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Schwarmarme Betriebsweise

  • Johannes
  • 24. November 2014 um 18:24
  • Johannes
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    • 24. November 2014 um 18:24
    • #1

    Zur Einstimmung auf dieses Thema stelle ich 2 Zitate aus dem Thema "Drohenaufzucht" voran.
    https://imkerforum.nordbiene.de/viewtopic.php?f=10&t=2288

    Zitat von Johannes

    ...Außerdem mal etwas generelles zu deinem Vorschlag das Schwärmen herbeiführen zu wollen:
    Wenn man in der betreffenden Zeit ununterbrochen vor den Völkern Wache halten kann, ist das eine sicher sehr gute Idee. :wink:
    Aber mal im Ernst: Wie viele Schwärme fängt man denn nicht???
    Wenn die dann kein anderer Imker fängt, gehen sie mit großer Wahrscheinlichkeit ein. Das halte ich für hochgradig kontraproduktiv!
    Und wenn sie ein anderer Imker fängt: Wird er dann nicht vielleicht aus Rassenideologie das Volk recht bald umweiseln?!
    Die Bilanz einer solchen Vorhabens kann mMn nur eine negative sein!

    LG Johannes

    Zitat von imkerforum-nordbiene

    Hallo,

    dem letzten Beitrag kann ich nur voll zustimmen. Natürlich ist das Schwärmen ein auch für uns Imker wunderbares Ereignis, nur leider in der modernen Bienenhaltung kontraproduktiv. Es bringt jeden Zeitplan für die Honigtracht und auch die Königinnenzucht komplett durcheinander; außerdem fällt die Schwärmerei in die Haupttrachtzeit für die meisten von uns, nämlich in die Frühtracht. Kein Honigimker kann Schwärme gebrauchen.

    Und: auch ich glaube, dass die Mehrzahl aller Schwärme bei den meisten Imkern unbemerkt verschwinden und für immer verloren sind. Ein Schwarmakt dauert 10-15 Minuten. Und wer von uns kann schon täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr ohne Unterbrechung bei den Bienen sein? Und das mehrere Wochen lang?

    LG
    Kai


    Hallo zusammen,

    an dieser Stelle möchte ich euch mal meine schwarmarme Betriebsweise beschreiben. Diese ist wirklich kinderleicht, wenn man ein strenges Zeitregiment einhält!
    Ich arbeite seit mehren Jahren relativ schwarmfrei, wenn man von wenigen Überraschungen (die die Imkerei natürlich immer bereit hält) mal absieht. :)

    Dazu kontrolliere ich die Völker ab Mitte April wöchentlich durch Kippen der 2 Zanderbruträume und einen Blick in den hohen Boden. Wenn die Zeit es erlaubt, sehe ich meine Völker mit Zuchtköniginnen auch komplett durch. Ansonsten arbeite ich aber nach der Divise: Wenn im Zargenzwischenraum keine Schwarmzellen sind, sind woanders häufig auch keine. Wenn dort allerdings nur eine einzige zu finden ist, muss komplett durchgesehen werden!

    Wenn ich ein Volk mit Schwarmzellen finde, wird die Königin gesucht und zur Sicherheit erst mal bei Seite getan. Dann breche ich alle Schwarmzellen. (Wobei dies wohl nicht unbedingt nötig wäre :? ) Auf den bisherigen Boden stelle ich die Honigräume (bei guter Tracht noch eine MW-Zarge dazu). An eine logistisch gut erreichbare Position hänge ich eine Eiwabe zur Nachschaffung. Dann kommt eine bienendichte Abdeckung und dann der Zwischenboden mit Flugloch. Darauf stelle ich die Brutzargen (auf Futterreserven achten :!: ) mit der Königin.

    Die Flugbienen fliegen alle wieder nach unten zum alten Flugloch und oben bleiben nur die Stockbienen mit der Königin.
    Damit ist die Teilung in Flugling und Brutling abgeschlossen.
    Jetzt kommen wir zu einer zeitlichen Frage: Eigentlich könnte man jetzt bis zu 9 Tagen warten und dann erst die Nachschaffungszellen im Flugling brechen. Bei mir muss das aus zeitlichen Gründen aber schon nach 7 Tagen erfolgen. Das ändert letztlich nichts an der Effektivität.
    Die Teilung muss mindestens 2 Wochen oder eben 18 Tage aufrecht gehalten werden! Also nach der ersten Woche einfach die Nachschaffungswabe gegen eine neue tauschen und wieder warten.
    Eine längere Teilung macht keinen Sinn, da dann die Bienen unten überaltern und oben zu viele Flugbienen nachrücken.
    So wird also nach 2-maligem Brechen der Nachschaffungszellen das Volk wieder in der richtigen Anordnung zusammen gestellt.

