- Offizieller Beitrag
Welche Feinde hat die Asiatische Hornisse Vespa velutina in ihrer Heimat?
Ja, die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) hat in ihrer südost- und ostasiatischen Heimat eine Reihe von natürlichen Feinden, die ihre Populationen im Gleichgewicht halten.
Diese Fressfeinde, Parasiten und Abwehrmechanismen lassen sich in folgende Kategorien unterteilen:
1. Vögel (Prädatoren)
Greifvögel und spezialisierte Insektenfresser jagen sowohl fliegende Einzeltiere als auch die Nester von Vespa velutina:
- Wespenbussarde (z. B. Pernis ptilorhynchus / Orientwespenbussard): Dies sind die effektivsten Fressfeinde. Sie besitzen dicke Hornschuppen an den Beinen und spezialisierte Kopfgefieder-Strukturen, die sie vor Stichen schützen. Sie graben oder reißen Hornissennester auf, um die proteinreichen Larven und Puppen zu fressen.
- Bienenfresser (Meropidae): Verschiedene Bienenfresser-Arten erbeuten fliegende Hornissen im Sturzflug.
- Krähen und Spechte: Spechtarten brechen gelegentlich geschwächte oder im Herbst absterbende Nester auf, während Rabenvögel verlassene oder verletzte Einzeltiere fressen.
2. Andere Insekten und Spinnentiere
- Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia): Die deutlich größere und aggressivere Riesenhornisse gehört zu den direkten Konkurrenten und Fressfeinden von Vespa velutina. Gruppen von V. mandarinia können ganze Völker kleinerer Hornissenarten überfallen und vernichten.
- Raubfliegen und größere Spinnen: Jagende Insekten oder große Netzspinnen erbeuten vereinzelt Arbeiterinnen, haben aber keinen nennenswerten Einfluss auf das Gesamtvolk.
3. Parasiten und Parasitoide
Verschiedene Organismen befallen die Individuen oder Nester von Vespa velutina:
- Fächerflügler (Strepsiptera, z. B. Gattung Xenos): Diese Parasiten befallen die Hornissenlarven. Die befallenen Hornissen (oft Arbeiterinnen oder Jungköniginnen) verändern ihr Verhalten, werden unfruchtbar oder geschwächt.
- Fadenwürmer (Nematoden): Verschiedene Parasitenwürmer (wie z. B. Pheromermis-Arten) befallen die Organe der Hornissen und beeinträchtigen deren Fortpflanzungsfähigkeit oder Lebenserwartung.
4. Aktive Abwehr durch Beutetiere (Asiatische Honigbiene)
In ihrer Heimat hat Vespa velutina keine feindfreie Beute. Die heimische Östliche Honigbiene (Apis cerana) hat sich über Jahrtausende der Koevolution an die Hornisse angepasst und effektive Verteidigungsstrategien entwickelt:
- Hitzeball-Verteidigung (Heat-balling): Wenn eine Hornisse vor dem Flugloch lauert, um Bienen abzufangen, umringt ein Dutzend bis Hunderte Bienen den Räuber blitzschnell. Durch Muskelzittern erzeugen die Bienen im Inneren des Balls eine Temperatur von über 45 °C und erhöhen den Kohlendioxidgehalt. Während die Bienen diese Bedingungen kurzzeitig tolerieren, stirbt die Hornisse an Überhitzung und Erstickung.
- Warnsignale und Verwirrung (Shimmering): Die Bienen erzeugen synchrone Wellenbewegungen mit ihren Hinterleiben auf der Nestoberfläche, um die Hornisse abzuschrecken und das Anfliegen zu erschweren.
Situation in Europa im Vergleich
In Europa (wo Vespa velutina nigrithorax seit 2004 eingeschleppt ist) fehlen viele dieser spezialisierten Gegenspieler:
- Die Europäische Honigbiene (Apis mellifera) kennt das Verhalten von Vespa velutina nicht und verfügt nicht über die effektive Hitzeball-Verteidigung von Apis cerana.
- Heimische Vögel wie der europäische Wespenbussard (Pernis apivorus) oder Rabenvögel lernen zwar vereinzelt, Hornissennester als Nahrungsquelle zu nutzen, ihr Einfluss reicht jedoch derzeit nicht aus, um die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zu stoppen.
Quellen: