Ist die Dunkle Biene in Deutschland nachhaltig auf breiter Ebene etablierbar?

  • Hallo zusammen,

    ich glaube bei der Vermeidung von Stechern ist jeder Imker selbst gefragt. Wie soll Jan den verhindern, daß sich in Deutschland stechlustige dunkle Bienen verbreiten? Ich meine die können ja von irgendwo her aus dem Ausland kommen.

    Ich bin Neuimker und habe einen ziemlichen Landbienen Stecher am Stand, den ich nur mit Handschuhen, Jacke und Schleier bearbeiten kann. Das hat mich als Neuer ziemlich gefordert und manchmal auch überfordert :oops:.

    Da man in der Saison nur schwer umweißeln kann und ich dazu auch keine Königin gehabt hätte blieb nur Drohnenbrut scharf schneiden und keine Ableger von dem Volk nachziehen.

    Im August bekomme ich eine Carnica Königin zum Umweißeln und dann hat der Spuk hoffentlich ein Ende.


    Zurück zum Theme Dunkle Biene in Deutschland. Da man als Neuimker ja auch gerne eigene Erfahrungen sammeln möchte, würde ich in den nächsten zwei/ drei Jahren gerne mal eine Dunkle Königin probieren nur wüsste ich nichtmal woher ich eine "Gute" bekommen sollte. Außerdem würde dann eine Standbegattete oder eine F1 Königin reichen?

    Nur als Vergleich: Eine Carnica Züchterin haben wir bei uns im Verein und sollte ich Buckfast probieren wollen wüsste ich jetzt zumindest zwei für mich vertraunsvoll wirkende Züchter.


    Gruß

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    unter https://www.bv-dunkle-biene.de…g/zuechter-des-verbandes/ findest Du Züchter un Vermehrer der Dunklen Biene. Ansonsten kannst Du Dich an Verbandsmitglieder in Deiner Nähe wenden. Als Mitglied wirst Du auch Angebote von verfügbaren Königinnen erhalten. Eine F1 Königin ist die Tochter einer reinbegatteten Dunklen Biene, ihre Pheromone sind also rein dunkel und lediglich ihre Begattung ist nicht rein mit Dunklen Drohnen passiert. Das Volk sieht also ggf. etwas bunt aus, wird sich aber wie ein Dunkles Verhalten. Als Einstieg und zum kennenlernen ist eine F1 Königin ideal. Zudem gibt es wirklich wenige rein begattete Königinnen, die dann vornehmlich zur Zucht genutzt werden.

    Ich wünsch Dir viel Freude mit den Bienen.

    Beste Grüße - Jan

    Beste Grüße


    Jan



    1. Vorsitzender im Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.

    http://www.bv-dunkle-biene.de/

    Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Wir wollen die imkerlichen Kräfte bündeln und Interessenten und Züchter näher zusammenbringen.

  • Das ist vollkommen richtig, aber wenn schon zugegeben wird das mit solchen stichigen Linien gezüchtet wird halte ich das für äußerst bedenklich und unnötig. Das ist doch ein Grund warum die Dunkle verschwunden ist. Es gibt sie immer wieder und vor allem im Frühjahr vor der Durchlenzung wenn die alten Tanten unterwegs sind.

    LG Reinhard

    Lieber Reinhard,

    ich kann Deine Reaktion nicht nachvollziehen. Du möchtest wegen eines Standes, dessen Bienen nicht Deinen Vorstellungen entsprechen gegen eine ganze Unterart, bestehend aus völlig verschiedenen Linien vorgehen, die noch dazu die einzige einheimische Honigbiene darstellt? Das ist schon ganz schön abwegig, meinst Du nicht auch. Ich lade Dich gern zu mir an den Stand ein, um Dir mal einige Völker Dunkle Bienen anzusehen.

    Es gibt verschiedene Restvorkommen der Dunklen Biene, die unterschiedlicher Selektion ausgeliefert waren. Zum Teil durch den Menschen, zum Teil durch die Natur. In diesen liegt ein ungeschätzt großes genetisches Potential für die Imkerei von morgen. Da durch die menschliche Selektion der Honigbienen auf nur wenige für uns relevante Merkmale viele wichtige Eigenschaften der Honigbienen verloren gegangen sind (siehe z.B. VSH). Diese sind in der weniger stark selektierten Mellifera noch vorhanden und können ausgebaut werden. Einige der Herkünfte sind etwas "griffiger" und deshalb nicht für jeden Halter geeignet. Für die Zucht, können diese jedoch einen wichtgen Beitrag zur genetischen Breite liefern, den die Dunklen nach der extremen Verdrängung benötigen. Es gibt absolut keinen Grund, gegen eine Bienenunterart - oder im Fall der Buckfast - Bienenrasse, vorzugehen. Absolut keinen!

    Beste Grüße


    Jan



    1. Vorsitzender im Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.

    http://www.bv-dunkle-biene.de/

    Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Wir wollen die imkerlichen Kräfte bündeln und Interessenten und Züchter näher zusammenbringen.

