Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Alles, was mit der einzigen in Mitteleuropa heimischen Biene zu tun hat

Moderator: Johannes

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Johannes
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Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von Johannes » Sonntag 14. Juni 2015, 19:53

Hallo zusammen,

es ist überaus erfreulich, wie groß das Interesse an der Dunklen Biene skandinavischer Herkunft ist. Wie im Internet auch außerhalb unseres Forums zu lesen ist, werden Fragen nach der imkerlichen Beurteilung dieser skandinavischer Linien laut. Deshalb habe ich dieses neue Thema eröffnet um Erfahrungen zu sammeln. Ich bitte euch, euch daran zu beteiligen.

Dann will ich mal von meinen Erfahrungen mit der Dunklen berichten.

Es ist mMn in keinster Weise so, dass man mit der Vermessung eines Volkes auf die Reinheit der ganzen Linie schließen darf! Bei jeder freien Anpaarung kann es zu Verkreuzungen kommen. Deshalb vertrete ich den Standpunkt, dass man jedes potentielle Zuchtvolk neben der rein optischen Beurteilung auch noch vermessen sollte! Es gibt auf jeden Fall in den skandinavischen Ländern vorzügliches Zuchtmaterial. Aber etwas Glück gehört eben auch dazu und nicht jede importierte Königin muss automatisch rein sein!

Meine reinen Zuchtvölker, sowie auch die F1-Völker zeichnen sich durch angenehme Sanftmut aus. Natürlich sind sie im Vergleich mit einer Buckfast auffallend schneller auf den Waben unterwegs. Aber man lernt sehr schnell und gut mit dieser umganssprachlichen Wabenflüchtigkeit umzugehen.
Einige wenige F2-Völker habe ich aktuell auch. Diese sind auch nicht aggressiv. Allerdings sind einige dabei, wo man schon mal von Bienen angeflogen wird. Von Attacken kann jedoch keine Rede sein.
Zu bedenken wäre hier auch, dass jeder Imker mit seiner persönlichen Art und Betriebsweise zum Verhalten seiner Bienen beiträgt. Auch der Standort, das Wetter oder die Trachtsituation wirken sich auf das Verhalten einer jeden Bienenrasse aus!
Zu meiner eigenen Standbegattung sei noch erwähnt, dass ich genau wie jeder andere Kollege bei seiner Standbegattung keinen Einfluss auf alle Drohnen haben kann. Die rein optische Reinheit, sowie auch in gewissen Grenzen das Verhalten, schwanken zwischen den Serien. Dies liegt mitunter an Wanderimkern, welche einige Trachten hier anwandern.

Die Volksentwicklung meiner skandinavischen Völker finde ich bemerkenswert.
In diesem seltsamen Winter hatte ich erstmalig einige schwächere Völker, die mir deutlicher als jedes starke Volk zeigten, welche Lebenskraft in dieser Biene steckt. Einige wenige besetzten nach dem Winter z.T. nur 3 Waben. Aber binnen weniger Wochen sind sie aus eigener Kraft erstarkt. Eine Honigernte zur Obstblüte war sogar bei diesen Völkern möglich. Zwar hatte ich mir nach der ersten Durchsicht echt Sorgen um diese Völker gemacht. Diese Sorgen waren aber schlussendlich unbegründet.
Meine 2-zargig (Zander) überwinterten Völker besetzen zum jetzigen Zeitpunkt 4-5 Zargen und lieferten schon Bienen und Brutwaben für Sammelbrutableger und diverse Kunstschwärme.
An dieser Stelle kann ich auch mal erwähnen, dass die skandinavischen Dunklen hervorragend für die Frühtracht und alle Folgetrachten geeignet sind. Natürlich macht es keinen Sinn jetzt hier mit Kilo-Angaben um sich zu werfen. Das wäre ja niemals vergleichbar. Ich kann aber guten Gewissens sagen, dass meine F1-Völker mindestens genau so viel Honig einbringen, wie meine Carnicavölker in früheren Jahren. Abstriche musste ich keine machen. Zum Ertrag meiner Reinzuchtvölker kann ich natürlich nichts sagen. Diese Königinnen werden in M+Einheiten geschont und die Völker regelmäßig geschröpft. Die sind viel zu kostbar für ein Wirtschaftsvolk. :)

