Melizitose 2018

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Melizitose 2018

Beitrag von Ape » Mittwoch 22. August 2018, 22:17

Hallo Forengemeinde,

ich hatte dieses Jahr gedacht, die Einträge sind durch. Zwischen Mitte und Ende Juli bis Anfang August waren die Völker am verhungern. Man musste Füttern. Die Jahresentwicklung lies vermuten, dass es in den Waldtrachtgebieten auch keine ergibige Tracht mehr geben wird. Imkerpate war gleicher Meinung. Daher gab es eine Portion Futter von ca. 5 Kilo und dann die erste AS-Behandlung. Dummerweise trat dann massiver Eintrag ein. Ich war schon skeptisch, wo das auf einmal herkam und mich überkamen komische Gedanken. Es bestätigte sich bei Beobachtung am Flugloch. Starker Flugbetrieb am frühen Morgen bis in den Abend hinnein. Teils schwarze, abgearbeitete Bienen mit erhöhtern Totenfall vor den Fluglöchern (Waldtrachtkrankheit der nicht ansteckenden Schwarzsucht), weiße Zuckerkristalle (nicht klebend) am Flugloch und davor. Das Gewicht verdächtig hoch. Ein Blick auf die Waben bestätigte den Verdacht. Melizitose, und das in rauen Mengen. Der Schrecken hat einen Namen. Neben der Varroa ist Melizitose-Eintrag um diese Jahreszeit ein Problem, dass einem den Völkerbestand kosten kann. Wer auf diesem Honig Völker überwintern lässt, wir mit ziemlicher Wahrscheinlich im Frühjahr ein Bild des Krauens in den Beuten vorfinden. Die Ruhr wird die Völker dahin raffen. Habe das beim Paten 2016 gesehen, der Anblick ist niederschmetternd. Daher muss gehandelt werden.
Als Info: Auch die Imker der Umgebung haben mit diesem Problem zu kämpfen. Es sucht in unserer Ecke aktuell Jeden heim aktuell.

Prinzipiell kann man sagen, der Honig ist geschmacklich eine Bombe. Wenn man ihn aus den Waben bekommt. Für mich ist es das erste Mal, das ich damit konfrontiert werde.
Ich habe viel darüber gelesen und gesehen. Anfänglich lässt sich der Honig noch schleudern, aber da ist er meist noch nicht reif. Teilweise beginnt er innerhalb weniger Tage in den Waben zu kristalisieren. Er wird sandig bis zementartig fest. Man bekommt ihn am Ende nicht mehr heraus.
Ein Umtragen ist jedoch möglich. Dazu werden die Waben entnommen, gewässert, und dann wie beim Ausschlecken lassen über eine Leerzarge aufgesetzt. Die Bienen tragen den Inhalt um, dabei wird er erneut mit Enzymen versetzt und erneut eingelagert. Danach ist er schleuderbar, ggf. muss man es mehrmals umtragen lassen. Voraussetzung sind jedoch starke Völker und Trachtende, und natürlich ausreichend leere Waben. Diese habe ich leider nicht in rauen Mengen, da erst seit 2017 aktiv.

Ich bin nun am Überlegen, wie ich damit umgehe. Ich wollte zweiräumig überwintern. Nun sind die obenren Räume weitgehend schon mit Melizitosehonig vollgetragen. Viele Waben haben einen dicken Honigkranz aus flüssigem Blütenhonig und diversen Honigtau. Darunter jedoch alles Melizitose, ungefähr hälfte bis zwei drittel der Wabenflächen. Die Waben selbst sind sehr schwer. Der Honig ist durch die AS nicht mehr für den Verzehr geeignet. Ein weiteres Problem ist, dass gerade bei den starken Völkern das Brutnest schon stark eingeschränkt wird. Jede freie Zelle wird vollgetragen. Um diese Zeit tötlich für das Volk. Wie sollen da die Winterbienen in ausreichender Anzahl erbrütet werden? :?


Plan 1:

Waben weiterhin volltragen lassen (ggf. Mittelwände einsetzen, diese werden höchstwahrscheinlich noch gut ausgebaut), bis die Tracht beendet ist und dann auf einem Raum einengen, Honigwaben entnehmen und einlagern für das nächste Frühjahr zur Fütterung von Jungvölkern. Aus der verbleibenden Zarge ebenfalls ggf. noch vorhandene Honigwaben entfernen. Ein paar leere Waben noch in die verbleibende Zarge geben (nur begrenzt verfügbar). Dann in 3-4 Portionen mit Bedacht auffüttern, ca. 12-max. 15kg. Dies wird sich, auch wegen hoffentlich noch angelegter Brut bis Ende September hinziehen. Dann eben Einwinterung auf einem Raum. Funktioniert auch.