  • Da das Thema "Nachhaltigkeit" in nahezu aller Munde ist, könnte genau dieser Trend der dunklen, heimischen Biene zu mehr Akzeptanz verhelfen.

    Viele Imker veräußern den gewonnenen Honig. Sollte also die Käuferschaft "nachhaltigen " Honig von einheimischen Bienen wünschen, so könnte dies zu einem Umdenken bei den Imkern führen und damit zu einer weiteren Verbreitung der dunklen Biene.

    Das ganze müsste nur entsprechend beworben und verbreitet werden :)


    VG

    Tom

  • Hallo Jan, vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten. Leider ist die Dunkle in den Köpfen vieler Imker als Stecher drin und deswegen auch die kritischen Fragen. Gern besuche ich Dich mal. Ich weis das Johannes und Du gute Zuchtarbeit leisten - doch ist das bei anderen Züchtern auch so? Und was kommt bei raus wenn dunkle F1 Königinnen mal still umgeweiselt werden oder Ableger gebildet werden mit Nachschaffung? Ihr arbeitet nur mit Reinzuchtköniginnen aber der einfache Imker der mal eben Ableger macht - bleiben die auch friedlich? Ich weis ich bin eine Nervensäge aber wenn Ihr darauf keine Antworten habt wer dann?

    LG Reinhard

  • Hallo Jan, vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten. Leider ist die Dunkle in den Köpfen vieler Imker als Stecher drin und deswegen auch die kritischen Fragen. Gern besuche ich Dich mal. Ich weis das Johannes und Du gute Zuchtarbeit leisten - doch ist das bei anderen Züchtern auch so? Und was kommt bei raus wenn dunkle F1 Königinnen mal still umgeweiselt werden oder Ableger gebildet werden mit Nachschaffung? Ihr arbeitet nur mit Reinzuchtköniginnen aber der einfache Imker der mal eben Ableger macht - bleiben die auch friedlich? Ich weis ich bin eine Nervensäge aber wenn Ihr darauf keine Antworten habt wer dann?

    LG Reinhard

    Hallo Reinhard,


    ich selbst bin kein Züchter. Ich vermehre jedes Jahr von einer oder mehreren als rein geprüften Königinnen. Aber es gibt tatsächlich Züchter im Verband, die auch Selektion betreiben. Aber das sind wenige, da der Bedarf um so vieles größer ist, als das Angebot. Zuchtarbeit ist eine langwierige Sache, man benötigt eine gewisse Kontinuität. Die ist bei der Dunklen nur wenigen bisher vergönnt. Aber alles entwickelt sich stetig weiter.
    Die Furcht vor den F2, F3 ... und so weiter Generationen ist unbegründet. Dazu gibt es auch Untersuchungen, die vor Jahren angestrengt wurden, als man die selben Schauermärchen zur Buckfast Biene erzählte. Das ist zum Glück alles nur die Polemik derer, die ihre Fälle schwinden sehen. Ich habe überwiegend F1 Königinnen hier, standbegattet und einige weiseln tatsächlich um. Ich hatte auch schon F3. Sie unterscheiden sich nicht, sie werden nur immer weniger wie eine Mellifera, in ihren Eigenschaften. Man muss sich vor den Dunklen nicht fürchten, Sie sind ein großer Schatz, der uns beinahe verloren gegangen wäre, wenn es nicht einige Verückte gegeben hätte, die schon vor 25 Jahren angefangen haben, sich ihrer anzunehmen. Wir alle können dafür dankbar sein.

    Beste Grüße


    Jan



    1. Vorsitzender im Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.

    http://www.bv-dunkle-biene.de/

    Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Wir wollen die imkerlichen Kräfte bündeln und Interessenten und Züchter näher zusammenbringen.

  • Vielen Dank Jan für Deine Antworten. das hilft mir weiter und ich werde mal ein oder 2 Völker mit der Dunklen starten um eigene Erfahrungen zu sammeln.

    LG Reinhard

  • Vielen Dank Jan für Deine Antworten. das hilft mir weiter und ich werde mal ein oder 2 Völker mit der Dunklen starten um eigene Erfahrungen zu sammeln.

    LG Reinhard

    Das ist doch eine gute Idee, vielleicht nimmt Dein Nachbar dann ja von Dir Zuchtmaterial, wenn er den Unterschied sieht. Ich empfehle Dir die Schweden, sie sind am umgänglichsten, nach meiner Erfahrung.

    Beste Grüße


    Jan



    1. Vorsitzender im Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.

    http://www.bv-dunkle-biene.de/

    Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene. Wir wollen die imkerlichen Kräfte bündeln und Interessenten und Züchter näher zusammenbringen.

  • Viele Imker veräußern den gewonnenen Honig. Sollte also die Käuferschaft "nachhaltigen " Honig von einheimischen Bienen wünschen, so könnte dies zu einem Umdenken bei den Imkern führen und damit zu einer weiteren Verbreitung der dunklen Biene.

    Das ganze müsste nur entsprechend beworben und verbreitet werden :)

    Welcher Nichtimker weiß denn, daß die hierzulande üblich gehaltenen Honigbienen keine heimischen sind? Ohne ein solches Wissen wird eine solche Forderung nicht erhoben werden.


