Hallo allerseits,
mich erreicht eben folgende Kurzmitteilung der heute-Redaktion:
---
Illegales Bienenhalten in New York
Illegale Imker auf New Yorks Dächern
Bienenzüchter kämpfen gegen Verbot
http://www.heute.de/ZDFheute/inhal…7533367,00.html
Lokal produzierter Honig ist in New York beliebt, Bienen nicht: Die Haltung
der "giftigen Wildtiere" ist in der Stadt verboten. Widerspenstige Imker
verteilen dennoch Bienenstöcke auf Dächern - und die Gemeinde der
Bienenliebhaber wächst rapide.
Das kriminelle Imperium des unauffälligen John H., 65, umfasst zwei
Staaten, 120.000 Arbeiter und ein weites Netzwerk an Mitverschwörern. "Wir
sind viele, und wir werden immer mehr", sagt er gut gelaunt. Verrat hat er
nicht zu fürchten, denn er kann den Menschen geben, was sie lieben: Honig.
"Als würden wir Tiger züchten"
John H. ist seit acht Jahren Hobby-Imker. Auf dem Dach seines Hauses in
Brooklyn hält er zwei Bienenvölker in unscheinbaren grauen Kästen. Weil
Bienen jedoch als Wildtiere klassifiziert sind, ist ihre Haltung innerhalb
der Stadt verboten - einzige Ausnahme: Bildungseinrichtungen. Bis zu 2000
Dollar Strafe kann es kosten, wenn ein nicht autorisierter Bienenstock
entdeckt wird. "Das ist ein völlig hysterisches Gesetz", ärgert sich
John, "als würden wir kleine Tiger auf unseren Häusern züchten. Es ist vor
etwa fünf Jahren in Kraft getreten, und wir wissen nicht einmal, wer das
Ganze angeleiert hat."
Mit "wir" meint der Pensionär die anderen Untergrund-Imker der Stadt.
Ihre genaue Zahl bleibt ungewiss, aber dank des umtriebigen Ex-Lehrers ist
ein Teil von ihnen sehr gut organisiert. 2006 gründete John ein
Internetforum für New Yorker Bienenliebhaber - um einfacher Kontakt halten
zu können mit den fünf andern Imkern, die er kannte. Heute hat die Gruppe
fast 300 Mitglieder, Tendenz täglich steigend, und veranstaltet monatlich
Honigverkostungen oder Infoabende. Sogar eine Kooperative ist daraus
entstanden, um gemeinsam die Honiggewinnung zu verbessern und die
Legalisierung der Bienenhaltung voranzutreiben. "Es kann nicht einfach
jeder Honig in der heimischen Küche herstellen wie er will", sagt John.
Kurs für heimliche Imker
Weil noch immer nur ein gutes Dutzend der Mitglieder eigene Bienenstöcke in
der Stadt hat, ist die Gruppe außerdem seit neuestem die Brutstätte der
nächsten Generation heimlicher Honigproduzenten: Im Januar startete ihr
erster Kurs für zukünftige Stadt-Imker, auch er ein voller Erfolg: "Die
Leute stehen am Sonntagmorgen um neun vor der Tür, nicht mal der
Schneesturm letzte Woche konnte sie aufhalten", erzählt John. Viele der 45
Schüler sind aus ländlichen Gegenden nach New York gezogen, kennen das
Imker-Metier aus dem elterlichen Garten oder suchen ein interessantes
Öko-Hobby. Sie sehnen sich nach einer Freizeitbeschäftigung, die sich
abseits - oder eben oberhalb - der Häuserschluchten New Yorks abspielt.
Wenn dabei ein paar Gläser Honig für Freunde und Nachbarn herauskommen,
umso besser.
Der kraushaarige, energische Mann, der ihnen gemeinsam mit John beibringt,
wo man Bienenkörbe hernimmt, wie man sich unauffällig Zugang zu Dächern
verschafft und Ärger mit Nachbarn verhindert, ist da weniger romantisch: Er
sieht das Geld im goldenen Saft. Der professionelle Imker musste seine Farm
im Mittelwesten verkaufen, in New York hat er neu angefangen.
Seine Bienenstöcke - weit mehr als die üblichen ein bis zwei pro
Hobby-Imker - sind in der ganzen Stadt verteilt, selbst in Chinatown und
auf einem Zehngeschosser in Upper Manhattan hat er sie installiert. "Ich
habe Kontakte zu den meisten Gärtnern in der Stadt aufgenommen", erzählt
er, "wenn deren private, meist wohlhabende Auftraggeber nach etwas Neuem
für ihre Gärten suchen, erzählen die Gartenpfleger ihnen von mir. Ein guter
Deal: ihr Dach für meine Bienen, meine Bienen für ihre
Freizeitbeschäftigung."
Ein Glas Honig für 20 Dollar
Der Imker holt mehrmals im Jahr mit den Paten die Ernte ein. Die
Hochhausmetropole bietet den Insekten bei genauerem Hinsehen weit mehr als
Central Park und Deko-Blumen: erstaunlich viele kleine Parks, winzige
Vorgärten und weiträumige Dachterrassen. Etwa 120 Pfund Honig produziert
jeder Bienenstock jährlich, kleine Delikatessen- und Bioläden reißen sich
um ein paar Gläser davon. Bis zu 20 Dollar kann eines kosten, der Imker
weiß, warum: "In den letzten Jahren sind überall in den USA Völker
ausgestorben. Die New Yorker Bienen dagegen sind bisher gesund geblieben.
Außerdem werden in New York keine Pestizide mehr benutzt. Deshalb hat Honig
aus New York eine viel geringere Schadstoffbelastung als der vom Land."
Bisher bleiben die Imker meist unbehelligt, weil die Bienen knapp unter dem
Radar der Gesundheitsbehörde fliegen: Solange sich niemand beschwert,
drückt die ein Auge zu. "Man muss sich nur gut um seine Völker kümmern und
die Bienen aus den Haaren der Leute fernhalten", sagen die Experten.
Vielleicht dürfen sie bald auch offiziell bleiben: Im April wird über die
Legalisierung städtischer Bienenhaltung beraten.
"Imker sind wie Bienen"
Den Imker würde es freuen: "Wir brauchen Strukturen wie in Deutschland, wo
es eine Ausbildung und Qualitätskontrollen gibt. Aber das dürfte schwierig
werden", meint er halb seufzend, halb lachend. "Imker sind wie ein
Schwarm Bienen: freiheitsliebend - und schwer zu kontrollieren."
Das Nachrichtenangebot des ZDF finden Sie unter
http://www.heute.de
Die ZDF-Sendungen und das Programm finden Sie unter
http://www.zdf.de
Informationen rund um den Sport finden Sie unter
http://sport.zdf.de