Zum Schwarmverhalten ist zu sagen, dass es natürlich vorhanden ist. ... Wäre ja auch schlimm, wenn nicht! ;) Bei meinen Zuchtvölkern im M+ gibt es gar keine Probleme. Diese Völker werden regelmäßig geschröpft. Mit meinen F1-Völkern habe ich auch nicht mehr Arbeit, als mit jeder anderen Biene. Sobald ich offene Weiselzellen sehe, teile ich das Volk in Brutling und Flugling für die Zeit von 2-3 Wochen, je nach Trachtsituation und Stärke. Nach dieser Aktion hat sich das Schwärmen für das laufende Jahr auch erledigt und die Sammelleistung bleibt erhalten. Natürlich passiert es auch bei mir, dass mal ein Schwarm abgeht. Das liegt aber meist daran, dass ich nur am Wochenende zu Hause bei meinen Bienen sein kann und mitunter es zeitlich einfach nicht schaffe, alle Völker zu überprüfen. ... Man möge es mir verzeihen.
Zur Schwarmkontrolle sei gesagt, dass ich mich ausschließlich auf die Kippkontrolle beschränke. Die Zeit alle Völker wabenweise durchzusehen, habe ich nicht. In der Regel genügt diese Kontrolle auch immer. Ein zusätzlicher Blick auf den Wildbau im hohen Boden ist natürlich auch nie verkehrt.

Das vielerorts angesprochene Thema Varroa ist natürlich auch bei der Dunklen aktuell. Selbstverständlich lebt die Milbe auch in Völkern unserer Dunklen Biene und kann diese zum Zusammenbruch bringen. Eine verantwortungsbewusste Behandlung ist unablässig. Mir scheint aber, dass die Dunkle den Varroabefall unter günstigen Umständen etwas besser verkraften kann als andere Rassen. Dies führe ich auf die erhöhte Lebensdauer jeder Einzelbiene zurück. Ausfälle können somit eine gewisse Zeit überbrückt werden.
Die längere Brutpause im Winter macht der Varroa zusätzlich das Leben schwer und ermöglicht eine wirkungsvolle Winterbehandlung.
Von einer Varroaresistenz zu sprechen, halte ich jedoch schlicht für falsch und unverantwortlich!


Abschließend kann ich sagen, dass ich es nicht bereue, mich für die skandinavischen Herkünfte entschieden zu haben. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich zwar dieser Biene treu bleiben werde, aber bei Gelegenheit auch gerne Erfahrungen mit anderen Herkünften sammeln möchte.

LG Johannes


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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Sonntag 14. Juni 2015, 21:10

HAllo Johannes,

ganz herzlichen Dank für dieses neue, hoch interessante Thema. Ja, es wird Zeit, nach Jahren der Arbeit mit der skandinavischen Dunklen Biene mehr über sie zu erfahren. Dies will ich hiermit gerne tun und mache das so ähnlich wie Du, auf de Gefahr hin mich zu wiederholen, denn meine Beobachtungen stimmen mit Deinen überein.

Reinheit
Die meisten meiner Original schwedischen Völker der unterschiedlichsten Linien waren absolut rein. Manche aber zeigten deutliche Hybrideinflüsse der Ligustica (z. B. meine Sikas, meine Bjurholm). Du hast völlig Recht, auch wenn die Linien insgesamt sehr homogen sind, so heißt das nicht, dass auch jede Königin rein verpaart sein muss. Es gibt hier (leider) immer mal Ausreißer, von daher sind auch die Schwedinnen stets zu vermessen. Bei den original Norwegischen und Finnischen Königinnen habe ich ausnahmslos reine Königinnen erhalten.

Sanftmut
Die Sanftmut der Skandinavischen Dunklen Biene ist durchweg (mit einer Ausnahme) spitze! Jedeer Imker, auch ich, ist anfangs wirklich überrascht von der außergewöhnlichen Sanftmut der Dunklen Biene aus Skandinavien. Ich möchte behaupten, diese Bienen sind sanfter als die Carnica, von denen ich schon recht stichige kennengelernt habe. Die einzige Ausnahme der reinen Dunklen Biene, welche ich als nicht ganz so extrem sanft (aber immer noch gut händelbar) erlebt habe, ist die Dunkle Biene aus Flekkefjord. Die andere Herkunft aus Norwegen, die Norge, ist dagegen wieder extrem sanft. Da staune man, was Zuchtauslese auf Sanftmut erreichen kann! Besipiel: bei der Durchsicht von 10 Vollvölkern zur Bildung eines Sammelbrutablegers habe ich keinen einzigen Stich erhalten. Ich arbeite stets ohne Schleier und Handschuhe!

