Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich jemals in einem Imkerforum darüber schreiben werde... aber ich glaube, es ist nun an der Zeit. Es war bislang nicht einfach für mich, darüber in der Öffentlichkeit des weiten WWW darüber zu schreiben. Aber da ich nun aus körperlichen Gründen wohl eine berufliche Änderung suchen muss, machte sich nun eine gewisse Gelassenheit in mir breit. Ich denke, es wäre auch im Sinne der Gespräche hier im Forum besser, wenn ich mehr von mir Preis gebe. Es wäre auch einfacher für mich, im Formulieren usw. (Ursprünglich wollte ich nur von meinen Privatbienen schreiben und nicht auch noch mit anderen Themen durcheinander mischen und wurschteln!)
Ganz oben hab ich ja ein paar wenige Eckdaten schon von mir Preis gegeben. Ich fange einfach nochmal neu an. Dieses Forum hier liegt mir wirklich am Herzen! Hier wird freundlich miteinander umgegangen, es wird sachlich diskutiert und es gibt immer wieder was zum quatschen bzw. tun sich immer neue interessante Themen oder Personen dazu, in den Kreis dieser Imkerschaft!
Ich wäre froh, wenn alle mich mit „Michi“ oder „Michael“ anschreiben würden.
Seit meinem ersten Beitrag bin ich mittlerweile 26 Jahre jung geworden ;), bin immer noch in Wien sesshaft und verbringe meine Freizeit gerne im westlichen Niederösterreich, wo auch meine Bienen leben.
Meine Familie kommt ursprünglich aus Oberösterreich (nach der Hauptschule machte ich als erstes die Ausbildung zum Landschaftsgärtner, verdammt harter Job wo mein Kreuz sehr beschädigt wurde, besonders durch das schwere Heben), da sich aber in meinem Leben einiges änderte, war ich bereit mit meiner Lebensgefährtin nach Wien zu ziehen (sie ist gebührtige Niederösterreicherin). Dort fand ich leider keinen geeigneten Gärtnerjob, also suchte ich was Neues. Da ich immer schon ein Naturmensch bin und besonders die Hautflügler liebe, war es mit etwas Zufall nur noch eine Frage der Zeit bis ich zum Berufsimker fand.
So wie es die alten Göttern wollten, fand ich meinen Weg!
Im Jahr 2009 begann ich die Lehre zum Berufsimker (da ich ja schon einen Beruf vorher erlernte, musste ich nur noch zwei Jahre machen), zwei Jahre später absolvierte ich die Facharbeiterprüfung. Die Firma befand sich hier gerade in der Aufbauphase. Ich war also in der Entwicklung sehr integriert und konnte durch die viele Bienenarbeit ordentlich Praxiserfahrung machen, wie man sich vorstellen kann!
Dann, als wir wieder mehr Leute dazu bekamen dauerte es nicht mehr lange und ich bekam mein eigenes Revier zugeteilt mit eigener Partie (war meistens eine weitere Fachkraft oder Lehrling/Gehilfe). Mein Revier umfasst momentan rund 2000 Völker auf mehr als 150 Ständen die sich über weite Teile Wien/Niederösterreichs ausstreckt. Dieses Jahr kam sogar noch ein berühmtes Gebirge namens Rax dazu, hier imkerte ich auf rund 2000 Höhenmeter (hier gibt es klarer Weise keine Pestizide, die Bienen entwickeln sich hier komplett anders, nämlich mit wesentlich mehr Kraft und Ausdauer). Insgesamt umfasst die Firma 5 Partien, also 5 Reviere die betreut werden müssen. Dieses Jahr (schlechtes Honigjahr, Raps und Akazie verregnete uns!) ernteten wir 97 Tonnen Honig (davon leider nur 2 Tonnen Waldhonig aus dem Raxgebirge), wovon zirka 20 Tonnen aus meinem Revier stammen.
Bei uns hat sich ein Spruch eingebürgert, der wahrhaftig die schwere Arbeit der Imkerei unterstreicht:
„Das Imkern ist kein Honig schlecken!“
Jetzt könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass mein Kreuz mittlerweile noch mehr geschädigt wurde als mir lieb wäre. In der Hochsaison wo Honig geerntet wird, bleibt niemand verschont, trotz Honigknechte!
Mein Chef weiß es noch nicht, aber ich darf so nicht mehr weiter machen, sonst bekomme ich noch demnächst einen Bandscheibenvorfall. Ich hatte in meinem Leben schon mehrere „Hexenschüsse“, dies sollte wohl eine Warnung für mich sein. Ich will im neuen Jahr einen Beruf ausüben, der weniger das Kreuz belastet und ich mein Handwerkliches Geschick ausüben kann (dachte da an Keramiker o.ä.).
Nun zu meinen lieben Privatbienen:
Anfangs, als ich zwei Völker (auf Zander) vom Chef geschenkt bekam, machte ich nicht viele Ableger daraus. Ich genoss einfach „meine Bienen“ und „meinen Honig“. Es war einfach was anderes, als in der Arbeit, egal mit wie viel Elan und Leidenschaft ich trotzdem mein Revier betreute. Mittlerweile sind es aber mehr Völker geworden. Vor rund zwei Jahren stellte ich auf Warre um (Modifiziert mit beweglichen Halbrähmchen) und bin so ganz glücklich eigentlich. Ich muss zwar noch in die Warre mehr Lehrgeld reinstecken, aber ich denke momentan hab ich den Dreh herrausen.
Jo, die gute alte Dunkle Biene. Sie ist mir schon ans Herz gewachsen, vor allem, da sie in meiner ursprünglichen Heimat lebte, tut es schon im Herzen weh das es nun nicht mehr so ist. Mein Leben befindet sich aber (leider) eben momentan im Carnicaland, also hab ich auch damals dementsprechend Reinzuchtköniginnen gekauft. Grundsätzlich bezog ich die Genetik von wirklich guten Linien, sind brave Bienen die gerne bauen und auch brav Honig eintragen. Wie es aber eben so ist, gibt es keine „die beste Biene“. Mittlerweile gehe ich aber den Weg der „Wald- und Wiesebiene“. Also Standbegattung, und zukünftig mit Selektion auf Varroatoleranz. Wer weiß, was sich noch so zur Wald- und Wiesebiene dazumischen wird!? :-p
So, das war glaub ich genug von meiner Seite! Ich will euch nicht mit meiner Erzählung komplett zumüllen.
So toll ist meine Lebengeschichte in Kurzform wohl dann auch wieder nicht ;).
Nach wie vor hoffe ich, dass ich hier noch willkommen bin. Ihr seid echt tolle Zeitgenossen, muss ich schon sagen. Ich fühle mich hier wohl, daher offenbarte ich mich auch! Ich hoffe, das war soweit okay für euch! So kann ich auch besser in Fragen oder Themen eingehen, ohne euch damit vielleicht zu verwirren.
Also dann, hoffe ich auf ein Weiteres!
Lieben Gruß,
euer Michi