Kuhdung nach Thun

Moderator: Johannes

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דבורה
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Kuhdung nach Thun

Beitrag von דבורה » Samstag 7. Juli 2012, 23:08

Liebe Leute,
heute hab ich den Tag unter den Kühen verbracht um den Kuhchen nach Thun zu verkosten :) . Die Kühe waren zuerst etwas irritiert, aber wir haben uns Bald aufeinander gewöhnt :lol: .
Und wie ich nun dufte...,



Bild

Bild


Das Kuhchenrezept nach Matthias Kuhn:

1,5 Eimer á 5l frische Kuhfladen
1/4 Eimer Lehm
1/4 Eimer Holzasche
1 L Molke

Erste Zwischenbericht: während der Arbeit umkreiste mich eine Biene und scheute nicht einmal eine Probesitzen am frisch gestrichenem Korb :D
Zuletzt geändert von דבורה am Sonntag 8. Juli 2012, 01:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Heidjer
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Heidjer » Sonntag 8. Juli 2012, 00:16

Warum meinen Imker ein über Jahrhunderte erfolgreich angewandtes Verfahren ändern zu müssen?

Zitat aus Lehzen, G.H.; Die Hauptstücke aus der Betriebsweise der Lüneburger Bienenzucht, Hannover 1922, 4.Auflage, Seite 76 ff:
" Diejenigen Imker, welche mit ihren Bienen wandern, überziehen die äußere Seite der Strohkörbe mit einer dünnen Schicht Kuhdung. Dieser Stoff ist ungemein geeignet, den Körben den erforderlichen Schutz zu gewähren, ... Der Überzug ist elastisch und haftet, nachdem er trocken geworden ist, fest am Korbe. Die Beimengung ... von Lehm zum Kuhdung ist nicht empfehlenswert, da diesem Überzug die Elastizität fehlt und er leicht abspringt."

Wolfgang, der Heidjer

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דבורה
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von דבורה » Sonntag 8. Juli 2012, 01:26

Ahoj Wolfgang,

danke für die Ergänzung, den nächsten Korb werde ich nach Lehzen bearbeiten. Dann haben wir einen direkten Vergleich.

Liebe Grüße
Debora
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von elk030 » Sonntag 8. Juli 2012, 07:52

Liebe Debora
Wer war Matthias Thun und gibt es Bemerkungen seinerseits zu diesem Rezept?
Auf den Langzeitvergleich bin ich dann auch gespannt.
Schön, die Bilder, Elk

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Franziskus

Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 11:13

Heidjer hat geschrieben:Warum meinen Imker ein über Jahrhunderte erfolgreich angewandtes Verfahren ändern zu müssen?
Wolfgang, das liegt auf der Hand. Einfach nur weil sie alles besser wissen wollen. Ich meine damit nicht Debora, sondern diesen Namensvetter von mir. Lehm wurde schon immer hart und brüchig. Habe auch Körbe fotografiert, die mit Lehm behandelt wurden. Einer, der diese Körbe noch im Gebrauch hat, hat mir von der Lehmbehandlung wie man ihn bei den Körben auf meinen Fotos sieht, dringlichst abgeraten. Auf Dauer wäre das eher schädigend für die Körbe, welche bei "Nur"behandlung mit Kuhdung locker über 100 Jahre alt werden können! Meine beiden sind ca. 80 Jahre alt und in bestem Zustand. Der eine ist 2 mal professionell geflickt. Man erkennt es auch nur wegen dem helleren Stroh!
Bin ja mal auf Deboras Feedback gespannt. Af jeden Fall sieht der "Stinkbock :mrgreen: " auf deinem Bild gut aus. Hast ihn selber gemacht, oder selber gekauft :wink: Debora?

Auf jeden Fall ist das Buch vom Schorsch Heinrich Lehzen gut. In alten Buchstaben geschrieben, aber es liest sich gut. Hast das Buch auch Wolfgang, oder nur Teile davon im www gelesen?

glG Matti

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Franziskus

Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 11:24

Er da ist der Thun's Maddes: http://www.youtube.com/watch?v=6xtZMDbD-CE

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דבורה
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von דבורה » Sonntag 8. Juli 2012, 11:27

Liebe Leute,

Matthias ist Sohn von Maria Thun, die nach Rudolf Steiner, der Wachstum der Pflanzen unter Berücksichtigung des Laufs des Mondes im Tierkreis untersucht.