    Meist habe ich damit dieses Volk für den Rest des Jahres von seinem Schwarmvorhaben abgebracht. Wöchentliche Kontrollen werden trotzdem durchgeführt!


    Auf diese Weise lässt sich das Schwärmen relativ sicher auch bei einer größeren Völkerzahl verhindern, oder zumindest beschränken. Nach wenigen Jahren beherrscht man das ausgezeichnet!

    Auch wenn das Schwärmen für das Volk sicher gesünder wäre, so muss man einsehen, dass unkontrolliertes Schwärmen in der heutigen Imkerei nicht mehr praktikabel ist!


    Über eine Modifikation dieser Betreibsweise muss sich jeder selber Gedanken machen, da ich nur Vermutungen anstellen kann, wie es etwa mit Dadant umsetzbar ist. :| Im Wesentlichen müsste es aber auch bei einem Brutraum vergleichbar gehen, nur dass dann die Kippkontrolle nicht möglich ist und sicher wöchentlich Waben gezogen werden müssen.

    Und jetzt noch ein paar schöne Fotos. :D


    Bienentraube im hohen Boden.


    Nach Rauchgabe werden im hohen Boden Schwarmzellen sichtbar.


    Geteiltes Volk. Der rote Pfeil markiert den Zwischenboden mit Flugloch.


    LG Johannes

    Bilder

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    2. Vorsitzender im Bundesverband Dunkle Biene Deutschland e.V.
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  • Wiesenbert
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    • 24. November 2014 um 23:44
    • #2

    Für mich stellt die Betriebsweise der Imkerei mit dem Schwarmtrieb, gezielt durch das Instrument der Schwarmvorwegnahme während des voll im Prozess befindlichen Schwarmtriebs des Biens, eine echte Alternative dar. Dadurch ist man als Imker nicht gezwungen, den Schwarm durch Verflug zu verlieren. Und dem Bien wird die größtmögliche Freiheit zum Ausleben seines natürlichen Vermehrungstriebes gelassen, um noch vereinbar mit einer rationalen erwerbsmäßigen/Hobby-Imkerei zu bleiben.
    Aber es muß einem liegen und "Ausprobieren geht über Studieren", erlernen kann man es z.B. bei Mellifera e.V.
    http://www.mellifera.de/mellifera/mell…llifera.bmn.21/
    Honig lässt sich hierüber ernten.

    Praktische Erfahrungen liegen bei mir nicht in der Honiggewinnung, sondern bisher nur in der Volksvermehrung vor.
    Natürlich gibt es auch hier " Vor- und Nachteile ".

    Gruß Wiesenbert

  • Johannes
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    • 25. November 2014 um 07:45
    • #3

    Hallo Wiesenbert,

    danke für diese 2. Möglichkeit. Ich habe in deinen Beitrag noch einen Link zu Mellifera e.V. eingestellt.


    Der Hauptunterschied zwischen der Teilung in Brutling und Flugling und deiner erläuterten Schwarmvorwegnahme ist, dass bei letzterer sich die Völkerzahl trotzdem verdoppelt. Das ist für eine Imkerei im Aufbau natürlich herrlich. Ich habe mein Maximum an Wirtschaftsvölkern aber erreicht. Für mich bleibt dann nur die vorrübergehende Teilung. Da verdoppelt sich nichts. :)

    Jeder kann ja wählen, welche Methode für seine jeweiligen Ansprüche und Kapazitäten am besten geeignet ist.

    LG Johannes

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  • Michaela
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    • 8. Mai 2015 um 10:08
    • #4

    Hallo Johannes,

    ich werde dies jahr deine Teilung in Flugling und Brutling an einem Standort mit Zwischenboden an einem Volk von meinen oder zwei von meinen vier ausprobieren (um nicht am Ende des Jahres doppelt so viele Völker zu haben.) . Eine Frage, bei der Teilung ist mir klar , die Flugbienen gehen zum "alten, bisherigen" Eingang zurück. Aber was ist nach der WIedervereinigung mit den mittlerweile neuen Flugbienen von oben? Finden die dann den neuen Eingang unten? Was kannst du hierzu sagen und hast beobachtet?

