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Für die Einfütterung von Honigbienen stehen verschiedene gebrauchsfertige Flüssigfutter-Sirupe zur Verfügung. Sie unterscheiden sich maßgeblich in ihren Ausgangsstoffen (Saccharose vs. Getreidestärke), ihren Zuckerzusammensetzungen (Fructose-, Glucose- und Saccharose-Anteile) sowie ihren physikalischen Eigenschaften wie der Kristallsicherheit.
Die gängigen Bienenfutter-Sirupe im Vergleich
| Bienenfuttersirup | Ausgangsstoff / Basis | Exakte Zuckerzusammensetzung | Besonderheiten & Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| ApiInvert (Südzucker) | Rübenzucker (Saccharose) | 39% Fructose, 31% Glucose, 30% Saccharose (Trockensubstanz ~72,7%) | Der Klassiker auf Rübenzuckerbasis. Hoher Fructoseanteil verhindert das Auskristallisieren in den Waben vollständig. Sehr hohe Raub- und Mikrobiologie-Sicherheit. |
| Ambrosia Bienenfuttersirup (Nordzucker / Belgosuc) | Rübenzucker (Saccharose) | 37% Fructose, 33% Glucose, 30% Saccharose (Trockensubstanz ~72,7%) | Sehr ähnlich zu ApiInvert. Wird durch enzymatische/chemische Spaltung von Rübenzucker hergestellt und ist direkt gebrauchsfertig ohne weiteres Anrühren. |
| Fructobee 75 / 221 | Weizenstärke / Maisstärke | ca. 40% Fructose, ca. 30% Glucose, ca. 30% Maltose/Maltotriose | Stärkebasierter Sirup mit sehr hohem Fructoseanteil. Hohe Kristallsicherheit, oft preislich attraktiver als reine Rübenzuckersirupe. |
| Apinvert Wheat / Weizensirupe (z. B. Cargill / Brenntag) | Weizenstärke | ca. 25–35% Fructose, ca. 30–40% Glucose, ca. 20–30% Maltose & Höhere Zucker | Auf enzymatisch aufgeschlossener Weizenstärke basierend. Enthält konstruktionsbedingt einen höheren Anteil an Maltose und Oligosacchariden. |
| Maisstärkesirupe (HFCS / Isoglucose) | Maisstärke | Variable Zusammensetzung (oft 42% oder 55% Fructose, Rest Glucose) | In Nordamerika Standard (HFCS-55), in Europa weniger verbreitet. Sehr preiswert, muss aber enzymatisch exakt aufbereitet sein. |
| Invertzuckersirupe auf Rohrzuckerbasis | Rohrzucker (Saccharose) | Identisch zu Rübenzucker: Fructose, Glucose, Saccharose (Anteile je nach Invertierungsgrad) | Chemisch absolut identisch zu Rübenzuckersirupen (beides Saccharose), unterscheidet sich nur in der Herkunft der Pflanze (Zuckerrohr statt Zuckerrübe). |
Was sind die wesentlichen Unterschiede?
1. Ausgangsstoffe
- Saccharose-Basis (Rüben- oder Rohrzucker): Besteht von Natur aus nur aus den beiden Einfachzuckern Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker). Durch partielle Invertierung (Spaltung) entsteht eine Mischung aus Fructose, Glucose und Rest-Saccharose.
- Stärke-Basis (Weizen oder Mais): Stärke ist eine lange Polymerkette aus Glucose-Bausteinen. Sie muss durch Enzyme zuerst in Maltose und Glucose aufgespalten und anschließend teilweise in Fructose umgewandelt (isomerisiert) werden. Daher enthalten Stärkesirupe immer auch Anteile an Maltose (Malzzucker) sowie längerkettige Oligosaccharide.
2. Zuckerzusammensetzung & Kristallsicherheit
- Fructose ist extrem wasserlöslich und kristallisiert praktisch nicht aus. Je höher der Fructoseanteil (ideal >35–40%), desto flüssiger bleibt das Futter in den Waben auch bei tiefen Wintertemperaturen.