Wabenflüchtigkeit
Alle Dunkle Bienen sind Läuferinnen auf den Waben, damit müssen wir leider leben. Es ist das typische Erkennungszeichen der Dunklen Biene.

Robustheit
Selbst kleinste Volkseinheiten (ein Männerfaust Bienen etwa) sind imstande, den Winter und das Frühjahr zu überstehen. Duie Dunkle Biene ist langlebig, zäh, flugkräftig, und die Frühjahrsentwicklung ist nach meiner Einschätzung soweit gut, um eine vorzeigbare Frühtracht einzufahren. Für die Honigtracht würde ich aber F1 zum Einsatz empfehlen; Reinzuchtvölker sind hierfür aber zu schade. Und gerade die echte F1. also Mellifera x Carnica ist in der Frühtracht absolut spitze. Skandinavische Dunkle Bienwen sind imstande, sehr große Völker aufzubauen.

Schwarmtrieb
Nach meinen Erfahrungen sind die Dunklen Linien aus Skandinavien mit einem mäßigen aber gesunden Schwarmtrieb ausgestattet. In guten Jahren hilft 1-2 maliges Schröpfen, um den Schwarmtrieb zu nehmen. In schlechten Jahren wie 2015 tritt gar keine Schwarmlust auf. Von meinen Völkern wollte dieses Jahr nur 1 Volk der Dunklen Biene F1 schwärmen, alle anderen zeigen keine Schwarmgedanken. Bis heute! Die Dunkle Biene aus dem Norden zeigt sich damit sehr angepasst!

Varroa
Wie jede andere Biene Europas auch hat die Nordbiene keine Chance gegen sie anzukommen. Aberr: aufgrund der längeren Brutpause im Winter hat der Imker ein etwas größeres Zeitfenster zur Behandlung. Diese ist absolut nötig!

Selbstversorger
Die Dunkle Biene kann man gut als Selbstversorgerin bezeichnen. Kaum wird es bei ihr zu Hungererscheinungen kommen. Dies betrifft auch und vor allem das Einlagern von Pollen. Gerade heute habe ich wieder bei einem schwedischen Volk viele Pollenbretter entdeckt; Vorrat für schlechte Zeiten und für die Erzeugung von Winterbienen.

Insgesamt
... ist die Dunkle Biene Skandinaviens also eine sehr angenehme, robuste, an unsere Verhältnisse angepasste Biene, die dem Imker eine gute Tracht, insbesondere in der F1, einbringen kann. Neben ihrer Reinheit ist es vor allem ihre außergewöhnliche Sanftmut und Friedfertigkeit, die mir so gut gefällt. Alle Herkünfte aus Schweden sind lieb, und auch die Norge äußerst sanft. Lediglich die Flekkefjord ist etwas temperamentvoller. Hier sollte man auf die Altbienen achtgeben, bei schlechtem Wetter.

Insgesamt ist die Dunkle Biene Skandinaviens DIE Biene für uns Imker in Deutschland. Sie ist die erste Wahl, wenn es darum geht, eine reine Dunkle Biene mit optimalen Eigenschaften nach Deutschland zu re-importieren. Ich spreche bewusst vom Re-Import, denn die Dunkle Biene Skandinaviens hat ja auf ihrer Wanderung dorthin auch Deutschland durchquert. Das sollten wir nie vergessen.

Über weitere Berichte von Euch wütrde ich mich freuen.