    Frühlingsgrüße Michaela

  • Kai
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    • 8. Mai 2015 um 10:20
    • #5
    Zitat von Michaela

    ....Eine Frage, bei der Teilung ist mir klar , die Flugbienen gehen zum "alten, bisherigen" Eingang zurück. Aber was ist nach der WIedervereinigung mit den mittlerweile neuen Flugbienen von oben? Finden die dann den neuen Eingang unten? Was kannst du hierzu sagen und hast beobachtet?

    Frühlingsgrüße Michaela


    Hallo Michaela,

    ich bin zwar nicht Johannes, versuchs aber trotzdem. :D

    Ja, Bienen von oben finden den dann unten liegenden Eingang völlig unproblematisch. Wenn am neuen, unteren Flugloch Bienen sterzeln, kommen alle anderen dann hinzu. Man kann hier etwas nachhelfen, um das Sterzeln zu initialisieren. :wink:

    LG
    Kai

  • Johannes
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    • 8. Mai 2015 um 16:54
    • #6

    Kai hat es genau richtig beschrieben! :D

    Es kann durchaus vorkommen, dass paar Flugbienen mal eine Nacht oben an der Zargenwand verbringen. Irgendwann schnallt es aber auch die letzte Biene. :wink:

    LG Johannes

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  • Michaela
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    • 9. Mai 2015 um 23:09
    • #7

    Hallo Kai, hallo Johannes,

    danke für eure Antworten. Kai, vielleicht blöde Anfängerfrage, wie kann ich etwas nachhelfen, um das Sterzeln zu initialisieren? Sterzeln kenn ich klar von beobachten am Flugloch, aber wie initialisiere ich das?

    na dann bin ich mal gespannt auf meine Erfahrungen und werde bald bei dem stärksten Volk loslegen, nicht das es mir so wie Johannes dies mit dem Scharm passiert (und wie es mir letzes Jahr) passiert ist

    gruß Michaela

  • Kai
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    • 10. Mai 2015 um 11:56
    • #8
    Zitat von Michaela

    Hallo Kai, hallo Johannes,

    danke für eure Antworten. Kai, vielleicht blöde Anfängerfrage, wie kann ich etwas nachhelfen, um das Sterzeln zu initialisieren? Sterzeln kenn ich klar von beobachten am Flugloch, aber wie initialisiere ich das?
    ...

    gruß Michaela


    Hallo Michaela,

    kurze Antwort: indem Du Bienen von einer Wabe auf ein großes Stück Karton o. ä. vor das Flugloch abstößt, damit diese einlaufen und ... sterzeln. Der Rest geht von allein. :wink:

    LG
    Kai

    PS: Übrigens gibt es keine blöden Fragen. Und für die Anworten sind wir ja da. :P

  • Michaela
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    • 10. Mai 2015 um 20:49
    • #9

    hallo Kai

    danke dir. ja hast ja recht, es gibt keine dummen Fragen, sehe ich eigendlich auch so. Danke für die Ermunterung mich zu trauen. Und besser Fragen stellen und lernen, als nur über Fehler lernen

    Heute nur Wolken, morgens noch Regen, starkerWind , max 13 Grad, kein/ kaum Flugbetrieb hier im Nordosten,

    Gruß Michaela

  • Johannes
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    • 11. Mai 2015 um 18:58
    • #10

    Hallo Michaela,

    am Wochenende hatte ich ziemlich viel zu tun bei den Bienen. (Bin ja den Rest der Woche nicht zu Hause)
    Daher war ich hier nur kurz angebunden. Aber Kai hat ja deine Frage gut beantwortet! :P

    Auch ich habe am WE das erste Volk für dieses Jahr auf diese Weise geteilt.
    Eine vielleicht noch wichtige Info wäre, dass der Flugling jetzt bei guter Tracht genug Platz haben sollte. Da sie quasi keine Brut (bis auf die eine Wabe) pflegen müssen, landet ja aller Nektar in den Waben. Da kann man rasch mal doppelt so viel ernten, wie im weiselrichtigen Volk. :mrgreen:
    Man muss nur etwas auf den Wassergehalt achten! Irgendwie hab ich das Gefühl, dass diese Fluglinge das mit dem "Eindicken" nicht so genau nehmen. ...Ist aber nur so ne Beobachtung von mir.