- Glucose neigt bei kühlen Temperaturen schnell zum Auskristallisieren. Ist der Glucoseanteil im Verhältnis zur Fructose zu hoch, kann der Futterteig in den Waben fest werden, sodass die Bienen ihn im Winter nicht mehr aufnehmen können.
3. Magen-Darm-Belastung im Winter (Asche- / Mineralstoffgehalt)
- Sehr gering bei Rüben-/Rohrzuckersirupen: Bienen können Saccharose, Fructose und Glucose nahezu rückstandsfrei verstoffwechseln.
- Leicht erhöht bei Stärkesirupen: Höhere Zuckerarten (Maltotriose, Dextrine) können von Bienen im Winterdarm schwerer aufgeschlossen werden. Bei hochwertigen Weizen- oder Maissirupen ist der Gehalt an Unverdautem jedoch so gering eingestellt, dass sie problemlos als Überwinterungsfutter genutzt werden können.
4. HMF-Gehalt (Hydroxymethylfurfural)
- HMF entsteht bei der thermischen oder säurebetonten Spaltung von Zuckern und ist für Bienen in höheren Konzentrationen toxisch (Richtwert: max. 20–40 mg/kg). Industriell hergestellte Markenfuttersirupe halten diesen Wert streng unter der Schadgrenze.
Die Gesamtzuckerkonzentration der fertigen Flüssigfutter-Sirupe wird in der Imkerei üblicherweise über die Trockensubstanz (TS) definiert. Der Rest ist reines Wasser.
Der Trockensubstanzgehalt liegt bei den gängigen Markenprodukten fast durchweg bei 72 % bis 77 % (entspricht ca. 72–77 °Brix). Diese hohe Konzentration sorgt für die nötige Haltbarkeit gegen Hefe- und Schimmelpilze und spart den Bienen Eindeckungsarbeit.
Gesamtzuckergehalt und Wasseranteil im Überblick
| Bienenfuttersirup / Produktgruppe | Trockensubstanz (Gesamtzuckergehalt) | Wassergehalt | Typische Dichte bei 20 °C |
|---|---|---|---|
| ApiInvert (Südzucker) | ca. 72,7 % | ca. 27,3 % | ca. 1,37 g/cm³ |
| Ambrosia Bienenfuttersirup | ca. 72,7 % | ca. 27,3 % | ca. 1,37 g/cm³ |
| Fructobee 75 / 221 | ca. 75,0 % | ca. 25,0 % | ca. 1,38 g/cm³ |
| Weizensirupe (z. B. Cargill, Brenntag) | ca. 75,0 – 77,0 % | ca. 23,0 – 25,0 % | ca. 1,38 – 1,39 g/cm³ |
| Maisstärkesirupe (Isoglucose / HFCS) | ca. 71,0 – 77,0 % | ca. 23,0 – 29,0 % | ca. 1,35 – 1,39 g/cm³ |
| Eigene Zuckerlösung (1:1 Gewicht) | 50,0 % | 50,0 % | ca. 1,23 g/cm³ |
| Eigene Zuckerlösung (3:2 Gewicht) | 60,0 % | 40,0 % | ca. 1,29 g/cm³ |
Warum liegt der Zuckergehalt exakt in diesem Bereich?
- Grenzbereich gegen Gärung (≥ 72 %): Ab etwa 70 % Trockensubstanz ist der osmotische Druck in der Lösung so hoch, dass Hefepilze und Bakterien nicht mehr wachsen können. Der Sirup ist dadurch auch in angebrochenen Gebinden lange haltbar.
- Grenzbereich gegen Auskristallisieren (≤ 77 %): Steigt der Zuckergehalt deutlich über 77 %, stoßen die gelösten Zucker (besonders die Glucose) bei kühleren Temperaturen an ihre Löslichkeitsgrenze und fangen an, im Kanister oder Fütterer auszukristallisieren.
- Ersparnis für die Bienen: Fertigsirupe mit ~73–75 % Zucker entsprechen bereits fast der Konzentration von verdeckeltem Honig (ca. 80–82 % Trockensubstanz). Die Bienen müssen kaum noch Wasser durch Fächeln entziehen und sparen dadurch wertvolle Energie beim Eindeckeln.