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Illegales Imkern in New York

  • Kai
  • 11. März 2009 um 17:05
  • Kai
    Administrator
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    11.788
    • 11. März 2009 um 17:05
    • #1

    Hallo allerseits,

    mich erreicht eben folgende Kurzmitteilung der heute-Redaktion:

    ---

    Illegales Bienenhalten in New York


    Illegale Imker auf New Yorks Dächern
    Bienenzüchter kämpfen gegen Verbot
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhal…7533367,00.html


    Lokal produzierter Honig ist in New York beliebt, Bienen nicht: Die Haltung
    der "giftigen Wildtiere" ist in der Stadt verboten. Widerspenstige Imker
    verteilen dennoch Bienenstöcke auf Dächern - und die Gemeinde der
    Bienenliebhaber wächst rapide.


    Das kriminelle Imperium des unauffälligen John H., 65, umfasst zwei
    Staaten, 120.000 Arbeiter und ein weites Netzwerk an Mitverschwörern. "Wir
    sind viele, und wir werden immer mehr", sagt er gut gelaunt. Verrat hat er
    nicht zu fürchten, denn er kann den Menschen geben, was sie lieben: Honig.

    "Als würden wir Tiger züchten"
    John H. ist seit acht Jahren Hobby-Imker. Auf dem Dach seines Hauses in
    Brooklyn hält er zwei Bienenvölker in unscheinbaren grauen Kästen. Weil
    Bienen jedoch als Wildtiere klassifiziert sind, ist ihre Haltung innerhalb
    der Stadt verboten - einzige Ausnahme: Bildungseinrichtungen. Bis zu 2000
    Dollar Strafe kann es kosten, wenn ein nicht autorisierter Bienenstock
    entdeckt wird. "Das ist ein völlig hysterisches Gesetz", ärgert sich
    John, "als würden wir kleine Tiger auf unseren Häusern züchten. Es ist vor
    etwa fünf Jahren in Kraft getreten, und wir wissen nicht einmal, wer das
    Ganze angeleiert hat."

    Mit "wir" meint der Pensionär die anderen Untergrund-Imker der Stadt.
    Ihre genaue Zahl bleibt ungewiss, aber dank des umtriebigen Ex-Lehrers ist
    ein Teil von ihnen sehr gut organisiert. 2006 gründete John ein
    Internetforum für New Yorker Bienenliebhaber - um einfacher Kontakt halten
    zu können mit den fünf andern Imkern, die er kannte. Heute hat die Gruppe
    fast 300 Mitglieder, Tendenz täglich steigend, und veranstaltet monatlich
    Honigverkostungen oder Infoabende. Sogar eine Kooperative ist daraus
    entstanden, um gemeinsam die Honiggewinnung zu verbessern und die
    Legalisierung der Bienenhaltung voranzutreiben. "Es kann nicht einfach
    jeder Honig in der heimischen Küche herstellen wie er will", sagt John.

    Kurs für heimliche Imker
    Weil noch immer nur ein gutes Dutzend der Mitglieder eigene Bienenstöcke in
    der Stadt hat, ist die Gruppe außerdem seit neuestem die Brutstätte der
    nächsten Generation heimlicher Honigproduzenten: Im Januar startete ihr
    erster Kurs für zukünftige Stadt-Imker, auch er ein voller Erfolg: "Die
    Leute stehen am Sonntagmorgen um neun vor der Tür, nicht mal der
    Schneesturm letzte Woche konnte sie aufhalten", erzählt John. Viele der 45
    Schüler sind aus ländlichen Gegenden nach New York gezogen, kennen das
    Imker-Metier aus dem elterlichen Garten oder suchen ein interessantes
    Öko-Hobby. Sie sehnen sich nach einer Freizeitbeschäftigung, die sich
    abseits - oder eben oberhalb - der Häuserschluchten New Yorks abspielt.
    Wenn dabei ein paar Gläser Honig für Freunde und Nachbarn herauskommen,
    umso besser.

    Der kraushaarige, energische Mann, der ihnen gemeinsam mit John beibringt,
    wo man Bienenkörbe hernimmt, wie man sich unauffällig Zugang zu Dächern
    verschafft und Ärger mit Nachbarn verhindert, ist da weniger romantisch: Er
    sieht das Geld im goldenen Saft. Der professionelle Imker musste seine Farm
    im Mittelwesten verkaufen, in New York hat er neu angefangen.

    Seine Bienenstöcke - weit mehr als die üblichen ein bis zwei pro
    Hobby-Imker - sind in der ganzen Stadt verteilt, selbst in Chinatown und
    auf einem Zehngeschosser in Upper Manhattan hat er sie installiert. "Ich
    habe Kontakte zu den meisten Gärtnern in der Stadt aufgenommen", erzählt
    er, "wenn deren private, meist wohlhabende Auftraggeber nach etwas Neuem
    für ihre Gärten suchen, erzählen die Gartenpfleger ihnen von mir. Ein guter
    Deal: ihr Dach für meine Bienen, meine Bienen für ihre
    Freizeitbeschäftigung."

    Ein Glas Honig für 20 Dollar
    Der Imker holt mehrmals im Jahr mit den Paten die Ernte ein. Die
    Hochhausmetropole bietet den Insekten bei genauerem Hinsehen weit mehr als
    Central Park und Deko-Blumen: erstaunlich viele kleine Parks, winzige
    Vorgärten und weiträumige Dachterrassen. Etwa 120 Pfund Honig produziert
    jeder Bienenstock jährlich, kleine Delikatessen- und Bioläden reißen sich
    um ein paar Gläser davon. Bis zu 20 Dollar kann eines kosten, der Imker
    weiß, warum: "In den letzten Jahren sind überall in den USA Völker
    ausgestorben. Die New Yorker Bienen dagegen sind bisher gesund geblieben.
    Außerdem werden in New York keine Pestizide mehr benutzt. Deshalb hat Honig
    aus New York eine viel geringere Schadstoffbelastung als der vom Land."

    Bisher bleiben die Imker meist unbehelligt, weil die Bienen knapp unter dem
    Radar der Gesundheitsbehörde fliegen: Solange sich niemand beschwert,
    drückt die ein Auge zu. "Man muss sich nur gut um seine Völker kümmern und
    die Bienen aus den Haaren der Leute fernhalten", sagen die Experten.
    Vielleicht dürfen sie bald auch offiziell bleiben: Im April wird über die
    Legalisierung städtischer Bienenhaltung beraten.

    "Imker sind wie Bienen"
    Den Imker würde es freuen: "Wir brauchen Strukturen wie in Deutschland, wo
    es eine Ausbildung und Qualitätskontrollen gibt. Aber das dürfte schwierig
    werden", meint er halb seufzend, halb lachend. "Imker sind wie ein
    Schwarm Bienen: freiheitsliebend - und schwer zu kontrollieren."

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