Aus vergangenen Zeiten - Recherchen im Vereinsarchiv vor 130 Jahren

  • Ich fand kein Thema in das ich dies integrieren könnte. Aber weil es ohnehin so viel "altes" gibt...


    derzeit recherchiere ich für die 150 Jahrfeier des Vereins in 2022 in der Tageszeitung. Weil nichts digitalisiert ist, muss im Kreisarchiv jede Seite einzeln geblättert und mit den Augen "durchgescannt" werden. So langsam kriege ich Übung darin.


    Nachricht vom 28 Mai 1889: Bei einem hiesigen Bienenzüchter ist ein Schwarm gefallen. So früh im Jahr gäbe es sehr selten Schwärme!


    So ändern sich die Zeiten.


    lg

  • Geimkert in Körben oder schon in Beuten?? Wäre auch interessant zu wissen.

  • Holzkästen gab es schon. Auch Holzrahmen mit Strohfüllung. Eine Strohpressmaschine hatten sie sich schon 1873 angeschafft. Es wurde 1889 auch diskutiert um empfohlen von Körben auf Holzkästen unmzusteigen da diese wirtschaftlicher seien.


    Generell galt der Juni als Schwarmmonat.

  • Ein vermutlich wärmeres Jahr als zuvor und dadurch die frühe Schwarmstimmung??

  • Hallo,


    sehr schönes Thema, danke dafür. :)

    ...Nachricht vom 28 Mai 1889: Bei einem hiesigen Bienenzüchter ist ein Schwarm gefallen. So früh im Jahr gäbe es sehr selten Schwärme!


    So ändern sich die Zeiten.


    lg

    Selbst hier in den 1970-er Jahren waren Schwärme vor Ende Mai eher sehr ungewöhnlich. Die meisten Schwärme, zu denen ich gerufen wurde, fielen zwischen Mitte Juni und Anfang Juli. Heute kaum mehr vorstellbar.


    LG

    Kai

  • Ich erinnere mich noch gut an die Zeit wo man für die Maitour verzweifelt Birkengrün suchte. Heute gibts das schon Anfang April.

  • was hat sich dann geändert?

  • was hat sich dann geändert?

    Hallo,


    die Wärmesummen in der ersten Jahreshälfte scheinen deutlich zugenommen zu haben. Möglicherweise auch wurden die Rapspflanzen züchterisch verändert, so dass diese deutlich früher blühen und den Schwarmtrieb noch befeuern. Und letztlich ist sicher auch die Biene noch stärker auf "Frühtrachtbiene par exelance" ausgelesen worden. Vielleicht spielen auch alle Faktoren gemeinsam eine Rolle.


    1979 und fortfolgend blühte selten der Raps vor dem 21. Mai. Heute beginnt er meist um den 15 April herum zu blühen.


    LG

    Kai

  • Ein vermutlich wärmeres Jahr als zuvor und dadurch die frühe Schwarmstimmung??

    nein, der Juni und Juli galten als Schwarmmonate und im August/Sept gingen die Bienen in den Winter.


    Heute haben wir Schwärme Anfang April (dieses Jahr nicht) und die Bienen brüten noch im Okt.

    Seit 1881 ist es hier im Durchschnit 1,6 grad wärmer. Über die Wetterverläufe und ihre Auswirkung auf die damals überwiegend landwirtschaftlich geprägte Bevölkerung wird auch in der Zeitung berichtet.

  • Möglicherweise auch wurden die Rapspflanzen züchterisch verändert, so dass diese deutlich früher blühen und den Schwarmtrieb noch befeuern.

    Meine Bienen haben mit Raps(feldern) keinerlei Kontakt - zum Glück! - und schwärmen dennoch früh und beflissen.

    Und letztlich ist sicher auch die Biene noch stärker auf "Frühtrachtbiene par exelance" ausgelesen worden.

    Von Imkern/Züchtern oder von der Evolution? Vermutlich von beiden.

  • Meine Bienen haben mit Raps(feldern) keinerlei Kontakt - zum Glück! - und schwärmen dennoch früh und beflissen.

    Von Imkern/Züchtern oder von der Evolution? Vermutlich von beiden.


