Hallo allerseits,
seit nunmehr 23 Jahren Jahren erlebe ich mit Erfurcht, mit dem Gefühl von Glück und Überwältigung, den 9 November, der sich so tief und unvergesslich in mein Herz eingefügt hat: den unerwarteten und so bewegenden Fall der Berliner Mauer!
Jahre zuvor bereits lernte ich "den Osten" kennen, auf meinen damals schon so häufigen Fahrten in die "Volksrepublik Polen". Die Trasse führte mich über die Transitstrecke natürlich durch das Gebiet der "Deutschen Demokratischen Republik", damals noch über die A 24, dann Richtung Berliner Ring, und von dort aus über die alte Hitler-Autobahn Richtung Ostgrenze der DDR, um die Grenzübergangsstelle Pomellen zur VR Polen zu erreichen.
Obwohl ich nie die DDR selber besucht hatte, hinterließ dieses Land dennoch bleibende Eindrücke: jeweils ca. 3 Strunden Wartezeit an den Grenzübergangsstellen, Passkontrollen, Fahrzeugkontrollen, unfreundliche Kontrolleure der Nationalen Volksarmee und der Volkspolizei, ein striktes Tempo 100 auf den von Trabbis bevölkerten Autobahnen, Wachtürme, Grenzsoldaten auf der gesamten Transitstrecke mit Kalaschnikovs im Anschlag.
Im Sommer 1989 lernte ich in der VR Polen per Zufall ein Ehepaar aus der DDR kennen; man konnte dort einigermaßen frei reden, und so erzählten mir diese beiden freundlichen Menschen von ihrem Leben in der DDR, von der Mangelwirtschaft, dem Fehlen an allem, der Unfreiheit, dem Gefühl des Eingesperrtseins. Nicht einmal nach Polen durften die DDR-Leute reisen; höchstens bei Vorliegen eines besonderen Anlasses (z.B. Hochzeit eines Verwandten); die Genehmigung wurde dann von der örtlichen Volkspolizei erteilt. Oder eben auch nicht.
Wer konnte im Sommer 1989 schon erahnen, dass im selben Jahr noch etwas ganz außergewöhnliches passiert. Denn gerade erst hieß das Politbüro der DDR und das Zentralkomitee der SED die blutigen Vorgänge zur "Niederschlagung der Konterrevolution" in der VR China für durchaus positiv und durchaus auch nachahmenswert.
Es folgten die Montagsdemonstrationen, der Massenexodus des DDR-Volkes über die Botschaften der Bundesrepublik in der CSSR, in Ungarn und Polen.
Der Druck in der DDR stieg täglich, und bereits im September fragte sich mein Vater (er befand sich mit schwerer Erkrankung im Spital), wohin das alles jetzt führen mag. Die weiteren Ereignisse durfte er dann leider nicht mehr erleben.
Niemand hat es je erwartet. Das Unmögliche wurde wahr: durch den Druck von innen konnte die Politführung der DDR nicht anders, als die Grenze zu öffnen, die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten.
In Kiel als 23-jähriger Schüler verfolgte ich die Entwicklung am Fernsehgerät. Es war ein unfassbares Gefühl. Das Volk bahnte sich seine Bahnen, und in den Spätnachrichten des 9. November 1989 kam dann das Unfassbare:
Die Mauer ist auf!!!
Diese Stunden und Tage werde ich nie vergessen. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Das Volk hat sich seiner Diktatur entledigt. Ein Volk lässt sich nicht einsperren und gängeln.
Am Samstag, 11. November, fuhr ich mit Mutter und Bruder nach Lübeck. Bereits unterwegs kamen uns Trabbis und Wartburgs entgegen, und Lübeck war übervoll von Bürgern aus der DDR. Es herrschte Volksfeststimmung, wie ich sie noch nie erlebt habe.
Diese Monate und Tage des Jahres 1989 haben die Welt verändert! Die schlimmste Grenze Europas wurde weggefegt.
Ein neues Zeitalter brach an.
Ich werde dies nie vergessen. Es ist das schönste politische Ereignis in meinem Leben.
LG
Kai
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