprechenden Substanz handelt es sich um leicht verfügbares Lithiumchlorid. Nach über 25 Jahren Forschung steht damit erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung. Ihre ersten Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der heutigen Online-Ausgabe der Zeitschrift „Scientific Report“, http://www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5."


    Aus: https://www.uni-hohenheim.de/p…b4790d34639e64eb7e1ce0463


    "Lithiumchlorid LiCl, das Lithiumsalz der Chlorwasserstoffsäure, bildet farblose, stark hygroskopische[1] Kristalle. Neben dem wasserfreien Lithiumchlorid existieren noch verschiedene Hydrate, bekannt sind LiCl · n H2O mit n=1, 3 und 5"


    Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Lithiumchlorid


    LG
    Kai

  • Meine persönliche Meinung: es weckt Hoffungen.


    Ich persönlich glaube, dass man am besten systemisch der Varroa Herr werden kann. Also über die orale Aufnahme durch die Bienen, wobei der Stoff dann über die Hämolymphe auch in die Nahrung der Milben gelangt. Genau so funktionierte z.B. Perizin. Das Mittel muss dabei einige Forderungen erfüllen:


    • sehr hohe Milbenabtötung
    • bienenungefährlich
    • ungefährlich für Wachs und Honig
    • darf zu keiner Resistenz führen


    LG
    Kai

  • Fast zu schoen, um wahr zu sein.


    Aber wenn das Mittel am Ende auch nur einen weiteren Baustein in der Milbenbekaempfung darstellen sollte, koennte es dennoch der Durchbruch werden. Denn die Statistikt sagt: Mit den bisherigen Methoden schaffen wir es ja *fast*, die Milben auszurotten. Allerdings kommt es nicht auf die ersten 1000 MiIlben an, die man vernichtet, sondern die letzten 3, die wir irgendiwe nie erwischen. Wenn man von denen 90% abtoetet, ist das der statistische Sieg ueber die Plagegeister, vorausgesetzt, Imkerlein handelt konsequent.


    Es wird (mal wieder) spannend.

  • Hallo,
    das mit dem LiCl habe ich letzen November bei einem Vortrag von Dr. Rosenkranz gehört.
    Dabei erklärte er den Wirkmechanismus:
    Die Entdeckung seie überraschend bei anderen Untersuchungen herausgekommen. Das LiCl wirke auf der Ebene der Gene ein, selektiv nur auf die Milben und schon in geringer Konzentration ("manche Mineralwässer könnte man auch nehmen"). Eine Idee wäre LiCl über das Winterfutter zu verabreichen......
    Die Methode wurde vom Institut patentiert, wobei es ohne Kosten genutzt werden könnte.


    Also wenn das klappen sollte in der Praxis, dann sehe ich für die Varroa wirklich "schwarz", wenn es alle Imker auch anwenden, zumindest über einen Winter.
    Aber wie heißt es doch?? Alle Imker sind doch Individualisten.........


    Grüsse


  • Hallo Kai,


    das klingt auf den ersten Blick sehr interessant, die Herangehensweise dabei ebenfalls logisch. Wie Postkugel schreibt, es wäre zu schön um wahr zu sein. Den Beigeschmack hat Badenimker aber auch verdeutlicht, dabei müsste es flächendeckend angewendet werden, wenn so ein Mittel tatsächlich funktionieren und die oben zitierten Kriterien erfüllen würde.
    Man sollte das Thema auf jeden Fall im Auge behalten, denn die konvetionelle Varroabehandlung "stinkt" zum Himmel, zumindest die Ameisensäure :wink:


    Werde mir den Beitrag von nature.com mal zu Gemüte führen.


    LG
    Steve

    Landesgruppensprecher für das Bundesland Sachsen im Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.

    http://www.bv-dunkle-biene.de/

    Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Wir wollen die imkerlichen Kräfte bündeln und Interessenten und Züchter näher zusammenbringen.

  • Besonders interessant finde ich in der Studie (http://www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5), dass bereits eine kurzzeitige Gabe des Mittels fuer eine ausreichend letale Wirkung auf die Milben genuegt. Wenn ich das richtig uebersetzt habe, genuegen 24 Stunden. Wohlmoeglich braucht man da nur einen kurzen Futterstoss.