Plan 2:
Regelmäßig Waben entnehmen, was zu schleudern geht, abschleudern, dann wieder dem Volk geben. Der Freigewordene Platz wird wieder vollgetragen.
Dann weiter mit Plan 1 nach Ende der Tracht.

Plan 3:
Nach Trachtende umtragen lassen und dann abschleudern. Problem: Die begrenzte Anzahl an leeren Waben und die vorausgegangen AS-Behandlung. Honig nur für die Fütterung der Jungvölker im nächsten Sommer nutzbar. Daher nicht so sinnvoll. Abarbeitung der Bienen ggf. enorm.


Plan 4:
Imkerpate rät dazu, immer etwas flüssig zu füttern (1:1) Zuckerwasser, damit die Bienen die Melizitose vermengen und von der Trachtquelle ablassen. Danach weiter mit Plan 1.
Ich bin etwas spektisch, da gerade bei schon stark eingeengtem Brutfeld/-Nest stelle ich mir das kontraproduktiv vor.
ggf. wäre das in Kombination mit Mittelwänden sinnvoll.


Plan 5:
Radikales Vorgehen. Zweite Zarge mit Melizitosewaben runter (am besten gegen Ende der Tracht), Zarge mit Mittelwänden aufsetzen, Massiv füttern (5-7, max. 10 Liter auf einmal). Durch den Futterdruck werden die Mittelwände ausgebaut. Funktioniert normalerweise, jedoch um diese Jahreszeit? Damit würden die Bienen ggf. von der Quelle ablassen und Winterfutter einlagern, ggf. den Brutbereich "beräumen" und die geringeren Mengen Melizitose nach oben umlagern. Wenn nicht, dann manuelle Entnahme. Die Bienen würden aber auch hier enorm abgearbeitet denke ich. Vorteil: Einwinterung auf zwei Räumen wieder möglich.


Plan 6:
?



Am Wochende soll bei uns ein Kälteeinbruch mit Regen eintreten. Man kann jetzt nur hoffen, dass die Tracht damit endet und die Läuse so das zeitliche segnen.

Meine Fragen in die Runde zur Diskussion:
Wie würdet ihr mit dieser Situation umgehen? Hattet ihr diesen Fall schon?

Danke euch für rege und ergiebige Geistesergüsse. Ich bin wirklich dankbar für jeden Tipp. Bin mir unsicher, wie ich damit umgehen soll. Mein Pate ist leider nur bedingt verfügbar, daher bin ich weitestgehend auf mich gestellt und Uhr tickt bis zur Einwinterung.

Gruß
Steve

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Re: Melizitose 2018

Beitrag von Ape » Dienstag 4. September 2018, 14:02

Hallo zusammen,

will an dieser Stelle ein Feedback abgeben.

Am letzten Wochenende (25./26.08.) ist der Eintrag durch einen Kälteschub zum Erliegen gekommen. Wir hatten knapp 4-6°C in den Nächten, dazu Regen. Nun gut eine Woche später immer noch keine Einträge. Die Bienen suchen wie verrückt, gehen auf alles was süß riecht. Ein eindeutiges Zeichen, dass es nichts mehr zu holen.
Nun ist der Moment gekommen, die Situation zu bewerten und zu bereinigen.

Mein Vorgehen und warum ich was, wie gemacht habe.

