Wesensgemäße Imkerei? Live Video von Imkerei Ralf Sester

  • Hallo allerseits,


    heute mal eine Ankündigung zu einem Live Stream von Ralf Sester zu diesem wichtigen Thema:


    "Wesensgemäß imkern?" Bitte hier klicken: https://www.youtube.com/watch?v=sEGLhM9wdjA


    LG

    Kai



  • was wesensgemäße Imkerei (oder wie man das immer betitulieren will) ist hängt vom eigenen Gusto ab. Ich las irgendwo bei Günter Friedmann (Demeter) dass er nicht weis was wesensgemäß ist und nennt es dann bienen----- was immer.


    Also: So wie ich imkere ist alles bienengemäß, naturnah, wesensgemäß, bienenschonend, schonend rückwärts gedrillt oder wie auch immer. Auf keinen Fall konventionell. Basta!!

  • Auf den Beitrag heute freue ich mich jedenfalls. Deutliche Worte werden da heute nicht fehlen.

    Diese Erwartung wurde erfüllt :D


    Auch wenn einige Dinge polarisiert betrachtet wurden hilft es bei der eigenen Meinungsbildung.


    VG

    Tom

  • Hallo, auch meine Erwartungen wurden erfüllt. :)


    Allerdings: mir geht es eher so, dass mir zuwenig pointiert wurde, zu wenig eindeutig. Kann aber auch an meiner derzeitigen Situation liegen.


    Ich werde mir das Video nochmal ansehen. :)

    LG

    Kai

  • Es gab jedenfalls genug Bestätigung und immer wieder neue Blickwinkel. Ich hätte mir manches wie Kai auch noch deutlicher vorgestellt.

    Aber konstant ein guter Kanal.

  • Wesensgemäß ist natürlich bei der Biene ein großes bis teilweise anmaßendes Wort.

    Bei einem Lebewesen, das immer noch viele ungeklärte Fragen aufwirft stellt sich wirklich die Frage, was ist wesensgemäß und was ist notwendige oder sinnvolle Hilfe im Rahmen der Domestizierung.

  • Nein, eigentlich ist völlig klar, was wesensgemäss ist.


    Wenn jemand über Jahre und Jahrzehnte hinweg nur wenige Verluste an Völkern hat. Imkert dieser Imker wesensgemäss. Ziel des Bienenvolkes ist überleben und Vermehrung und das erreicht so ein Imker.


    Völker, die versterben, fallen aus der genetischen Evolution raus. Und Imker, die vermehrt Verluste haben, verstehen es nicht den Völkern wesensgemäss zu helfen.


    Dabei spielt Betriebsweise, Beute oder Biene, wenig eine Rolle. Ein Wesensgemässer, guter Imker schafft eine gute Bienenhaltung in fast jeder Beute.


    Nur wir Menschen sehen Ideologie in Betriebsweisen, Bienen und Beuten. Und vermarkten diese, um die Taschen zu füllen, aber nicht um der Biene zu helfen.


    Wenn es dabei um die Völker ginge, würde man nur auf die nachweislich erfolgreichen Imker hören.


    Aber nee, wäre ja zu einfach. Wir brauchen Völkerverluste und auch Faulbrutausbrüche, sonst wären die Völkerimporte und die Bienenlabore unnötig.

    Somit wird Schiffertree und Co. Für Anfänger propagiert, um genau Völkerverluste und vielleicht auch ein paar mehr Faulbrutausbrüche zu erreichen. Es geht um Geld, nicht um Bienen.


    Das wird hoffentlich in einen oder zwei Videos von Rase zwar abgemildert, aber deutlich gemacht.


    Sorry, falls ich hier jemanden die rosa Brille vom Kopf gerissen haben und sie zertreten habe.

  • Aber nee, wäre ja zu einfach. Wir brauchen Völkerverluste und auch Faulbrutausbrüche, sonst wären die Völkerimporte und die Bienenlabore unnötig.

    Na ja Faulbrut gibt es seit Milionen von Jahren. Die Bienen haben das überlebt. Die Bienen können damit zum Teil umgehen. Ein Völkerverlust ist in der Natur auch in gewissen Grenzen die Norm. Ansonsten würde jeder Schwarm überleben und es gäbe nur noch Bienen.

    Faulbrut ist sicher eine ernste Krankheit und muss zur Vermeidung der Ausbreitung saniert werden. Aber genau wie Corona wird man es nicht Ausrotten können.

    Faulbrut kann bei dem besten Imker auftreten, wenn seine Völker eben ein mit Faulbrut geschwächstes Volk oder altes Wabenwerk ausräubern.