    Bezueglich Rueckstaenden muss man sich bei Lithiumchlorit vermutlich keine grossen Sorgen machen. Das Salz ist nicht fettloeslich und bildet damit auch keine Rueckstaende im Wachs. Und wenn man sich mal anschaut, wie viel davon in einigen Mineralwaessern drin ist (https://www.originalhealth.net/3606, kann ich mir da keine gesundheitlichen Nachteile vorstellen:


    Die genannte Dosierung von 25 mM (entspricht - wenn ich's richtig gerechnet habe - 1,06 g LiCl pro Kg Bienenfutter) ist zwar 10mal so hoch wie in einem oben zitierten Mineralwaesser, aber wer trinkt schon einen ganzen Liter Bienenfutter und wie viel von dem Bienenfutter landet dann wirklich im Honig? 3 Liter Mineralwasser an einem sommerlichen Nachmittag sind hingegen nicht sooo selten.

  • Wer den Beitrag gelesen hat, wird finden, das LiCl am ende eine der Ineffektivsten Li-Komponenten ist, v.a. das Citrat und Sufat sind interessant.


    Der große Manko bisher ist aber das nur Kunstschwärme bzw. Weisellose Bienen gefüttert wurde, leider keine Versuche an echten Völkern.


    Das ist bisher der Knackpunkt. Wenn das mal gemacht wird (warum wurde es nicht gemacht oder nur nicht Veröffentlicht?) kann man wirklich weitersprechen. Naja vll. hat man ja ein nur gucken Volk wo man das Wasser mit dem richtigen Leitungswasser anrührt.


    Eine Immunität, soweit der aktuel erwartete Wirkmechanismus denn stimmt, ist aber zum Glück nicht zu erwarten, jedenfalls für den Koreanischen Haplotyp, wie es mit dem Japanischen aussieht ist eine andere Frage, aber wahrscheinlich ähnlich.


  • Besonders interessant finde ich in der Studie (http://www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5), dass bereits eine kurzzeitige Gabe des Mittels fuer eine ausreichend letale Wirkung auf die Milben genuegt. Wenn ich das richtig uebersetzt habe, genuegen 24 Stunden. Wohlmoeglich braucht man da nur einen kurzen Futterstoss.


    Die genannte Dosierung von 25 mM (entspricht - wenn ich's richtig gerechnet habe - 1,06 g LiCl pro Kg Bienenfutter) ist zwar 10mal so hoch wie in einem oben zitierten Mineralwaesser, aber wer trinkt schon einen ganzen Liter Bienenfutter und wie viel von dem Bienenfutter landet dann wirklich im Honig? 3 Liter Mineralwasser an einem sommerlichen Nachmittag sind hingegen nicht sooo selten.


    Da wäre zu erwarten das im Sommer während des massiven Sommerloches, eine kurze gabe über einen Fluglochfütterer besonders Interessant ist, dazu noch eine gabe Anfang September und zum Ende des Auffütterns, dann hätte man die sofortige Wirkung sowie zwei mal eine Wirkung beim Auswintern, wenn es an die Vorräte geht.


    Wenn man kein Lithium während der ersten großen Futtergabe gibt, dürfte auch das Risiko des Eintragens in den Honig sinken.

  • Hallo Miteinander
    Würden alle Imker den Königin Isolator (extra Thema )benutzen ,würde die Varoa auch im 1ten jahr komplett ausgerottet und Bayer usw. würden kein Geld mehr Verdienen und es wäre ohne Chemie. Bitte nicht falsch verstehen das ist meine Meinung . Gruß Marcus

  • Hallo Zusammen
    Das lässt doch mitten im Winter aufhorchen , erzeugt schon erste frühlings-hafte Glücksgefühle .
    Daumen gedrückt , dass bei der weiteren Erforschung und bei klinischen versuchen kein Haken zum Vorschein kommt .
    Hoffentlich schon im nächsten Sommer können wir dann Lithiumchlorid Ad us. vet . mit Packungsbeilage legal kaufen . Wenn nicht - so wie ich einige in der Imkerschaft einschätze haben die ihr weisses Pülverchen schon bestellt :roll: .
    Gutes Neues Jahr

  • Hallo zusammen,


    es wäre ja schön wenn es ein Durchbruch wird, ich glaube erst an das Mittel wenn ausgiebige Tests und Erfahrungsberichte vorliegen.

