Hallo zusammen,
heute möchte ich mich mal einer Frage widmen, die mir im Zuge meines Königinnenverkaufs häufig gestellt wurde. Zwar denke ich alle Interessenten erfolgreich aufgeklärt zu haben, aber man kann es ja mal öffentlich für alle zur Verfügung stellen. ![]()
Und zwar geht es um die Frage F1 oder F2? Beziehungsweise: Was bedeuten diese Begriffe?
Zunächst mal zu den Begrifflichkeiten:
Eine F1-Königin ist die direkte Tochter einer Reinzuchtkönigin. Alle Drohnen, die aus ihr hervorgehen, sind reinerbig egal von welchen Drohnen sie selbst begattet wurde! Bei den Arbeitsbienen ist es dann schwieriger. Diese tragen jeweils zu 50 % das reine Erbgut ihrer Mutter. Weiterhin tragen sie aber auch das Erbgut ihres Vaters in sich. Folglich ist erst mal anzunehmen, dass alle Arbeitsbienen (Töchter einer F1-Königin) mischerbig sind. Je nach Dohnen-situation am Begattungsplatz kann es aber auch in gewissem Maße zu einer Reinpaarung der Königin mit Dunklen Drohnen kommen. Dann sind die daraus hervorgehenden Arbeitsbienen natürlich auch reinerbig!
Bei der Zucht sollte angestrebt werden die letztgenannte Variante zu fördern, indem man gerade von den Dunklen Völkern möglichst viele Drohnen zur Begattung bereitstellt und auf das Drohnenschneiden (eh umstritten) verzichtet. Der Wert einer F1-Königin liegt aber meiner Ansicht nach darin, dass alle ihre Drohnen rein sind und zur Begattung im Folgejahr eingesetzt werden können. Dies macht besonders dann Sinn, wenn man auch an Zuchtstoff reiner Herkunft kommt.
In einer echten F1 (also z. B. vollständig Mellifera x Carnica-Kreuzung) lässt sich optisch die Dunkle Biene kaum mehr erkennen. Die Bienen (Töchter diese Königin) sind sofort hellgrau mit breiten Filzbinden.
Eine F2-Königin ist die Tochter einer F1-Königin. Hier ist die Sache wesentlich komplizierter und selbst der Züchter wird ohne Flügeluntersuchung (der Drohnen) kaum mit Sicherheit sagen können, welcher der folgenden Fälle vorliegt. Wenn man nicht warten und später die Drohnen untersuchen will, kann man auch ein möglichst scharfes Foto von einem Flügel der Königin machen und dieses dann vermessen. Nur auf diese Weise lassen sich die Fälle 1 und 2 unterscheiden!
1. Fall: Die F2-Königin entstammt einem Ei, welches reines Dunkles Erbgut der Mutter und fremdrassiges Erbgut des Vaters trägt. Dies wäre die eigentliche F2!
All ihre Nachkommen (egal ob Drohnen oder Arbeitsbienen) sind mischerbig und KEINE Dunklen Bienen mehr! Der Vorteil dieser Konstellation liegt darin, dass meiner Erfahrung nach (ich spreche wirklich nur für mich) diese Königinnen von Carnica-Völkern besser angenommen werden als F1 oder Reinzuchtköniginnen. Im Folgejahr kann dann problemloser auf F1 oder Reinzuchtkönigin umgeweiselt werden, da die Bienen dann ja schon etwas „gedunkelt“ sind.
2. Fall: Die F2-Königin entstammt einem Ei, welches reines Dunkles Erbgut der Mutter und reines Dunkles Erbgut des Vaters trägt. (Also Reinpaarung am Stand vorausgesetzt) Damit wären wir dann wieder bei der F1 und es gilt das oben geschriebene.
Die Frage F1 oder F2 muss dann jeder für sich entscheiden! Das hängt davon ab, ob man sich zutraut eine F1 in ein Carnica-Völk einzuweiseln (bei Buckfast geht es leichter). Und welches Ziel man wie schnell erreichen will. Wenn man im nächsten Jahr Dunkle Drohnen braucht, weil man an Zuchtstoff oder eine eigene Reinzuchtkönigin kommt, dann macht eine F1 absolut Sinn! Auch wenn man die Dunkle Biene gerne in möglichst reiner Form (aber eben doch keine teure Reinzuchtkönigin) kennenlernen will, ist die F1 angebracht.
Für den ersten Umweiselungsversuch (gerade wenn man mit der Thematik noch nicht so vertraut ist) empfiehlt sich eine F2 (und mit etwas Glück entpuppt sie sich ja als F1
).
Auch hat meine Erfahrung gezeigt, dass die F2 die wohl sammelfreudigsten sind. Aber das ist vielleicht auch etwas subjektiv.
Ich hoffe, damit die dringendsten Unklarheiten geklärt zu haben! ![]()
LG Johannes