    Ein Guter Imker erkennt jedoch den Anfang der Faulbrut und kann noch rechtzeitig eingreifen / sanieren bevor es zur massenhaften Ausbreitung kommt.


    Grüße Thomas

  • Ich stimme dir bienengral völlig zu.


    Nur bedenken wir, was alles unter wesensgemäss verkauft wird.


    Eine Behausung, wie Schiffertree, Korb oder Bienenkiste erfordert eine Menge an Erfahrung. Die Erfahrung wird aber nicht mit der Beute verkauft, sondern es wird an Anfänger, als anfängergerecht verkauft.


    Damit will ich nicht sagen, dass es automatisch zu Faulbrut kommen muss, aber alle Völker haben das Risiko daran zu erkranken. Oder auch an Varroa einzugehen.


    Das Problem ist, wie es vermarktet wird. Wer vom Bienensterben hört und unbedarft dann etwas tun will, (Ja, wir wissen hier alle, die Wildbiene hat das Problem und nicht die Honigbiene) Aber das Wissen hat nicht jeder, somit will man dann natürlich und mit wesensgemäss beginnen. Man will ja den Honig gar nicht.

    Also stellt man sich einen Schiffertree dahin. Anmelden? Nein, ist ja nicht notwendig.... sonst wird ja alles von den Bienen gemacht. Alles einfach.


    Wir wissen aber, dass Völker ohne wenigstens etwas Kontrolle und ganz ohne Massnahmen sehr wenige Chancen haben langfristig zu überleben. Nicht alle sterben sofort, aber leider doch so viele, dass es derzeit keine funktionierende Wildpopulation in Deutschland gibt.


    Also kauft der Anfänger eine Beute und ein Volk, wobei die Überlebenszeit auf bis 3 Jahre gerechnet werden kann. Einige Völker gehen fast sofort verloren und die meisten werden im 2 Jahr verschwinden.


    Damit rechnet der Verkäufer, dann muss der Schiffertree neu besiedelt werden. Da aber diese Anfänger keine Ableger bilden, und entweder auf Schwärme warten.... Die ja meistens doch eher selten sind. Oder sich ein neues Volk kaufen, ist es wieder die Genetik des erfolgreichen Imkers, die da gewinnt.


    Man zieht den unbedarften Anfängern, die eigentlich nur etwas gutes für die Umwelt tun wollen, Geld aus der Tasche, für die Honigbiene, die nicht gefährdet ist, wobei mit dem Verlust des Volkes schon beim Verkauf gerechnet wird.


    Das finde ich unmoralisch, ein totes Volk kann nicht mehr Teil einer genetischen Evolution sein, die da angeblich mit eingeleitet werden soll.

    Auch sind Bienen Lebewesen, dessen Tod man nicht einfach billigend in Kauf genommen werden sollte. Das nicht jedes Volk überlebt, stimmt, aber man sollte doch als guter Imker unter 10 % Verlust bleiben.

  • Von meiner Seite ebenfalls absolute Zustimmung.

    Um Geschäft zu generieren und eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen muss mit Wörtern wie wesensgemäß Bauernfängerei betrieben werden.

    Oder andersherum, durch die Bienenrettungspolitik werden Schichten animiert, zu den besseren Imkern zu werden indem sie alles neu und anders machen wollen, ohne zu wissen was sie tun. Ohne Zusammenhänge und Wirkweisen zu kennen.

    Wesensgemäß sind gesunde Bienen ohne Völkerverluste, die stark ein und auswintern.

  • Nun, zum Vergleich möchte ich "BIO" anführen.

    Früher gab es einige wenige private "BIO-Retter", die haben ihr Bio gemacht.

    Teuer, regional aber eigentlich gut ...

    Damit konnte man auch Geld verdienen, das sprach sich herum.

    Jetzt haben das auch "Große" gemerkt, jeder vermarktet BIO.

    Auch wenn es - wie in "D" gemacht - nur Logistiker sind, die in O-Europa billig produzieren lassen und hier teuer verkaufen.

    Ökologisch ist dieses EU-BIO nicht!

    Aber es beruhigt das Gewissen und bringt Geld ...


    Die einen wettern über die anderen!

    Imker gegen Bienenhalter und Bienenhalter gegen Imker ...

    Ich glaube, das bringt weder den Imkern noch den Bienenhaltern etwas.

    Den Honigbienen schon gar nicht ...


