"Bienenretter auf dem Holzweg" - Bernhard Heuvel

  • Ja, man lernt wirklich jeden Tag auf's Neue.


    Wenn die beiden - Bernhard Heuvel und Torben Schiffer - wirklich gut persönlich miteinander auskommen (auch jetzt noch?), dann wäre es doch fruchtbarer, wenn die zusammenarbeiten täten.


    Die totale Brutentnahme lehne ich als Brachialeingriff ab, insofern fühle ich mich von ihm bestätigt. Die Meinung zum Schieden teile ich nicht, da bin ich eher auf Kais und Torben Schiffers Seite (möglichst wenige Störungen, deshalb gibt es bei mir auch keine Schwarmverhinderung, dann muß ich wenigstens weder Ableger bilden noch Weiseln heranziehen und Kunstschwärme bilden).


    Und eine erstaunlich hohe Varroabelastung, obwohl das Volk aus einem Schwarm hervorging, fiel mir auch schon auf. Also sind doch mehr Varroen auf den Bienen (und nicht in den Brutzellen), als man manchmal glauben mag. Ist bei einer natürlichen Brutpause oder zumindest -reduktion vor dem Schwärmen auch naheliegend. Auf der anderen Seite probierte ich die Oxalsäurebedampfung jüngst bei einem Ex-Schwarm - der sicher noch nicht in Brut gegangen war, also nur wenige Tage nach dem Einschlagen - und konnte überhaupt keine Milben feststellen. Es ist seltsam, schlau werde ich nicht daraus.

  • Ich teile zwar viele Positionen von ihm nicht, finde es aber gut, dass sich der Autor (einigermaßen) objektiv/wissenschaftlich mit den Aussagen von Schiffer auseinandersetzt. Das scheint ja für viele schwierig zu sein. Ich habe das Buch von Schiffer gelesen und finde es spannend Heuvels Argumente zu lesen, die nicht mit Schiffer in Einklang sind. So kann ich mir mein eigenes Bild machen.


    Mir kommt es allerdings vor, dass hier in dem Text häufig Argumente gegen vermeintliche Aussagen kommen, die so nicht im Buch getroffen wurden. Z.B: bestreitet Schiffer nie, dass Bienen seit 5000 Jahren vom Mensch gehalten werden - warum auch. Er sagt allerdings, dass so gut wie immer die Masse der Bienen und somit die Genetik von frei-lebenden Bienen stammte. Die zwei Seiten mit Kinderbuchbildern und Darstellung von Bienen im alten Ägypten hätte man sich also sparen können.

    Guckt euch also gerne beide Seiten an und bildet eure eigene Meinung.

    Auch die Thematik mit dem Wassergehalt in der Beute wird von Schiffer nicht so dargestellt.. und da gibt es noch einige Punkte mehr.


    Eine zentrale Problematik, die man leider nicht oft genug betonen kann. So wie ich das sehe, will Torben Schiffer den/uns Imkern nicht ihre Methoden und schon gar nicht die Bienen wegnehmen. Er propagiert eine Bienenhaltung mit dem zentralen Interesse am Naturschutz, die neben der Imkerei leben soll. Wenn im Text sowas hier steht: "Die Bienen müssen vom Imker befreit werden?! Versucht es doch. Wir zeigen euch den Stachel." - wurde das nicht verstanden.




  • Ich habe mit beiden ein paar Probleme. Bücherskorpion und der Schifferbaum sind fuer mich nutzloses Gedoehns. Aber auch Bernhard Heuvel mit seiner Schiederei im Vorfruehling halte ich fuer ungluecklich. Ich arbeite selbst mit dem angepassten Brutraum auf Dadant (Bruder Adam hatte die Kisten immer voll!). Ich passe den Raum so an, dass das von den Bienen angedachte Brutnest in seiner Kugelform (bedeutet viel Volumen bei wenig Oberflaeche) erhalten bleibt. Aber ich bin doch erst ab ca. 14 Tage vor der Salweisenbluete ueberhaupt in der Lage, das richtig zu beurteilen. Was soll also der Unfug mit dem fruehen Schieden? Ach ja, da hat's ja (braucht's dann) Thermoschiede...ein Unfug. Und selbst wenn man das Schied "richtig" setzt, kann das bei starken Voelkern zur Futterknappheit fuehren (hatte ich vor 14 Tagen =O). Also Vorsicht mit den Brettern!, auch wenn die sonst ganz praktisch sind.


    Noe, da ist mir der 'olle Liebig wesentlich Lieber. Der stellt nicht nur Behauptungen auf, sondern kann seine Thesen wenigstens mit Zahlen untermauern.

  • Zum Thema mehr Varroen auf den Bienen als man denkt.

    Mit zu ehmendem Jahr werden das natürlich immer mehr, da die ganzen frisch geschlüpften erst entsprechend Reifen müssen ein paar Tage bis sie geschlechtsreif sind, während die adulten nur extrem kurz sich ausserhalb der Zelle befinden und nach dem Schlupf sofort wieder in eine Zelle wandern.

    Durch das exponentielleWachstum sind es auf den Bienen immer mehr und deshalb auch leicht zu erwischen mit schonenden Methoden die alle 3 Tage wiederholt werden.

  • Über die schonende Methode aller 3 Tage gibt es in diesem Forum sogar eine eigene Diskussion, die sich nach meiner Erinnerung über Wochen hinzog. Nochmals: Einfach mal die Suchfunktion bemühen!


    So, nun noch zwei Bemerkungen zu Bernhard Heuvels Script.


    Zum einen behauptet er, daß die einzige Manipulation das Flügelschneiden sei.


    Darob kann man sich trefflich streiten, was letztlich darin mündet, was man unter einer "Manipulation" versteht. M.E. ist eine Manipulation ein (logischerweise von extern kommender) Eingriff, der das Volksgeschehen in irgendeiner Weise beeinflussen, verändern soll, als es ohne diesen Eingriff weiter vonstattgegangen wäre. Ist auch der Honigraub ein solcher? Schon die Entmilbung? Diskutabel. Wohl eher jedoch sämtliche (!) Eingriffe in den Brutraum, die über die bloße Inspektion hinausgehen!


    Weiterhin schreibt er: "Ich kenne keine Imker, die absichtlich Bienen quälen oder ihnen Schaden zufügen." Nunja, quälen sicher nicht, aber schädigen? Ich halte da nur mal die Spitze des Eisberges entgegen: Verstümmeln ("Kupieren") oder Zerquetschen ("Abdrücken") von Weiseln. Der bis dato einzige Fall, wo auch ich einsah, daß Imker und Bienen nicht zusammenkommen können, ist dieser:


    Der gute Herr sagt ja, daß er das erstmalig tut und es ihm schwerfällt. Aber hier ging es wohl wirklich nicht anders, zumal er bei einem Zwischenfall wohl auch verantwortlich gemacht werden könnte.

  • Schonend ist für einige mit wenigen Völkern im Sommer mit Milchsäuere zu sprühen.

    Schonend für mich sind auch apivar life Plättchen aufgelegt.

    Schonend in Österreich oder anderen Ländern sind Oxalsäueresublimationen.


    Wenig schonend ist aus meiner Sicht Ameisensäuere und Methoden der TBE weil es ein gewaltiger Eingriff ist.

  • Der Bien kann viel verkraften, -dennoch halte ich das vollständige Entfernen der Brut für einen deutlich gewaltigeren Eingriff als einen Schwarm.

    Aber das kann auch nur ein Gefühl von mir sein.