    Und so mancher Imker wird sich gar nicht bewußt sein, daß die Bienen, die er hält, gar keine heimischen sind, mithin auch gar kein schlechtes (Betrugs-)Gewissen haben, den Honig seiner "heimischen" Bienen einem solch "fordernden" Kunden anzubieten und zu verkaufen.


    Die Entscheidung für die heimische Dunkle Biene ist mithin eine Sache des Enthusiasmus' des jeweiligen Imkers. Der (Honig-)Markt wird kaum zu ihrer Verbreitung beitragen, zumal die Honigqualität sich bei den einzelnen Unterarten bzw. Rassen nicht unterscheiden dürfte (las jedenfalls noch nie etwas davon).

  • Die Honigqualität ist bei der Medienpräsenz der Nachhaltigkeit m.E. sekundär.

    Kunden die sich für den Imker um die Ecke entscheiden tun dies nicht aus monetären Gründen, sondern um zu wissen, woher der Honig kommt oder den lokalen Imker und die lokale Umwelt zu unterstützen.

    Diese Erfahrung mache ich zumindest bisher. Anders wäre ein höherer Preis als im Discounter auch kaum zu begründen.


    VG

    Tom

  • ...Die Entscheidung für die heimische Dunkle Biene ist mithin eine Sache des Enthusiasmus' des jeweiligen Imkers. Der (Honig-)Markt wird kaum zu ihrer Verbreitung beitragen, zumal die Honigqualität sich bei den einzelnen Unterarten bzw. Rassen nicht unterscheiden dürfte (las jedenfalls noch nie etwas davon).

    Die Qualität vielleicht nicht, bzw. nicht merkbar für den Menschen. Es gibt aber wissenschaftliche Hinweise, dass die Dunklen von anderen und von mehr Pflanzenarten sammeln als andere Unterarten. Das könnte der Artenvielfalt und somit auch der Nachhaltigkeit dienen.


    Grüße

  • ...Und so mancher Imker wird sich gar nicht bewußt sein, daß die Bienen, die er hält, gar keine heimischen sind,..


    Die Entscheidung für die heimische Dunkle Biene ist mithin eine Sache des Enthusiasmus' des jeweiligen Imkers....

    Ganz genau so sehe ich das auch. Allein das Bewusstsein, das Sehen, das es sich um die heimische Dunkle Biene handelt (siehe Profilbild von Kieler_imker ), macht die Begeisterung aus. :)


    LG

    Kai

  • Ganz genau so sehe ich das auch. Allein das Bewusstsein, das Sehen, das es sich um die heimische Dunkle Biene handelt (siehe Profilbild von Kieler_imker ), macht die Begeisterung aus. :)


    LG

    Kai

    Aber wir müssen auch mal versuchen nicht nur wie ein Imker zu denken ;)


    VG

    Tom

  • Ich verstehe nicht ganz warum immer von der heimischen Dunklen Biene geredet wird. So wie ich das verstanden habe, versucht man doch aus skandinavischen Linien nach zu ziehen oder geht die Zucht auf deutsche Linien zurück die nur mit Skandinavischen ergänzt wurden?

    Versteht mich nicht falsch ich finde es gut das versucht wird diese Honigbienenart zu erhalten und zu vermehren. Die Eigenschaften wie z.B. der größere Flugkreis können sie durchaus zu einer echten Alternative werden lassen. Nur denke ich das Carnica basierte Landbienen die "Heimische Deutsche Biene" sind und nicht die Dunkle.

    Gruß

    Andreas

  • Die Dunkle ist die ursprünglich in Deutschland heimische Biene, die Carnica wurde seinerzeit mit Östereich „Hein ins Reich“ geholt... und hat die Dunkle verdrängt.

  • Ich verstehe nicht ganz warum immer von der heimischen Dunklen Biene geredet wird. ....

    Die Dunkle Unterart (Apis mellifera mellifera) war in Mitteleuropa und somit in Deutschland die einzige ursprünglich heimische Biene.


    Alle anderen Honigbienen, die hier eingeführt wurden, sind nicht heimisch. Sie kommen hier von Natur aus nicht vor.


    LG

    Kai

  • …die Carnica … hat die Dunkle verdrängt.

    die Formulierung liest man ja öfter, aber sie gefällt mir nicht.

    Der Mensch hat die dunkle durch die Carnica ersetzt und die dunkle ausgerottet (in Deutschland). Einen fairen Verdrängungswettbewerb gab es nicht.

    Nördlich der Alpen hätte diesen die dunkle nämlich gewonnen 😊

  • In der Natur vielleicht, aber nicht in imkerlicher Betreuung. Da hat man sich aus Gründen anders entschieden.

  • … Allein das Bewusstsein, das Sehen, das es sich um die heimische Dunkle Biene handelt … , macht die Begeisterung aus. :)

    Per se gebe ich dir ja Recht, aber bezüglich der meisten meiner Mitmenschen bin ich froh, wenn sie Biene - Wespe - Hornisse unterscheiden können.

    Sorry für meinen Pessimismus.