Gut eine Woche vor dem Eintragsstopp hatte ich in der unten Zarge die Brut „gesammelt“. Diese war nur auf einigen Waben, da schon recht eingeschnürt. Ein bis zwei bereits mal bebrütete Leerwaben an den Brutsitz gehängt, Links und rechts Futter- und Pollenwabe. In der unteren Zarge waren dann nur 7-9 Waben von 11. In der zweiten oberen Zarge habe ich die Melizitosewaben gesammelt, einige noch Schleuderbare hatte ich entnommen, um diese dann u.a. für einen späteren Tausch zur Auffütterung zu nutzen. Der abgeschleuderte Honig wird im nächsten Jahr als Trachtlückenfütterung genutzt (nicht anders nutzbar wegen AS-Behandlung). Zwischenzeitlich habe ich sehr dünn (1:1 Zuckerwasser, lieber etwas mehr Wasser statt Zucker) gefüttert, Abstand alle 2-3 Tage nicht mehr wie einen Liter. Klingt auf den ersten Blick unlogisch, ABER es hat seinen Sinn. Erstens sollen die Bienen vom Sammeln abgehalten werden (funktioniert nicht immer, denn wenn sie sich erst einmal auf eine Quelle eingeflogen haben, bekommt man sie kaum davon los (Vor allem nicht bei Waldtrachten). Aber der Hauptsinn dahinter ist, dass der Waldhonig und vor allem die Melizitose vermischt wird und somit auch der Mineralstoffgehalt pro Einheit sinkt. Die Zuckerkristalle können durch die höhere Flüssigkeitszufuhr ebenfalls gelöst werden. Wer schon einmal Melizitoseeintrag hatte, der wird sich wundern wie voll der Boden mit trockenen Zuckerkristallen ist. Erschreckend!
Gegen die Methode des Umtragens und späteren Ausschleuderns haben für mich zwei Argumente gesprochen. Erstens wollte ich die Bienen nicht noch weiter abarbeiten und zweitens die fortgeschrittene Jahreszeit. Man benötigt sehr lange, um Melizitose umtragen zu lassen. Dies wäre erst jetzt möglich gewesen und dann wären wieder zwei bis drei Wochen ins Land gegangen, für mich definitiv zu spät.

Nach versiegen des Eintrages habe ich nun gestern eine Bereinigung vorgenommen. Habe kurz das Brutnest kontrolliert (Nur auf 3 Waben zu finden, echt wenig aber wohl der Jahreszeit entsprechend), im unteren Bereich 7-8 Waben gelassen (je nach Stärke) und statt auf eine Zarge einzuengen und den Kasten voll zu machen auch die Zweite belassen, die Melizitosewaben so gut es ging entnommen, und an die Stelle leere bzw. Halbausgebaute (hier und da eine Mittelwand, wird durch den Futterdruck noch ausgebaut) ebenfalls auf 7-8 Waben gesetzt. Hier soll das Winterfutter rein. Der Zehrweg sollte sich nach oben orientieren und damit relativ „sauber“ sein. Die Mischung der Futterkränze um den eigentlich noch vorhandenen Brutbereich kann man schlecht abschätzen. Derzeit sind diese noch nicht so groß, so dass wohl etwas noch verbrütet wird (so die Hoffnung) und nach oben hin größtenteils verdauungsfähiges Futter sein sollte. Vor der Einwinterung kann man noch ein bis zwei bereits bebrütete Leerwaben an den Sitz der Traube hängen (wenn vorhanden), um den luftigen Raum zum Überwintern zu generieren, falls nicht mehr vorhanden. Zu viel Futter zwischen der Wintertraube ich ebenfalls nicht gut.

Die Vorgehensweise, statt auf einer Zarge horizontal voll mit zwei Zargen mit weniger Waben in der vertikalen zu überwintern, ist nicht neu. Mein Nachbarimker tätigt das ebenfalls. Auch in diverser Literatur wird dies praktiziert. Im direkten Vergleich werde ich sehen, wie sich die Überwinterung gestaltet, da ich auch Völker auf nur einer Zarge überwintern werde, wie voriges Jahr.

Die entnommen Melizitosewaben werden eingelagert und im Frühjahr, wenn wieder Flugwetter herrscht, als Trachtlückenfutter genutzt bzw. für die Ablegerbildung.


Soweit, so gut. Nun heißt es weiter füttern, aber mit Bedacht. Es kommt noch was vom Springkraut rein, ebenso etwas Efeu. Nicht die Mengen, aber man sollte dies beachten. Den Milbenstand ebenfalls im Auge behalten und hoffen, dass rund um den Wintersitz nicht zu viel Wald- und Melizitosehonig eingelagert wurde. Der Rest liegt dann bei den Bienen und dem Wetter.

Ich werde berichten, wie es weiter geht und ging.

Grüße
Steve

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Re: Melizitose 2018

Beitrag von Ape » Donnerstag 6. September 2018, 21:56

Status:
Habe heute noch einmal rings um das Brutnest der Völker noch leere Waben angeordnet. Die Königinnen gehen zwar nicht mehr auf diese Waben zum Stiften, aber dieser Raum wird genutzt um nahe des Wintersitzes Futter einzulagern. Durch die Fütterung sollte da Zucker hingelangen, von dem die Bienen zu Beginn des Winters zehren können. An die noch vorhandene Melizitose und den Waldhonig sollten Sie so erst später gelangen, wenn im Frühjahr wieder Flugwetter herrscht. Es bleibt spannend.

LG

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