    1979 und fortfolgend blühte selten der Raps vor dem 21. Mai. Heute beginnt er meist um den 15 April herum zu blühen.


    LG

    Kai

    Aus meiner persönlichen Erfahrung. Ich bin immer wegen der Obstblüte zwischen Mainz und dem Hunsrück hin und her gezogen - wie sie meisten mainzer Imker auch. 1990 kaufe ich das Haus im Dorf. 1991 nach der Wanderung (immer 1. Mai) kam der Raps mal so allmächlich. Und richtig war es nach den Eisheiligen. Jetzt blühts schon mitte April.. Meine Bauern meinen 1/3 besseres Saatgut und 2/3 Klimaerwärmung. Ein älterer Bauer hat noch seine Aussaat und Erntetermine seit den 60igern. Da gab es änderungen!!!!! Die Termine, Fruchtfolgen, .. haben sich gewaltig geändert. Alles ist im Fluss.


    Übrigens, der Raps hinterm Haus zeigt jetzt schon dicke fette Blütenstände. Ein paar warme Tage und er ist voll da.

  • ...Von Imkern/Züchtern oder von der Evolution? Vermutlich von beiden.

    In den 1970-er und teils Anfang der 1980-er Jahre/-n konnte ich noch viele Schwärme fangen, die eindeutig noch von der Dunklen Biene beeinflusst waren. Das hat sich komplett geändert. Die "Landbiene" ist heute eindeutig eine Carnica.


    LG

    Kai

  • Ein sehr interessantes Thema!

    Meiner Meinung nach hat das veränderte Verhalten der Bienen im Vergleich zu 1889 viel weniger mit deren Zucht zu tun als mit den neuen Umweltumständen. Tiere und Pflanzen passen sich den lokalen Umweltbedingungen an. Wenn man z.B. einen Kirschbaum aus Deutschland in den Tropen und Subtropen einpflanzt, wird er im dortigen Winter sein Laub kaum verlieren, früher Laub wieder bekommen und auch früher blühen. Den Bienen geht es genauso.

    Wenn das Klima wärmer wird und die Tracht frühzeitiger vorhanden ist, werden die Tiere und damit auch die Bienen sich zwangsläufig anpassen. Ein Igel beispielsweise wird seinen Winterschlaf abbrechen, sobald die Außentemperatur ab einem bestimmten Wert steigt. Und in warmen Ländern sind die Honigbienen, egal welcher Art, früher unterwegs als im hohen Norden. Der Imker sorgt dafür, seine Völker mit der besten Frühtrachtleistung zu vermehren. Was aber nicht heißt, dass die Bienen selbst sich schon vor seinem Eingriff nicht angepasst hätten.

  • Das Foto habe ich vor einer Stunde geschossen. Schon stehen etliche Völker neben dem Rapsfeld. Kein Schild dran für die Herkunft, Eigentümer etc.


    Die Völker sind nicht in dem Zustand, um den Raps entsprechende zu würdigen. Habe mir gerade am Bienenstand die Finger an der Folie gewärmt.

    Die ganze Woche sind noch Temperaturen um die 10 Grad angesagt.

    Soviel zur Verschiebung der Blühzeitpunkte zwischen Damals und Heute.

    Wenn der Raps dann zwei Wochen blüht, fallen die ersten Schwärme. Jedes Jahr das gleiche Spiel.

  • ...Wenn man z.B. einen Kirschbaum aus Deutschland in den Tropen und Subtropen einpflanzt, wird er im dortigen Winter sein Laub kaum verlieren, früher Laub wieder bekommen und auch früher blühen. Den Bienen geht es genauso....

    Falsch. Unseren (Obst-) Bäumen fehlt in den Tropen der Frost, sie blühen dort gar nicht und gehen langsam ein.


    Genauso ist es bei den Honigbienen. Unterarten aus fremden, tropischen Regionen bilden hier z.B. keine Wintertraube, sie sind nicht überwinterungsfähig und lernen dies auch nicht.


    1889 hatten wir hier überwiegend die Apis mellifera mellifera. Heute halten wir die gebietsfremde Apis mellifera carnica, eine ganz andere Bienenunterart mit völlig anderen Eigenschaften.