    Leg Dich Niemals mit einem Imker an. Ich habe Tausende Freunde die dich Verfolgen können


    LG Klaus


  • Die werden sich wundern wenn sie zum Sommer nur noch Flüssigkeit haben und dann am Ende hören das LiCl nicht mal das Optimale ist

  • Es ist doch beinahe zu schön um wahr zu sein .
    Pülverchen ins Zuckerwasser zum auffüttern und gleichzeitig den Milben der Garaus zu machen ? Ohne Nebenwirkungen für die Bienen ?
    Kneiff mich mal .-...


    Gruss Markus


  • Es ist doch beinahe zu schön um wahr zu sein .
    Pülverchen ins Zuckerwasser zum auffüttern und gleichzeitig den Milben der Garaus zu machen ? Ohne Nebenwirkungen für die Bienen ?
    Kneiff mich mal .-...


    Gruss Markus


    Hallo und guten Abend,


    Ich bin sehr oft anderer Meinung als Markus und.....
    ....aber hier teile ich die Meinung sehr gerne.
    Bin da auch erstmal skeptisch.
    Im März gehe ich wieder nach Hohen Neuendorf ins LIB, Thema Kleiner Beutenkäfer, Milbe, Varroa ....
    Vielleicht kommt das Thema hier ja auch zur Sprache....bin gespannt...


    L.G. Rene

  • Hallo Zusammen
    Ich war heute im Imkerfachgeschäft und habe um wieder für alle Fälle gewappnet zu sein Zuckerteig gekauft .
    Beiläufig und zum Scherz gedacht verlangte ich dann noch 250 Gramm Lithiumchlorid zur Varroabehandlung .... :lol: - Scherzkecks :oops:
    Aber hallo - der kompetente Verkäufer ist voll auf Posten .
    Eine Zulassungsverfahren , sollte es versucht werden , dauert erfahrungsgemäß in etwa ein Jahr .
    Nebenbei kommt da auch der wirtschaftlicher Faktor ins Spiel , womöglich ist der Handel gar nicht an einem neuen Produkt interessiert da die ältere Verfahren noch nicht amortisiert sind .
    Für mich ist es spannender Zeitvertreib zur Winterszeit mitzuverfolgen welche Dynamik das entwickelt . Die Varroaproblematik brennt mir gar nicht unter den Fingern - " fass an Holz " !


    Gruss Markus

  • Also der Gedanke kam mir auch schon.
    Ich sah vor.ein paar Tagen einen kleinen Film über Krebsmedikamente und.Forschung usw. ... Da würde auch etwas herausgefunden, dass offensichtlich totgeschwiegen wird, weil es zum einen tatsächlich helfen soll und zum anderen kostet es nur einen Bruchteil dessen.....
    Ein Schelm wer Böööses dabei denkt...
    Hoffen wir mal, dass das für Mensch und Biene Beste dabei rauskommt.
    L.G.

  • Hallo Miteinander
    Ja Mellifera ist schon ein schöner Block
    Ich warte heute noch auf die zulassung von Hoobgard also hopfen wäre einer der ersten die es nehmen würde alles wartet auf die Ergebnisse vom intitut....... Nur dann verdienen die Chemie Firmen nichts mehr. Gruß Marcus

  • Hallo Rene
    Danke für den Link .
    Zitat :
    Lithiumchlorid wirkte in der veröffentlichten Patentschrift tödlich auf offene Brut. Nach Fütterung mit einem Futtersaft, der nur 0.4 Gramm pro Liter Lithiumchlorid enthielt, waren 72 Stunden später alle Larven tot.


    Diese Erkenntnis war für mich neu und ist schon sehr zentral . Wenn dem so ist schränkt das schon ein .
    Der Gesamttenor empfinde ich insgesamt alles andere als wohlwollend . Alle offenen Fragen zum Wirkstoff auf den Bien sind doch jetzt erst mal Gegenstand der Erforschung und anschließend die Resultate Teil der Dokumentation im Zulassungsverfahren - für mich gilt Daumen gedrückt .
    Wenn obiges Zitat zutrift ist jedoch der Gedanken zur "Wunderwaffe" vom Tisch .
    Gruss Markus