    Rolf

  • Um Geschäft zu generieren und eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen muss mit Wörtern wie wesensgemäß Bauernfängerei betrieben werden.

    Wenn das, was in der Wikipedia steht, nur halbwegs stimmt, dann stammt dieses Wort aus der Steinerschen Anthroposophie, ist also zu 100% ein Ideologem. Und Ideologien und okkulte Weltanschauungen sind (nicht nur) mir zutiefst zuwider.


    Mich hat an diesem Wort von Anbeginn gestört, daß es erkennbar und aufgesetzt sich von dem üblichen "artgerecht" unterscheidet. Wer so etwas tut, tut das mit großer Wahrscheinlichkeit, um eine Botschaft zu tranportieren. Die ist jedenfalls bei mir (negativ) angekommen.


    Und Mellifera e.V. und Demeter betreiben das fort.


    Dabei ist der Grundgedanke weder neu noch unwissenschaftlich noch falsch: Natürlich muß man die Bienen als Volksgesamtheit betrachten. Mit Ausnahme der Weisel ist das bei ihrer Vielzahl auch gar nicht anders möglich. Doch bedarf es dazu eines ideologischen Überbaus?!


    Meine Bienen bemühe ich mich, möglichst artgerecht zu bewirtschaften (auch wenn sich das schon wieder ein wenig widerspricht). Das reicht denen hoffentlich, mir tut es das auch.

  • Wir wissen aber, dass Völker ohne wenigstens etwas Kontrolle und ganz ohne Massnahmen sehr wenige Chancen haben langfristig zu überleben. Nicht alle sterben sofort, aber leider doch so viele, dass es derzeit keine funktionierende Wildpopulation in Deutschland gibt.

    Der Hauptgrund dafür, daß es keine funktionierende Wildpopulation in Deutschland gibt, liegt am Mangel an Höhlen, und das ist die Schuld des Menschen. Jeder erkannte Baum, der nicht mehr massiv ist, muß - auch wegen der Haftpflicht - rasch gefällt werden.

    Man zieht den unbedarften Anfängern, die eigentlich nur etwas gutes für die Umwelt tun wollen, Geld aus der Tasche, für die Honigbiene, die nicht gefährdet ist, wobei mit dem Verlust des Volkes schon beim Verkauf gerechnet wird.

    Geld aus der Tasche ziehen....das tun wir alle, wenn wir Honig verkaufen.


    So ein Schiffertree hat einen erheblichen Material- und Herstellungsaufwand, der sich logischerweise in seinem Preis widerspiegeln muß. Geringe Stückzahlen tun ihr übriges.


    Auch adressiert man nicht explizit an "unbedarfte Anfänger". Ich z.B. täte auch gern so eine Bienenbehausung ausprobieren, jedoch ist sie mir zu platzbedürftig und vor allem viel zu teuer. Ich werde als Kompromiß für möglichst natürliche oder wenigstens naturnahe Haltung Bienenkörbe verwenden.


    Und daß sich "unbedarfte Anfänger" so ein Bienenvolk anschaffen, kann man nicht dem Verkäufer anlasten. Es steht jedem frei, sich mit den Bienen spätestens dann zu beschäftigen, wenn sie im eigenen Garten leben. War bei mir auch so.


    Da man in solche Völker ohnehin kaum eingreifen kann, gibt es daran auch nicht viel zu imkern oder zu führen, insofern kann man dieses "anfängergerecht" sogar gut begründen. Kritisch wird es eigentlich nur beim AFB-Befall (hoffentlich nicht noch kleiner Beutenkäfer). Da stimme ich wirklich zu, daß ein Anfänger die Symptome später oder gar nicht erkennt. Doch auch für den jahrzehntelangen Imker, der noch nie diese Seuche hatte, ist ihr erstes Auftreten eben das erste Mal, mit entsprechender fehlender Erfahrung und leichter Überforderung.

  • Moin,

    Mir war das am Anfang zu viel Gebabbel.
    Und was Krankheiten betrifft, ist da nicht jeder selbst gefragt erstmal einen Grundstein zu legen? So wie der Honiglehrgang gehört der über Krankheiten auch dazu. Natürlich in der Hoffnung, dass man ihn nicht braucht. Aber das sensibilisiert doch etwas...

    l.G.

  • Also der Material und Herstellungsaufwand hält sich da aber doch sehr in Grenzen. Einfache Vierkantbalken entsprechend zusägen etc. Material aufwand schätze ich auf ca. 50 Euro max. 100. Arbeitszeit max. 3 h. Der Preis soll über 400 Euro sein.