    LG

    Kai

  • Bist Du sicher? Dann muss ich Deinem Einwand komplett widersprechen:


    Du sagst „Unseren (Obst-)Bäumen fehlt in den Tropen der Frost, sie blühen dort gar nicht und gehen langsam ein“. Diese Aussage stimmt nicht, denn der Kirschbaum stammt gar nicht aus Deutschland, nicht einmal aus Europa, sondern aus der heutigen Türkei. Außerdem gibt es Kirschbäume sogar in Brasilien, wo sie erfolgreich angebaut werden. Das heißt, irgendwann wurden Kirschbäume sowohl in Deutschland als auch in Brasilien und anderen Ländern eingeführt, haben sich in den jeweiligen Ländern angepasst und bringen dort seither erfolgreich ihre Früchte.


    Die leckeren Kartoffeln, die wir in Deutschland essen, stammen gar nicht aus Europa, sondern aus Südamerika (Chile, Peru). Auch die haben sich ganz anderen klimatischen Bedingungen angepasst und wurden für uns selbstverständlich.


    Du sagst, „Genauso ist es bei den Honigbienen. Unterarten aus fremden, tropischen Regionen bilden hier z.B. keine Wintertraube, sie sind nicht überwinterungsfähig und lernen dies auch nicht.“ Sorry, auch da muss ich Dir widersprechen. Wie Du selbst einmal geschrieben hast, hat die Buckfast europäische, afrikanische und asiatische Wurzeln. Und dennoch ist sie super überwinterungsfähig. Die Ligustica stammt aus Italien. Und dennoch ist sie die am weitesten verbreitete Honigbiene, die man - nach erfolgreicher Anpassung - sogar in sehr kalten Regionen vorfinden kann, wie in Skandinavien und dem Norden der USA. Außerdem glaubte man, dass die afrikanisierte Biene, die in Brasilien entstand, nur in warmen Regionen leben könnte. Das stimmte für eine gewisse Zeit. Aber mit der Zeit hat sie sich immer weiter angepasst, so dass sie sich heute immer weiter Richtung Norden der USA ausbreitet:


    https://stoneageman.com/surviv…s-africanized-honey-bees/


    Die Dunkle Biene, die im kalten Skandinavien lebt, ist im Vergleich zur Dunklen Biene, die in Südfrankreich lebte, eine an die Kälte angepasste Variante derselben Bienenrasse.


    Nicht nur Tiere, Pflanzen und Viren(!) sind anpassungsfähig. Auch der Mensch ist es. In der letzten Eiszeit musste er mit der täglichen Eiskälte zurechtkommen. Ein Leben, das für uns heutzutage unvorstellbar wäre. Aber unsere Vorfahren haben es geschafft, durch Anpassung!


    Deswegen bleibe ich bei meiner Aussage: Wenn die Bienen (egal ob Dunkle Biene, Carnica oder Buckfast!) mit neuen Umweltumständen konfrontiert werden (z.B. wärmer werdendes Klima, frühere Tracht, etc.), werden sie sich mit der Zeit anpassen. Die Völker, die besser damit zurechtkommen, werden stärker werden, in größerer Zahl überleben und ihre Eigenschaften an die nächste Generation vererben.

  • Nicht nur Tiere, Pflanzen und Viren(!) sind anpassungsfähig.

    Viren sind es aber nur über deren Evolution, nicht als Individuen. Wobei das mit den Individuen schon diskutabel ist, denn es sind erstmal "nur" leblose, aber dennoch recht komplexe Eiweißansammlungen. Außerdem werden Lebewesen nicht mehr über die Reiche der Pflanzen, Tiere und Pilze eingeteilt, sondern noch genereller über Domänen oder gar als Pro- und Eukaryo(n)ten. (Das nur als Hinweis.)

    Auch der Mensch ist es.

    Selbstverständlich, denn wir sind ja schließlich auch im wesentlichen Tiere, als solche aber das Paradebeispiel des Generalisten / Universalisten und auch hinsichtlich unserer Anpassungsfähigkeit. So traue ich der Menschheit deshalb durchaus zu, einen Asteroideneinschlag zumindest zu einem geringen Teil zu überleben, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen (nicht nur Säuge-)Tierarten.