Ich hatte Euch zugesagt, Bilder von der Vergasung einzustellen und die Funktions- und Baubeschreibung zu liefern.
Zuerst die Bilderklärungen:
Auf dem ersten Bild seht Ihr in der Totalen den Imkerfreund vor meinem Korbstand in Aktion. Als Sicherheitskleidung trägt er unter dem Schleier eine Atemschutzmaske, die zugelassen ist gegen Gase und Dämpfe. Außerdem trägt er Lederhandschuhe. Rechts steht eine kleine Gasflasche, an der ein Handbrenner angeschlossen ist. Weil der Anschlussschlauch des kleinen Blasebalges zu kurz war für die obere Etage meines Bienenzaunes, steht dieser auf einer Zarge und muss per Hand betrieben werden. (schlecht) Eigentlich benötigt man die Hand zum Halten des "Vergasers". An Werkzeug braucht man noch eine Kombizange und natürlich einen Anzünder für das Gas.
Auf dem zweiten Bild ist zu sehen, dass das Vergaserrohr unter den Korb geschoben und mit dem um den Korb herumliegenden Tuchstreifen abgedichtet ist. Da es auf der Bohle aufliegt, hält es auch so. Deutlich ist aber auf der Bohle ein dunkler Fleck zu sehen. Aber schon beim Korb ist die Temperatur so niedrig, dass das trockene Tuch sich nicht entzündet. Für die häufigere Nutzung werde ich mir eine feuerfeste Unterlage beschaffen (Heizungsbauer), damit mir kein Brandschaden entsteht. Mit dem Gasbrenner wird gerade das senkrechte Kupferrohr, in dem die OxS-Tablette liegt, erwärmt.
Das dritte Bild zeigt den Einsatz bei einer Segeberger Beute ohne Flugbrett. Eigentlich würde man mit der einen Hand den "Vergaser" am hölzernen Griff hochhalten und mit der zweiten Hand den Gasbrenner bedienen. Gerade wird zuerst das längere Rohr erwärmt, damit sich darin die Gase nicht schon auskristallisieren und damit die vordere Düse verstopfen und nicht das Innnere der Beute erreichen. Anschließend wird das senkrechte Rohr erhitzt und besonders der untere Bereich, in dem die OxS-Tablette liegt. Während dieser Zeit wird der Blasebalg laufend langsam betätigt. bald quellen aus allen Fugen der Beute und des Bodens die weißen Gase hervor. Es erfolgt eine raumfüllende Verteilung. Nach wenigen Augenblicken ist der Vorgang des Vergasens beendet. Der Einflugbereich wurde mit Schaumstoffstreifen abgedichtet und natürlich auch das Bodengitter verschlossen.
Der Imkerfreund hat nur Holzböden, in die er von hinten jeweils ein Loch gebohrt hat, durch das er das Kupferrohr hineinschiebt.
Und nun zum Aufbau:
Der "Vergaser" besteht aus Kupferrohren. Die waagerechten Rohre haben einen Durchmesser von 15 mm und das senkrechte von 18 mm. Die beiden T-Stücke gibt es ebenfalls passend, so dass die Teile nur noch hartgelötet werden müssen. Das senkrechte Rohr ist unten durch zusammen quetschen und Löten verschlossen. Es gibt aber auch passende Kappen zum Auflöten, die ich vorziehen würde. Oben auf das 18er Rohr ist ein Rohrstück darauf geschoben (nicht verlötet!), dessen zusammen gequetschter Teil zugelötet ist und gleichzeitig zum Anfassen mit der Kombizange dient. (heiß > Lederhandschuhe und Zange!) Nach dem Abziehen dieser Verschlusskappe wird jeweils eine OxS-Tablette dort hinein geworfen.
Das hintere waagerechte Anschlussrohr für den Blasebalg (mit einer Rohrschelle befestigt) ist mit zwei passenden Holzschalen als Griff umhüllt. Befestigen kann man diesen mit zwei Rohrschellen. Der Griff darf ruhig etwas länger als bei dem Muster sein.
Das Ausblasrohr ist lediglich in das T-Stück gesteckt, damit es auswechselbar ist. Zum Einstecken in Holzböden von hinten durch ein Loch genügt ein ca. 20 cm langes Rohrstück. Für die Begasung durch den Flugschlitz bei Kunststoffbeuten oder unter den Körben sollte das Rohr ungefähr doppelt so lang sein, damit die Spitze nicht zu heiß für das Stroh oder den Kunststoff wird. Außerdem wird das Ausblasende flach zusammen gedrückt, jedoch nicht zu eng; denn sonst setzen sich vorne die OxS-Kristalle ab und verstopfen die Ausblasöffnung. Nach jedem Vorgang schau man die Düse kurz an, ob sie noch frei ist. Anderenfalls etwas erwärmen und mit dem Blasebalg pusten. Und schon geht es zum nächsten Volk.
Nach rund 15 - 20 Minuten können dann auch die Fluglöcher und der Boden wieder geöffnet werden.
Die Tabletten können aus OxS-Pulver selbst gemacht werden. Eine "Handpresse" gibt es z.B. bei http://www.imkereibedarf-muhr.de (incl. Versandkosten 46,80 Euro). Da die Teile der Presse genau gedreht und aus besonderem Stahl sein müssen, wird es nicht Jederman gelingen, diese selbst herzustellen. Das Pulver gibt es auf Nachfrage fast bei jedem Imkereibedarfshändler. (0,5 kg kosten ca. 5 - 6 Euro)
Das Unterteil und Formrohr der Presse stellt man auf ein Stück Eisen (z.B. einen liegenden Vorschlaghammer), füllt mit einem Messlöffel (liegt bei Muhr bei) oben OxS-Pulver hinein, steckt dem Stempel in das Formrohr und schlägt einige Male mit einem Fäustel darauf. Wenn man dann das Formrohr hoch hebt, so sitzt unten die Tablette darin. Deshalb steckt man das Formrohr in ein anderes Stückchen Rohr, schlägt leicht auf den Stempel und schon liegt unten die Tablette. Davon benötigt man pro Volk eine, kommt also mit einem Gläschen voll schon recht lange aus, außer jemand hat hunderte Völker.
Oh, die Beschreibung ist doch ganz schön lang und hat auch entsprechend gedauert.
Viel Erfolg beim Bauen und Begasen.
Wolfgang, der Heidjer
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[attachment=1]Begasung Kanitzkorb, 1.JPG[/attachment]