    Es ist schon deutlich an unbedarfte Anfänger adressiert natürlich nicht explizit. Jeder der schon Bienen in Magazinen hält und über AFB und Varroa bescheid weis wird sich so einen Tree eher nicht kaufen.

    Wenn es um das nichtkümmern um ein Bienenvolk geht sollte man vielleicht Hummeln halten.

    Bienenhalten ist nicht nur ein Bienenvolk irgendwo hinstellen und der Rest macht die Natur. Dann doch lieber ein Insektenhotel für Wildbienen da geht das dann. Aber für Honigbienen nein.


    Da ja doch eher für unbedarfte Anfänger adressiert werden die Bienen in dem Tree auch eingehen, da keine Behandlung gegen Varroa etc. sowie kontrollen ob Bedandlungen / Hilfen durchgeführt werden können erfolgen.


    Geld aus der Tasche ziehen....das tun wir alle, wenn wir Honig verkaufen.

    Nun das würde ich nicht Geld aus der Tasche ziehen nennen. Mit diesem Ausspruch ist die Übervorteilung des Anderen gemeint. Außer du Verkaufst deinen Honig für 15 Euro pro 500g.

    Wenn du deinen Honig als Heilmittel für 15 und mehr Euro pro 500g anpreisen würdest dann kann man von Geld aus der Tasche ziehen reden. Ansonsten ist dies der Material- und Transportaufwand sowie einen kleinen Zuschlag für Bestäubungsleistung und Regionalität.


    Grüße Thomas

  • Bienenhalten ist nicht nur ein Bienenvolk irgendwo hinstellen und der Rest macht die Natur. Dann doch lieber ein Insektenhotel für Wildbienen da geht das dann. Aber für Honigbienen nein.

    Ja, auch die Bienen sind vollauf Natur, die man sich selbst überlassen kann, jedenfalls in der Natur. Sobald man aber explizit für sie eine Behausung aufstellt und welche dort einlogiert, gilt das als Bienenhaltung, ist anmeldepflichtig und führt auch zu Minimalpflichten. Juristisch unklar ist die Lage, wenn die Bienen von selbst (als Schwarm) dort einziehen.

    Da ja doch eher für unbedarfte Anfänger adressiert werden die Bienen in dem Tree auch eingehen, da keine Behandlung gegen Varroa etc. sowie kontrollen ob Bedandlungen / Hilfen durchgeführt werden können erfolgen.

    Nein, es ist nur so, daß jeder Imker das wirklich nur als Bienenhaltung ansieht (was sie darin ja auch ist, nicht mehr und nicht weniger) und sich deshalb davon nicht mehr angesprochen fühlt. Die Produzenten des Schiffertrees verkaufen sicher gern an jeden.


    Die Varroabehandlung ist laut Herrn Schiffer in natürlich gehaltenen Bienenvölkern überflüssig, eine "belastbare" Datenlage dazu legte er nach meiner Wahrnehmung dazu bislang aber nicht vor. Also ist wohl mehr sein Wunsch der Vater seines Gedankens. Mir fehlt daran ein wenig der Glaube. Ich werde es aber ggf. bei meinen Bienenkörben ausprobieren, ob man die wirklich sich selbst überlassen kann. Aber, wie ich mich kenne, werde ich wohl doch lieber zum Verdampfer greifen....

    Nun das würde ich nicht Geld aus der Tasche ziehen nennen. Mit diesem Ausspruch ist die Übervorteilung des Anderen gemeint. Außer du Verkaufst deinen Honig für 15 Euro pro 500g.

    Wenn du deinen Honig als Heilmittel für 15 und mehr Euro pro 500g anpreisen würdest dann kann man von Geld aus der Tasche ziehen reden. Ansonsten ist dies der Material- und Transportaufwand sowie einen kleinen Zuschlag für Bestäubungsleistung und Regionalität.

    Für 15 € / 500 g bekäme ich meinen Honig wahrscheinlich gar nicht los, und ihn als Heilmittel zu bezeichnen ist unzulässig.


    Mit einer Behauptung, daß der Schiffertree (auch oder gar nur) dazu dient, andere zu übervorteilen, halte ich mich zurück, ich bin mir dessen auch beileibe nicht sicher. Da halte ich die vergleichsweise dezente Bienenkugel für einen halben Tausender schon für auffälliger. Immerhin wird die Bauanleitung des Schiffertrees sogar veröffentlicht (was für jeden handwerklich halbwegs geschickten ohnehin unnötig ist), was doch eine gewisse Ehrlichkeit darstellt.