Zur Einstimmung auf dieses Thema stelle ich 2 Zitate aus dem Thema "Drohenaufzucht" voran.
https://imkerforum.nordbiene.de/viewtopic.php?f=10&t=2288
Zitat von Johannes...Außerdem mal etwas generelles zu deinem Vorschlag das Schwärmen herbeiführen zu wollen:
Wenn man in der betreffenden Zeit ununterbrochen vor den Völkern Wache halten kann, ist das eine sicher sehr gute Idee.
Aber mal im Ernst: Wie viele Schwärme fängt man denn nicht???
Wenn die dann kein anderer Imker fängt, gehen sie mit großer Wahrscheinlichkeit ein. Das halte ich für hochgradig kontraproduktiv!
Und wenn sie ein anderer Imker fängt: Wird er dann nicht vielleicht aus Rassenideologie das Volk recht bald umweiseln?!
Die Bilanz einer solchen Vorhabens kann mMn nur eine negative sein!LG Johannes
Zitat von imkerforum-nordbieneHallo,
dem letzten Beitrag kann ich nur voll zustimmen. Natürlich ist das Schwärmen ein auch für uns Imker wunderbares Ereignis, nur leider in der modernen Bienenhaltung kontraproduktiv. Es bringt jeden Zeitplan für die Honigtracht und auch die Königinnenzucht komplett durcheinander; außerdem fällt die Schwärmerei in die Haupttrachtzeit für die meisten von uns, nämlich in die Frühtracht. Kein Honigimker kann Schwärme gebrauchen.
Und: auch ich glaube, dass die Mehrzahl aller Schwärme bei den meisten Imkern unbemerkt verschwinden und für immer verloren sind. Ein Schwarmakt dauert 10-15 Minuten. Und wer von uns kann schon täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr ohne Unterbrechung bei den Bienen sein? Und das mehrere Wochen lang?
LG
Kai
Hallo zusammen,
an dieser Stelle möchte ich euch mal meine schwarmarme Betriebsweise beschreiben. Diese ist wirklich kinderleicht, wenn man ein strenges Zeitregiment einhält!
Ich arbeite seit mehren Jahren relativ schwarmfrei, wenn man von wenigen Überraschungen (die die Imkerei natürlich immer bereit hält) mal absieht. ![]()
Dazu kontrolliere ich die Völker ab Mitte April wöchentlich durch Kippen der 2 Zanderbruträume und einen Blick in den hohen Boden. Wenn die Zeit es erlaubt, sehe ich meine Völker mit Zuchtköniginnen auch komplett durch. Ansonsten arbeite ich aber nach der Divise: Wenn im Zargenzwischenraum keine Schwarmzellen sind, sind woanders häufig auch keine. Wenn dort allerdings nur eine einzige zu finden ist, muss komplett durchgesehen werden!
Wenn ich ein Volk mit Schwarmzellen finde, wird die Königin gesucht und zur Sicherheit erst mal bei Seite getan. Dann breche ich alle Schwarmzellen. (Wobei dies wohl nicht unbedingt nötig wäre
) Auf den bisherigen Boden stelle ich die Honigräume (bei guter Tracht noch eine MW-Zarge dazu). An eine logistisch gut erreichbare Position hänge ich eine Eiwabe zur Nachschaffung. Dann kommt eine bienendichte Abdeckung und dann der Zwischenboden mit Flugloch. Darauf stelle ich die Brutzargen (auf Futterreserven achten
) mit der Königin.
Die Flugbienen fliegen alle wieder nach unten zum alten Flugloch und oben bleiben nur die Stockbienen mit der Königin.
Damit ist die Teilung in Flugling und Brutling abgeschlossen.
Jetzt kommen wir zu einer zeitlichen Frage: Eigentlich könnte man jetzt bis zu 9 Tagen warten und dann erst die Nachschaffungszellen im Flugling brechen. Bei mir muss das aus zeitlichen Gründen aber schon nach 7 Tagen erfolgen. Das ändert letztlich nichts an der Effektivität.
Die Teilung muss mindestens 2 Wochen oder eben 18 Tage aufrecht gehalten werden! Also nach der ersten Woche einfach die Nachschaffungswabe gegen eine neue tauschen und wieder warten.
Eine längere Teilung macht keinen Sinn, da dann die Bienen unten überaltern und oben zu viele Flugbienen nachrücken.
So wird also nach 2-maligem Brechen der Nachschaffungszellen das Volk wieder in der richtigen Anordnung zusammen gestellt.
Meist habe ich damit dieses Volk für den Rest des Jahres von seinem Schwarmvorhaben abgebracht. Wöchentliche Kontrollen werden trotzdem durchgeführt!
Auf diese Weise lässt sich das Schwärmen relativ sicher auch bei einer größeren Völkerzahl verhindern, oder zumindest beschränken. Nach wenigen Jahren beherrscht man das ausgezeichnet!
Auch wenn das Schwärmen für das Volk sicher gesünder wäre, so muss man einsehen, dass unkontrolliertes Schwärmen in der heutigen Imkerei nicht mehr praktikabel ist!
Über eine Modifikation dieser Betreibsweise muss sich jeder selber Gedanken machen, da ich nur Vermutungen anstellen kann, wie es etwa mit Dadant umsetzbar ist.
Im Wesentlichen müsste es aber auch bei einem Brutraum vergleichbar gehen, nur dass dann die Kippkontrolle nicht möglich ist und sicher wöchentlich Waben gezogen werden müssen.
Und jetzt noch ein paar schöne Fotos. ![]()
Bienentraube im hohen Boden.
Nach Rauchgabe werden im hohen Boden Schwarmzellen sichtbar.
Geteiltes Volk. Der rote Pfeil markiert den Zwischenboden mit Flugloch.
LG Johannes