(http://wiki.astro.com/astrowiki/de/Maria_Thun)

Ihr Sohn Matthias beschäftigt sich nach Rudolf Steiner mit "Biologisch dynamische Gesundheit der Bienen" und hat ein Buch "Die Biene, Haltung und Pflege unter Berücksichtigung der kosmischer Rhythmen" herausgegeben.

(http://www.amazon.de/Biene-Haltung-Pfle ... 3928636170)

Seine Betriebsweise ist nach Rudolf Steiner aufgebaut. Zum Herstellung vom Kuhdung Zitat:

"Für den Lehm-Kuhmistanstrich werden folgende Materialien benötigt: reiner Kuhfladen, der von Milchkühen genommen wird, die vorübergehend nur mit Heu gefüttert werden. Nach wenigen Tagen bringen die Tiere einen gut geformten Mist hervor, der dann für den Anstrich bestens geeignet ist. Mist, der von Kühen kommt, die Durchfall haben, ist ungeeignet. Weitere Materialien sind Holzasche, Lehm oder Ton sowie Molke.

Rezept: 3 Eimer Kuhfladen
1/2 Eimer Lehm
1/2 Eimer Holzasche
3- 5 Liter Molke

Diese Zutaten werden in einem Bottich gegeben und mit einem Spaten umgegraben, also gut vermischt. Beim Mischen wird so viel Molke beigegeben, es schwankt meistens zwischen 3 und 5 Litern, bis der Brei eine gut sämige Konsistenz bekommt und man ihn mit einem dünnen Japanspachtel verstreichen kann. Diese Anstrich benötigt einige Tage zum Trocknen. Die Beute sollten nicht zum Trocknen in die Sonne gestellt werden, da hier der Trockenprozess zu schnell vonstatten geht und es zur Rissbildungen kommen könnte. Am besten stellt man die Beute in den Schatten an eine Stelle, wo leichter Windzug geht. Dieser Anstrich wird nur so dick aufgetragen, dass er die Unebenheiten zwischen den einzelnen Halmen ausgleicht, jedoch das gesamte Stroh überzieht."

------------------------

Ich habe mit der Hälfte gearbeitet und konnte damit 3 große Körbe anstreichen. Der Lehm habe ich in der Molke verflüssigt und erst dann dem Kuhfladen beigemischt, so lässt es sich der Lehm besser verrühren.


Matthias Thun Vorträge:

(http://www.youtube.com/watch?v=FOlEUCm0oGo)

und wie schon Matti verlinkt habe :wink:

@ Matti
Meine Körbe kommen von einem Imker aus dem Fürstentum Lüneburg :)

Liebe Grüße
Debora

P.S. es gibt viele Körbe, die nach dem Rezept: 50:50 Lehm / Kuhfladen angestrichen wurden. Solche Isolierung kann nicht so lange halten. Aber wir werden sicherlich in 50 Jahren beurteilen können, welche der Anstriche besser geeignet ist :lol: .
Zuletzt geändert von דבורה am Sonntag 8. Juli 2012, 11:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Franziskus

Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 11:42

Das z.B. ist ein Bienenkorb mit einem Sand/Lehm Gemisch und nicht gut haltbar. Man mußte es wohl alle paar Wochen erneuern. Ziemlich aufwendiges Unterfangen!
Habe noch vielmehr Korbmodelle als größere Bilder. Wenn ihr wollt könnt ihr sie auch in meinen Bilderalben sehen. Einfach Bescheid sagen und ich gebe die URL raus! :wink:
Habe sie bei meiner Suche nach einem original hessischen Bienenkorb fotografiert. Aber eines Tages finde ich das hessische Modell schon. Habe "höchstperselber :mrgreen: " bald einen Termin bei einem Imkerehepaar, die so ihre Worte: "Ein typisch hessisches Modell von vor ca. 200 Jahren" in ihrem privaten Museum stehen haben! :mrgreen:

Gruß
Dateianhänge
Unbenannt 1.jpg

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Franziskus

Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 11:55

דבורה hat geschrieben: Aber wir werden sicherlich in 50 Jahren beurteilen können, welche der Anstriche besser geeignet ist :lol: .
50 Jahre? na da kann der Ein, oder Andere von uns schon in der Kiste schlummern! :mrgreen:
Oh, mir kommt gerade eine Idee. :idea: :idea: :idea: Ein aus Stroh geflochtener Sarg! :lol: :lol: :lol: :lol: :mrgreen:
Naja, da bleiben wir aber lieber bei dem Bienenkorb. Neee ........ nicht als "Kiste" ! :lol:

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דבורה
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von דבורה » Sonntag 8. Juli 2012, 12:01

Franziskus hat geschrieben: Habe noch vielmehr Korbmodelle als größere Bilder. Wenn ihr wollt könnt ihr sie auch in meinen Bilderalben sehen. Einfach Bescheid sagen und ich gebe die URL raus! :wink:


Gruß
Matti, stell doch Deine URL rein :)
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von דבורה » Sonntag 8. Juli 2012, 12:02

Weitere Literatur zur Korbimkerei:

Friedrich Trauegott Schmidt - Der Bienenbau in Körben hier als PDF:

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV00.pdf)

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV01.pdf)

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV02.pdf)

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV03.pdf)

und das vom Wolfgang empfohlene Buch: Georg Heinrich Lehzen bei Holtermann erhältlich:

(http://www.holtermann-shop.de/index.php/cPath/11_145)
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Franziskus

Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 12:05

דבורה hat geschrieben:Weitere Literatur zur Korbimkerei:

Friedrich Trauegott Schmidt - Der Bienenbau in Körben hier als PDF:

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV00.pdf)

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV01.pdf)

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV02.pdf)

(http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/vollte ... NIBV03.pdf)

und das vom Wolfgang empfohlene Buch: Georg Heinrich Lehzen bei Holtermann erhältlich:

(http://www.holtermann-shop.de/index.php/cPath/11_145)
Jaaa ........... die Dateinen von Schmidts Friedel seinen Dokumenten sind eine echte Bereicherung. Danke Debora!

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Franziskus

Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 12:08

דבורה hat geschrieben:Matti, stell doch Deine URL rein :)
Werde ich Heute Nachmittag auch tun. Jetzt gehts erstmal an'n Mittagstisch :wink:

Heidjer
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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Heidjer » Sonntag 8. Juli 2012, 19:00

Hallo Matti,

der Lehzen und die WMF-Filme sind meine wesentlichsten Lehrmaterialien, dazu die persönliche Beratung mit einen Korbimker, der dieses Tätigkeit seit Kindesbeinen in der Familie gelernt hat und noch heute ausübt.

Deinen Korb, ein Bogenstülper für den Einsatz in mooriger Gegend, würde ich sofort bis auf die letzten Krümel von der Beschichtung befreien und dann neu mit reinem Kuhdung, nicht Kuhmist, mit den Händen, keinem Spachtel, bestreichen.
Übrigens ein sehr sauberer alter Binderfarbeneimer am Morgen mit frischer Kuhschei.. gefüllt, reicht für ca. sechs Lüneburger Stülper. Bitte keine festen Bestandteile, wie angetrockneter Dung oder Gras, einsammeln.
Und darauf achten, dass die Kühe ganztägig draußen sind, nicht nachts im Stall und dort gefüttert werden.

Wolfgang, der Heidjer

PS.: Alte verschieden gestaltete Körbe nehme ich gerne in meine Sammlung.
Zuletzt geändert von Heidjer am Sonntag 8. Juli 2012, 23:49, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kuhdung nach Thun

Beitrag von Franziskus » Sonntag 8. Juli 2012, 19:43

ich würde sie mir liebend gerne selber machen, lieber Wolfgang. Aaaaaaber ....................... das passende Langstroh ist sehr sehr schwer zu finden! :cry: :cry: :cry:
Habe Lehrfilme zum Thema Korbnähen. Dir lieber Wolfgang brauche ich das wohl nicht zu sagen, aber für alle die das nicht wissen und diesen Artikel lesen gilt: "Nein, Bienenkörbe werden nicht geflochten, ganz im Gegenteil, sie werden genäht!" Einpaar alte Modelle wie der keltischen Rutenstülper wurden aus Weide und Haselnußruten geflochten. In der Regel sind gerade die Heidekörbe und die meisten anderen Modelle aber genäht. Wenn ich was falsches sage Wolfgang, lass es mich bitte wissen.
Alte Modelle zum Nachbauen, oder einfach nur genießen findet ihr hier:

viewtopic.php?f=23&t=1316

Gruß

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