    Viel Erfolg und LG
    Johannes

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  • Michaela
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    • 16. Mai 2015 um 13:40
    • #11

    Hallo Johannes , hallo zusammen,

    seit Mittwoch habe ich nun einen Brutling und einen Flugling, bisher sieht bei Beobachtung der Fluglöcher alles gut aus.
    Danke für den Hinweis mit dem Platz beim Flugling und dem Wassergehalt. Mal sehen wie die erste Kontrolle dann aussieht.

    Nun habe ich zu der Unterscheidung Nachschaffungszelle und Scharmzelle. Ist das so eindeutig wie in machen Büchern beschrieben, dass Nachschaffungzellen eher auf der Brutfläche sitzen aus einer Arbeiterzelle kommen und Schwarmzellen unten an der Waabe angebaut werden?
    Ich habe ein Volk, wo ich bei der Durchsicht die Königin in eine missliche Lage bebracht habe (in eine Ecke zwischen zwei Rähmchen) und unsicher bin, ob die verletzt wurde. Konnte ich nicht eindeutig klären, da sofort Arbeiterinnen sie unlagerten und als ich sie dann suchen wollte nicht mehr gefunden habe (nicht gekennzeichnet) Nun nach 5 Tage wieder reingeschaut und noch gerade offene Weiselzellen gesehen, eher mitten in dem Rähmchen, nur wenige an Rand seitlich. Habe nun die kleinern davon gebrochen, aber zwei gelassen. Mein Plan ist nun sobald die verdecket sind, die kleiner davon zu brechen und eine zu lassen. Königin habe ich weiter nicht gefunden, Junge Brut ja aber nicht jüngste Brut (wobei ich da mit meinen Augen und ohne Luppe oder Lesebrille die nur mit Mühe sehe). Insofern pockere ich mal auf Nachschaffung. Mir ist klar, das ihr nur mit Ferndiagnose nur Hinweise geben könnt. Aber mich würde interessieren, ob ihr mit eurer Erfahung sagen könnt, ob Nachschaffungszelle und Scharmzelle deutlich zu unterscheiden ist.
    danke und allen gutes Gelingen,
    Michaela

  • Johannes
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    • 16. Mai 2015 um 14:49
    • #12

    Hallo Michaela,

    die Unterscheidung ist eigentlich einfach und eindeutig.
    Es ist genau so, wie du es geschrieben hast. Schwarmzellen hängen ziemlich frei am Rand, in den Ecken, am Unterträger usw.
    Nachschaffungszellen sind wild auf den Brutflächen verteilt und der Zellboden reicht auf die Mittelwand der Waben. :!:

    Ich denke, du hast die Lage richtig eingeschätzt. Die Königin wirst du wohl (tödlich?) verletzt haben. Die Reaktion sind Nachschaffungszellen. Dass du die schönste davon lassen willst, ist richtig. Du kannst aber zur Sicherheit einfach beide stehen lassen. Schwärmen werden die sicher nicht. Nur erschüttere die Zellen jetzt nicht! Verdeckelte Weiselzellen sind bis 24 Stunden vor dem Schlupf recht empfindlich.

    LG Johannes


    PS: Hier mal paar Bilder aus dem www.
    Nachschaffungszellen: http://blog.imkereiobstwiese.de/wp-content/upl…fungszellen.jpg & http://carnicabienenzucht.de/wp-content/upl…zellen_skal.jpg

    Schwarmzellen: http://blog.imkereiobstwiese.de/wp-content/upl…hwarmzellen.jpg & http://www.imker-frg.de/uploads/pics/Bild2_09.jpg

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  • Michaela
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    • 16. Mai 2015 um 21:14
    • #13

    Hallo Johannes, danke für deine schnelle Antwort und den Hinweis mit dem erschüttern, das wußte ich nicht. Also absichtlich würde ich die auch nie erschüttern, aber es ist gut zu wissen hier besonders sanft zu sein

    Viele Grüße Michaela

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