LG
Kai
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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von elk030 » Sonntag 14. Juni 2015, 23:10

Die Dunkle Biene hat mein Herz gwonnen.
Es ist mir eine Freude. mit ihr zu arbeiten.
Elk

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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Montag 15. Juni 2015, 17:35

HAllo Elk,

Du hast es kurz und knackig auf den Punkt gebracht. 8)

Eine Eigenschaft habe ich vergessen aufzuzählen; viele finden sie schön: Die Dunkle Biene ist schwarz. :P

LG
Kai
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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Donnerstag 18. Juni 2015, 17:52

Na, das ist ja interessant: ähnlich Fragen werden derzeit auch von anderen diskutiert, aber in entgegensetzte Richtung, nämlich nach rückwärts gewandt. Meine Statements sind folgende:

Zitat: "Importierte Bienen zu vermessen und daraus Schlüsse auf die Reinheit der Ganzen Bestände zu ziehen ist lächerlich"
Antwort: na, welche Bienen denn sonst, wenn nicht diese importierten Bienen untersuchen!? Wenn wir die Dunkle Biene in Deutschland halten und vermehren wollen, müssen natürlich gerade diese Bienen vermessen werden!

Zitat: "Wir können ja nicht immer Königinnen einführen!!"
Antwort: Warum eigentlich nicht? Was spricht gegen regelmäßige Einfuhren aus den Stammpopulationen? Gar nichts. Im Gegenteil; wir unterstützen die dortigen Züchter, wenn wir bei denen auch überschüssiges Material kaufen.

Zitat: "Es geht auch nicht nur um die Vermessung, da gibt es viel viel mehr Aspekte."
Antwort: Richtig, aber die Grundlage ist die Messung zur Feststellung der Reinheit der eingeführten Dunklen Biene.

Fazit: Ich habe den Eindruck, dass manche "Freunde der Dunklen Biene" in der sog. "IG Dunkle Biene" kein Interesse an der Dunklen Biene haben, sondern an einer wie auch immer gearteten Landbiene. Dies ist natürlich legitim, hat aber nichts mehr mit unseren Interessen gemein. 8)

LG
Kai
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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von Johannes » Donnerstag 18. Juni 2015, 18:42

imkerforum-nordbiene hat geschrieben:...Zitat: "Importierte Bienen zu vermessen und daraus Schlüsse auf die Reinheit der Ganzen Bestände zu ziehen ist lächerlich"
Antwort: na, welche Bienen denn sonst, wenn nicht diese importierten Bienen untersuchen!? Wenn wir die Dunkle Biene in Deutschland halten und vermehren wollen, müssen natürlich gerade diese Bienen vermessen werden!...
Ja, so ist es! Einzig das Vermessen in Kombination mit der optischen Beurteilung des potentiellen Zuchtvolkes rechtfertigen seinen Einsatz als solches. Aber es ist natürlich auch so, dass wir mit einer vermessenen skandinavischen (Bsp.) Königin keinen Rückschluss auf alle jemals importierten Königinnen von dort ziehen können und wollen! Das habe ich ja oben in meinem ersten Beitrag schon geschrieben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jeder, der eine importierte Königin (Herkunft egal) sein Eigen nennt, diese auch vermisst / vermessen lässt. Nur so kann er selbst für sich herausfinden, ob er wahrheitsgemäß von einer reinen Dunklen Biene sprechen darf. Und je mehr Messungen wir machen und hier zusammentragen, desto objektiver wird natürlich auch unsere Einschätzung (kein Beleg!) bezüglich der Reinheit ganzer Bestände. Die kleine derzeitige Stichprobenmenge reicht da noch lange nicht aus!

LG Johannes

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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Montag 22. Juni 2015, 11:31

Hallo Johannes,

völlige Zustimmung. Da fallen mir wieder meine 9 Proben im Gefrierschrank ein; bald habe ich Urluab, da wird vermessen: Flekkefjord, Norge, Stavershult, Bön 2, Bjurholm und natürlich auch Augustowska in zwei Proben sowie mehrere Proben Sicula.

Dies soweit zur Reinheit und auch zu den Eigenschaften der Skandinavischen Dunklen Biene. Dabei sollten wir aber vorsichtig sein, denn ganz schnell befinden wir uns in einem Bereich der leistungsmäßigen Vergleiche mit Hochzuchtbienen. So wie Herr Dr. Simon Bach es zwar richtig aber mit völlig falscher Zielrichtung schreibt:

"... Für frühe Massentrachten nicht stark genug , allerdings bei nass kaltem Wetter im Frühjahr den stark brütenden Völkern in der Honigleistung teilweise überlegen. Vor allem Linie Siscas und Starvershult. ..." Zitat aus der IG)

Derartige Leistungsvergleiche mit "starkbrütenden" Völkern (wie Ligustica oder Buckfast) führen unweigerlich zu einer Denke, die die Ausrottung der Dunklen Biene legitimiert. Nein, so etwas will ich nicht, von daher hat m. E. der sog. "Zuchtverband Dunkle Biene" seine Aufgabe verfehlt.


Da frage ich mich übrigens: was ist eigentlich "Siscas" und "Starvershult"? Ich denke, als aktiver "Züchter" der Dunklen Biene sollte man die Linien schon kennen. :wink:

LG
Kai
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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von Johannes » Mittwoch 5. August 2015, 15:16

In den Tiefen des Internets stieß ich gerade erneut auf die Frage nach dem Schwarmverhalten der skandinavischen Herkünfte. Zur Beantwortung noch mal mein Beitrag von oben mit paar weiteren Anmerkungen.
Johannes hat geschrieben:... Zum Schwarmverhalten ist zu sagen, dass es natürlich vorhanden ist. ... Wäre ja auch schlimm, wenn nicht! ;) Bei meinen Zuchtvölkern im M+ gibt es gar keine Probleme. Diese Völker werden regelmäßig geschröpft. Mit meinen F1-Völkern habe ich auch nicht mehr Arbeit, als mit jeder anderen Biene. Sobald ich offene Weiselzellen sehe, teile ich das Volk in Brutling und Flugling für die Zeit von 2-3 Wochen, je nach Trachtsituation und Stärke. Nach dieser Aktion hat sich das Schwärmen für das laufende Jahr auch erledigt und die Sammelleistung bleibt erhalten. Natürlich passiert es auch bei mir, dass mal ein Schwarm abgeht. Das liegt aber meist daran, dass ich nur am Wochenende zu Hause bei meinen Bienen sein kann und mitunter es zeitlich einfach nicht schaffe, alle Völker zu überprüfen. ... Man möge es mir verzeihen.
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Natürlich wollen auch die Skandis schwärmen. Wenn man es kann, kann man es aber sehr einfach verhindern. :wink:
"Wirtschaftliche Einbußen" (für alle, die das interessiert) gibt es deshalb nicht!
Mit der Abstammung von der Heidebiene würde ich das Schwarmverhalten der heutigen Skandis nicht in Verbindung bringen. Denn es ist so harmlos, dass es kaum der Rede wert ist.

Davon mal abgesehen kann man jede Bienenrasse über ein paar Generationen zu schwarmfreudigen Völkern selektieren. Man braucht nur die entsprechend kleine Beute und die passende Betriebsweise. :mrgreen:

Und alle Carnicas, die ich bisher hatte, waren deutlich schwarmfreudiger als meine Dunklen. :wink:

LG Johannes

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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von imkerforum-nordbiene » Mittwoch 5. August 2015, 15:39

Hallo Johannes,

vielen Dank für Deine Erläuterungen.
Johannes hat geschrieben:In den Tiefen des Internets stieß ich gerade erneut auf die Frage nach dem Schwarmverhalten der skandinavischen Herkünfte. ...LG Johannes
Ach ja, es wird derzeit wieder so viel Falsches über die Dunkle Biene geschrieben, vor allem von denen, die noch nie eine Dunkle Biene gesehen haben ... 8)

Ich habe meine Skandinavierinnen auch als nur mäßig schwarmfreudig erlebt. Selbst meine Flekkefjord (eine angebliche Heidebiene?) wollte dieses Jahr gar nicht schwärmen. Und zwar weder die Reinzucht noch ihre F1. Insgesamt hat von allen Dunklen Bienen bei mir dieses Jahr so gar nur ein einziges Volk geschwärmt.

Insgesamt also kann ich sagen: die Skandinavierinnen zeigen einen zurückhaltenden Schwarmtrieb.
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Re: Skandinavische Herkünfte: Beurteilung

Beitrag von elk030 » Mittwoch 5. August 2015, 22:33

2015 war kein Schwarmjahr.
Es waren durch die Bank nur dunkle F1 Schweden, die geschwärmt haben.
Das kam mir allerdings sehr gelegen.
Mag sein, daß die reinen Dunklen weniger schwarmfreudig sind.
Elk

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